Günter Grass - moralische Instanz

Halo Literaturfreunde,

mit Günter Grass habe ich mich noch nicht beschäftigt, daher hoffe ich, mit Eurer Hilfe einen schnellen Einstieg zu finden.

Günter Grass gilt als moralische Instanz. Durch sein spätes Eingeständnis der Mitgliedschaft bei der Waffen SS hat er nun die Kritik auf sich gezogen - ich schließe daraus, dass er sich besonders mit der Vergangenheitsbewältigung der Deutschen auseinandersetzte und das Verhalten anderer geißelte.

Weiß jemand dazu Grass-Zitate? Oder Titel seiner diesbezüglichen Werke?

Danke für Eure Meinungen
Wolfgang D.

Ich kenn nur den Film Blechtrommel.
ich wollte ihn auch nicht lesen,
weil er öffentlich rumunkt wie ein Nazi,
mit einer anderen moralischen Richtung
selbstverständlich.
Den Film fand ich gut, der Roman
muss für mich also auch gut sein,
eine exzelente Idee, mit dem nicht mehr wachsen,
Grundlage für ein hervorragendes episches Werk.
Da ich ihn nun für einen Pazifisten halte,
dachte ih mir, das er eine Figur darstellt,
die sich dadurch dem Zwang entziehen kann,
tatsächlich mit den Nazis zusammenzuarbeiten,
und sozusagen zu resistieren.
Ich dachte, er meinte sich damit selber, oder
seine Wunschfigur.
Tasächlich war er in der Jugend das Gegenteil,
und ist dann geläutert. Also 17 ist schon ein reifes Alter.
Das hätte er eher sagen sollen.
Also die Ehrenbürgerschaft von Danzig ist wohl fällig.
Überhaupt dieser Titel, ‚Beim Häuten der Zwiebel‘
Warum nicht ‚Beim Knacken der Nüsse‘, das sieht man die faulen
Stellen noch später, und man wird sie auch nicht rausschneiden
können, die ganze Nuss muss weg.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Das steht bei wikipedia.
„Gegenwärtig sind wir – was sich nicht als Gewinn erwiesen hat – nur noch der Hybris einer einzigen Großmacht ausgeliefert, die auf der Suche nach einem neuen Feind fündig geworden ist. Den von ihr mitverschuldeten, weil – siehe Bin Laden – gezüchteten Terrorismus will sie mit Waffengewalt besiegen. Doch der von ihr gewollte und die Gesetze der zivilisierten Welt mißachtende Krieg fördert den Terror und kann nicht enden.”
Der Vollständigkeit sollte er dazu sagen, dass der Terror
vielleicht auch deshalb nicht endet, weil es immer kleine
Führer wie Bin Laden gibt, denen kleine Jungs wie er es war,
immer wieder ihr und anderleuts Leben opfern wollen, Hauptsache sie können der Enge der häuslichen Wohnung entfliehen.
Das bisherige Gehabe der Grossmacht hat sich sehr wohl als Gewinn
erwiesen über längere Zeit, denn sie hat Hitler beseitigt, vielleicht hat sie es geschafft, dass Grass nicht Kulturminister war unter
Hitler und das vielleicht noch heute.

Hi

Günter Grass gilt als moralische Instanz. Durch sein spätes
Eingeständnis der Mitgliedschaft bei der Waffen SS

Wobei dieses Eingeständnis interessanterweise kurz vor der Veröffentlichung eines neuen Romans und lange nach Verleihung des Nobelpreises erfolgt - ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Diese Anmerkung, weil Du auch nach Meinungen gefragt hast.

Gruß
Edith

Hallo,
mir erscheint es zunächst einmal bemerkenswert, dass dieser Thread, der ja wohl kommen musste, von jemandem eröffnet wird, der eingestandenermaßen Grass nie gelesen hat. Dito der erste, der dem Fragesteller antwortet. Doch dies nur nebenbei.

Ich persönlich finde die moraliserende Wichtigtuerei von Leuten wie Herrn Karasek schlicht unappetitlich. Herr Walesa, der meint, er könne Herrn Grass nicht die Hand geben, sollte sich vielleicht in Erinnerung rufen, dass Grass’ Altersgenosse Papst Benedikt (dem er zweifellos die Hand küssen würde) laut eigener Auskunft der Rekrutierung für die Waffen-SS nur entging, weil er angab, Priester werden zu wollen. Nicht aber darum herum kam, Zwangsarbeiter zu bewachen. Herr Walesa sollte sich einmal genau anschauen, in welcher ehrenwerten Gesellschaft er sich befindet, wenn er den Entzug der Ehrenbürgerschaft Danzigs fordert. Das derzeitige Motto scheint zu lauten: jeder beschädigt sich selbst, so gut er kann. Das gilt übrigens auch für den Zentralrat der Juden, der das eigene Renommee als moralische Instanz durchaus zu strapazieren weiss.

