Gruß und Anrede

Hallo allerseits,

die Lektüre eines Beitrages von Fritz in diesem Board hat mich an ein „Problem“ erinnert, das vielleicht nur ich habe. Fritz schreibt dort:

Guten Abend, Verena!

die Lektüre eines Beitrages von Fritz in diesem Board hat mich
an ein „Problem“ erinnert, das vielleicht nur ich habe. Fritz
schreibt dort:

Guten Abend, Verena!

Hi,

worin besteht denn für Dich der Unterschied zwischen Hallo/Hi und Guten Abend? Das eine ist lediglich die legere Form eines alten britischen Segenswunsches (Hallowed Art Thou), das andere eine andere Art des Wunsches. Wenn Du so willst, ist dadurch die Anrede bloß noch „Verena“. Fritz drückt sich also nicht nur gewählt aus, er redet Verena auch persönlich an. Und weil beide Teile - Wunsch und Name - in einem Zuge vorkommen, ist das durchaus eine Anrede.

Grüßle,

Susanne

Eine Anrede ist „Sehr geehrte/r…“ oder
„Hallo…“, meinetwegen auch neuestdeutsch „Hi…“.

…wobei ‚hallo‘ und ‚hi‘ strenggenommen schon wieder zu den Grußformeln zählen.

Messalina

Hallo Susanne,

vielen Dank, das ist überzeugend und verdeutlicht mir wiederum mein Problem. Das liegt wohl nicht zwischen „Gruß und Anrede“, denn die können identisch sein. Es geht mehr um die schriftliche und die mündliche Form. Wenn ich jemanden schriftlich mit „Sehr geehrter…“ tituliere, würde ich ihm ja auf der Straße auch mit „Guten Morgen/Abend…“ begrüßen bzw. anreden. Mein Unbehagen richtet sich also gegen die Verwendung der (stärker situationsbezogenen) mündlichen Formel in der Schriftsprache. Ist aber wohl tatsächlich so, wie User „atn“ geschrieben hat, nämlich:

Dass das bei manchen Stadtverwaltungen anders ist, mag daran liegen, dass man sich bemüht, durch die formlose „Grußformel“ der Korrespondenz ein wenig das „Hoheitliche“ und Unnahbare zu nehmen und mehr Bürgernähe zu zeigen.

Und ebenso richtig ist auch sein Nachsatz:

(Wenn dann aber im Anschluß an die Grußformel der Sachbearbeiter in unbeholfenem Behördendeutsch vor sich hin stümpert, rettet auch die umgangssprachliche Anrede nichts mehr).

Immerhin würde man umgekehrt nicht auf die Idee kommen, eine schriftliche Grußformel wie „sehr geehrte…“ oder „liebe…“ als mündliche Anrede oder mündlichen Gruß zu verwenden. Man kann das zwar in einen Satz einbetten, z. B.: „Da irrst du dich aber gewaltig, lieber…“, aber ein „Guten Morgen“ kann es nicht ersetzen.

Grüße an alle!
Bernd.

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