wir möchten uns als kleine Kommunikationsagentur selbständig
machen und auch ein gemeinsames Konto eröffnen. Der Vorgang
selbst ist kein Problem nur wollen wir irgendwann auch
möglicherweise Fördergelder beantragen und daher auch gut
beraten werden.
Hallo,
Du brauchst schon außergewöhnliches Glück, um bei einer Bank eine brauchbare Beratung über Fördergelder vom Staat zu erhalten. Um Fördermittel zu beantragen, braucht man zwar immer eine Bank, deren Interesse daran ist aber gering. Schließlich hat die Bank nur die Arbeit der Abwicklung und geringen Gewinn. Wenn Du genau weißt, welches Förderprogramm in Betracht kommt, mußt Du mit dem Wunsch nach Antragstellung zur Bank. Informieren mußt Du Dich anderweitig, z. B. bei der Handelskammer. Die halten bunte Broschüren dafür bereit.
Betrachte Geld vom Staat mit Vorsicht. Alle Förderprogramme bezuschussen insbesondere Personalkosten, was manche Gründer veranlaßt, sich wegen der pauschalierten Erstattungen reichlich mit Angestellten zu umgeben. Der Katzenjammer läßt aber nicht lange auf sich warten, wenn auf diese Weise wirtschaftlich nicht tragfähige Strukturen aufgebaut wurden.
Thema Dispo: Wenn Du selbständig neu anfängst, hast Du außer Erwartungen nichts. Deshalb wartet die Bank erst einmal ein paar Jahre ab, ob sich die Erwartungen auch erfüllen. Wenn man dann über einen Dispo redet, redet man auch über Sicherheiten. Also stille Abtretung aller Forderungen, Sicherungsübereignung allen Inventars und regelmäßige Berichte über den Geschäftsverlauf mit allen Forderungen und Verbindlichkeiten und natürlich eine selbstschuldnerische Bürgschaft der Betriebsinhaber.
Du brauchst also eine Bankverbindung zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs, aber das Thema Beratung wird die Bank überfordern, jedenfalls mag sie dieses Thema nicht besonders und läßt es Dich spüren. Das Thema Dispo wird erst aktuell, wenn Du über Jahre knackige Bilanzen vorweisen kannst. Im Moment geht da nur etwas, wenn Du Sicherheiten stellst. Ein Grundstück, eine Kapital-Lebensversicherung mit ordentlichem Rückkaufwert, ein Haus, Wertpapiere oder Bargeld mußt Du dafür vorweisen, sonst gibts nichts.
Als Gründer eines kleinen Unternehmens, in dem Du selbst auf Dauer mitarbeiten willst und das Dich ernähren soll, bekommst Du nur ein paar Sprüche über den unternehmerischen Mut in der heutigen Zeit, ansonsten aber sieht Dich der Banker eher mitleidig an, weil er so gar nichts für Dich tun kann und vor allen Dingen auch nichts tun will. Du bist ein viel zu kleiner Fisch. Das riecht alles nur nach Arbeit und viel Geduld, aber nicht nach der schnellen Mark. Wenn Du aber das ganz große Rad drehen willst, nicht 1 oder 2 Mio Umsatz anstrebst, sondern in 3 Jahren 50 Mio, danach an die Börse und Kasse machen, dann hast Du eher eine Chance, bei der Bank über die Ebene des Filialleiters als Gesprächspartner hinaus zu kommen. Das einschlägige Sprachhülsen-Vokabular hast Du schnell drauf, ein Geschäftsplan, Verzeihung, Business-plan muß es natürlich heißen, ist mit Excel, etwas Alkohol und Phantasie in einer Nacht zusammengehauen, Meilensteine, äh Milestones nicht vergessen und in viel Holzwolle verpackt bis zur Peinlichkeit dick aufgetragen - dann klappt’s auch mit der Bank.
Diese letzten Aussagen beinhalten nur wenig Sarkasmus, sie treffen den Kern. Du bist als Gründer kein Kunde, mit dem eine Bank etwas anfangen kann und will.
Gruß
Wolfgang