Gute Ärzte?

Hallo!

Die Wissenschaft geht schnell voran. Und auch das Medizinstudium wird daran angepasst. Deshalb sind Ärzte heute wissenschaftlich weit besser ausgebildet als früher. Auch besitzt ein Arzt heute Hilfsmittel, die früher nicht zur Verfügung standen. Die Frage ist aber, ob ein Arzt auch in der Lage ist, mit diesen Hilfsmitteln umzugehen. Und da denke ich, kann ich mit einiger Sicherheit sagen, dass nur derjenige Arzt mit den Mitteln wirklich richtig umgehen kann, der sie auch versteht.
Das ist heute mehr der Fall als gestern.

Was man als Qualitätskriterium für einen Arzt ansetzt, das ist eine andere Frage. Und ganz offensichtlich unterscheidet sich sehr stark, welche Kriterien verschiedene Menschen ansetzen.
Deshalb ist die Aussage, man finde heute keine guten Ärzte mehr irgendwie stumpfsinnig. Das ist genauso, wie wenn jemand „Ach, früher war alles besser“ sagt. Außerdem ist der Qualitätseindruck, den ein Arzt hinterlässt, nicht allein von speziellen Präferenzen des Patienten geprägt. Auch die Grundhaltung ist nicht zu vernachlässigen: Ist der Patient kritisch eingestellt oder nicht?

Dadurch ist es möglich, dass früher ein fachlich (im Vergleich zum heutigen Arzt absolut und im Vergleich zu den damaligen Ärzten sogar relativ) schlecht ausgebildeter Arzt fachlich besser eingeschätzt wurde als ein (sowieso absolut aber auch im Vergleich heute relativ) besser ausgebildeter Arzt heute eingeschätzt wird, schon weil Erklärungsmuster heute komplizierter und deshalb anfänglich unlogischer sind als früher (und der Arzt seine Methoden deshalb nicht genau erklären kann, sofern er sie versteht) und weil die Gesellschaft eh autoritäts- und wissenschaftskritischer geworden ist.

In Kombination mit dem wachsenden Wunsch der Patienten, Diagnosen und Therapien zu vertehen, ohne sich aber auf den immer komplexeren wissenschaftsmedizinischen Weg begeben zu wollen, trägt es auch zum Verständnis der Beliebtheit einiger zum nicht geringen Teil absurder Alternativmedizinrichtungen bei.

Dann gibt es am Ende zB die Frage, ob es nun von Güte zeugt oder nicht, wenn ein Arzt Kinesiologie anwendet. Und da die Geläuterten oft die Engagiertesten sind, würde ich mir zweimal überlegen, einfach einer Ärztepositivliste von engagierten Patienten zu folgen.

VG, Stefan

Ich hab nichts gemacht. :wink: Die Software wars

Hi!

Der Fortschritt der Wissenschaft und der Technik in der Medizin ist ganz toll, hat aber leider auch ein ganz dickes Contra:

Als es noch keine hochauflösenden, brilliante Bilder liefernde VErfahren wie Röntgen, Ultraschall, Tomographie und MRT undsoweiter und Laboruntersuchungen, die hunderte verschiedene Werte rausspuckten, gab, mußten die Ärzte die Diagnose mit „Aug und Ohr“ finden.

Das heißt, sie mußten den Pat. ausführlich befragen (Anamnese) und ausführlich untersuchen. Der Kontakt, der menschliche, war somit mehr ausgeprägt. Und obwohl damals die ganze Technik nicht vorhanden war, fanden die Ärzte dennoch meist die Diagnose.
Heute braucht der Pat. doch nur ein, zwei Sätze zu sagen und wird dann gleich in die technische Untersuchungsmaschinerie gefahren. Nicht umsonst kursiert heutzutage der sarkastische Spruch: „Gehen wir zum Äußersten - reden wir mit dem Patienten!“ *gg*

Meiner Meinung nach, kann es heutzutage nur einen guten Arzt geben, der sowohl die wissenschaftliche und technische Methodik beherrscht, diese aber weise einsetzt und zwar nur dann, wenn sie wirklich nötig ist, wie auch gleichzeitig den Menschen dahinter nicht vergißt.

Leider vergessen viele junge Kollegen, daß das Gespräch mit dem Patienten (bzw. die Anamnese) immernoch das Wichtigste ist. Und dieses Gespräch sollte ausführlich sein - hier muß ein guter Arzt also mit Bürokratie und Politik jonglieren können, die ihm die Zeit für das Gespräch stehlen wollen bzw. es tun. Und dieses Gespräch sollte auf den Menschen bezogen sein - hier muß ein guter Arzt zwischen wissenschaftlichem Kauderwelsch und der verständlichen deutschen Alltagssprache jonglieren.

Ist ein Arzt ein guter Jongleur mit Mensch und Wissenschaft, wird er in der besten-Ärzte-Liste sowohl von den Wissenschaftlern als guter(=fachlich guter) Arzt angesehen, wie auch von den Patienten/Laien.
Allerdings bezweifle auch ich, daß man dieses wirklich objektiv messen kann.

Denn sowohl fachlich schlechte Ärzte wie auch Heilpraktiker und andere Möchtegern-Mediziner mögen auf der menschlichen Schiene vorbildhaft sein, doch leider haben sie fachlich gesehen keine große Ahnung. Und umgekehrt sind doch manche fachlichen Koryphäen regelrechte menschliche Zombies *fg*

Gruß,
Sharon

Hallo!

Volle Zustimmung. Das ist ja die andere Seite einer Medaille.

VG, Stefan