Wenigstens haben das Nobelpreiskomitee und auch Danzigs Bürgermeister klar Stellung bezogen und deutlich gemacht, was das Geplapper um Aberkennung des Nobelpreises und Entzug der Ehrenbürgerschaft in Wirklichkeit ist - das dumme Geschwätz mediengeiler Adabeis.

Eine erfreulich sachliche Darstellung der Umstände findet sich übrigens hier:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/330314

Entscheidend ist für mich nicht, dass sich Grass als dummer Junge von 15 Jahren zur U-Boot-Truppe meldete und dann als 16-jähriger stattdessen zur Waffen-SS eingezogen wurde, die damals nahm, wen sie kriegen konnte. Entscheidend nicht einmal, dass er in dem halben Jahr, als er dort diente, nach seiner Aussage keine persönliche Schuld auf sich lud - dies kann man durchaus glücklichen Umständen zuschreiben, und Grass weiss dies sicher selbst. Entscheidend ist die Rolle, die er als in der Öffentlichkeit stehende Person gespielt hat.

Man stelle sich die Frage - entwertet dieses halbe Lebensjahr eines 16-17jährigen das gesamte Lebenswerk eines Menschen von seinem Format? Sicher, es stellt sich die Frage, warum diese Selbstauskunft erst jetzt kommt. Auf diese Art Reklame für sein neues Buch zu machen, hat Grass sicher nicht nötig; ich halte das für eine abwegige Unterstellung. Er hat diesen Punkt seiner Biografie nun endlich literarisch aufgearbeitet und die Diskussion darüber war unausweichlich. Warum sie also nicht selbst anstoßen.

Über das ‚warum so spät‘ kann und sollte man sicher reden - mit Grass selbst. Warum also das Outing nicht in den Gesprächen mit seinen Biographen (wobei sich Herr Jürgs derzeit als beleidigte Leberwurst höchst lächerlich ausnimmt); warum - vor allem - nicht während der Bitburg-Affäre. Letzteres wäre der richtige Zeitpunkt gewesen - aber da hätte es sich wohl zu sehr als politische Schützenhilfe für Helmut Kohl ausgewirkt. Schade, dass Grass da nicht über seinen Schatten springen konnte. Aber das Alles entwertet ihn nicht, stellt nicht sein Lebenswerk grundsätzlich in Frage.

Freundliche Grüße,
Ralf

… moralische Instanz all der Anderen
Hallo,

eigentlich hast du schon alles gesagt, trotzdem noch meine Anmerkungen.

Ich persönlich finde die moraliserende Wichtigtuerei …

Und da gibt es ja noch eine Menge Leute, die endlich mal einen unbequemen Mann was „ans Zeug flicken wollen“. Sie warten doch nur auf solche Gelegenheiten.
Man denke nur an all die Konservativen (Politiker), die absolut nichts an Leuten wie Globke, Oberländer, Filbinger und ihrer besonderen Stellung in der Bundesrepublik finden. Man denke nur an die „Kulturschaffenden“, die Heidegger („der glaubte noch 1944 an den Endsieg“, Ex-Minister in Bayern Hans Maier in einem Vortrag) verehren, die Arno Breker-Ausstellungen befürworten, die Ernst Jünger für einen bedeutenden Mann halten, die Dieter Wellershoff für einen hervorragenden Schriftsteller und Generalinspekteur halten (was er wohl auch ist), aber schlicht übersehn (wollen), dass er Mitglied der Division „Hermann Göring“ in Italien war, und die dort durch besondere Grausamkeit auffielen (Doku über Göring vor ein paar Tagen im Fernsehen - auf 3sat?). Na ja, die Bundeswehr hat ja auch immer noch Kasernen, die den Namen von WK2-Generälen, die Hitlers Krieg kräftig unterstützt haben.
Die Liste ließe sich fortsetzen.

Entscheidend ist für mich nicht, dass sich Grass als dummer
Junge von 15 Jahren zur U-Boot-Truppe meldete und dann als
16-jähriger stattdessen zur Waffen-SS eingezogen wurde, die
damals nahm, wen sie kriegen konnte.

Das hat Manfred Rommel mal sehr schön gesagt, als er gefragt wurde, wie er seinen Vater sieht: „Ich will ihn nicht in eine Moralschublade zwängen, denn heute ist es sehr einfach, anständig zu sein.“

Schade, dass Grass da nicht über seinen
Schatten springen konnte. Aber das Alles entwertet ihn nicht,
stellt nicht sein Lebenswerk grundsätzlich in Frage.

Genau so isses!

Gruss
Laika

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Hallo Ralf,

klasse Artikel!

Obwohl ich mit Günther Grass literarisch wenig anfangen kann und ich ihn für recht überbewertet halte (meine höchst eigene Meinung!), ist dieses Kesseltreiben momentan einfach nur peinlich.
Die von Dir erwähnten Beispiele mögen genügen, es ließen sich sicher noch einige finden.

