Hagestolz & Agonie

Hallo zusammen

Was genau versteht man unter dem Wort „Hagestolz“ und woher kommt der Begriff?

Was genau versteht man unter dem Wort „Agonie“?
Ich meinte das es in der Biologie „(ab-)sterbend“ bedeute.
Eine abweichende Meinung war, dass das Wort im alten Griechenland eher die Bedeutung von kämpfen hatte…

Wie immer vielen Dank für die erhellenden Informationen :wink:

Grüsse Peter

Hagestolz

Hallo !

Er ist ein alter Hagestolz: ein unverbesserlicher Junggeselle; er will nicht heiraten. Lange Zeit wurde der zweite Teil des Wortes an ‚stolz‘ = superbus angelehnt, wodurch sich die Etymologie ‚Einer, der auf seinen Hag stolz ist‘ ergab. Im Althochdeutschen jedoch heißt das Wort ‚hagastalt‘ und ‚hagustalt‘, dessen letzter Teil sich in dem gotischen Adjektiv ‚gastald-s‘ wiederfindet, was soviel wie der ‚Stellung Habende, der über eine Sache Gesetzte‘ bedeutet. ‚Hagastalt‘ ist also der, der einem Hag vorsteht, ihn besitzt. Der Hag aber ist im Gegensatz zu dem Herrenhof ein kleines umfriedetes Stück Land, das dem jüngeren Sohn im alten deutschen Erbrecht zufiel und das erst noch urbar gemacht werden mußte. Der älteste Sohn erhielt das Hauptgut des väterlichen Eigentums, den Herrenhof, und mit ihm die väterliche Macht und die Hofgerechtsame. Da das Nebengut im allgemeinen zu klein war, um darauf einen Hausstand zu gründen, und da außerdem der älteste Bruder die Vormundschaft über den jüngeren hatte, mußte der Hagbesitzer oft unverheiratet bleiben. Diese alten Rechtsverhältnisse haben bis in jüngere Zeit nachgewirkt; so konnte es in Westfalen geschehen, daß noch im vergangenen Jahrhundert der jüngere Bruder der Dienstbote des älteren war, da sein Hag, die ‚Hagestolle‘, zu klein war, um ihn zu ernähren. Diese rechtlichen Anschauungen sind auch der Grund dafür, daß in einem Teil Schwabens die unehelichen Söhne ‚Hagestölze‘ genannt werden.
Obwohl der Begriff ‚Hagestolz‘ ursprünglich nur für die finanziell schlechter gestellten Söhne galt, für die ‚Nichtshabenden‘, die sich keine Frau leisten konnten, wurde er später zur Bezeichnung für Ehelose allgemein. Das geht aus zahlreichen bereits mittelalterlichen literarischen Zeugnissen hervor. So heißt es z.B. (in Weistum 1, 33, S. 366): »ein hagestolz, ein getling (Bursche), der âne wip ist und ân ê«; und an anderer Stelle (S. 377): »ain hagestolz kneht oder jungfrowe, die gesundert gut hänt« (Weisthümer, 3 Teile [Göttingen 1840-42]).
In der Gesetzgebung nahmen die Hagestolze (die heutigen Junggesellen) schon in der Antike eine Sonderstellung ein. So forderte z.B. Plato - selbst ein Junggeselle - in seinen Büchern von den Gesetzen eine Bestrafung des Mannes, der fünfunddreißig Jahre geworden sei, ohne zu heiraten. Auch hatte er daran gedacht, daß jeder Hagestolz den Unterhalt für eine Frau in die Staatskasse bezahlen solle. Noch heutzutage müssen Unverheiratete höhere Steuerabgaben entrichten.
Im Neuhochdeutschen bezeichnet das Wort einen Mann, der über das gewöhnliche Alter hinaus ledig geblieben ist, wobei die Bestimmungen des Alters, in dem ein Mann zu einem Hagestolz wird, zwischen 25 und 60 Jahren schwanken: »wo oldt dat ein recht hoffe stolte in rechte sin schall, darup gefunden: ein hoffestolte schall olt sin 50 jahr drei mante 3 tage« (Chr. G. Haltaus: ‚Glossarium germanicum medii aevi‘ [1758], S. 779 - aus Celle v. 1570). In anderen Gegenden tritt das Hagestolzenalter viel früher ein: »Hagestölze heiszen im Odenwald die so 25 jahr alt und nicht heirathen wollen, da sie könnten« (J.L. Frisch: ‚Teutsch-Lateinisches Wörterbuch‘ [1741], 1,394).
In der neueren Sprache verbindet sich mit Hagestolz ausschließlich die Vorstellung von einem älteren, unverheirateten Mann, wie ihn z.B.E.T.A. Hoffmann (4, 45) charakterisiert: »ein alter Hagestolz, alle Gebrechen seines Standes in sich tragend, geizig, eitel, den Jüngling spielend, verliebt, geckenhaft«.
Hagestolzenkram, Hagestolzenwirtschaft bezeichnet ein großes Durcheinander, wo die ordnende Hand einer Frau fehlt.

