Hallo Hannes,
was meinst du mit „hier“? Diesen Thread hier oder die
Diskussion über Grass insgesamt?
es geht um den Thread, der OP will Zitate
GGs.
Wenn Herr Karasek u.a. (z.B.
der kulturpolitische Schwätzer der CDU-Fraktion Börnsen oder
JU-Vorsitzender Mißfelder) meinen, Grass habe den Nobelpreis
„erschlichen“, dann wird sehr wohl das literarische Werk in
Frage gestellt.
Dem Kararek schliess ich mich nicht an,
merke aber an, dass die Nobelregelungen
vorsehen, dass der Preis zeitnah (nicht nach 40 Jahren zb)
vergeben werden soll, es ist auch kein Preis für ein Lebenswerk,
keinesfalls posthum.
Von Erschleichen kann keine Rede sein.
Das ist, wenn überhaupt, ein Verschulden des Komittees,
schon Böll wunderte sich, warum er statt Grass
den Preis bekam, wahrscheinlich weil sie in der Uni
Oslo (oder wo war das) so ein Gemälde Bild haben,
von der RAF im Gefängnis.
Und weil das Nobelkomitee schon abgewinkt hat
und ihm von denen, die es könnten, niemand den Preis wegnehmen
mag (schließlich hat man nicht einmal Hamsun den Nobelpreis
streitig machen wollen), meinen diese Herren, Grass müsse nun
den Nobelpreis freiwillig „zurückgeben“. D.h. wenn schon das
Nobelkomitee Karasek und Konsorten nicht den Gefallen tun und
Herrn Grass nicht als Unwürdigen brandmarken will, dann soll
er dies gefälligst selbst tun. Bei soviel verlogener Heuchelei
kommt einem wirklich das Frühstück hoch. Hier wäre wirklich
nach den Motiven zu fragen, warum aus dem (zu Recht)
international geachtetsten lebenden deutschen Schriftsteller
eine Unperson gemacht werden soll - warum man seine moralische
Integrität in Frage stellt.
Grass ist kein gedopter Tour-de-France-Sieger und auch kein
Talkshowmaster, der öffentlich Moral predigt und danach
ukrainische Nutten aufs Hotelzimmer bestellt. Seine Haltung
als öffentlich sichtbare Person ist stets geradlinig gewesen -
und er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich als
Jugendlicher hat verführen lassen. Als er bei der Entlassung
aus der Kriegsgefangenschaft angeben musste, bei welcher
Truppe er war, hat er die Wahrheit gesagt. Wer es hätte wissen
wollen und in den entsprechenden Unterlagen der US-Army
recherchiert hätte, hätte es wissen können. Der Buchtitel „Ich
war dabei“ allerdings - den hatte schon Schönhuber verwendet.
Sich ungefragt zu diesem Punkt zu äußern, verdient Respekt -
auch wenn es reichlich spät geschieht. Die ganze verlogene
Aufregung hätte lediglich einen Grund, wenn Grass -
gefragt - geschwiegen oder gelogen hätte.
Der Literaturnobelpreis ist im Übrigen kein Heiligenschein,
sondern Auszeichnung für ein literarisches Werk. Im Falle
Grass verliehen, „weil er in munterschwarzen Fabeln das
vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. Eben dieser
Begründung ist er in seiner letzten Novelle „Im Krebsgang“
wieder gerecht geworden und so wird es wohl auch in „Beim
Häuten der Zwiebel“ sein - auch wenn die ‚Munterkeit‘ im Laufe
der Jahre doch stark nachgelassen hat.
auch nicht die
Aufrichtigkeit seiner Läuterung.
Eine Läuterung, die immerhin fast 6 Jahrzehnte niemand in
Frage gestellt hat und die eben Thema seines neuen Buches ist.
Es geht mehr darum, dass er das T-Shirt
möglicherweise anderen Geläuterten berechtigt oder
unberechtigt angezogen hat,
Redest Du hier mit diesem kuriosen Bild darüber, dass Grass
möglicherweise irgend etwas getan hat? Dann wäre das nichts
als inhaltsleeres Schwafeln. Butter bei die Butt - worüber
willst Du denn hier konkret reden?
Du bist doch der Meister der Bilder, (unappetitlich, Frühstück hochekommen etc.), T-Shirt ist nur eine Ummünzung des Schildes von
oben (http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/service.fpl?..)
Apropos Bilder, GG ist eigenlich Steinmetz, er hat auch gemalt und Bildhauereien gemacht. Nehmen wir mal Beuys, der ständig diese Fett- und Ölsachen machte. Er sagte dazu, dass er als Kriegspilot in der Tundra/Taiga abgestürzt sei, seine lebensgefährlichen Verletzungen hätten Rentierhüter mit Rentiertalg geheilt, das habe ihn nachhaltig inspiriert. Auch er war Kriegsgegner, hat aber alles erzählt,
freizügig und rechtzeitig, vielleicht ist aber alles gelogen,
er hat auf jeden Fall erzählt, das er todbringender Flieger war.
Oder meintest Du eigentlich ‚möglicherweise Geläuterte‘?
mit wesentlich mehr Chancen auf Erfolg der
Diskreditierung,
weil sie ein paar Jahre älter waren als er,
eigentlich hätten sie sich auch darauf berufen können,
am Ende keine Schuld auf sich geladen zu haben,
Lieber Hannes, Grass war und ist kein Denunziant. Interessiert
hat ihn als Bürger die politische Gegenwart. Und da war für
ihn die politische Vergangenheit (insbesondere von Personen)
nur von Interesse, wenn er da eine Kontinuität wahrnahm.
Er hat letztens noch erwähnt, dass er in
Kriegsgefangenschaft den heutigen Papst kennegelernt hat.