Eigentlich sollte das Sommerloch doch schon vorbeigezogen sein.

Gandalf

Wer etwas über GG wissen wollte, konnte jederzeit erfahren, dass er zur SS eingezogen wurde.

Er war nicht freiwillig. Ab 1943 konnte sich das niemand mehr aussuchen, ob er wollte oder nicht.

Sollte GG mit einem Schild auf der Brust herumlaufen : „ich war auch so einer“?

mfgConrad

Ich glaub’ darum gings nicht. GG literarisches Werk
wird hier nicht hinterfragt, auch nicht die
Aufrichtigkeit seiner Läuterung.
Es geht mehr darum, dass er das T-Shirt
möglicherweise anderen Geläuterten berechtigt oder unberechtigt
angezogen hat,mit wesentlich mehr Chancen auf Erfolg der Diskreditierung,
weil sie ein paar Jahre älter waren als er,
eigentlich hätten sie sich auch darauf berufen können,
am Ende keine Schuld auf sich geladen zu haben,
wenn sich der Krieg nicht solange bis in deren Volljährigkeit
hingezogen hätte, durch logististische Probleme der USA,
die die U-Boote verusacht haben, die Waffengattung,
der er beitreten wollte, und die keine Gefangenen machte,
sich aber gerne gefangen nehmen liess, zwecks weiterleben.

Der Nobelpreis selber hat sein Fundament aus dem Vermögen
einer Kriegsgewinnlerfamilie mit endendem Geläutertenzweig
names Alfred Nobel (dank der Suttner?), passt also zu GG,
sollte man ihm nicht aberkennen.
Was macht er eigentlich mit seinem Geld,
dass jetzt wohl noch mehr werden wird, er sagte,
man möge seine Autobio lesen (=kaufen),
dort steht alles drin was er dazu zu sagen hat.

Ich kann mich seit frühester Jugend waage
an ständige Beschimpfung prominenter Altersgenossen
seitens GG erinnern, also, sollte stellte es sich mir dar,
ich würd’ auch mal gerne wissen was er den genau gesagt hat,
und dass er daraus die Konsequenzen zieht, am besten führt man
es ihm vor.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Hannes,

Ich glaub’ darum gings nicht. GG literarisches Werk
wird hier nicht hinterfragt,

was meinst du mit „hier“? Diesen Thread hier oder die Diskussion über Grass insgesamt? Wenn Herr Karasek u.a. (z.B. der kulturpolitische Schwätzer der CDU-Fraktion Börnsen oder JU-Vorsitzender Mißfelder) meinen, Grass habe den Nobelpreis „erschlichen“, dann wird sehr wohl das literarische Werk in Frage gestellt. Und weil das Nobelkomitee schon abgewinkt hat und ihm von denen, die es könnten, niemand den Preis wegnehmen mag (schließlich hat man nicht einmal Hamsun den Nobelpreis streitig machen wollen), meinen diese Herren, Grass müsse nun den Nobelpreis freiwillig „zurückgeben“. D.h. wenn schon das Nobelkomitee Karasek und Konsorten nicht den Gefallen tun und Herrn Grass nicht als Unwürdigen brandmarken will, dann soll er dies gefälligst selbst tun. Bei soviel verlogener Heuchelei kommt einem wirklich das Frühstück hoch. Hier wäre wirklich nach den Motiven zu fragen, warum aus dem (zu Recht) international geachtetsten lebenden deutschen Schriftsteller eine Unperson gemacht werden soll - warum man seine moralische Integrität in Frage stellt.

Grass ist kein gedopter Tour-de-France-Sieger und auch kein Talkshowmaster, der öffentlich Moral predigt und danach ukrainische Nutten aufs Hotelzimmer bestellt. Seine Haltung als öffentlich sichtbare Person ist stets geradlinig gewesen - und er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich als Jugendlicher hat verführen lassen. Als er bei der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft angeben musste, bei welcher Truppe er war, hat er die Wahrheit gesagt. Wer es hätte wissen wollen und in den entsprechenden Unterlagen der US-Army recherchiert hätte, hätte es wissen können. Der Buchtitel „Ich war dabei“ allerdings - den hatte schon Schönhuber verwendet. Sich ungefragt zu diesem Punkt zu äußern, verdient Respekt - auch wenn es reichlich spät geschieht. Die ganze verlogene Aufregung hätte lediglich einen Grund, wenn Grass - gefragt - geschwiegen oder gelogen hätte.

Der Literaturnobelpreis ist im Übrigen kein Heiligenschein, sondern Auszeichnung für ein literarisches Werk. Im Falle Grass verliehen, „weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. Eben dieser Begründung ist er in seiner letzten Novelle „Im Krebsgang“ wieder gerecht geworden und so wird es wohl auch in „Beim Häuten der Zwiebel“ sein - auch wenn die ‚Munterkeit‘ im Laufe der Jahre doch stark nachgelassen hat.

auch nicht die
Aufrichtigkeit seiner Läuterung.

