Haartransplantation Eigenhaar

Hallo,
wer hat sich eine Eigenhaartransplantation vor über 10 Jahren unterzogen? Sind die anderen Haare weiter ausgefallen und ist nur noch eine „Insel“ des transplantierten Haares übrig? Welche Erfahrungen hat er gemacht? Würde er es wieder machen?

Ich würde mich über Rückantworten sehr freuen.

Viele Grüße
Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,

wer hat sich eine Eigenhaartransplantation vor über 10 Jahren
unterzogen? Sind die anderen Haare weiter ausgefallen und ist
nur noch eine „Insel“ des transplantierten Haares übrig?
Welche Erfahrungen hat er gemacht? Würde er es wieder machen?

persönliche Erfahrungen habe ich bisher noch nicht gemacht. Das Thema beschäftigt mich aber auch schon seit längerem.

Beachte, dass sich in den letzten 10 Jahren auf diesem Sektor viel getan hat. Früher wurden nicht einzelne Haargrafts (1 bis 4 Haare) transplantiert sondern es wurden sog. Mini- oder Micrografts verpflanzt. Die Ergebnisse sehen wie ich finde total scheiße aus. Die Haare sprießen, bei dieser veralteten Methode, büschelweise aus dem Kopf. Das hat dann etwas von Puppenköpfen. Ich glaube jemand der sowas vor mehr als 10 Jahren hat machen lassen, würde das nicht noch einmal so machen lassen.

Heutzutage ist es state of the art einzelne Grafts zu transplantieren. Bei dieser Methode wird hauptsächlich nur noch unterschieden, auf welche Art und Weise die Spender-Grafts extrahiert werden. Entweder Follicular-Unit-Transplantation (FUT) oder Follicular-Unit-Extraction (FUE). Bei der FUT wird ein Hautlappen aus dem Hinterkopf geschnitten aus dem dann die winzigen Grafts entnommen werden. Die Kopfhaut an der Entnahmestelle wird genäht und es verbleibt eine Narbe, die ab ca. 1 cm Haarlänge nicht mehr sichtbar ist. Bei der FUE-Methode werden die einzelnen Grafts mit einer winzigen Holnadel entnommen. Es muss dabei nicht genäht werden und es verbleiben nur minimale punktförmige Narben. Auf diese Art und Weise ist es sogar möglich einzelne Körperhaare zu extrahieren, um diese anschließen „umzutopfen“. Beide Methoden haben natürlich ihre Vor- und Nachteile. Eine OP bei FUE dauert z.B. länger und ist auch entsprechend teurer.
Unabhänig von der Methode der Transplantation, wächst das transplantierte Spenderhaar (falls von der richtigen Stelle entnommen wurde) bis zum Lebensende. Das heißt, dass alles ringsherum natürlich mit der Zeit noch ausfallen kann. Diesen Prozess kann man mit Medikamenten aufhalten (wenn nicht stoppen, dann aber wenigstens verlangsamen). Je nachdem über welche Gene man verfügt, muss man später aber nochmal unters Messer, um die neuen kahlen Stellen ebenfalls behandeln zu lassen. Man sollte deshalb vor der ersten OP sehr genau planen. Jeder von Haarausfall betroffene Mann hat nur eine bestimmte Menge an Spender-Grafts. Wenn die gesamte Menge verfügbarer Grafts z.B. schon bei der ersten OP „verbraten“ wurde, kann man in Zukunft nicht mehr nachbessern. Man sollte deshalb nicht schon mit 18 eine Haartransplantation machen lassen. In diesem Alter kann man noch gar nicht abschätzen, wieviele Haare man in Zukunft noch verliert. Ist man bereits älter (Ü30 oder Ü40) kann man besser abschätzen, wo die Reise hingeht. Man kann dann mehr oder weniger exakt planen, wieviele Grafts an welcher Stelle eingesetzt werden müssen/dürfen und hat dadurch ein zukunftssicheres Ergebnis.

Vor einer Haartransplantation muss einem klar sein, dass man dadurch auch nicht mehr den Haarschopf eines Teenagers zurückgewinnen kann. Die vorhandenen Haare können nur umverteilt werden. Wenn es gut gemacht wurde, entsteht dadurch eine perfekte Illusion voller Haare. Wenn man unter bestimmten Lichtbedingungen ganz genau hinschaut, erkennt man aber die fehlende Dichte natürlichen Haarwuchses. Es ist also eine wichtige Frage, ob man mit dem zu erwartenden Ergebnis auch zufrieden sein wird. Achja - man sollte sich auch im klaren darüber sein, dass Haartranplantationen nicht billig sind. Sollte man über die Jahre mehre OP´s benötigen, kommen schon mal schnell 15.000 Euros zusammen.

Wenn du noch mehr Informationen brauchst, schau mal hier: http://www.alopezie.de/foren/transplant/

In diesem Forum wird über nichts anderes diskutiert. Du kannst dort die Leidensgeschichten anderer verfolgen. Es gibt dort auch viele reale Vorher-/Nachher-Bilder und einige Links zu OP-Videos.

Tu Dir selbst den Gefallen und informier Dich ausreichend, bevor du eine Haartransplantaton ernsthaft in Erwägung ziehst.

MfG
Stephan

PS: Ich wollte mich demnächst mal von einem Experten beraten lassen, wieviele Spender-Grafts mir zur Verfügung stehen. Sollte dabei rauskommen, dass diese Anzahl für ein zufriedenstellendes Ergebnis zu gering ist, werde ich persönlich lieber auf eine Haartransplantation verzichten.

Hallo Stephan,
vielen Dank für den ausführlichen Artikel. Die Nachteile hat das Beautystudio nämlich vergessen zu erwähnen!
Andererseits, bei Prinz Charles muss ich sagen, hat es geholfen. Ob das aber Eigenhaar ist, weiß ich nicht. Wo sollten die vielen Haare denn her sein?
Hans-Jürgen