Hallo Oliver,
Ging es vielleicht in erster Linie um die Verehrung
einer gottgleichen Gestalt? Und hätte die auch von der
kommunistischen Seite kommen können?
Sicher hätte es auch einen kommunistischen „Führer“ geben können. Es hat ihn ja auch gegeben - nur nicht in Deutschland. War war Stalin denn anderes?
Ich denke jedoch, man kann den Nationalsozialismus nicht nur auf die Verehrung eines „Führers“ reduzieren. Ich denke, auch wenn eines der Attentate auf Hitler erfolgreich gewesen wäre, hätte sich deswegen nicht gleich die ganze Ideologie in Wohlgefallen aufgelöst. Das hat sie ja nicht einmal nach dem Krieg. Es dürfte nicht einfach sein, mit einer Ideologie ein ganzes Land noch mehr an die Wand zu fahren wie das die Nazis geschafft haben. Ich denke, um noch mehr in so kurzer Zeit kaputt zu machen, braucht es schon Atombomben. Trotzdem gab es nach dem Krieg lange noch Menschen, die der Meinung waren, dass unter den Nazis schließlich „nicht alles schlecht“ war. Es gibt sie ja heute noch. Sind das nun alles Menschen, die Hitler als Person so toll finden? Ich denke nicht.
Hinter dem Nationalsozialismus stand ja mehr als nur das Führerprinzip. Der Nationalsozialismus spielt mit den Ängsten der Menschen. Die gesamte Ideologie ist auf Kampf ausgerichtet - der Kampf der Völker gegeneinander, der Kampf der „kulturschaffenden Arier“ gegen die „kulturzerstörenden Juden“, der Kampf um die besten Plätze innerhalb der Gesellschaft. Man musste ja sogar die schwachen Mitglieder der eigenen Gesellschaft „ausmerzen“, weil man Angst hatte, von ihnen verdrängt zu werden. (Es gab damals Berechnungen, die zeigen sollten, in wieviel Jahren die „Asozialen“ die „wertvollen Mitglieder“ der Gesellschaft verdrängt haben würden, da die „Asozialen“ ja mehr Kinder bekamen. Das alles war natürlich schön in einer Grafik aufbereitet.)
Wenn nun jemand selbst Angst hatte, „zu kurz zu kommen“, dann war er für den Nationalsozialismus prinzipiell anfällig. Das heißt, wenn jemand z.B. Angst hatte, dass ihm ein Jude den Arbeitsplatz streitig machte und durch seine Verbindungen zur jüdischen Weltverschwörung eine übermächtige Konkurrenz darstellte, dann konnte es natürlich sein, dass dieser Jemand früher oder später von der „Notwendigkeit“, gegen die Juden vorzugehen, überzeugt werden konnte.
Wenn aber jemand von seinem eigenen Können überzeugt war, dann musste er auch die Konkurrenz nicht fürchten - weder jüdische noch andere. Dann war der Jude einfach der Kollege von nebenan, und es war genug Arbeit für alle da.
So, ich muss weg. Vielleicht schaue ich nachher nochmal vorbei.
Schöne Grüße
Petra