Haarsträubendes vom Amt

Guten Morgen!

Gestern brauchte ich Müllsäcke. Diese Dinger, die von der Müllabfuhr mitgenommen werden. Die erste Merkwürdigkeit: Müllsäcke und Gelbe Säcke gibt’s auf dem Amt dieser strukturschwachen Gegend. Hier gibt’s zu wenig Arbeit und die öffentlichen Kassen sind furchtbar klamm, eigentlich pleite. Man sollte also erwarten, daß wirtschaftlich mit den knappen Mitteln umgegangen wird. Das sieht dann so aus: Ich will also Müllsäcke haben. Die Dame vom Ordnungsamt schickt mich zunächst ein Stockwerk höher zur Kasse. Dort sitzt eine Amtsmitarbeiterin, der ich meinen Wunsch vortrage, 4 Müllsäcke à 3 Euro bezahlen zu wollen. Die Dame nimmt sich einen Quittungsblock sowie ein Blatt Durchschlagpapier und stellt handschriftlich eine Quittung aus, die ich (als Einzahler?!) zu unterschreiben habe. Das Original der Quittung gibt sie mir und behält den Durchschlag. Mit meiner Quittung gehe ich also wieder zum Ordnungsamt eine Treppe tiefer. Dort nimmt man mir meine Quittung wieder ab. Eine Mitarbeiterin geht mit dem Zettel über den Amtsflur in den Kopierraum, fertigt eine Kopie der Quittung an und gibt mir mein Exemplar wieder zurück. In der Zwischenzeit ist eine andere Mitarbeiterin in einen anderen Raum gegangen, um von einer Rolle 4 Müllsäcke abzureißen…

Muß man das alles noch kommentieren? Kennzahl einer Zahlungsart und Betrag in eine billige Kasse/PC getippt und Ware herausgeben - damit darf ein Mitarbeiter nur Sekunden beschäftigt sein, sonst wird Geldvernichtung betrieben. Ob der Müllsackhandel beim örtlichen Lebensmittelhändler besser aufgehoben ist, muß die erste Überlegung sein. Die weitere Überlegung gilt aber den haarsträubend umständlichen Vorgängen im Amt.

Wie führt man hier eine Änderung herbei? Ein Schreiben an das Amt? Ein Gespräch mit dem Verwaltungschef/Bürgermeister? Den Damen und Herren müssen die Zustände bekannt sein. Es ist ihnen entweder gleichgültig oder sie verstehen nichts von effizienter Organisation oder sie gehorchen Vorschriften, die den Ansprüchen an eine zeitgemäße Verwaltung nicht gerecht werden.

Das kann man nicht so lassen! Der Handel mit Müllsäcken ist nur ein symptomatisches Beispiel. Die Herrschaften verfahren stets so, was auch immer sie anfassen!
Zunächst dachte ich an einen launig geschriebenen Artikel in der regionalen Zeitung. Aber hilft das? Wenn ich die Arbeitsweise sehe, bekomme ich zwar einen dicken Hals, aber trotzdem möchte ich niemanden der Lächerlichkeit anheim geben, wenn es auch anders geht. Aber wie? Ein Hauptproblem ist die viel zu üppige Personalausstattung. Niemand rationalisiert sich gerne selbst weg. Beließe man nur Vorgänge im Amt, die der Beurteilung oder Vertraulichkeit bedürfen oder die hoheitliche Akte darstellen, könnte man gewiß den größten Teil aller Mitarbeiter nach Hause schicken.

Gruß
Wolfgang

à 3 Euro bezahlen zu wollen. Die Dame nimmt sich einen
Quittungsblock sowie ein Blatt Durchschlagpapier und stellt
handschriftlich eine Quittung aus, die ich (als Einzahler?!)
zu unterschreiben habe.

Hallo !
Du mußt als Einzahler unterschreiben, weil Du damit auch event. ein Müllverursacher/ein Umweltschädling wirst. Du weißt, Du darfst nicht alles in diesen Tüten entsorgen.
Es ist, wie beim Rattengift kaufen, auch dann unterschreibst Du!

aufgehoben ist, muß die erste Überlegung sein. Die weitere
Überlegung gilt aber den haarsträubend umständlichen Vorgängen
im Amt.

