Habilitation Medizingeschichte

Hallo,

ich bin heute danach gefragt worden, wie die Aussichten für jemanden sind, der zwar Mediziner ist, aber in Medizingeschichte habilitiert hat, innerhalb der Medizin (also nicht als Medizinhistoriker) eine Berufung zu erhalten. Ich weiß, dass diese Frage etwas theoretisch ist und vermutlich konnte ich genau deshalb darauf nicht gut antworten. Hat jemand eine gute Antwort parat?

Die zweite sich daraus ergebende Frage wäre die nach einem zügig zu bearbeitenden medizinhistorischen Thema, das heute als Desiderat oder gar als aktuell angesehen wäre.

Ich weiß: alles exotisch, aber vielleicht weiß ja jemand etwas dazu zu sagen. Achja: Psychatrie scheidet aus.

Gruß

Bona

ich bin heute danach gefragt worden, wie die Aussichten für
jemanden sind, der zwar Mediziner ist, aber in
Medizingeschichte habilitiert hat, innerhalb der Medizin (also
nicht als Medizinhistoriker) eine Berufung zu erhalten.

Die Aussichten sind Null. Ihnen fehlt jegliche Erfahrung der Praxis, und dämliche Professoren gibt’s genug.
Betrachten Sie doch einmal die Anzeigen im DÄ und überlegen Sie Sich, welche Anforderungen Sie erfüllen könnten.
Sie sind Historiker, kein Mediziner.

Oberärztliche Praxis
Hallo,

danke für die Einschätzung!

Aber nehmen wir an, der Betreffende hätte lange Jahre als Oberarzt gearbeitet und würde seine Habilitation aus Zeitgründen in den Bereich der Historie verlegen - würde das etwas ändern?

Gruß

Bona

Hallo,

Aber nehmen wir an, der Betreffende hätte lange Jahre als
Oberarzt gearbeitet und würde seine Habilitation aus
Zeitgründen in den Bereich der Historie verlegen - würde das
etwas ändern?

Wohl kaum. Mit der Habilitation sollte man zeigen, dass man ein Fachgebiet selbständig wissenschaftlich bearbeiten kann. Dieses Fachgebiet gilt es ja dann auf der Professur zu vertreten. Und wenn das keine Professur für Medizinhistorik ist, sehe ich das recht dunkel.

IMHO hat sowas auch den starken Beigeschmack davon, dass die Habilitation als Karriere-Voraussetzung vor dem Inhalt steht. Und das sind, wie schon angedeutet, schlechte Voraussetzungen zur Inhaltlichen Vertretung eines Faches an einer Uni.

Wenn der(bzw. die)jenige schon als Oberarzt gearbeitet hat, sollte man doch annehmen, dass das auf dem Gebiet des persönlichen Interesses war. Es ist da auch im Sinne der Organisation des Faches Medizin, dass dort eine enge Verbindung zwischen Praxis und Wissenschaft besteht („from bench to bedside“ ist da immer ein gerngehörtes Schlagwort) und so ist ja schon das Stusium der Medizin an der Unni angesiedelt (wollte man einfach Ärzte ausbilden, wäre da ein FH-Studiengang mE viel besser). Somit wäre zu erwarten, dass der Habilitant genau in diesem Bereich auch wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit ist und genau da auch ein eigenes Gebiet wissenschaftlich bearbeitet und das mit Publikationen belegt. Das am Ende zu einer kumulativen Habilitation zusammenzufassen ist dann kein großes zeitliches Problem.

Wenn nun am Fachbereich eine Stelle ausgeschrieben ist und es bewirbt sich neben „facheigenen“ auch ein solcher „fachfremder“ Dr. habil., wer davon würde wohl weiter oben auf der Ranking-Liste des Fachbereichsrates liegen?

Wenn also nicht vorher klar ist, wo welche Stelle infrage kommt, ist eine solche „fachfremde“ Habilitation beruflich reine Zeitverschwendung. Ich glaube, die Regelung, dass man nach 5 Jahren Dienst als PD automatisch eine Stelle als apl.Prof. erhält, gibt es nicht mehr oder wird kaum noch angewendet.

VG
Jochen

Danke sehr für eure Antworten! owt.
s