O. SCHRADER: Die Schwiegermutter und der Hagestolz (Braunschweig 1904), S. 62, 76-77; F. SARASIN: Die Anschauungen der Völker über Ehe und Junggesellentum, in: Schweizerisches Archiv 33 (1934); B. KUMMER: Artikel ‚ledig‘, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens V, Spalte 1003-1012; M. GRAF KORFF
[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Hagestolz, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 2466 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 2, S. 619 ff.) © Verlag Herder]

Gruß Max

Agonie

Hallo !

Agonie müßte, nach dem folgenden Ausschnitt, „Todeskampf“ heißen und aus dem Französischen kommen.

Mit dem Tode ringen, war ebenso wie der noch heute geläufige Begriff ‚Todeskampf‘ (französisch ‚le combat de l’agonie‘), ursprünglich wörtlich gemeint, lebt doch der Tod in Volksglaube und Sage noch bis heute als Knochenmann. Vergleiche auch amerikanisch ‚to shake hands with death‘: sich mit seinem Schicksal abfinden.
[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Tod, S. 1. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 6558 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 5, S. 1626-1627) © Verlag Herder]

Gruß Max

Hagen von Tronje
Salü Max

Vielen Dank für die gründliche Information.

Gibt es ev. auch einen Zusammenhang mit dem Vornamen „Hagen“?
z.B. Hagen von Tronje?

viele Grüsse
Peter

Agonie müßte, … aus dem Französischen kommen.

Hallo, Max,
Agonie kommt aus dem Griechischen „agon“ = Kampf über das Französische zu uns.
Gruß
Eckard.

Salü Max

Vielen Dank für die gründliche Information.

Gibt es ev. auch einen Zusammenhang mit dem Vornamen „Hagen“?
z.B. Hagen von Tronje?

Sehr indirekt vielleicht. „Hag“ ist ein einge"hegter", also eingezäunter, umgrenzter Bereich, wie zum Beispiel die von Max genannte Hofstelle. Wahrscheinlich bezieht sich der Name „Hagen“ auch darauf, z. B. als jemand, der einen Hag (entweder einen Hof oder eine Verteidigungsanlage) bewohnt, oder im militärisch/ritterlichen Sinn mit der Absicht bildlich zu sagen, dass „Hagen“ jemand ist, der etwas verteidigt.

Hallo !

Aus der „Thidrekssaga“ oder „Dietrich von Bern“ :

Ein König, genannt „Aldrian“, herrschte über Nibelungenland, er war ein mächtiger Mann und seine Gattin war eines mächtigen Königs Tochter.
Nun trug sich eines Tages zu, da der König nicht daheim in seinem Reich, dass sie weintrunken und in einem Blumengarten eingeschlafen war : da kam zu ihr ein Mann und lag bei ihr.
Und als sie erwachte, meinte sie da den König Aldrian zu erkennen, aber ehe sie sichs versah, war dieser Mann schon hinweg geschwunden.
Als nun hierauf einige Zeit vergangen, ward die Königin schwanger. Und bevor sie das Kind gebar, so trug es sich zu, da sie sich einsam befand, dass derselbe Mann zu ihr kam. Er sagte ihr nun, was sich das vorigemal bei ihrer Zusammenkunft zugetragen hatte, davon sie nun schwanger war und dies Kind habe sie von Ihm. Er gestand, dass er ein Elfe wäre, „und wenn das Kind erwachsen ist, so sage ihm seinen Vater, verbirg es aber jedwedem anderen. Es ist ein Knabe, wie mich dünkt und er wird ein gewaltiger Mann werden und wird sich oftmals in Nöten befinden : aber jedesmal, da er also umrungen ist, dass er sich selber nicht heraushelfen kann, da soll er seinen Vater anrufen, so wird er dort sein, wo er seiner bedarf“. Und damit verschwand dieser Elfe gleichwie ein Schatten.

Als aber die Stunde kommen war, gebar die Königin einen Knaben und derselbe hieß „Hogni“ und wird auch König Aldrians Sohn genannt.

„Hogni“ bedeutet „Hagen“ und stammt aus der Edda- und Wolsunga-Saga.

Gruß max

vielen Dank Euch allen! Grüsse Peter
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