Gymnasiallehrer - Fragen zu Studium & Beruf

Hallo!
Ich (20) studiere nun seit WS03/04 Dipl.-Physik(Uni in Bayern). Allerdings weiß ich noch nicht sicher, in welche Richtung ich gehen möchte, sowohl was das Berufsleben als auch das weitere Studium betrifft. Ich spiele mit dem Gedanken, auf ein Lehramtsstudium umzusteigen, was mir einige Fragen zu Studium und Beruf durch den Kopf gehen lässt.
Sicher sind einige davon nicht so pauschal zu beantworten, aber
ich wäre sehr dankbar, wenn evtl. jemand zu einem Punkt etwas sagen könnte, oder vielleicht ja auch gute Web-Seiten mit Informationen kennt.

Einen großen Vorteil sehe ich der geringeren Arbeitszeit (weniger Wochenstunden, mehr Urlaub, früher Rente), denn mir ist ausreichend Zeit für Familie/Sport/Hobbies sehr wichtig. Hingegen scheint dies bei den Berufsbildern des Dipl.-Studiengangs völlig unmöglich zu sein.
Inwiefern trifft das wirklich zu? Wieviele Klassen und Stunden hat denn im Durchschnitt ein bayr. Lehrer zu unterrichten, korrigieren und vorzubereiten?

Inwieweit kann man selbst wählen, an welcher Schule man referendiert und später unterrichtet? Besteht überhaupt die Chance, an seine „Wunschschule“ zu kommen und dort zu bleiben? Muss man oft mit ungewünschter Versetzung rechnen?

Ein unkalulierbares Risiko ist wohl, dass es oft Probleme mit rebellischen Jugendlichen geben soll.
In kenne Lehrer die sich locker durchsetzen konnten, andere sind zu psychischen Wracks geworden. Inwieweit kann ich solche Probleme bereits jetzt absehen?

Trotz des langen Studiums gilt die Bezahlung leider als recht schlecht (Einstieg 2700€ brutto). Wie funktionieren die Aufstiegsmöglichkeiten ((Ober-)Studienrat(-sdirektor))?

Im Gegensatz zum Dipl.-Abschluss ist mit dem Lehramt das Berufsbild ja fest vorgegeben. Umgekehrt hatte ich gehört, dass nun auch Leute mit Dipl.-Abschluss (in Bayern) Lehrer werden können. Wie sieht das dann konkret aus?

In Bayern scheint es nur wenige unflexible Fächerkombinationen zu geben (Physik nur mit Mathe, Chemie nur mit Bio, usw.). Gibt es eine Übersicht mit allen möglichen Kombinationen?

1000 Dank für eure Hilfe!

Hallo!

Hallo!

Ich (20) studiere nun seit WS03/04 Dipl.-Physik(Uni in
Bayern).

Da solltest du auch möglichst bleiben, wenn du Lehramt studieren willst. Es gibt da nämlich ein Problem, was Bayern (und BaWü, galube ich), mit den Staatsexamen anderen Bundesländer hat. Aus diesem Grund werde auch ich mein Lehramtsstudium ab dem WS 2004/05 nach Bayern verlegen.

ich wäre sehr dankbar, wenn evtl. jemand zu einem Punkt etwas
sagen könnte, oder vielleicht ja auch gute Web-Seiten mit
Informationen kennt.

Eine recht gute, allgemeine Page ist die des bayerischen Kultusministeriums: http://www.bildungsoffensive-bayern.de/km/index.shtml
Ja und dann gibt es eigentlich bei jeder Uni eine spezielle Seite zum Lehramtsstuium. Oder du fragst mal bei der Studienberatung, die eigentlich auchmeist ganz nett sind. Die können einem dann auch was von wegen Anerkennung von Scheinen etc. erzählen.

Einen großen Vorteil sehe ich der geringeren Arbeitszeit
(weniger Wochenstunden, mehr Urlaub, früher Rente), denn mir
ist ausreichend Zeit für Familie/Sport/Hobbies sehr wichtig.