Umständlichkeit erhält Arbeitsplätze! Sollen noch mehr Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, wie bei der Post, bei der Bahn, bei den Banken?
Sei froh, dass dies „umständlichen“ Gänge Arbeitsplätze erhalten.

Wie führt man hier eine Änderung herbei?

Wenn Du sas schaffst, bist Du verantwortlich für die Entlassung dieser Leute.
Aber abends vorm Fernseher, bei den bösen nachrichten, schimpfen wir dann auf die Regierung, die alles wegrationalisiert!

viel zu üppige Personalausstattung.

Frag mal die Angestellten mit ihrem Hungerlohn, ob es da zu üppig zugeht. Wieviele ihrer Kollegen in Rente, in Pension, in Mutterschaft gegangen sind, ohne das neu eingestellt wurde.
Üppig ging es vor 20 Jahren zu, heute nicht mehr!

Gruß max

Hallo Max,

Du mußt als Einzahler unterschreiben, weil Du damit auch
event. ein Müllverursacher/ein Umweltschädling wirst.

Das ist aus mehreren Gründen gewiß nicht der Fall. Eher wären alle anderen Bürger, die nämlich keine Entsorgungssäcke kaufen, potentiell verdächtige Umweltsünder und außerdem wäre das Ziel nur mit vollständigem Namen und Anschrift zu erreichen. Nicht aber nur per Unterschrift und ohne Personalausweis.

Umständlichkeit erhält Arbeitsplätze!

Das halte ich für einen gefährlichen Irrglauben. Vielmehr produziert Umständlichkeit vermeidbare Kosten. Warum regen wir uns überhaupt über 4 Mio Arbeitslose auf? Man stelle neben jeden Amtsmitarbeiter je einen bisher Arbeitslosen, der jeden Zettel zu unterschreiben, zu kopieren und in eine Ablage zu befördern hat und schon ist unser Problem beseitigt?

Die fehlende Effizienz bindet Mittel und läßt sie ungenutzt verpuffen. Mittel, mit denen z. B. Investitionen für den Wirtschaftskreislauf und dessen Förderung getätigt werden könnten. Beschäftigungstherapie, einer gräbt ein Loch, der nächste schaufelt es wieder zu, verbrät die Ressourcen unserer Volkswirtschaft sinnlos. Aus dem gleichen Grund sind Investitionen in Rüstungsgüter unsinnig. Zunächst bringt man zwar Menschen in Lohn und Brot, aber sie produzieren nichts für den Wirtschaftskreislauf Nutzbares. Deshalb folgt solchen Aktionen regelmäßig der Katzenjammer.

Beschäftigung macht für jede Volkswirtschaft nur Sinn, wenn ein wie auch immer gearteter Nutzen erzielt wird. Das gilt immer und ohne jede Ausnahme, also auch für die öffentliche Verwaltung.

Gruß
Wolfgang

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Hallo,

Du mußt als Einzahler unterschreiben, weil Du damit auch
event. ein Müllverursacher/ein Umweltschädling wirst. Du
weißt, Du darfst nicht alles in diesen Tüten entsorgen.
Es ist, wie beim Rattengift kaufen, auch dann unterschreibst
Du!

Schön und gut, aber was hat das Amt von meiner Unterschrift? Akzeptiere ich damit die Umwelt-AGB? :wink:
Illegale Müllentsorgung ist auch ohne Unterschrift eine OWi bzw Straftat.
Und selbst wenn meine Unterschrift irgendetwas bestätigen würde (ausser dass ich durch diesen Zirkus einen Behördenmitarbeiter vor der möglicherweise gerechtfertigten Freistellung bewahre), hat der Müllsack immer noch keine Seriennummer, anhand derer ich als Verursacher irgendeines Verstosses ausfindig gemacht werden könnte.

Umständlichkeit erhält Arbeitsplätze! Sollen noch mehr
Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, wie bei der Post, bei
der Bahn, bei den Banken?

JA! Dort werden nämlich unsere Steuergelder verplempert. Und was hätten die Banken davon, tausende Mitarbeiter bis zur dann zwangsläufigen Pleite mit durchzuschleppen?

