Hätte Hitler Kommunist sein können?

Hallo alle zusammen!

Ich frage mich: War ihre Ideologie überhaupt das, was den Erfolg der Nazis bewirkt hat, oder war sie vielleicht nur die Dreingabe? Ging es vielleicht in erster Linie um die Verehrung einer gottgleichen Gestalt? Und hätte die auch von der kommunistischen Seite kommen können?

Gruß,
Oliver

Hallo Oliver,

das ist ein hochkomplexes und seit Jahrzehnten vieldiskutiertes Thema, das du hier anschneidest: die Totalitarismustheorie. Darüber sind Doktorarbeiten und dicke Bücher geschrieben worden.

Es gibt Überschneidungen, Berührungspunkte und Unterschiede zwischen Nationasozialismus und Kommunismus (Kommunismus aller Varianten, von Lenin, Stalin, Chrustschow, Honecker über Mao, Ho Chi-Minh bis hin zu Fidel Castro und Pol Pot). Es gibt sogar Historiker wie Joachim Fest, die meinen, der Nationalsozialismus hätte mit dem Kommunismus weit mehr gemein als mit dem „südlichen“ Faschismus wie er in Italien unter Mussolini, in Spanien unter Franco, in Portugal unter Salazar oder in Chile unter Pinochet usw. praktiziert wurde. (Was wohl auch ein bisschen daraus hinauslaufen soll, dass „einfacher Faschismus“ à la Pinochet durchaus „akzeptabel“ sein kann, um „Schlimmeres zu verhindern“.)

Aber der wesentlichste Unterschied dürfte wohl sein: Hitler war gewählt worden, Lenin, Mao, Fidel Castro oder Pol Pot waren nicht gewählt. Und ein(!) wesentlicher Faktor von Hitlers Erfolg war die Angst vor der „Gefahr aus dem Osten.“ D.h.: Hitlers Nationalsozialismus entsprach sicherlich in Deutschland insgesamt mehr dem Denken des „einfachen, kleinen Mannes“ als der Kommunismus.

Gruß Jasper.

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Das Problem mit allen Ideologien ist doch, dass die Mechanismen dahinter ähnlich sind. Die Verpackung ist unterschiedlich (die Nazis ritten mehr auf „völkisch“ herum, die Kommunisten mehr auf „Arbeiterklasse“) und macht sicherlich einen Teil des Erfolges aus. Aber im Grunde genommen setzen sich derartige Systeme ja auch immer aus einer kleinen Gruppe zusammen, die ihre Ideen gut verkauft, einem charismatischen Frontmann und einer Herde Folgehammel die lieber einem Leithammel folgen in der naiven Vorstellung, der würde sie vor irgendeiner echten oder auch nur eingebildeten Gefahr schützen. Wobei das hichstilisieren der Gefahr Teil des Verkausfserfolges der Ideologie ist.
Hitler hätte theoretisch also durchaus Kommunist sein können, wenn man es von der technischen Seite betrachtet. Ob er persönlich hätte Kommunist sein können ist dabei eine ganz andere Frage. Honecker war auch nicht wirklich Kommunist. Schließlich hat er ja dafür gesorgt, dass er alle Annehmlichkeiten für sich zur Verfügung hatte. Aber es ist ja sowieso eher selten, dass der Leithammel den Restriktionen unterliegt, die er seinen Folgehammeln wie selbstverständlich aufs Auge drückt. Ein weiterer Mechanismus von Ideologien.

Gruß
Peter B.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Oliver,

es gab sicher ideologische Überschneidungen, aber (mindestens) einen gravierenden Unterschied, nämlich der explizite Antisemitismus und allgemein die rassistische Ideologie.
Es gibt sicher genug Beispiele, wo in (formal) kommunistisch/sozialistischen Systemen Pogrome stattfanden, aber die waren nicht von Ideologien gedeckt, was sie natürlich nicht entschuldbar macht!

Die völkische Komponente widersprach auch der eher international ausgerichteten Ideologie der Kommunisten (Proletarier aller Länder vereinigt euch).

Gandalf

Die Ideologie ist unterschiedlich. Nur bei den Methoden der Machtausübung gibt es gemeinsamkeiten. Denk mal an Stalin und Hitler. Die könnten Brüder sein. Machterhalt und vergrößerung ist deshalb nur mit Gewalt zu erreichen. Beiden haben dieses getan und sind gescheitet.

Wenn Hitler zwei Räder gehabt hätte
Hallo, Oliver

Wenn er zwei Räder gehabt hätte, wäre er ein Motorrad gewesen …

Gruss
Adam

Titel: Hätte Hitler Kommunist sein können?

Hallo !

Hitler war anfangs nur Nebenfigur. Man ließ ihn Reden halten,
dafür hatte er eine natürliche Begabung.
Durch Zufall bemerkte er selbst, dass er die Massen beeindrucken konnte.
Diese wurden durch die Reden auf ihn fixiert.
Also schob man ihn vor, um ihn die Arbeit machen zu lassen.