Das kann auch ein Grund sein, muss aber nicht zwangsläufig so eintreten. Immerhin wird gerade diskutiert, die Arbeitszeit für Lehrer zu erhöhen. Auch ich sehe einen Vorteil darin, wobei ich als Frau sicherlich auch noch ein paar Kinder kriegen kann, ohne das ich arg Angst haben muss um den JOb. Aber dieser Grund sollte nicht der Hauptgrund sein!

Hingegen scheint dies bei den Berufsbildern des
Dipl.-Studiengangs völlig unmöglich zu sein.
Inwiefern trifft das wirklich zu? Wieviele Klassen und Stunden
hat denn im Durchschnitt ein bayr. Lehrer zu unterrichten,
korrigieren und vorzubereiten?

Das mit dem Vorbereiten wird sich sicher im Laufe der Jahre legen. Am Anfang ist das aber oft riesen Stress. Es kommt aber auch darauf an, welche Fächer du hast. In Physik und beispielsweise Mathe wirst du wahrscheinlich nicht so lange an der Korrektur einer Kursarbeit sitzen wie bei Deutsch und Englisch. Wie viele Stunden ein Lehrer unterrichtet, weiß ich so genau nicht. Aber es sind, glaube ich, so um die 20!?!

Inwieweit kann man selbst wählen, an welcher Schule man
referendiert und später unterrichtet? Besteht überhaupt die
Chance, an seine „Wunschschule“ zu kommen und dort zu bleiben?
Muss man oft mit ungewünschter Versetzung rechnen?

Soweit ich weiß, bewirbt man sich für das Referendariat bei einer Schule. Wenn sie dich nehmen, hast du Glück. Also so ist es zumindest in S-A.

Ein unkalulierbares Risiko ist wohl, dass es oft Probleme mit
rebellischen Jugendlichen geben soll.
In kenne Lehrer die sich locker durchsetzen konnten, andere
sind zu psychischen Wracks geworden. Inwieweit kann ich solche
Probleme bereits jetzt absehen?

Du wirst in Bayern gezwungen sein, ein dreieinhalbwöchiges Praktikum zu machen. Ich habe es gleich nach dem ersten Semester gemacht. Glücklicherweise erwischte ich auch eine Schule, die das eigene unterrichten förderte.

Trotz des langen Studiums gilt die Bezahlung leider als recht
schlecht (Einstieg 2700€ brutto). Wie funktionieren die
Aufstiegsmöglichkeiten ((Ober-)Studienrat(-sdirektor))?

Das nennst du schlechte Bezahlung!?! *tztztz* Du wirst pro bestimmtem Alter hochgestuft. Die Besoldungstabellen sind auch im Netz. Es spielen dann auch noch Kinder, Familienstand etc mit hinein.

In Bayern scheint es nur wenige unflexible Fächerkombinationen
zu geben (Physik nur mit Mathe, Chemie nur mit Bio, usw.).
Gibt es eine Übersicht mit allen möglichen Kombinationen?

Ja, auf der Seite, die ich oben schon nannte. Wobei mich das ganz schön schockiert, wieunflexibel das sonst so modern bestrebte Bayern hier ist. Schau mal nach S-A, da kannst du quasi alles mit allem, nur nicht Musik mit Sport und Kunst. Mmh…

1000 Dank für eure Hilfe!

Wenn’s geholfen hat…

Hallo,

wenn ich so was lese

Einen großen Vorteil sehe ich der geringeren Arbeitszeit
(weniger Wochenstunden, mehr Urlaub, früher Rente), denn mir
ist ausreichend Zeit für Familie/Sport/Hobbies sehr wichtig.

oder so was

Ein unkalulierbares Risiko ist wohl, dass es oft Probleme mit
rebellischen Jugendlichen geben soll.

krieg ich schon einen Hals

Es erinnert mich an die Schalftabletten von Lehrern, deren Motivation mit der einer Scheibe Knäckebrot vergleichbar waren und bei unbotmäßigen Schülern mit Notendruck etc. ‚argumentierten‘

In kenne Lehrer die sich locker durchsetzen konnten, andere
sind zu psychischen Wracks geworden. Inwieweit kann ich solche
Probleme bereits jetzt absehen?

Wenn Du so an die Sache rangehst, wie oben angeschnitten (möglichst wenig tun…) wirst Du sicher Probleme kriegen, das würde ich Dir sagar wünschen.