Sei froh, dass dies „umständlichen“ Gänge Arbeitsplätze
erhalten.

Und Geld vernichten. Nicht nur das Gehalt der Amtsleutchen sondern auch die vertrödelte Wartezeit der Bittsteller sind durchaus vermeidbar. Effizienz sollte nicht der freien Wirtschaft vorbehalten bleiben.
Übrigens ist das beste, was ein Mitarbeiter für sein Unternehmen tun kann, sich selber überflüssig zu machen, ohne dass seine Arbeit durch andere erledigt werden muss. Nur macht das leider keiner, weil dies nicht honoriert wird.

Wenn Du sas schaffst, bist Du verantwortlich für die
Entlassung dieser Leute.

…und wirst von mir fürs Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.
Entlassung bedeutet nicht zwangsläufig Arbeitslosigkeit! Ein Job ist keine Ausruhzone bis zur Rente (bzw in diesem Fall Pension).
Wenn eine Firma pleite geht, müssen die Angestellten ja auch ihren Arbeitsplatz aufgeben. Oder willst du einen unrentablen Laden mit Steuergeldern am Leben halten (Kohlebergbau, Mobilcom, Holzmann sind doch teure und abschreckende Beispiele genug)?

Aber abends vorm Fernseher, bei den bösen nachrichten,
schimpfen wir dann auf die Regierung, die alles
wegrationalisiert!

Ich würde schimpfen, wenn sie nicht rationalisiert. Gegenüber den Steuerzahlern ist sie dazu verpflichtet. Geld anderer Leute zum Fenster rauswerfen kann ich auch alleine, da brauche ich keine Regierung für.
Aber auf andere zu schimpfen war schon immer leichter als für seine Zukunft selbst etwas zu tun.
(Aber wo wir bei Vorurteilen sind: wenn du bei RTL „Das Amt“ siehst, dann lachst du doch auch über die Unfähigkeit der dargestellten Beamten (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig…) und schlägst die Hände überm Kopf zusammen, dass Arbeit, Moral und Arbeitsmoral dort Fremdworte sind.)

Üppig ging es vor 20 Jahren zu, heute nicht mehr!

Das wäre ja auch noch schöner…

Gruß
Nils

Rattengift und Ämter
Hallo Max,

früher war das noch viiiiel komplizierter, aber damals hat sich noch der Bürgermeister um alles gekümmert, siehe auch hier:

http://www.psychotanten.de/bilder/a000009.jpg

Auch bei uns im Dorf kommt der Bürgermeister persönlich, um den Komposthaufen ordnungsgemäß *abzunehmen*, allerdings ohne Quittung, ganz formlos :wink:

@Wolfgang: es gibt doch in kleinen Gemeinden immer eine Bürgermeister-Sprechstunde. Falls das bei euch auch so ist, nimmt das wahr und rede mit ihm, vielleicht bringt es doch was…?

Schöne Grüße,
Maja

Hallo,

bei uns kriegt man die Säcke beim Kaufmann oder auf dem Amt. Wollt ich bloß anmerken : das gibt’s auch anders.
Es macht doch keinen Sinn für den Müllsack zu unterschreiben. Sinn würde es machen auf (!) dem Müllsack zu unterschreiben, damit man den Inhalt einer Person zuordnen kann, falls denn Dinge darin sind, die nicht darin sein sollten.

Wie sollen Beamte sich denn wie vernünftige Menschen verhalten, wenn sie ihre Tage mit so einem Blödsinn verbringen ? Zu einer Arbeit gehört doch auch, dass sie gebraucht wird oder zumindest Sinn macht.

So lange ist das noch gar nicht her, dass es bei uns auch so absurd zuging. Wann hat sich das geändert und warum ? Der Leitende Verwaltungsbeamte kam neu. Und der hat wohl auf der Schule einiges über Arbeitsabläufe und Bürgernähe und dergleichen gelernt. Zugleich gab es zunehmenden Druck aus den angehörigen Gemeiden. Dann wurde ausgiebig umstrukturiert, neuverteilt etc. Und nun ist es nur noch selten, dass man nach einem „Amtsgang“ benommen vor der Tür steht. Und wenn was schiefläuft, kann man zumindest Namen und Gesicht des Missetäters benennen - denn es gibt nur jeweils einen, mit dem man zu tun hatte. Und die Mitarbeiter sehen auch nicht mehr so müde aus. Obwohl sie mehr zu tun haben.

Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, auf einen Beschluß zur Verbesserung der Abläufe und zu mehr Bürgerfreundlichkeit zu drängen. Neben Einwohnerversammlung und Einwohnerfragestunde gibts ja noch den Einwohnerantrag und das Bürgerbegehren. Da mußt du mal in die Gemeindeordnung deines Bundeslandes gucken, welche Vorraussetzungen erfüllt sein müssen.
Und jeden Gemeindevertreter, den man trifft, nerven. Bis alle denken, sie hätten sich schon lange Gedanken über dieses Thema gemacht.
Fragt sich, ob dich die Sache wirklich so sehr nervt, dass du dich da reinhängst. Schön wärs.

Viel Glück

Heike

Fragt sich, ob dich die Sache wirklich so sehr nervt, dass du
dich da reinhängst. Schön wärs.

Hallo Heike,

für den rationell ablaufenden Verkauf von Müllsäcken werde ich ganz gewiß keinen Augenblick opfern. Das halte ich schon deshalb für sinnlos, weil die Amtsmitarbeiter, spätestens aber der Amtsleiter, solchen offenkundigen Unfug selbst erkennen müssen. Tun sie aber nicht oder es ist ihnen gleichgültig. Die Müllsäcke eignen sich als Beispiel, weil der Ablauf in seiner Einfachheit vollständig überschaubar ist und es keine Ausreden mit Hinweis auf vom Bürger womöglich nicht gesehene Hintergründe gibt. Bewirkt man dort eine Veränderung, gehts im ganzen Rest weiter wie gehabt. Tatsächlich ist der Müllsackverkauf symptomatisch für die Arbeitsweise nicht nur dieses einen Amtes hier in der Region. Viele Mitarbeiter scheinen resigniert zu haben und richten sich mit dem laß-es-laufen-Zustand ein. Das reicht von 1.000 (!!) Mitarbeitern in der Kreisverwaltung, die überwiegend nichts (das ist wörtlich gemeint) zu tun haben und geht bis zu Sachentscheidungen, wo es einfach an Sachkunde fehlt. Da findet sich endlich jemand, der eine seit vielen Jahren zum Verkauf stehende Gemeindeimmobilie kaufen will. Die Gemeinde will 100.000 € haben. Der Kaufer will nur 50 T€ zahlen. Der Verkauf scheitert, das Gebäude steht weiter leer und wird nun für 100 T€ auf Kosten der Gemeinde abgerissen. Es werden neue Straßenlaternen beschafft. Das billigste Angebot wird genommen. Dabei wird aber vorher schon ausgekungelt, daß Elektriker A den einen Ortsteil zu erledigen hat und Elektriker B den anderen. Montiert werden Modelle, die man wegen ihrer Häßlichkeit und zu hoher Instandhaltungskosten in den alten Ländern vor Jahrzehnten schon demontierte. Ein paar Mark mehr pro Stück auszugeben, den Mehrpreis binnen Jahresfrist allein an Wartungskosten wieder gespart zu haben, geht aber nicht hinein in die Amtshirne. Für eine riesige Immobilie im Landesbesitz hat der Gemeinderat endlich ein Nutzungskonzept und findet dafür bis auf Ministerialebene Unterstützung. Ein privater Theaterverein soll die vielen 1000 qm nutzen. Begeisterung überall. Leider dachte wirklich keiner daran, daß allein die Heizkosten das gesamte Jahresbudget der Laienspielgruppe um ein Mehrfaches übertrafen…

Vermutlich wird der Speicherplatz bei www zu knapp, um all die Klöpse aufzuführen, wo das Geld von Kreis und Gemeinde einfach verplempert wird, im Nichts verschwindet. Kein Rechnungshof schert sich darum, ja, bekommt davon nicht einmal etwas mit. Es läuft eben alles prächtig nach Vorschrift. Auch der Bürger, in diesem Falle ich, bemerke viele Dinge erst, wenn es längst zu spät ist. Schön, daß die alten Laternen endlich in den Müll kommen. Ach, das sind die Neuen…?!?