Eine Läuterung, die immerhin fast 6 Jahrzehnte niemand in Frage gestellt hat und die eben Thema seines neuen Buches ist.

Es geht mehr darum, dass er das T-Shirt
möglicherweise anderen Geläuterten berechtigt oder
unberechtigt angezogen hat,

Redest Du hier mit diesem kuriosen Bild darüber, dass Grass möglicherweise irgend etwas getan hat? Dann wäre das nichts als inhaltsleeres Schwafeln. Butter bei die Butt - worüber willst Du denn hier konkret reden?

Oder meintest Du eigentlich ‚möglicherweise Geläuterte‘?

mit wesentlich mehr Chancen auf Erfolg der
Diskreditierung,
weil sie ein paar Jahre älter waren als er,
eigentlich hätten sie sich auch darauf berufen können,
am Ende keine Schuld auf sich geladen zu haben,

Lieber Hannes, Grass war und ist kein Denunziant. Interessiert hat ihn als Bürger die politische Gegenwart. Und da war für ihn die politische Vergangenheit (insbesondere von Personen) nur von Interesse, wenn er da eine Kontinuität wahrnahm.

Der Nobelpreis selber hat sein Fundament aus dem Vermögen
einer Kriegsgewinnlerfamilie mit endendem Geläutertenzweig
names Alfred Nobel (dank der Suttner?), passt also zu GG,
sollte man ihm nicht aberkennen.

Hier machst Du der Selbstauskunft auf Deiner ViKa aber nun wirklich alle Ehre. Man mag zu Alfred Nobel und zu den vom ihm gestifteten Preisen stehen wie man will (Sartres Konsequenz in dieser Beziehung war bewunderungswürdig) - aber Grass und mit ihm so nebenbei auch sämtliche anderen Literaturnobelpreisträger mit Kriegsgewinnlertum zu assoziieren - dazu fehlen mir die Worte. Jedenfalls solche, die die Teilnahmebedingungen hier erlauben.

Was macht er eigentlich mit seinem Geld,
dass jetzt wohl noch mehr werden wird,

Spielt das irgendeine Rolle in dieser Diskussion hier oder ist das nur kleingeistiger Neid? Aber wenn es Dich wirklich interessiert - Du kannst ja einmal Google bemühen und Dich über die Otto Pankok Stiftung schlau machen.

er sagte,
man möge seine Autobio lesen (=kaufen),
dort steht alles drin was er dazu zu sagen hat.

Wenn man öffentlich darüber diskutieren will, was Grass denn nun über seine Zeit bei der Waffen-SS zu berichten weiss, dann sollte man das Buch auch lesen. Insbesondere, wenn man sich bemüßigt fühlt, Kritik daran zu äußern. Ist das so schwer einzusehen?

Grass hat der FAZ aus Anlass seines neuen Buches ein Interview gegeben. Er hat sich nicht auf die Anklagebank gesetzt und sich nicht verpflichtet, nun zum Gaudium des Publikums jedem selbsternannten Ankläger Rede und Antwort zu stehen - über das hinaus, was er in seinem Buch zu dem Thema geschrieben hat. Wer ihn dort sehen will - auf der Anklagebank - von dem kann auch erwartet werden, dass er sich zunächst einmal sachkundig macht.

Ich kann mich seit frühester Jugend waage
an ständige Beschimpfung prominenter Altersgenossen
seitens GG erinnern, also, sollte stellte es sich mir dar,

Ich will ja Dein Erinerungsvermögen nicht generell in Frage stellen. aber Beschimpfungen sind nun wirklich nicht Grass’ Stil. Er hat im gesellschaftlichen Diskurs immer Stellung bezogen und dabei auch in Kauf genommen, Anderen (insbesondere den Mächtigen) auf die Füße zu treten. So etwas nennt man in der Regel Zivilcourage.

ich würd’ auch mal gerne wissen was er den genau gesagt hat,

Du hast also außer Andeutungen von „vagen Erinnerungen“ nichts Konkretes vorzubringen - stellst aber die moralische Integrität eines Menschen öffentlich in Frage?

und dass er daraus die Konsequenzen zieht, am besten führt man
es ihm vor.

Na, dann führ mal vor, wenn Du was vorzuführen hast …

Freundliche Grüße,
Ralf

4 „Gefällt mir“

Hallo Hannes,

was meinst du mit „hier“? Diesen Thread hier oder die
Diskussion über Grass insgesamt?

es geht um den Thread, der OP will Zitate
GGs.

Wenn Herr Karasek u.a. (z.B.
der kulturpolitische Schwätzer der CDU-Fraktion Börnsen oder
JU-Vorsitzender Mißfelder) meinen, Grass habe den Nobelpreis
„erschlichen“, dann wird sehr wohl das literarische Werk in
Frage gestellt.

