Guten rutsch - jiddisch?

hi!

ich hatte neulich gelesen, dass der silvestergrusz „guten rutsch!“ sich aus dem jiddischen herleiten soll [gut rosch]. ‚rosch‘ bedeutet soviel wie „anfang“? aber wieso wird das dann im deutschen zum christlichen neujahr benutzt? Rosch Haschana ist ja nicht (oder nur *ganz* selten :wink: am 31.12…?

viele gruesze
jonas

Verballhornungen
Kümmern sich Verballhornungen um das richtige Datum? Die christlichen Deutschen werden es als Gruß bei den Juden gehört und auf ihr Neujahr übertragen haben. Aber wie genau, dass weiß ich auch nicht.

Schon mal Prosit Neujahr aufs neue Jahrtausend,
Andreas

Re: guten rutsch - jiddisch :smile:
Hi Jonas,

ich hatte neulich gelesen, dass der silvestergrusz „guten
rutsch!“ sich aus dem jiddischen herleiten soll [gut rosch].
‚rosch‘ bedeutet soviel wie „anfang“?

Genau das habe ich hier bei www auch schon mal erklärt bekommen. Es stimmt. Wie die Veränderung in Rutsch statt Rosh genau vonstatten ging, weiß ich allerdings nicht.

aber wieso wird das dann

im deutschen zum christlichen neujahr benutzt? Rosch Haschana
ist ja nicht (oder nur *ganz* selten :wink: am 31.12…?

Nun, weil es auch ein Neujahr ist und ein Neujahrsgruß einfach gut dazu paßt? Ich denke, daß in Deutschland so viele Worte aus dem Jiddischen kommen und wir sie alle benutzen, ohne darüber nachzudenken und zu trennen. Das ist das positive Erbe von VOR 1933.

Folgendes fand ich unter http://www.hagalil.com/jidish/index.htm:

„Beispielsweise das Wort „Schmiere stehen“: es kommt aus dem Hebräischen „schmira“ Wache - stehen); oder „Pleite“ machen (a.d.hebr: plejta = Flucht); „Moos“ (a.d.hebr: ma’oth = kleine Münzen); auch „großkotzig“ stammt aus dem jidd. „kozn“ (a.d.hebr: katzin Richter/ Fürst); der „gutbetuchte“ stammt aus hebr. „betuach“ (=sicher); „Beisl“ aus hebr. „beth“ (=Haus); auch das „Kaff“ kommt aus dem Hebräischen („kfar“=Dorf); oder „Hals und Beinbruch“ das stammt aus dem hebräischen Glückwunsch: „hazlacha“ (Erfolg) und „beracha“ (Segen). Weitere Beispiele sind „Knast“ (Knas, hebr. Strafe), „dufte“ (tow, hebr. gut), „Meshugge“ (meshugah, hebr. verrueckt), „Mishpoche“ (hebr. Mishpachah, Familie), „Maloche“ (Malakha, hebr. Arbeit, Werk), „eine Macke haben“ (Maka, hebr. Schlag)“

Und es gibt bestimmt noch unzählige mehr. Lieben Gruß, Faten

jiddisch Ergänzung
Ein sehr umfangreiche Liste deutscher Wörter, die aus dem Jiddischen stammen, findet sich in

Salcia Landmann, Jiddisch, Das Abenteuer einer Sprache,

das als Ullstein Taschenbuch erschienen ist
Für Interessierte ein lesenswerte Buch.
Beste Grüße Fritz Ruppricht

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richtig…,
…dem kann man sich nur anschliessen… bei mir liegt das Buch auf der Toilette (was natürlich keine Abwertung sein soll…), mancher Gast blieb dort schon etwas länger…:~)
MfG
Michael Zettler
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A gid rosch
„A gid rosch“ heisst einfach „einen guten Anfang“/„einen guten Start“, was man zu jedem Neuanfang sagen kann. Das ist nicht auf Neujahr beschraenkt.

Mag sein, dass die juedischen Mitbuerger ihren christlichen Nachbarn dies zu deren Neujahr wuenschten. Ist ja net so, dass man immer komplett voneinander abgeschottet war. Und weil die Christen nicht so ganz genau wussten, was ihr juedischer Nachbar da gesagt hatte, wurde dieser Glueckwunsch eben zu „einen guten Rutsch“ verballhornt.

Diese Verballhornungen aus dem Jiddischen sind haeufiger als man denkt. Hier bei uns im Schwaebischen gibt’s z.B. einen alten Kinderreim, in dem immer vom „Hasenkarl(e)“ die Rede ist, was an der Stelle ueberhaupt keinen Sinn ergibt. Ich bin sicher, das hiess urspruenglich mal „chos 'n challe“ - Braeutigam und Braut.

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Und das meint die Wissenschaft:
Ein paar gelehrte Koepfe haben sich auch Gedanken ueber den „guten Rutsch“ gemacht:

***

Warum eigentlich „Guten Rutsch“?
Neujahrswunsch stammt vermutlich aus dem Hebräischen

Einen „guten Rutsch“ wünschen sich die Deutschen zum Jahreswechsel - entgegen der landläufigen Meinung hat der Ausdruck jedoch von seinen Ursprüngen her nichts mit einem „Herüberrutschen“ ins neue Jahr zu tun. Und auch die oft zu dieser Jahreszeit herrschende Schnee- und Eisglätte ist nicht gemeint. Der Ausdruck hat vielmehr nach Angaben von Sprachwissenschaftlern ursprünglich keinerlei Bezug zum „Rutschen“. Vielmehr geht er auf das hebräische Wort „rosch“ zurück, das „Kopf“ und „Anfang“ bedeutet, in diesem Falle also den Beginn des neuen Jahres.

Offenbar ist die Redewendung über den jiddischen Neujahrswunsch der Juden für einen „guten Rosh“ ins Deutsche gekommen. Dies wäre kein Einzelfall. In der Alltagssprache gibt es eine ganze Reihe geläufiger Worte und Ausdrücke, deren hebräische oder jiddische Wurzeln heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind.

Quelle:
http://rhein-zeitung.de/on/98/12/29/topnews/rutsch.html

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In einem kurzen Artikel „Wie jiddisch sprechen wir Deutschen?“ in der Berliner TAZ heisst es dazu: „Unsere germanistisch-deutschen Wörterbücher lassen uns ratlos! Aus gutem Grund! Jenes ‚Rutsch‘ leitet sich nämlich keineswegs aus dem Germanischen, sondern von jiddisch ‚rosch‘ her, ‚Kopf‘, ‚Anfang‘, und ‚rosch ha schono‘ heisst ‚Anfang des Jahres‘, ‚Neujahr‘. Als Neujahrsgruß also ist ‚rosch‘ ins Salonfähige eingedeutscht, seine weit älteren Spuren jedoch vergessen: Schon in der Rotwellschen Grammatik von 1755 steht ‚Rathsrutscher‘ für ‚Bürgermeister‘ und ‚Rosch abmachen‘ für ‚köpfen‘.“

Quelle:
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV…

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vielen vielen dank! (oT)
und einen guten anfang! [jedem wohnt ein zauber inne :wink:]
jo