3 Produkte, aber nur 2 Farbstoffarten
Moin!
wer kann mir mal genau den Unterschied erklären zwischen
Haartönung, Intensivtönung und Haarfarbe?
Ich.
Haarfarbe ist NICHT AUSWASCHBAR, verändert die Haarstruktur da
die Farbpigmente „eingebettet“ werden und enthält
Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel?
Haartöung ist AUSWASCHBAR, verändert die Haarstruktur nicht
und liegt nur oberflächlich auf dem Haar, kein
Oxidationsmittel enthalten?
Und wo steht die Intensivtönung?
Ist die wirklich restlos (!) auswaschbar, so dass es keinen
sichtbaren Haaransatz gibt? Wie greift diese in die
Haarstruktur?
Der Witz ist: Es gibt drei verschiedene Produkte, um die Haarfarbe zu verändern, aber nur zwei Sorten Farbstoffe.
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Direktziehende Farbstoffe (kurz Direktzieher):
Sie legen sich um das Haar, bei porösem Haar auch unter die äußere Schicht (Schuppenschicht), dringen aber nur sehr selten bei sehr porösen Haaren bis in die innere Schicht (Faserschicht) des Haares ein.
Sie sind umso besser auswaschbar, je gesünder das Haar beim Tönen war.
Aus blondierten Haaren sind sie häufig nicht rückstandsfrei auswaschbar und lassen dann gern einen blassen Farbschimmer zurück.
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Farbbildner = Oxidationsfarbstoffe
Diese Farbstoffe bestehen aus 2 Elementen, den Farbstoffvorstufen und den Kupplungskomponenten.
Diese sind an sich erstmal farblos.
Gibt man zu diesen beiden Farbelementen Oxidationsmittel hinzu, so werden die Farbstoffvorstufen und die Kupplungskomponenten miteinander verkuppelt und werden dadurch farbig.
Dieser Vorgang findet in der Faserschicht statt. Dorthin gelangen die Farbstoffe, weil die Farbcreme auch Alkalisierungsmittel enthalt, das das Haar aufquillt und porös macht, sodass die Farbstoffe eindringen können.
Da die Farbbildner nach dem Verkuppeltwerden größere Moleküle sind, können sie nicht mehr aus der Haarstruktur austreten und folglich auch nicht ausgewaschen werden, deshalb sind sie dauerhaft haltbar.
Intensivtönung ist ein Zwitter: Es enthält beide Farbstoffarten.
Die Anteile an Farbbildnern sind vorwiegend dazu gedacht, die Farbtiefe zu erzielen, d.h. die Grundfarbe, die erzielt werden soll. Dieser Anteil der Farbe hält dauerhaft, deshalb gibt es hin und wieder auch einen Ansatz bei Intensivtönung, dann nämlich, wenn die Farbe von der eigenen Haarfarbe in der Helligkeit abweicht.
Die Anteile an Direktziehern sind dann für die Nuancierung, v.a. für brillante Rot- und Violetttöne. Sie waschen sich relativ schnell wieder aus, weshalb eine Intensivtönung relativ schnell ihre Leuchtkraft verliert, trotzdem aber länger hält als eine Schaumtönung.
Von Friseuren höre ich nur immer, dass eine Intensivtönung nur
eine Tönung sei - das sage ja schon der Name.
Eine Intensivtönung hat einmal diesen Namen bekommen, weil es soviel Kunden gibt, die Angst vorm Färben haben, und weil man denen eine Tönung besser verkaufen kann.
Der Euphemismus besteht darin, dass Intensivtönung gleichzeitig so intensiv und so sanft klingt, obwohl sie genauso einen Ansatz hinterlassen kann wie ne Farbe.
Da aber bei einer Intensivtönung zwei Substanzen gemischt
werden müssen kann ich mir das ehrlich gesagt nicht recht
vorstellen.
Deine Zweifel treffen den Nagel auf den Kopf und wenn du meinen Erklärungen oben folgen konntest, weißt du ja nun warum.
Irgendeine Reaktion (Oxidation?) wird ja erst
durch das Mischen in Gang gesetzt. Wasserstoffperoxid scheint
nicht enthalten zu sein, aber ist das eingesetzte andere
Oxidationsmittel unschädlich für die Haarstruktur?
Es ist genau das gleiche Oxidationsmittel, nämlich Wasserstoffperoxid, lediglich in geringerer Konzentration (Farbe 6 - 9%, Intensivtönung 1,9 - 4 %(.
Wer weiss was genaueres?
Dein Friseur jedenfalls nicht.
Mich gruselt es immer wieder, wenn mir meine Schüler erzählen, was ihnen ihre Chefs zu den chemischen Dingen an konfusem Humbug erzählen.
Hoffe, das hat dir weitergeholfen und war nicht zu chemisch oder komplex.
Gruß Noi