Der Bürgermeister macht seinen Job ehrenamtlich. Tagsüber sitzt er an seinem Schreibtisch in der Kreisverwaltung. Die nächste Zeit geht für ihn abends mit der Organisation des Advendsmarkts drauf, wo zu Weihnachtsmusik Selbstgebackenes verkauft wird. Wird ja bestimmt ganz nett, aber auf diesem Niveau bewegen sich hier die Aktivitäten. Der Rest ist ein einziger Sauhaufen. Es ist zum Heulen!

Was kann man da machen? Zur Wahl stellen und parteilos in den Gemeinderat gehen? Und das als Selbständiger, für den der Tag auch jetzt schon immer zu kurz ist?

Gruß
Wolfgang

Fragt sich, ob dich die Sache wirklich so sehr nervt, dass du
dich da reinhängst. Schön wärs.

Hallo Heike,

für den rationell ablaufenden Verkauf von Müllsäcken werde ich
ganz gewiß keinen Augenblick opfern.

Hallo Wolfgang,

warum nicht? Du hättest wenigstens beim Quittieren der Müllsäcke fragen können, was der Sinn und Zweck des ganzen sein soll.

Denn wenn man Dein Posting weiterliest, muss es wirklich wie auf einem anderen Stern bei euch zugehen. Gibt es bei Euch in der Gemeinde/Stadt noch mehr Bürger, die diese Zustände stinken? Macht man zusammen etwas?

Irgendwie ist es ein bißchen traurig, daß Du die gleiche Einstellung annimmst, wie die Beamten/Angestellten, die Du kritisierst. Lass man weiterlaufen…

Es macht aber auch Spaß diesen Mitarbeitern, die eigenen, teilweise widersinnigen, Dienstverordnungen unter die Nase zu halten, um zu sehen, wie die auf Nachfragen reagieren, warum die eigentlich was machen. Die wissen das oft selbst nicht! So ist zumindest meine Erfahrung, dann wird wieder die Dienstvorschrift vorgeschoben. Hakst Du eine Etage höher nach, klappt es meistens.
Dieses muss ja nicht unbedingt bei Müllsäcken sein, aber würde sich als Beispiel sehr gut anbieten, da es jeden durchschnittlichdenkenden Mitbürger plausibel ist.

Mich „belästigt“ man bei unserem Einwohnermeldeamt und Standesamt nicht mehr mit irgendwelchem notnötigen Papierkram. Diese Beamten habe ich mir so hingebogen, daß wir gut miteinander klarkommen. Ohne Reibungsverluste, man kennt mich zwar jetzt mit Namen, ob wohl ich den von meiner Frau genommen habe. Das ging über die zuständige Bundestagsabgeordnete bis ins zuständige Staatsministerium. Die Antwort von dort hat die Sache innerhalb von 2 Tagen geklärt. Das von mir zuviel abgeknöpfte Geld habe ich erstattet bekommen.

Das gleiche Spiel zieh beim Kreis durch. Du hast ein Anrecht auf eine Antwort, denn auch von DEINEM Geld werden die Mitarbeiter bezahlt und diese werfen DEIN Geld raus. Hast Du bei den Amtsleitern keine Möglichkeit eine vernünftige Auskunft zu bekommen, gehe weiter nach oben. Beim Landkreis ist es die zuständige Bezirksregierung, dann die Landesregierung. Klappt wunderbar, zumindest beim Landkreis Cuxhaven.
Ich würde Dir wünschen ein paar „Mitstreiter“ (streiten ist nicht in Ordnung, denn alles sollte auf sachlicher Ebene ablaufen) zu finden, die so wie Du, die von Dir genannten Abläufe nicht nachvollziehen können, und mit Dir versuchen, von Eurer Verwaltung unbürokratisch und schnell wie „Kunden“ behandelt zu werden.