Dem Kararek schliess ich mich nicht an,
merke aber an, dass die Nobelregelungen
vorsehen, dass der Preis zeitnah (nicht nach 40 Jahren zb)
vergeben werden soll, es ist auch kein Preis für ein Lebenswerk,
keinesfalls posthum.
Von Erschleichen kann keine Rede sein.
Das ist, wenn überhaupt, ein Verschulden des Komittees,
schon Böll wunderte sich, warum er statt Grass
den Preis bekam, wahrscheinlich weil sie in der Uni
Oslo (oder wo war das) so ein Gemälde Bild haben,
von der RAF im Gefängnis.

Und weil das Nobelkomitee schon abgewinkt hat
und ihm von denen, die es könnten, niemand den Preis wegnehmen
mag (schließlich hat man nicht einmal Hamsun den Nobelpreis
streitig machen wollen), meinen diese Herren, Grass müsse nun
den Nobelpreis freiwillig „zurückgeben“. D.h. wenn schon das
Nobelkomitee Karasek und Konsorten nicht den Gefallen tun und
Herrn Grass nicht als Unwürdigen brandmarken will, dann soll
er dies gefälligst selbst tun. Bei soviel verlogener Heuchelei
kommt einem wirklich das Frühstück hoch. Hier wäre wirklich
nach den Motiven zu fragen, warum aus dem (zu Recht)
international geachtetsten lebenden deutschen Schriftsteller
eine Unperson gemacht werden soll - warum man seine moralische
Integrität in Frage stellt.

Grass ist kein gedopter Tour-de-France-Sieger und auch kein
Talkshowmaster, der öffentlich Moral predigt und danach
ukrainische Nutten aufs Hotelzimmer bestellt. Seine Haltung
als öffentlich sichtbare Person ist stets geradlinig gewesen -
und er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich als
Jugendlicher hat verführen lassen. Als er bei der Entlassung
aus der Kriegsgefangenschaft angeben musste, bei welcher
Truppe er war, hat er die Wahrheit gesagt. Wer es hätte wissen
wollen und in den entsprechenden Unterlagen der US-Army
recherchiert hätte, hätte es wissen können. Der Buchtitel „Ich
war dabei“ allerdings - den hatte schon Schönhuber verwendet.
Sich ungefragt zu diesem Punkt zu äußern, verdient Respekt -
auch wenn es reichlich spät geschieht. Die ganze verlogene
Aufregung hätte lediglich einen Grund, wenn Grass -
gefragt - geschwiegen oder gelogen hätte.

Der Literaturnobelpreis ist im Übrigen kein Heiligenschein,
sondern Auszeichnung für ein literarisches Werk. Im Falle
Grass verliehen, „weil er in munterschwarzen Fabeln das
vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. Eben dieser
Begründung ist er in seiner letzten Novelle „Im Krebsgang“
wieder gerecht geworden und so wird es wohl auch in „Beim
Häuten der Zwiebel“ sein - auch wenn die ‚Munterkeit‘ im Laufe
der Jahre doch stark nachgelassen hat.

auch nicht die
Aufrichtigkeit seiner Läuterung.

Eine Läuterung, die immerhin fast 6 Jahrzehnte niemand in
Frage gestellt hat und die eben Thema seines neuen Buches ist.

Es geht mehr darum, dass er das T-Shirt
möglicherweise anderen Geläuterten berechtigt oder
unberechtigt angezogen hat,

Redest Du hier mit diesem kuriosen Bild darüber, dass Grass
möglicherweise irgend etwas getan hat? Dann wäre das nichts
als inhaltsleeres Schwafeln. Butter bei die Butt - worüber
willst Du denn hier konkret reden?

Du bist doch der Meister der Bilder, (unappetitlich, Frühstück hochekommen etc.), T-Shirt ist nur eine Ummünzung des Schildes von
oben (http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/service.fpl?..)

Apropos Bilder, GG ist eigenlich Steinmetz, er hat auch gemalt und Bildhauereien gemacht. Nehmen wir mal Beuys, der ständig diese Fett- und Ölsachen machte. Er sagte dazu, dass er als Kriegspilot in der Tundra/Taiga abgestürzt sei, seine lebensgefährlichen Verletzungen hätten Rentierhüter mit Rentiertalg geheilt, das habe ihn nachhaltig inspiriert. Auch er war Kriegsgegner, hat aber alles erzählt,
freizügig und rechtzeitig, vielleicht ist aber alles gelogen,
er hat auf jeden Fall erzählt, das er todbringender Flieger war.

Oder meintest Du eigentlich ‚möglicherweise Geläuterte‘?

mit wesentlich mehr Chancen auf Erfolg der
Diskreditierung,
weil sie ein paar Jahre älter waren als er,
eigentlich hätten sie sich auch darauf berufen können,
am Ende keine Schuld auf sich geladen zu haben,

Lieber Hannes, Grass war und ist kein Denunziant. Interessiert
hat ihn als Bürger die politische Gegenwart. Und da war für
ihn die politische Vergangenheit (insbesondere von Personen)
nur von Interesse, wenn er da eine Kontinuität wahrnahm.

