Gutmensch

Hallo!

Im Witzebrett kam es kürzlich zu der Diskussion, ob die Bezeichnung „Gutmensch“ für einen Menschen, der sich für die political correctness einsetzt, verunglimpfend ist oder nicht.

Das ist - denke ich - hinreichend klar geworden.

Mich würde interessieren, wo das Wort herstammt. Wurde es tatsächlich in der rechten Szene geprägt? (Ich habe es übrigens zum ersten Mal gehört, als mich hier bei w-w-w ein Holocaust-Verharmloser als „Gutmensch“ beschimpft hat).

Gruß, Michael

Andere Bedeutung

Hallo!

Im Witzebrett kam es kürzlich zu der Diskussion, ob die
Bezeichnung „Gutmensch“ für einen Menschen, der sich für die
political correctness einsetzt, verunglimpfend ist oder nicht.

Es ist ein nur leicht ablehndender Begriff für jemand der „es allen recht“ machen möchte und dabei immer in der Gefahr steht zu scheitern.

Holocaust-Verharmloser als „Gutmensch“ beschimpft hat).

Passt für mich überhaupt nicht zusammen.

Gruß

Stefan

Hallo, Michael,

Mich würde interessieren, wo das Wort herstammt. Wurde es
tatsächlich in der rechten Szene geprägt?

Zitat aus Neuer Wortschatz: Neologismen der 90er Jahre im Deutschen -
Von Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens
:

Wie dem folgenden Pressezitat zu entnehmen ist, sieht sich dessen Autor, der Journalist Kurt Scheel (die tageszeitung; Mitherausgeber der Zeitschrift „Merkur“) als „Erfinder“ des Wortes Gutmensch:

„Als Erfinder des Wortes Gutmensch - es stand zum ersten Mal 1992 im Januarheft des ‚Merkur’ – möchte ich darauf hinweisen, daß es nur als ‚süffisante, Heiterkeit erzeugende Bemerkung angesichts eines berufsmäßigen Moralisten’ … benutzt werden darf.“
(Frankfurter Rundschau 19.11.1997, S. 18)

http://books.google.de/books?id=nwzq-xXllkAC&pg=PA14… (S. 148-149 -> Kritisches und Normatives)

Gruß
Kreszenz

Alternativen?
Hallo,

die Diskussion kenne ich doch irgendwo her :smile:

Das ist - denke ich - hinreichend klar geworden.

Mir noch nicht ganz. Ich meine mit ‚Gutmensch‘ ja nicht böse, aber das Wort beschreibt bildlich so schön was es ausdrücken soll: Nämlich dass jemand dazu neigt, einem anderen eine falsche Moralvorstellung zu unterstellen (und ihn damit im Übrigen ebenso zu beleidigen) (naaa, merkste watt? )

Ich werde das Wort zu angemessenem Zwecke (!!!) auch weiterhin benutzen, weil in der deutschen Sprache einfach Alternativen dazu fehlen. Wer mir welche nennt, dann stelle ich mich gerne um!

Ich sehe es nur nicht ein mich in eine zwielichtige Ecke stellen zu lassen, nur weil ich die Moralvorstellungen einer Person für deutlich übertrieben halte und dafür ein Wort benutze, was bei einigen wegen eben dieser übertriebenen Moralvorstellungen nicht gut ankommt.

Also, wie kann ich folgenden Satz in ein Substantiv fassen: Du bist „jemand, der meiner Meinung nach eine zu strenge Moralvorstellung vertritt“

Liebe Grüße
VAST

Hallo Michael,
genau dies wurde die Gesellschaft für deutsche Sprache gefragt und antwortet (Auszug):
„Unser Erstbeleg zu Gutmensch stammt aus dem Jahr 1985: In der US-amerikanischen Zeitschrift Forbes wurde Gutmensch auf den damaligen Gewerkschaftsführer Franz Steinkühler (IG Metall) bezogen. Im Englischen existiert goodman als Familienname und Allgemeinbezeichnung, auch im ironischen Sinne (so Webster‘s New Universal Unabridged Dictionary, 1979).“
Siehe: http://www.gfds.de/index.php?id=112

Abendgruß - Ted

Hallo, Michael,
bereits in den frühen 70er Jahren stieß ich auf den englischen Ausdruck „dogoodnik“ (im tiefsten Kalten Krieg darf die russisch klingende Endung nicht verwundern, sie drückt nur noch stärker die Verachtung aus). Als Erklärung gab es dazu die Aussage: „Das meiste Unheil in dieser Welt wurde schon immer von denen angerichtet, die es eigentlich gut meinten.“

Gruß
Eckard

Hallo

Das ist - denke ich - hinreichend klar geworden.

gerade den Eindruck habe ich eben nicht - wie auch das Posting von VAST hier zeigt. Es ist nach meinem Eindruck weniger die Bedeutung des Wortes (ein Mensch, der reflexartig die political correctness Anderer überwacht und ggf. einklagt), die sich gewandelt hat als der Gebrauch - d.h. die Motivation, mit der das Wort ‚Gutmensch‘ gebraucht wird. Gerade im Witzebrett hier wird das deutlich, wo - ebenfalls reflexartig - das Gutmensch-Verdikt verhängt wird, wenn sich jemand über Witze beklagt, weil sie bestimmte Grenzen überschreiten.