Einen schönen Sonntag noch,

Michael

Schimpfen kann jeder
Hallo Wolfgang,

es ist sicher ein Extremfall, so extrem, dass ich ihn kaum glauben kann. Die anderen Antwortpostings schlagen alle in die selbe Kerbe: immer ruff auf die Beamten.

Jetzt mal im Ernst: es ist gut möglich, dass die Mitarbeiter sich nur an die Vorschriften gehalten haben, die sie selbst auch für unsinnig halten. Dennoch müssen sie eingehalten werden - würdest du dein Disziplinarverfahren riskieren wegen 4 €?

Dann fehlt in dem Amt anscheinend das Geld für ein moderne Büroausstattung - wahrscheinlich geben die Politiker das Geld lieber für irgendwelche Brunnen, Straßen oder überflüssige andere Sachen aus.

Ach ja: Geld annehmen darf bei Beamtens noch längst nicht jeder. Lediglich die Kasse und von dieser besonders Beauftragte dürfen das - in kleinen Gemeinden sind das schon mal nur zwei bis drei Leute. Alles aus Gründen des Korruptionsschutzes.

Wie gesagt: Meckern kann jeder - Verbessern fällt schwer

Gruß
HaWeThie

Hallo Wolfgang,

schwer zu sagen, was da bei Euch abläuft, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Und die kennst du anscheinend selber nicht genau.
Man kann zu den Gemeinderatssitzungen gehen und die Argumentationen für oder gegen eine Entscheidung verfolgen. Man kann in der Einwohnerfragestunde Fragen stellen. Man kann darauf bestehen, die Gründe für Entscheidungen zu erfahren.

Ich bin in unserer Gemeinde die Bürgermeisterin und ich bin wirklich sehr bemüht, so zu handeln und argumentieren, wie die Bürger es wollen. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn sie immer erst hinterher sagen, was sie gewollt hätten. Und selbst dann sagen sies meist nur ihrem Nachbarn und nicht mir oder den anderen Gemeindevertretern. Ich kann doch nicht jeden fragen. Und selbst wenn ich es tue ( was ich schon getan habe) , zucken sie mit den Schultern und sagen : weiß ich auch nicht.
Es gibt ganz wenig Einwohner die überhauß eine Vorstellung davon haben, wieviel Geld z.B. da ist und wofür es üblicherweise ausgegeben wird. Aber es gibt immer welche, die genau wissen, dass eine spezielle Ausgabe, unnötig war. War !

Es motiviert eindeutig mehr, wenn Interesse aus der Bevölkerung da ist und gezeigt wird. Man kann sonst, so über die Jahre und Jahrzehnte, ein verschobenes Weltbild kriegen. So daß man gar nicht mehr genau weiß, worum es eigentlich geht.
Übrigens : es gibt, neben den Dingen die schief laufen, auch immer Dinge, die gut sind. Auch die dürfen gewürdigt werden, nicht nur von Parteikollegen.

Was kann man da machen? Zur Wahl stellen und parteilos in den
Gemeinderat gehen? Und das als Selbständiger, für den der Tag
auch jetzt schon immer zu kurz ist?

Die Zeit ist ein Problem, da hast du Recht. Es ist zeitintensiv, wenig produktiv und oft frustrierend. Gerade Selbstständige, die es gewohnt sind, das sofort getan wird, was sie sagen, haben schnell ein Problem mit dem „ewigen Diskutieren“. Reine Nervensache, so’ne Demokratie. Aber es sind deine ureigenen Angelegenheiten, um die es geht.
Du könntest auch bürgerliches Mitglied in einem Ausschuß werden. Und, wie gesagt, zur Gemeinderatssitzung gehen. Interesse zeigen. Anregungen geben. Gespräche mit Gemeindevertretern suchen. Man muß nicht im Gemeinderat sitzen um gehört zu werden.

Grüsse

Heike

P.S. Straßenlaternen gibt’s bei uns nicht. Da kann doch für das gleiche Geld lieber jeder 'ne Taschelampe und Batterien bis an sein Lebensende kriegen. *g*

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Hi!

Muß man das alles noch kommentieren?

Das sollte man tagtäglich tun.