Er hat letztens noch erwähnt, dass er in
Kriegsgefangenschaft den heutigen Papst kennegelernt hat.
Das ist nichts neues, denn die Britische Presse zeigte den Papst
in Uniform, was keinen zusätzlichen Abstand schafft,
GG einen Denunzianten zu nennen, was mir wohlgemerkt auch so fernliegt.

Der Nobelpreis selber hat sein Fundament aus dem Vermögen
einer Kriegsgewinnlerfamilie mit endendem Geläutertenzweig
names Alfred Nobel (dank der Suttner?), passt also zu GG,
sollte man ihm nicht aberkennen.

Hier machst Du der Selbstauskunft auf Deiner ViKa aber nun
wirklich alle Ehre. Man mag zu Alfred Nobel und zu den vom ihm
gestifteten Preisen stehen wie man will (Sartres Konsequenz in
dieser Beziehung war bewunderungswürdig) - aber Grass und mit
ihm so nebenbei auch sämtliche anderen
Literaturnobelpreisträger mit Kriegsgewinnlertum zu
assoziieren - dazu fehlen mir die Worte. Jedenfalls solche,
die die Teilnahmebedingungen hier erlauben.

Die Assoziierung ist die Läuterung und das Gewinnlertum (sofern vorhanden) daraus, nicht das Kriegsgewinnlertum an sich.

Was macht er eigentlich mit seinem Geld,
dass jetzt wohl noch mehr werden wird,

Spielt das irgendeine Rolle in dieser Diskussion hier oder ist
das nur kleingeistiger Neid? Aber wenn es Dich wirklich
interessiert - Du kannst ja einmal Google bemühen und Dich
über die Otto Pankok Stiftung schlau machen.

er sagte,
man möge seine Autobio lesen (=kaufen),
dort steht alles drin was er dazu zu sagen hat.

Wenn man öffentlich darüber diskutieren will, was Grass denn
nun über seine Zeit bei der Waffen-SS zu berichten weiss, dann
sollte man das Buch auch lesen. Insbesondere, wenn man sich
bemüßigt fühlt, Kritik daran zu äußern. Ist das so schwer
einzusehen?

Ja/Nein, aber bitte ohne dass diejenigen, die das bewegt, zu seinen persönlichen Tantiemen beitragen, das sollte er sicherstellen.

Grass hat der FAZ aus Anlass seines neuen Buches ein Interview
gegeben. Er hat sich nicht auf die Anklagebank gesetzt und
sich nicht verpflichtet, nun zum Gaudium des Publikums jedem
selbsternannten Ankläger Rede und Antwort zu stehen - über das
hinaus, was er in seinem Buch zu dem Thema geschrieben hat.
Wer ihn dort sehen will - auf der Anklagebank - von dem kann
auch erwartet werden, dass er sich zunächst einmal sachkundig
macht.

Ich kann mich seit frühester Jugend waage
an ständige Beschimpfung prominenter Altersgenossen
seitens GG erinnern, also, sollte stellte es sich mir dar,

Ich will ja Dein Erinerungsvermögen nicht generell in Frage
stellen. aber Beschimpfungen sind nun wirklich nicht Grass’
Stil. Er hat im gesellschaftlichen Diskurs immer Stellung
bezogen und dabei auch in Kauf genommen, Anderen (insbesondere
den Mächtigen) auf die Füße zu treten. So etwas nennt man in
der Regel Zivilcourage.

ich würd’ auch mal gerne wissen was er den genau gesagt hat,

Du hast also außer Andeutungen von „vagen Erinnerungen“ nichts
Konkretes vorzubringen - stellst aber die moralische
Integrität eines Menschen öffentlich in Frage?

und dass er daraus die Konsequenzen zieht, am besten führt man
es ihm vor.

Na, dann führ mal vor, wenn Du was vorzuführen hast …

Freundliche Grüße,
Ralf

Ich stell seine Integrität überhaupt nicht in Frage,
ich kann mich wiegesagt nur waage daran erinnern,
dass er das selbst mit ebenfalls geläuterten ‚Luftwafennhelfern‘ tut.
Ich google jetzt nicht nach den Stiftungen,
beim Googeln nach seinen Zitaten ist mir aufgefallen,
dass er sich erheblichen STGB relevanten Angriffen wegen
Pornographie und Blasphemie erwehren musste.
Die sind aber sicherlich künstlerich verankert,
er hat wohl eine sehr dicke Haut bekommen,
so erkären sich mir doch seine verbalen und nunmehr
unentschuldigenden Angriffe, die mir sehr rauh vorkamen, so wie ich mich erinnere. Die wollt er selbst wohl gar nicht so,
das macht seine müden Augen, wenn sie denn mal müde scheinen.

