Guten Morgen!
Gestern brauchte ich Müllsäcke. Diese Dinger, die von der Müllabfuhr mitgenommen werden. Die erste Merkwürdigkeit: Müllsäcke und Gelbe Säcke gibt’s auf dem Amt dieser strukturschwachen Gegend. Hier gibt’s zu wenig Arbeit und die öffentlichen Kassen sind furchtbar klamm, eigentlich pleite. Man sollte also erwarten, daß wirtschaftlich mit den knappen Mitteln umgegangen wird. Das sieht dann so aus: Ich will also Müllsäcke haben. Die Dame vom Ordnungsamt schickt mich zunächst ein Stockwerk höher zur Kasse. Dort sitzt eine Amtsmitarbeiterin, der ich meinen Wunsch vortrage, 4 Müllsäcke à 3 Euro bezahlen zu wollen. Die Dame nimmt sich einen Quittungsblock sowie ein Blatt Durchschlagpapier und stellt handschriftlich eine Quittung aus, die ich (als Einzahler?!) zu unterschreiben habe. Das Original der Quittung gibt sie mir und behält den Durchschlag. Mit meiner Quittung gehe ich also wieder zum Ordnungsamt eine Treppe tiefer. Dort nimmt man mir meine Quittung wieder ab. Eine Mitarbeiterin geht mit dem Zettel über den Amtsflur in den Kopierraum, fertigt eine Kopie der Quittung an und gibt mir mein Exemplar wieder zurück. In der Zwischenzeit ist eine andere Mitarbeiterin in einen anderen Raum gegangen, um von einer Rolle 4 Müllsäcke abzureißen…
Muß man das alles noch kommentieren? Kennzahl einer Zahlungsart und Betrag in eine billige Kasse/PC getippt und Ware herausgeben - damit darf ein Mitarbeiter nur Sekunden beschäftigt sein, sonst wird Geldvernichtung betrieben. Ob der Müllsackhandel beim örtlichen Lebensmittelhändler besser aufgehoben ist, muß die erste Überlegung sein. Die weitere Überlegung gilt aber den haarsträubend umständlichen Vorgängen im Amt.
Wie führt man hier eine Änderung herbei? Ein Schreiben an das Amt? Ein Gespräch mit dem Verwaltungschef/Bürgermeister? Den Damen und Herren müssen die Zustände bekannt sein. Es ist ihnen entweder gleichgültig oder sie verstehen nichts von effizienter Organisation oder sie gehorchen Vorschriften, die den Ansprüchen an eine zeitgemäße Verwaltung nicht gerecht werden.
Das kann man nicht so lassen! Der Handel mit Müllsäcken ist nur ein symptomatisches Beispiel. Die Herrschaften verfahren stets so, was auch immer sie anfassen!
Zunächst dachte ich an einen launig geschriebenen Artikel in der regionalen Zeitung. Aber hilft das? Wenn ich die Arbeitsweise sehe, bekomme ich zwar einen dicken Hals, aber trotzdem möchte ich niemanden der Lächerlichkeit anheim geben, wenn es auch anders geht. Aber wie? Ein Hauptproblem ist die viel zu üppige Personalausstattung. Niemand rationalisiert sich gerne selbst weg. Beließe man nur Vorgänge im Amt, die der Beurteilung oder Vertraulichkeit bedürfen oder die hoheitliche Akte darstellen, könnte man gewiß den größten Teil aller Mitarbeiter nach Hause schicken.
Gruß
Wolfgang
