Gurken einlegen

Hallo liebe Köche,

ich wollte schon immer einmal Gurken selbst einlegen, die Mutter einer Kindheitsfreundin machte das so lecker, dass ich immer noch regelmäßig daran denke, wenn ich mal wieder vom Fertigprodukt enttäuscht bin…

also, hier meine Fragen:

  1. Wer verrät mir sein ultimatives Geheimrezept (ich habe noch nie etwas eingelegt, bräuchte also auch Info zum Einlegen generell - wie kriege ich die Gläser dicht, wielange kann ich die Gurken aufheben etc.)

  2. Wo und wann finde ich geeignete Gurken?

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Gruß
Ramona

Hallo Ramona,

  1. Wer verrät mir sein ultimatives Geheimrezept (ich habe noch
    nie etwas eingelegt, bräuchte also auch Info zum Einlegen
    generell - wie kriege ich die Gläser dicht, wielange kann ich
    die Gurken aufheben etc.)

da ist sehr viel Geschmackssache dran. Zum Beginnen und Experimentieren gab es ein sehr schönes Büchlein „Einmachen“ (Bühler/Spreng/Siegrist-Hünerfauth), ISBN 3-310-00146-6 Buch anschauen, das meines Wissens vergriffen ist. Von zwei der Autorinnen Margrit Bühler und Anni Spreng gibts wohl eine Neuauflage. Außer Einlegen werden auch milchsaures Vergären, Dörren, Sterilisieren und andere altmodischen Konservierungsverfahren behandelt.

Das Büchlein stammt aus der Schweiz, wo sauer Eingelegtes noch nicht so brutal wie in Frankreich, aber schon deutlich heftiger als in Deutschland ist. Man kann die Angaben zum Essig ein gutes Stück zurücknehmen, ohne dass die Ware vom Verderb gefährdet wäre.

  1. Wo und wann finde ich geeignete Gurken?

Je nach Klima ab etwa Ende Juni bis weit in den August hinein („Saure-Gurken-Zeit“). Größere, für Senfgurken geeignete Stücke auch noch später. Es braucht frische Freilandware, die keinen weiten Transport hinter sich hat: sich nicht „lasch“ anfühlt. Ideal (da mild und voll im Geschmack und weitab von jeder Bitternis) sind Gurken, die am gleichen Tag früh morgens geerntet sind. Richtige Einlegegurken sehen frisch schon ähnlich aus wie eingelegt: Klein, nicht unbedingt durchgehend tief grün gefärbt, „warzig“. Sehr fein für diesen Zweck, aber im Handel nicht zu kriegen (hast Du Zugang zu einem Garten?) sind russische Traubengurken und Rheinische Vorgebirgstrauben. Vorsichtig mit den jetzt wieder häufiger zu kriegenden „Landgurken“: die sind tendenziell etwas weniger wässrig als Schlangengurken, aber haben öfter mal auch schon ihre tausend Kilometer LKW hinter sich.

Schwerpunkte des Anbaus liegen im Hessischen Ried und der vorderen Pfalz, im Köln-Bonner Vorgebirge, nordwestlich von Braunschweig und unverändert im Spreewald und meines Wissens auch im Havelland (?). Wie es in Dithmarschen aussieht, wo der Boden immerhin auch gut passen würde, aber das Klima wohl nicht so ganz passt, weiß ich nicht zu sagen.

Wichtig ist ferner ein ordentlicher (Apfel- oder Wein)essig und insgesamt: Je einfacher die Rezeptur, desto wichtiger die Qualität jeder einzelnen Zutat (Dill, Knoblauch, Senfsaat etc.). Wenn Du einen guten Keller hast, kannst Du auf die mittlere Sicht auch mit eigenem Essig experimentieren - aber besser nicht mehr als ein Experiment gleichzeitig, sonst ists nachher schwer zu erkennen, was verbesserungswürdig ist.

Wegen des übrigen Materials: Leifheit hat mit offenbar recht agressivem Vertrieb den Einzhelhandel betreffend Gläser zum Einlegen und Sterilisieren so gut wie ganz erobert. Aber mit etwas Suchen findet man auch noch die Gläser von Weck mit ihrer genial einfachen Technik und ihren schönen klaren Linien.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,

vielen Dank für die ausführliche Antwort! Werde mich dann also mal an den Buchhändler meines Vertrauens wenden, scheint ja doch ein umfangreiches Thema zu sein.

Ich habe zwar einen Garten, allerdings wird der wohl zum Gurkenanbauen nicht reichen (eher ein Kräuterbeet-Terasse-Rasen-Garten). Vielleicht kann man ja entsprechende Bauern in der Region irgendwie ausfindig machen ?! Vom Ruhrgebiet aus wäre es mir die Fahrt nach Köln-Bonn auch wert, wenn es sich denn lohnt und ich dann den Gurkenvorrat für das nächste Jahr abdecken kann…

Gruß
Ramona