Nichts war geplant, bei den Nazis. Sie selbst wurden immer wieder
von den Ereignissen überrumpelt.
Selbst das „Braune“ der Partei war nicht geplant. Am Anfang der „Bewegung“
hatten sie nicht mal etwas anzuziehen für die SA. Also kauften sie in
Österreich Restbestände eines Lagers, in dem noch Uniformen aus der
deutschen Kolonialzeit lagerten. Und die waren braun.

Es gab keine Einheit und Eineitlichkeit in der Entwicklung.
Bis zum letzten Tag bekämpften die verschiedenen Gruppen der Nazis sich,
wie ein Rudel Wölfe, welches die Tollwut hat.

Alles sieht heute so aus, als wäre es damals nur Friede, Freude,
Eierkuchen gewesen. Ganz das Gegenteil war der Fall.

Naziideologie? Das war täglich eine andere. Das einzig Feste war die
Ausrottung der Juden. Was, wenn man das irgendwann „zufriedenstellend“
beendet hätte?? Was wäre dann gekommen?

mfgConrad

Hallo Oliver,

Ging es vielleicht in erster Linie um die Verehrung
einer gottgleichen Gestalt? Und hätte die auch von der
kommunistischen Seite kommen können?

Sicher hätte es auch einen kommunistischen „Führer“ geben können. Es hat ihn ja auch gegeben - nur nicht in Deutschland. War war Stalin denn anderes?

Ich denke jedoch, man kann den Nationalsozialismus nicht nur auf die Verehrung eines „Führers“ reduzieren. Ich denke, auch wenn eines der Attentate auf Hitler erfolgreich gewesen wäre, hätte sich deswegen nicht gleich die ganze Ideologie in Wohlgefallen aufgelöst. Das hat sie ja nicht einmal nach dem Krieg. Es dürfte nicht einfach sein, mit einer Ideologie ein ganzes Land noch mehr an die Wand zu fahren wie das die Nazis geschafft haben. Ich denke, um noch mehr in so kurzer Zeit kaputt zu machen, braucht es schon Atombomben. Trotzdem gab es nach dem Krieg lange noch Menschen, die der Meinung waren, dass unter den Nazis schließlich „nicht alles schlecht“ war. Es gibt sie ja heute noch. Sind das nun alles Menschen, die Hitler als Person so toll finden? Ich denke nicht.

Hinter dem Nationalsozialismus stand ja mehr als nur das Führerprinzip. Der Nationalsozialismus spielt mit den Ängsten der Menschen. Die gesamte Ideologie ist auf Kampf ausgerichtet - der Kampf der Völker gegeneinander, der Kampf der „kulturschaffenden Arier“ gegen die „kulturzerstörenden Juden“, der Kampf um die besten Plätze innerhalb der Gesellschaft. Man musste ja sogar die schwachen Mitglieder der eigenen Gesellschaft „ausmerzen“, weil man Angst hatte, von ihnen verdrängt zu werden. (Es gab damals Berechnungen, die zeigen sollten, in wieviel Jahren die „Asozialen“ die „wertvollen Mitglieder“ der Gesellschaft verdrängt haben würden, da die „Asozialen“ ja mehr Kinder bekamen. Das alles war natürlich schön in einer Grafik aufbereitet.)

Wenn nun jemand selbst Angst hatte, „zu kurz zu kommen“, dann war er für den Nationalsozialismus prinzipiell anfällig. Das heißt, wenn jemand z.B. Angst hatte, dass ihm ein Jude den Arbeitsplatz streitig machte und durch seine Verbindungen zur jüdischen Weltverschwörung eine übermächtige Konkurrenz darstellte, dann konnte es natürlich sein, dass dieser Jemand früher oder später von der „Notwendigkeit“, gegen die Juden vorzugehen, überzeugt werden konnte.

Wenn aber jemand von seinem eigenen Können überzeugt war, dann musste er auch die Konkurrenz nicht fürchten - weder jüdische noch andere. Dann war der Jude einfach der Kollege von nebenan, und es war genug Arbeit für alle da.

So, ich muss weg. Vielleicht schaue ich nachher nochmal vorbei.

Schöne Grüße

Petra

Hallo,

Die Ideologie ist unterschiedlich.

das ist primär wichtig.

Nur bei den Methoden der Machtausübung gibt es Gemeinsamkeiten.

Machtausübung erfordert nun mal gewisse maßnahmen, völlig unabhängig
davon, werde die Macht ausüben will.
Insofern gilt dann doch wieder, wenn zwei das gleiche tun,
ist es doch nicht das Selbe.

Denk mal an Stalin und Hitler.

Ja, die mehtoden ähneln sich sehr. Trotzdem sind die idealogischen
Aspekte dahinter sehr konträr.

Die könnten Brüder sein.

Brüder können auch extrem konträre Meinungen haben und trotzdem
ähneln sie sich.

Machterhalt und Vergrößerung ist deshalb nur mit Gewalt zu erreichen.
Beiden haben dieses getan und sind gescheitet.