Trotz des langen Studiums gilt die Bezahlung leider als recht
schlecht (Einstieg 2700€ brutto). Wie funktionieren die
Aufstiegsmöglichkeiten ((Ober-)Studienrat(-sdirektor))?

immer noch ‚nach Plan‘

Im Gegensatz zum Dipl.-Abschluss ist mit dem Lehramt das
Berufsbild ja fest vorgegeben. Umgekehrt hatte ich gehört,
dass nun auch Leute mit Dipl.-Abschluss (in Bayern) Lehrer
werden können. Wie sieht das dann konkret aus?

Das gibts nicht nur in Bayern! Andere Bundesländer haben auch solche Programme gestartet. Allerdings sind viele dieser Programme wieder abgeblasen worden, weil die meisten Bewerber recht schnell an ihre pädagogischen Grenzen gekommen sind. Bei einem Freund (Lehrer) sind inzwischen alle(!) Quereinsteiger entnervt ausgestiegen.

Mein Tip.
Wenn Du nicht von Herzen(!) gerne Lehrer werden möchtest, sondern nur wegen der (vermeintlich) attraktiven Arbeitszeit, laß es bitte bleiben.
Unsere Kinder haben bessere, engagiertere Lehrer verdient!!!

Gandalf

Hallo!

Inwieweit kann man selbst wählen, an welcher Schule man
referendiert und später unterrichtet? Besteht überhaupt die
Chance, an seine „Wunschschule“ zu kommen und dort zu bleiben?
Muss man oft mit ungewünschter Versetzung rechnen?

In NRW geht der Trend gerade in die umgekehrte Richtung: Die Schulen bekommen Moeglichkeiten, sich die Lehrer auszusuchen. Das hat (wahrscheinlich,hoffentlich) die Folge, dass desinteressierte und gelangweilte Lehrer an Schulen mit schlechtem Ruf und niedrigem Bildungsniveau kommen. Du waerest wahrscheinlich ein Kandidat fuer eine solche Schule. Das sind aber gerade die Schulen, an denen sich die schwierigen Jugendlichen sammeln. So etwas nennt man gemeinhinn einen sozialen Brennpunkt. Du solltest Dir (insbesondere im Interesse der Zukunft unseres Landes und der Post-Pisa-Generation) GUT ueberlegen, ob Du das wirklich moechtest…

Ein unkalulierbares Risiko ist wohl, dass es oft Probleme mit
rebellischen Jugendlichen geben soll.
In kenne Lehrer die sich locker durchsetzen konnten, andere
sind zu psychischen Wracks geworden. Inwieweit kann ich solche
Probleme bereits jetzt absehen?

s.o.

Trotz des langen Studiums gilt die Bezahlung leider als recht
schlecht (Einstieg 2700€ brutto). Wie funktionieren die
Aufstiegsmöglichkeiten ((Ober-)Studienrat(-sdirektor))?

Da der Staat generell (jede Partei) und besonders in den Bereichen Bildung und Jugend ein Sparprogramm nach dem anderen startet, wird sich das in absehbarer Zeit auch nicht mehr aendern.

Entschuldige, dass ich so hart mit Deiner Zukunft ins Gericht gehe, aber ich schliesse aus der Formulierung Deines Beitrages, dass der Lehrberuf fuer Dich nicht das Richtige ist. Allerdings ist Diplomphysik wahrscheinlich auch nicht so geeignet… Da ist naemlich die Arbeitsbelastung sowohl im Studium als auch spaeter im Beruf typischerweise ueberdurchschnittlich. :frowning:

Mausi

Aus Sicht der Mutter eines Gymnasiasten kann ich nur sagen, bleib beruflich bloß wo Du bist!! Lehrer, die nicht von Herzen ihren Beruf ergreifen und sich vorab an Freizeit, Frühpension und anderen Nettigkeiten orientieren sind so überflüssig wie ein Geschwür am Allerwertesten.
Es gibt SO VIELE engagierte, neugierige und interessierte Lehramtsanwärter, die sich auf die tägliche Arbeit mit unserer Jugend einlassen, und die keinen Job bekommen. Angelika