Das ist nichts neues, denn die Britische Presse zeigte den Papst
in Uniform, was keinen zusätzlichen Abstand schafft,
GG einen Denunzianten zu nennen, was mir wohlgemerkt auch so fernliegt.
Der Nobelpreis selber hat sein Fundament aus dem Vermögen
einer Kriegsgewinnlerfamilie mit endendem Geläutertenzweig
names Alfred Nobel (dank der Suttner?), passt also zu GG,
sollte man ihm nicht aberkennen.
Hier machst Du der Selbstauskunft auf Deiner ViKa aber nun
wirklich alle Ehre. Man mag zu Alfred Nobel und zu den vom ihm
gestifteten Preisen stehen wie man will (Sartres Konsequenz in
dieser Beziehung war bewunderungswürdig) - aber Grass und mit
ihm so nebenbei auch sämtliche anderen
Literaturnobelpreisträger mit Kriegsgewinnlertum zu
assoziieren - dazu fehlen mir die Worte. Jedenfalls solche,
die die Teilnahmebedingungen hier erlauben.
Die Assoziierung ist die Läuterung und das Gewinnlertum (sofern vorhanden) daraus, nicht das Kriegsgewinnlertum an sich.
Was macht er eigentlich mit seinem Geld,
dass jetzt wohl noch mehr werden wird,
Spielt das irgendeine Rolle in dieser Diskussion hier oder ist
das nur kleingeistiger Neid? Aber wenn es Dich wirklich
interessiert - Du kannst ja einmal Google bemühen und Dich
über die Otto Pankok Stiftung schlau machen.
er sagte,
man möge seine Autobio lesen (=kaufen),
dort steht alles drin was er dazu zu sagen hat.
Wenn man öffentlich darüber diskutieren will, was Grass denn
nun über seine Zeit bei der Waffen-SS zu berichten weiss, dann
sollte man das Buch auch lesen. Insbesondere, wenn man sich
bemüßigt fühlt, Kritik daran zu äußern. Ist das so schwer
einzusehen?
Ja/Nein, aber bitte ohne dass diejenigen, die das bewegt, zu seinen persönlichen Tantiemen beitragen, das sollte er sicherstellen.
Grass hat der FAZ aus Anlass seines neuen Buches ein Interview
gegeben. Er hat sich nicht auf die Anklagebank gesetzt und
sich nicht verpflichtet, nun zum Gaudium des Publikums jedem
selbsternannten Ankläger Rede und Antwort zu stehen - über das
hinaus, was er in seinem Buch zu dem Thema geschrieben hat.
Wer ihn dort sehen will - auf der Anklagebank - von dem kann
auch erwartet werden, dass er sich zunächst einmal sachkundig
macht.
Ich kann mich seit frühester Jugend waage
an ständige Beschimpfung prominenter Altersgenossen
seitens GG erinnern, also, sollte stellte es sich mir dar,
Ich will ja Dein Erinerungsvermögen nicht generell in Frage
stellen. aber Beschimpfungen sind nun wirklich nicht Grass’
Stil. Er hat im gesellschaftlichen Diskurs immer Stellung
bezogen und dabei auch in Kauf genommen, Anderen (insbesondere
den Mächtigen) auf die Füße zu treten. So etwas nennt man in
der Regel Zivilcourage.
ich würd’ auch mal gerne wissen was er den genau gesagt hat,
Du hast also außer Andeutungen von „vagen Erinnerungen“ nichts
Konkretes vorzubringen - stellst aber die moralische
Integrität eines Menschen öffentlich in Frage?
und dass er daraus die Konsequenzen zieht, am besten führt man
es ihm vor.
Na, dann führ mal vor, wenn Du was vorzuführen hast …
Freundliche Grüße,
Ralf
Ich stell seine Integrität überhaupt nicht in Frage,
ich kann mich wiegesagt nur waage daran erinnern,
dass er das selbst mit ebenfalls geläuterten ‚Luftwafennhelfern‘ tut.
Ich google jetzt nicht nach den Stiftungen,
beim Googeln nach seinen Zitaten ist mir aufgefallen,
dass er sich erheblichen STGB relevanten Angriffen wegen
Pornographie und Blasphemie erwehren musste.
Die sind aber sicherlich künstlerich verankert,
er hat wohl eine sehr dicke Haut bekommen,
so erkären sich mir doch seine verbalen und nunmehr
unentschuldigenden Angriffe, die mir sehr rauh vorkamen, so wie ich mich erinnere. Die wollt er selbst wohl gar nicht so,
das macht seine müden Augen, wenn sie denn mal müde scheinen.
Seine Künstlerkollegen haben ihn auch wohl nicht nicht
sonderlich unterstützt, seine Ausführungen zu
geschlechtlichen und religiösen Angelegenheiten
scheinen sehr verquickt mit seiner Literatur,
an sich haben sie aber sicherlich nicht mehr Wert als zB
die neuerlichen von Madonna zu diesen Themen,
deshalb les’ ich ihn auch nicht, also nicht solange er lebt und
noch was sagen kann, weil ich Angst hab, dass sich doch Zusammenhänge ergeben; so ein liiterarisches und auch insbesondere episches Ausnahmetalent ist er.
Das weiss ich aber nur aus dem Film Blechtrommel,
mehr will ich auch nicht wissen. Ich wünsch ihm aufrichtig
noch ein langes Leben und Wirken. Ich geh aber davon aus,
dass ich ihn noch überlebe, als kleiner unbedeutender Mensch,
der wesentlich jünger ist, und überhaupt keine Ahnung hat,
von den Sachen die er aus persönlicher Wahrnehmung in seine Werke einbaut. Danach werde ich ihn lesen.