Kennzahl einer
Zahlungsart und Betrag in eine billige Kasse/PC getippt und
Ware herausgeben - damit darf ein Mitarbeiter nur Sekunden
beschäftigt sein, sonst wird Geldvernichtung betrieben. Ob der
Müllsackhandel beim örtlichen Lebensmittelhändler besser
aufgehoben ist, muß die erste Überlegung sein. Die weitere
Überlegung gilt aber den haarsträubend umständlichen Vorgängen
im Amt.

Derer gibt es noch viele. Mindestens 30% der Beamten sind vollkommen überflüssig. Es wäre sehr hilfreich, hier den Riegel vorzuschieben und nur noch die allerwichtigsten Dinge wie Polizei und ein bisschen Verwaltung von Beamten erledigen zu lassen.

Wie führt man hier eine Änderung herbei?

Der Wähler, so er denn möchte.

Niemand rationalisiert sich gerne selbst weg.

Genau hier liegt das Problem.
Solange sich die staatliche Führung aus Verwaltungsjuristen und Lehrern sowie noch ein paar Alt-Terroristen zusammensetzt, wird sich daran wohl auch nichts ändern.

Grüße,
Mathias

Guten Morgen!

Jetzt mal im Ernst: es ist gut möglich, dass die Mitarbeiter
sich nur an die Vorschriften gehalten haben…

Genau das vermute ich. Vorschriften dürfen aber nicht zum Selbstzweck werden. Sie sind von Menschen gemacht, damit andere Menschen danach arbeiten. Wenn aber die Vorschriften ihren Zweck nicht erfüllen, müssen sie geändert und an die Erfordernisse einer zeitgemäßen Verwaltung angepaßt werden.

Dann fehlt in dem Amt anscheinend das Geld für ein moderne
Büroausstattung

Ein immer wieder gebrachtes Argument. Dabei wird offenkundig gehofft, den überdimensionierten, unterbeschäftigten Apparat beizubehalten und zusätzlich in Sachmittel zu investieren. Ziel muß aber eine effizient arbeitende Verwaltung sein. Dafür reichen deutlich weniger Mitarbeiter mit zeitgemäßer Ausstattung. Ein Mitarbeiter kostet je nach Gehaltsgruppe ab 30 T€ im Jahr. Jeder Schritt beim Abbau überflüssigen Personals schafft freie Mittel. Die angenommenen 30 T€ pro Kopf sind viel Geld für eine kleine Gemeindeverwaltung. Das Geld wiegt schwer in einer Gegend, wo auf der halben Fläche des Stadtstaates Hamburg gerade 4500 Menschen leben, wo das gesamte Telefonverzeichnis knappe 3 Telefonbuchseiten umfaßt, die Arbeitslosenquote bei 20% liegt und der Anteil schulpflichtiger Kinder bei nur wenig über 10%. Die Gegend überaltert, entvölkert sich langsam und verarmt. Eine ineffiziente Verwaltung mit zu hohen Personalkosten ist dabei nicht Dienstleister und Förderer der Region, sondern wird zum Blutsauger, der sich ernähren läßt.

Ach ja: Geld annehmen darf bei Beamtens noch längst nicht
jeder. Lediglich die Kasse und von dieser besonders
Beauftragte dürfen das - in kleinen Gemeinden sind das schon
mal nur zwei bis drei Leute. Alles aus Gründen des
Korruptionsschutzes.

Das ist mir bekannt, macht den Sachverhalt aber nicht besser. Die Vorschriften entstammen einer anderen Zeit. In jedem Unternehmen der Privatwirtschaft werden solche Dinge mit deutlich geringerem Personalaufwand erledigt. Ich weigere mich, einzusehen, weshalb die gleiche Effizienz nicht auch in der öffentlichen Verwaltung möglich sein soll.

Wie gesagt: Meckern kann jeder - Verbessern fällt schwer

Mein Wunsch geht in Richtung Verbesserung. Wollte ich nur meckern, würde ich die Gemeinde beim Namen nennen und passend ausgewählte Beispiele an die Presse bringen. Die Gegend ist einfach wunderschön. Hier läßt es sich leben. Die überall spürbare Resignation, z. B. abzulesen an der Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestags- und Landtagswahl, schreit aber nach Veränderung.

Gruß
Wolfgang