Seine Künstlerkollegen haben ihn auch wohl nicht nicht
sonderlich unterstützt, seine Ausführungen zu
geschlechtlichen und religiösen Angelegenheiten
scheinen sehr verquickt mit seiner Literatur,
an sich haben sie aber sicherlich nicht mehr Wert als zB
die neuerlichen von Madonna zu diesen Themen,
deshalb les’ ich ihn auch nicht, also nicht solange er lebt und
noch was sagen kann, weil ich Angst hab, dass sich doch Zusammenhänge ergeben; so ein liiterarisches und auch insbesondere episches Ausnahmetalent ist er.
Das weiss ich aber nur aus dem Film Blechtrommel,
mehr will ich auch nicht wissen. Ich wünsch ihm aufrichtig
noch ein langes Leben und Wirken. Ich geh aber davon aus,
dass ich ihn noch überlebe, als kleiner unbedeutender Mensch,
der wesentlich jünger ist, und überhaupt keine Ahnung hat,
von den Sachen die er aus persönlicher Wahrnehmung in seine Werke einbaut. Danach werde ich ihn lesen.

Aus Sicht der Welt.
http://www.welt.de/data/2006/08/15/998632.html

Aus Sicht der Welt.
http://www.welt.de/data/2006/08/15/998632.html

Ok, reden wir über diesen Artikel.

„All seine geschichtspolitischen Einlassungen, gehören nun auf den Prüfstand der Wahrhaftigkeit.“

Dort standen sie schon immer. Was Sven Kellerhoff nun versucht bzw. sogar verlangt, das ist, diese Einlassungen nicht auf ihren Sachgehalt zu prüfen, sondern ihre Gültigkeit von der Person des sie Äußernden abhängig zu machen. Eine altbekannte eristische Strategie - das argumentum ad personam (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Argumentum_ad_hominem#A…).

Zur Not mag eine solche unsachliche Argumentationsweise noch gerechtfertigt sein, wenn der solcherart Angegriffene eine Position vertritt, die sich durch persönliches, nicht sachbezogenes Interesse erklären ließe. Wenn etwa Grass gefordert hätte, generell nach 1925 Geborene von jeder Verantwortung für die Verbrechen des 3. Reiches freizusprechen. Wenn Grass einer Exkulpation das Wort geredet hätte, die ihm selbst zugute käme. Das Gegenteil ist der Fall, und das macht diese Argumentation Kellerhoffs zur Perfidie.

Kellerhoff zitiert Grass: „Kurt Georg Kiesinger fühlt sich frei von Schuld, und da er, wie ich gern glaube, in der Tat nie ein überzeugter Nationalsozialist, vielmehr der opportunistische Mitläufer gewesen ist, wird ihm der Freispruch in eigener Sache nicht schwer gefallen sein. Unsere Gesetze belangen den Täter. So traf der bis heute wirksame Blödsinn der Entnazifizierung nur den kleinen Blockleiter, den SS-Untersturmführer, den Kolonialwarenhändler von der nächsten Ecke - Hans Globke und Kurt Georg Kiesinger hatten auf Grund ihrer größeren Befugnisse und Möglichkeiten den Persilschein für alle Fälle parat“.

Was bitteschön war oder ist daran falsch? Kiesinger war seit 1933 in der NSDAP und seit 1940 im Reichsaußenministerium, wo er es bis zum stellvertretenden Abteilungsleiter für Propaganda brachte. Globke war im Reichsinnenministerium, wo er sich als Verfasser und Herausgeber des ersten amtlichen Kommentars zu den Nürnberger Rassengesetzen hervortat. Nein - mit Blut besudelt haben sich Kiesinger und Globke nicht - die trugen weiße Hemden, keine braunen, saßen am Schreibtisch und nicht im Panzer, ihre Waffe war der Füllfederhalter und nicht das Sturmgewehr 44. Sie waren typisch für die mitlere Nazi-Elite, die die Entnazifizierung schadlos überstanden hatte und nun in der jungen Bundesrepublik das Sagen hatte.

Was also soll hier Zweifel an der „Wahrhaftigkeit“ von Grass’ Aussage hervorrufen? Die Tatsache, dass er als 16jähriger Pimpf für einen schon verlorenen Krieg von der Waffen-SS rekrutiert wurde? Auch wenn er diesen Fakt - aus Scham, wie er sagt - lange Zeit nicht publik gemacht hat - Grass hatte unter die Verirrungen seiner Jugend einen Strich gezogen, ohne sie zu leugnen. Beides - das Maß der Verstrickung und der persönliche Umgang damit - macht schon einen gewissen Unterschied zu den Opportunisten Kiesinger und Globke. Wenn dies denn in irgendeiner Weise für den Sachverhalt relevant gewesen wäre.