Stalin ist leider nicht gescheitert, oder wie begründest du das.
Gruß Uwi

In gewisser Weise ist Stalin gescheitert. Er war in den letzten jahren misstrauisch gegen viele Mitarbeitern gewesen. Das war wohl die Angst vor der Entdeckung seiner Verbrechen. Nach dem Tod wurde er schnell vergessen. Berija war der Kronprinz und hätte fast den Schritt zum Impereor geschafft. Gleich nach Stalins ableben hat er Swetlana S. nicht so beachtet. Andere Genossen sollten ihn zum Staatschef machen. Deswegen auch Malenkow als Vorsitzender des Ministerrats. Berija las Stellvertreter konnte so einfach die Macht übernehmen, wenn Malenkow ausfällt. Später hat Chrustschow auf dem Parteitag alle mit seiner Rede über die Verbrechen Stalins überrascht.

Stalin ist leider nicht gescheitert, oder wie begründest du
das.
Gruß Uwi

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Hallo,

In gewisser Weise ist Stalin gescheitert.

Niemand ist vollkommen?

Er war in den
letzten jahren misstrauisch gegen viele Mitarbeitern gewesen.
Das war wohl die Angst vor der Entdeckung seiner Verbrechen.
Nach dem Tod wurde er schnell vergessen.

Und das ist ein Zeichen von Scheitern? Bevor Stalin nicht weg war,
konnte der Stalinismus nicht aufgearbeitet werden.
Ansonsten war Stalin einer mächtigsten und populärsten Politiker
seiner Zeit und mitnichten bald vergessen.
Mit der historischen Gestalt Stalin kann auch heute noch fast jeder
was anfangen.
Was es ansonsten so an politischen Intrigen und Ränkespielen nach
seinem Tod gab, dürfte dann eher weniger wichtig sein.

Von Scheitern kann also kaum die Rede sein, weil er unbestraft seine
Politik im eigenen Land durchgesetzt hat, dabei mio. Menschen im
eigenen Land deportiert und umgebracht hat und dann als Sieger
im 2.WK strahlend dastand.
Zu Lebzeiten war er offenbar unantastbar.
Gruß Uwi

Berija war der
Kronprinz und hätte fast den Schritt zum Impereor geschafft.
Gleich nach Stalins ableben hat er Swetlana S. nicht so
beachtet. Andere Genossen sollten ihn zum Staatschef machen.
Deswegen auch Malenkow als Vorsitzender des Ministerrats.
Berija las Stellvertreter konnte so einfach die Macht
übernehmen, wenn Malenkow ausfällt. Später hat Chrustschow auf
dem Parteitag alle mit seiner Rede über die Verbrechen Stalins
überrascht.

Stalin ist leider nicht gescheitert, oder wie begründest du
das.
Gruß Uwi

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Hallo Petra,

ich empfehle Dir dringend die Lektüre von ‚Anmerkungen zu Hitler‘ von Sebastian Haffner.
http://www.libri.de/shop/action/productDetails/13266…
http://de.wikipedia.org/wiki/Anmerkungen_zu_Hitler

Gandalf

Hallo Oliver,

Ich frage mich: War ihre Ideologie überhaupt das, was den
Erfolg der Nazis bewirkt hat, oder war sie vielleicht nur die
Dreingabe? Ging es vielleicht in erster Linie um die Verehrung
einer gottgleichen Gestalt? Und hätte die auch von der
kommunistischen Seite kommen können?

die Angst vor den Kommunisten (bzw. vor sowjetischen Verhältnissen) war ein wichtiger Faktor, warum die elitären und bürgerlichen Teile der Gesellschaft die NSDAP unterstützen - und weshalb letztendlich auch Hitler und nicht Thälmann an die Macht gekommen ist. Den Arbeitern war die Ideologie egal, die wechselten ja eh zwischen NSDAP und KPD - je nachdem wer die schlagkräftigeren Argumente im Wahlkreis hatte.

Gruß

Sicher, er wäre dann nur nicht ‚Führer‘ geworden.
Nein, Kommunisten wären nicht von der Wirtschaft unterstützt worden.

Hallo Gandalf

ich empfehle Dir dringend die Lektüre von ‚Anmerkungen zu
Hitler‘ von Sebastian Haffner.
http://www.libri.de/shop/action/productDetails/13266…
http://de.wikipedia.org/wiki/Anmerkungen_zu_Hitler

du wirst lachen, aber ich hab mir das Buch gerade bestellt… trotzdem frage ich mich, was du Petra damit eigentlich sagen willst?

Viele Grüße von Kati

Gandalf

Hallo Kati,

trotzdem frage ich mich, was du Petra damit eigentlich sagen
willst?

Haffner legt in diesem Buch einen Standpunkt dar, der die Thesen von Petra genau wiederlegt. Daher meine Empfehlung. Ich stehe übrigens den haffnerschen THesn näher :wink:

Gandalf