wer kennt sich ein wenig mit Autismus aus? Autisten sind ja im Wesentlichen in ihrer Kommunikationsfähigkeit (in beide Richtungen) mit ihrer Umwelt gestört/eingeschränkt. Meine Frage: Haben sie denn Kontakt zu sich selbst? Und damit meine ich nicht das Hängen in der eigenen Gedankenwelt. Sondern ich meine, spüren/erleben sie sich selbst? Und können sie so etwas wie Selbstbewusstsein erfahren?
lies Dir doch am besten mal ein paar Bücher durch, die Autisten selbst geschrieben haben. Dadurch kannst Du, denke ich, am besten die Erfahrungen und Gedanken eines Autisten nachvollziehen.
Ich habe kürzlich einen langen Beitrag über zwei dieser autistischen Autoren gesehen. Es war wirklich beeindruckend!
wirklich nur sehr wenig.
Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt.
Birger Sellin: Ich will kein Inmich mehr sein. Botschaften aus einem autistischen Kerker. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02463-9 Buch anschauen.
Birger Sellin ist ein schwer autitischer Mensch, der über gestützte Kommunikation dieses Buch schrieb.
das meinte ich nicht so ganz. Selbstbewusstsein bedeutet ja zunächst einmal eher, dass man sich seiner selbst bewusst ist. Also zwischen Subjekt und Objekt unterscheiden kann, - und dass man sich als eigenständiges Individuum wahrnimmt. Tiere haben das z.B. nicht, dies sieht man als Außenstehender an ihrem Verhalten. Im erweiterten Sinne bedeutet Selbstbewusstsein auch, dass man sich seiner Fähigkeiten und Eigenschaften bewusst wird, sowie natürlich seiner 5 Sinne. Es bedeutet, sich selbst zu spüren, zu erleben und wahrzunehmen. Und das war hier meine Frage.
Das was Du beschrieben hast, diese überempfindliche Reiz/Sinnesverarbeitung erinnert mich eher an Angst, vielleicht auch an eine Art Hypervigilanz um befürchteten Ordnungs-, Kontroll-, System-, oder gar Selbstverlust, was bei Autismus je nach Art, Schwere und Ausprägung möglicherweise sehr naheliegend ist.
aus meiner erfahrung -ich habe mal 3 momnate in einem autismus-zentrum gearbeitet- ist angst bei autistischen menschen sehr ausgeprägt.
aber die fähigkeit zu angst ist bereits voraussetzung, sich selbst zu spüren.
der grad an bewusstsein ist auch individuell verschieden und die grenzen zwischen schizoid/zwanghafter persönlichkeitsstörung über autistoider persönlichkeitsstörung hin zu autistischem syndrom sind je nach schweregrad fliessend. hinzu kommt, dass die mehrzahl aller autistischen menschen eine schwere intelligenzminderung haben und im bereich der geistigen behinderung wird es schwer, von aussen zu beurteilen, wieviel wahrnehmung hier 1. stattfindet und wie sie 2. verarbeitet wird.
du hast eine sehr spezielle frage gestellt und damit beschäftigen sich studenten der heil- und sonderpädagogik und psychiatrie. in die literatur musst du schon sehr eintauchen, um mehr antworten zu finden.
chancen sehe ich da in fachbereichsbibliotheken der hochschulen.
was viele nicht wissen: man kann professoren an deren uni´s anmailen (auch anrufen) und um literaturtips bitten.
Das was Du beschrieben hast, diese überempfindliche
Reiz/Sinnesverarbeitung erinnert mich eher an Angst,
vielleicht auch an eine Art Hypervigilanz um befürchteten
Ordnungs-, Kontroll-, System-, oder gar Selbstverlust, was bei
Autismus je nach Art, Schwere und Ausprägung möglicherweise
sehr naheliegend ist.
In meinem Kopf spukte herum, dass eine Reizoffenheit oder eine hohe Sensibilität verursachend sei für die Abschottung des Autisten. Angst (vor Selbstverlust, Kontrollverlust) und wenig Bewusstsein wäre dann die Folge.
In meinem Berufsfeld ist „Eigenwahrnehmung“ ein Synonym für die Basissinne, meist für die propriozeptive Wahrnehmung (Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen, also Wahrnehmung von Druck, Zug, Bewegung).
Meist (habe noch nie einen Autisten behandelt)ist eine Reizvermittlung auf propriozeptiver Ebene ein guter Ansatzpunkt- bei Kindern, die sich solche Reize schwerlich selbst suchen können. Auch bei Kindern, die in anderen Sinnesbereichen überempfindlich sind. Dies stärkt die Selbstwahrnehmung in einem sehr basalen Sinn (eine Überempfindlichkeit kommt bei diesem Sinn kaum vor) zusätzlich wird desensibilisieren gearbeitet (beii Überempfindlichkeiten).
Mir scheint aber, dass Aspergerautisten (auch?) in einem anderen Sinn sensibel sind, evtl. wegen der Korrelation mit einer hohen Intelligenz.