'Haare auf den Zähnen haben'

Hallo,

bezieht sich diese Redewendung nur auf Männer, nur auf Frauen, oder beides? Gibt es da dialektale / regionale Unterschiede?

Mal sehen, ob ich eine Wette gewinne…

Danke únd Grüße,
Pipo

Hallo, Pipo,

bezieht sich diese Redewendung nur auf Männer, nur auf Frauen,
oder beides?

ursprünglich wohl ausschließlich auf Männer, mittlerweile wird es meist im Zusammenhang mit Frauen gebraucht, siehe Röhrich:

„Haare auf den Zähnen (auf der Zunge) haben: energisch sein, sich nichts gefallen lassen, rigoros sein Recht verteidigen (bes. gern von Frauen gesagt…) Die Rda. Ist wohl eine Weiterbildung von Ausdrücken wie „Haare haben“ „ein haariger Kerl sein“, d. h. sich der vollen Männlichkeit erfreuen /vgl. frz. poilu, wörtl. = behaart, dann tapfer…)…

Zur Etymologie aus Grimm:

…_"voller haarwuchs an kopf und bart ist zeichen der kraft, und als mann wird im deutschen rechte der erkannt, der haare am bart, unter den armen und an den schamtheilen hat…

Die folgenden beispiele fassen die mannheit unter dem bilde der haare…
Er hat haare auf den zähnen, er ist ein starker, ganzer mann
wir müssen den sinn bei den redensarten haare auf den zähnen, auf der zunge haben durchaus hyperbolisch fassen und dabei nicht an das barthaar denken, das ja nicht auf und an zähnen und zunge, sondern über denselben wächst…

wir müssen bei würdigung jener reden vielmehr unter ausgang von dem starken haarwuchse als zeichen der kraft und stärke das behaartsein an ungewöhnlichen stellen, an solchen wo sonst kein haar wächst und wachsen kann, als zeichen einer ungewöhnlichen manneskraft nehmen…"_

http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Auch auf http://www.wdr.de/themen/forschung/1/kleine_anfrage/…
findest du etwas zum Thema.

Gruß

Kreszenz

Hi Kreszenz,

ursprünglich wohl ausschließlich auf Männer

das ist vielleicht ein kleines Missverständnis: Der Kerl hat Haare, dass es dem Christenmenschen graust, das muss nicht erst betont werden. Die Holde hingegen, die sich erst als wiaschde Raffl zu erkennen gibt, wenn sie’s Maul aufmacht - die hat Haare auf den Zähnen.

Gruß Ralf

wiaschde Raffl

Hallo,
einerseits hab ich da jetzt was dazugelernt (ein Schimpfwort), andererseits wüsst ich gern, ob/was die Raffl mit dem Raffele (Musikinstrument) zu tun hat.

Dank und Gruß!
H.

Hallo, Hannes,

andererseits wüsst ich gern, ob/was die Raffl mit dem Raffele
(Musikinstrument) zu tun hat.

das Raffele könnte abgeleitet sein von

raffeln, reiben, schaben (Grimm, s. u.)

Zur Raffel:

_in mehreren bedeutungen, entsprechend dem verbum raffeln.

  1. schweizerisch eine klapper: die raffel, raffle, klapper, vorzüglich eine solche, womit in der karwoche …
  2. weiter verbreitet in übertragener bedeutung, als schwatzendes weib, auch in den begriff des häszlichen und alten verlaufend: …
  3. raffel, auch verächtlich mund, maul: so oberpfälzisch (Schm.), nassauisch (Kehrein …
  4. beim hirsch: raffel, mandibula superior cervi quae in anteriore parte dentium loco gingivam duriorem habet.
  5. werkzeug zum raffeln: raffel, radula, instrumentum quo raditur. Frisch a. a. o.; schweiz …_

http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Gruß
Kreszenz

2 „Gefällt mir“

raffeln, reiben, schaben (Grimm, s. u.)
Zur Raffel:

Der (m.) Raffel, bekannt z.B. als:
Krautraffel = Krauthobel, Käsraffel = Parmesanreibe, Pelzraffel = zum Pferde striegeln usw.

(kommt aber als Schimpfwort anscheinend nur lokal verbreitet vor:
http://oewb.retti.info/oewb-public/show.cgi?lexnr=xz… )

Grüße, Michl

1 „Gefällt mir“

Hi ihrs!

wenn sie’s Maul aufmacht - die hat Haare auf den Zähnen.

Von Frauen erwartet man ja nicht unbedingt körperliche Gewalt.
Umso besser verstehen sie sich auf verbale Gewaltakte!

So nach dem Motto: Ein Mann tut (prügeln), eine Frau schimpft!

Fritz

3 „Gefällt mir“

Hallo, Kreszenz,
mit einer Umlautung kenne ich das aus dem (Ober)Fränkischen - Bamberger Gegend - als „Waffl“ für „(Schand)Maul“ („Halt dei Waffl!“) und das Verb „waafn“ als inhaltsleeres Reden („Du hold ned so waafn!“).
Vielleicht müssen wir noch ins Dialektbrett umziehen.
Gruß
Eckard

Hallo, Eckard,

mit einer Umlautung kenne ich das aus dem (Ober)Fränkischen -
Bamberger Gegend - als „Waffl“ für „(Schand)Maul“ („Halt dei
Waffl!“) und das Verb „waafn“ als inhaltsleeres Reden („Du
hold ned so waafn!“).

…hier gibt’s noch den „Wafflbe[ä]ck“ (=Dampfplauderer)…

Auch zu „wafen“ und „Waffel“ wird man bei Grimm fündig:

WAFEN,WAFFEN, verb.

sprechen (in verächtlichem sinn), schwätzen. SCHMELLER2 2, 862. Bayerns mundarten 2, 268 (aus Bayreuth). nach KLEIN prov. wb. 2, 224 ist waffen heulen, das maul hängen. onomatopoetisch, zu waffe, waffel maul, vgl. auch waff und waffeln.

WAFFEL f.

_ein in ober und mitteldeutschen mundarten und in der älteren litteratur verbreitetes wort, das wol zunächst auf wol zunächst auf das verbum waffeln (s. d.) zurückgeht, das seinerseits eine weiterbildung von dem onomatopoetischen waffen ist.

  1. groszer mund mit herabhängenden lippen: wafflen, eine grosse goscha, ein triel, bucca. Maaler 482 …
  2. im nürnbergischen ist waffel auch die höhlung des löffels, mit dem offenen mund verglichen. …
  3. waffel kann auch schlag aufs maul, ohrfeige sein, vgl. wäffling und waffe: ein wafflen gäben, …
  4. persönlich genommen ist waffel schwätzerin, klatschbase. so mehrfach in mundarten …_

http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Gruß
Kreszenz