Ja, es ist „immer wieder vordringlich gewesen, die NS-Vergangenheit des Adenauer-Staatssekretär Globke, des Bundeskanzlers Kiesinger, des Ministerpräsidenten Filbinger und des derzeitigen Bundespräsidenten Karl Carstens aus verstaubten, verlegten, plötzlich einsehbaren Akten zu ziehen.“ „Filbinger trat 1978 zurück, weil er im Zweiten Weltkrieg als Marinejurist an vier zweifelhaften Todesurteilen beteiligt gewesen war“ schreibt Kellerhoff. Das ist mehr als verharmlosend. Nein, Filbinger wurde zurückgetreten, weil er selbst für die eigene Partei nicht mehr tragbar war. Weil er hartnäckig geleugnet hatte, überhaupt an Todesurteilen beteiligt gewesen zu sein, bis man ihm das Gegenteil bewies. Carstens war seit 1933 in der SA, seit 1940 in der Partei. Ein Karrierist. So etwas mag für einen Privatmann, der sich sonst nichts zu schulden kommen ließ, unproblematisch sein. Für den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik war es das schon. Die genannten Personen waren symptomatisch für die Kontinuität der Eliten im Westen Deutschlands über den Zusammenbruch 1945 hinaus.

Wiederum: was also soll hier Zweifel an der „Wahrhaftigkeit“ von Grass’ Aussage hervorrufen? Kellerhoff behauptet, Grass habe seine Biografie „verfälscht“. Ein Vorwurf, der hier nichts zur Sache tut. Darüber hinaus ein völlig überzogener, polemischer Vorwurf, der nur griffe, wenn Grass seine Faszination durch den Nationalsozialismus geleugnet oder verschwiegen hätte. Der nur griffe, wenn Grass als Mitglied der Waffen-SS oder durch die Mitgliedschaft in ihr persönliche Schuld auf sich geladen hätte. Der nur griffe, wenn Grass in einem Buch, in dem er diese Zeit autobiografisch aufarbeitet, diesen Punkt verschwiegen hätte.

Freundliche Grüße,
Ralf

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Moin,

Das hat Manfred Rommel mal sehr schön gesagt, als er gefragt
wurde, wie er seinen Vater sieht: „Ich will ihn nicht in eine
Moralschublade zwängen, denn heute ist es sehr einfach,
anständig zu sein.“

Tatsächlich? Wer hat denn z.B. Ruanda verhindert?

Was machen wir eigentlich, wenn die „Alten“ unter der Erde sind und wir nicht mehr in der Nazizeit rumstochern können, um von unseren eigenen Versäumnissen abzulenken?

Gruß
Marion

Hi ho,

Was machen wir eigentlich, wenn die „Alten“ unter der Erde
sind und wir nicht mehr in der Nazizeit rumstochern können, um
von unseren eigenen Versäumnissen abzulenken?

ob die Täter noch leben oder nicht spielt keine Rolle. Das ganze Geschehen damals gilt doch inzwischen als „Erbsünde“ der Deutschen, und von sowas kann man sich nur schwer wieder befreien…

Gruss,

Herb

Moin,

Was machen wir eigentlich, wenn die „Alten“ unter der Erde
sind und wir nicht mehr in der Nazizeit rumstochern können, um
von unseren eigenen Versäumnissen abzulenken?

ob die Täter noch leben oder nicht spielt keine Rolle. Das
ganze Geschehen damals gilt doch inzwischen als „Erbsünde“ der
Deutschen, und von sowas kann man sich nur schwer wieder
befreien…

Klar. Ich vergaß…sich mit Fragen der vermeintlichen „Erbsünde“ und Befreiung davon oder auch nicht zu beschäftigen ist natürlich auch eine prima Möglichkeit der Verdrängung der eigenen Verantwortung.

Gruß
Marion

Ruanda …
Moin, Moin,

Tatsächlich? Wer hat denn z.B. Ruanda verhindert?

Genau! Niemand! Besser: Wer hat sich dagegen gestellt, es zu verhindern? Das ist bekanntlich aktiv geschehen! Die UNO durfte wegen des Vetos einer großen (moralischen?) Macht nicht einschreiten! Jedenfalls musste der damals kommandierende General in Ruanda tatenlos zusehen und abziehen. Die Tutsi haben die Soldaten angefleht, sie zu erschießen, das zogen sie dem Zerhacktwerden mit Macheten vor. Jener General ist dann an seinen Depressionen fast zugrunde gegangen.
Ich habe ja auch nicht behauptet, dass heute alles besser ist.

Was machen wir eigentlich, wenn die „Alten“ unter der Erde
sind und wir nicht mehr in der Nazizeit rumstochern können, um
von unseren eigenen Versäumnissen abzulenken?

Die Naziverbrechen waren so monströs, dass sie 1. nicht aufgerechnet werden können, 2. sind sie unsere Geschichte, mit der wir uns vorrangig beschäftigen sollten.
Im Übrigen erzählt man heute auch noch von den Grausamkeiten der Kreuzzüge, des 30-jährigen Krieges usw.

Gruß
Laika

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Hi ho,

klar, man kann sich natürlich auch endlos mit seiner Verantwortung gegenüber Allem und Jedem beschäftigen…

Gruss,

Herb