Nun ist es sicher richtig, dass zum einen die Grenzüberschreitung ein nicht unwesentliches Moment vieler Witze ist und die Grenzziehung zwischen Witz und beispielsweise rassistischer Verächtlichmachung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen ebenfalls individuell sehr unterschiedlich ausfällt. Man könnte es schlicht als eine Frage des Geschmacks, der guten Kinderstube abtun, wo der einzelne seine persönliche Grenze zieht. Angemessen erscheint mir dies in Hinblick auf die historische Erfahrung mit diffamierenden Witzen als propagandistischem Mittel, allgemeine Akzeptanz für eine reale Verfolgung von Minderheiten zu fördern, allerdings nicht. Insofern ist es schon ein sehr großer Unterschied, ob man Witze über Ostfriesen oder Offenbacher macht oder aber über Zigeuner, Juden oder Türken.

Es bleibt das Gefühl, dass der Gutmensch-Vorwurf dazu dienen soll, sich generell dem Appell, Grenzen zu respektieren, zu verweigern. Und eben dies ist die ‚rechte Ecke‘, aus der auch nach meiner Wahrnehmung in letzter Zeit zunehmend der Gutmensch-Vorwurf kommt. Da sollen schlicht und einfach Äußerungen bestimmter Art - beileibe nicht nur Witze - wieder salonfähig gemacht und diejenigen, die sich gegen eine solche Verrohung von Sprache und Denken wehren, als überempfindliche Vertreter übertriebener political correctness diffamiert werden.

Zumindest, was das Witzebrett angeht, ist eines klar - nicht jeder findet jeden Witz lustig. Wenn sich allerdings Leute beklagen, dass ein Witz menschenverachtend und verletzend ist, dann stimmt in der Regel mit dem Witz etwas nicht - eher selten mit dem, der sich beklagt. Eindeutige Handelsmaximen kann man da nicht vorgeben - es ist eine slippery-slope-Situation. Im Zweifelsfall dürfte es für den gerügten Erzähler am angemessensten sein, zur Kenntnis zu nehmen, dass der Witz nicht den Effekt gehabt hat, den er (hoffentlich) eigentlich haben sollte - andere Menschen zu erheitern - und daraus zu lernen. Sich statt dessen über die übertriebene moralische Empfindlichkeit des nicht amüsierten Teils des Publikums zu beschweren, halte ich für weniger angemessen - man setzt sich damit dem Verdacht aus, dass nicht nur mit dem Witz, sondern auch mit dem Witzeerzähler etwas nicht stimmt.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Michael,

Im Witzebrett kam es kürzlich zu der Diskussion, ob die
Bezeichnung ‚Gutmensch‘ für einen Menschen, der sich für die
political correctness einsetzt, verunglimpfend ist oder nicht.

Es gibt ja auch mittlerweile Leute, die sich ganz selbstbewusst als „politically incorrect“ bezeichen. Die nehmen dann auch ihre Gegenspieler als „Gutmenschen“ auf’s Korn.

http://www.pi-news.net/category/gutmenschen/

Gruß Gernot

MOD: Off-Topic-Kommentare entfernt.

Hallo!

Erst einmal Danke an alle Antwortenden. Anscheinend lässt sich nicht nachweisen, dass der Begriff aus der rechten Szene stammt. Das ist die Antwort auf meine eigentliche Frage.

Die Diskussion darüber, ob „Gutmensch“ nun diffamierend ist oder nicht, wollte ich ursprünglich vermeiden - was natürlich hoffnungslos war. Deshalb schließlich auch meine Meinung dazu:

Political correctness um ihrer selbst Willen ist ziemlich albern und darf gerne kritisiert werden. Selbstverständlich liegen die Geschmacksgrenzen da bei jedem etwas anders. Allerdings halte ich das Eintreten für PC für etwas grundsätzlich ehrenhaftes; der Verstoß gegen die PC ist dahingegen auf jeden Fall eine Provokation (ob gerechtfertigt oder nicht, lasse ich dahingestellt). Dadurch, dass man jemanden als Gutmenschen abstempelt, dreht man diese Einstufung aber um. Deswegen halte ich den Begriff für unangebracht.

Wenn man die Kritik an einem Witz engstirnig, kleinkariert oder sonstwie findet, kann man sie doch als engstirnig, kleinkariert oder sonstwie bezeichnen.

Michael

Hallo Michael,

Political correctness um ihrer selbst Willen ist ziemlich
albern und darf gerne kritisiert werden.

Allerdings halte ich das Eintreten für PC
für etwas grundsätzlich ehrenhaftes; der Verstoß gegen die PC
ist dahingegen auf jeden Fall eine Provokation (ob
gerechtfertigt oder nicht, lasse ich dahingestellt).

Das ist ja eben die Frage, ob etwas, das mehrheitlich als „politically correct“ gilt, wirklich „politically correct“ ist.

Ein aufrechter Mensch scheut sich jedenfalls nicht, die zu benennen, die seine Feinde sind:

http://www.shortnews.de/start.cfm?id=484163

Gruß Gernot

„Das meiste Unheil in dieser Welt wurde schon
immer von denen angerichtet, die es eigentlich gut meinten.“

Genau in diesem Sinne werde ich das Wort auch weiterhin als Schimpfwort gebrauchen : Für Menschen, die den Anspruch erheben, auf der individuellen Ebene moralisch zu handeln, aber langfristige negative Folge ihres Tuns nicht sehen wollen, können oder - noch schlimmer - billigend in Kauf nehmen.

MfG
Klaus