Hahnebüchenes Flugblatt der Kirche

Hallo
Vor wenigen Tagen fand ich ein Flugblatt in meinem Briefkasten.
„Neue Evangelistische Schriftenreihe“ Titel : Stammt der Mensch vom Affen ab?

Darin wird glatttweg die Evolution, genauer das Vorkommen von Mutationen geleugnet und die Herleitung der Entwicklungsgeschichte des Menschen aus Knochenfunden als riesiger Betrug abgetan.

Autor ist ein gewisser Dr. Ing. Erich Hitzbleck.

Ich komm damit nicht klar, ist das wirklich die kirchliche Meinung?
Irgendwie mittelalterlich - ich dachte immer, Gläubige begreifen ihren Gott gerade DURCH die Prinzipien der Natur, also auch Evolution.
Also mir macht solche Ignoranz jedenfalls Angst. Wie seht ihr das?

cool bleiben

„Neue Evangelistische Schriftenreihe“
Titel : Stammt der Mensch vom Affen ab?

Da der Begriff „evangelisch“ und all seine Abstammungen nicht geschützt ist, kann erstmal jeder seine Schriftenreihe so nennen. Aber selbst wenn es „die“ evangelische Kirche wäre: na und? Die erzählen in ihren Vielfalt und im Laufe der Jahrzehnte eh immer was anderes… (der letzte Satz war vielleicht etwas hart -'tschuldigung, liebe protestantische Glaubensbrüder!)

Im übrigen hat nie jemand behauptet, wir stammen vom Affen ab. Vielmehr haben Affen und Menschen den selben Vorfahren. (*vorsichtig* jedenfalls nach herrschender Meinung)

Ich komm damit nicht klar, ist das
wirklich die kirchliche Meinung?

Um meine obige Polemik über die ev. Kirche(n) nochmal aufzunehmen: es gibt ja doch nur eine Kirche! Und die ist „einig, heilig, katholisch und apostolisch“ :wink:

Was ich aber ernsthaft sagen kann: natürlich hast Du es leichter, eine katholische Meinung zu einem Thema zu finden, weil es dort eine Lehrautorität (die des Bischofs) gibt. Die Vielfalt der Protestanten läßt so etwas nicht zu. Und sicher werden sie das auch gutheißen.

Du mußt Dich also von der Vorstellung lösen, daß es „die“ Meinung zu dem oder dem Thema gibt.

Also mir macht solche Ignoranz jedenfalls
Angst. Wie seht ihr das?

Angst sollte Dir das keinesfalls machen. Du könntest Dich bequem zurücklehnen und sagen, diese Äußerung kommt nur von einer Sekte. Oder Du könntest weise sagen, auch ich glaube an Sachen, die wissenschaftlcih widerlegt sind. Also laß denen ihren Spaß.

Andreas

frag mal CATMAD, der weiss sowas :wink: (nt)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Michael Schuhmacher

Vor wenigen Tagen fand ich ein Flugblatt
in meinem Briefkasten.
„Neue Evangelistische Schriftenreihe“
Titel : Stammt der Mensch vom Affen ab?

Darin wird glatttweg die Evolution,
genauer das Vorkommen von Mutationen
geleugnet und die Herleitung der
Entwicklungsgeschichte des Menschen aus
Knochenfunden als riesiger Betrug
abgetan.
Ich komm damit nicht klar, ist das
wirklich die kirchliche Meinung?
Irgendwie mittelalterlich - ich dachte
immer, Gläubige begreifen ihren Gott
gerade DURCH die Prinzipien der Natur,
also auch Evolution.

Ich kann Dir als überzeugter Christ und ausgebildeter Physiker nur beipflichten. Es ist eine traurige Tatsache, daß manche Menschen ihren Glauben nur dadurch festhalten können, indem sie die Augen verschließen und Tatsachen einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Ähnliche Flugblätter und auch Bücher gab es seit Beginn dieses Jahrhunderts und gerade in Amerika haben diese Gruppierungen einen politisch und gesellschaftlich starken Stand.

Du mußt dies allerdings auch als eine Reaktion auf die entgegengesetzte Richtung sehen. Viele Atheisten sehen die Evolutionstheorie als „Beweis“, daß die Sache mit Gott Unsinn ist. Das ist aber genauso hahnebüchen.

Also mir macht solche Ignoranz jedenfalls
Angst. Wie seht ihr das?

Ich glaube für Angst besteht keine Ursache. Lernst Du solche Menschen näher kennen, so wirst Du feststellen, daß die meisten in vielen Dingen sehr positiv sind und ihre Kraft wesentlich menschlicher und hilfreicher einsetzen als die meisten Atheisten. Man muß nur eventuell das Thema Evolution vermeiden.

Ich sehe das, wie mit den Ausführungen von Paulus über die „schwachen“ und „starken“ Christen (damals über die Frage, ob man Fleisch unbekannten Ursprungs essen darf). Im Sinne der Liebe dürfen diese Christen irrige Ansichten über Evolution haben, dies ist nämlich kein entscheidendes Problem vor Gott.

Viele Grüße
Thomas

Foul!
Lernst Du solche Menschen näher

kennen, so wirst Du feststellen, daß die
meisten in vielen Dingen sehr positiv sind
und ihre Kraft wesentlich menschlicher und
hilfreicher einsetzen als die meisten
Atheisten.

Wozu war denn das notwendig? Hast Du jetzt nur mal eben die Gelegenheit zu einem Tiefschlag benutzt (paßte gerade so gut) oder bist Du der Meinung, daß Du diese Aussage beweisen könntest?

Michael

Hallo

Lernst Du solche Menschen näher
kennen, so wirst Du feststellen, daß die
meisten in vielen Dingen sehr positiv
sind
und ihre Kraft wesentlich menschlicher
und
hilfreicher einsetzen als die meisten
Atheisten.

Wozu war denn das notwendig? Hast Du jetzt
nur mal eben die Gelegenheit zu einem
Tiefschlag benutzt (paßte gerade so gut)
oder bist Du der Meinung, daß Du diese
Aussage beweisen könntest?

Michael

Was ich damit ausdrücken wollte ist, daß diese Menschen oft (aber nicht immer) aus ihrem Glauben heraus eine stärkere Motivation haben, sich sozial um ihre Mitmenschen zu kümmern, als solche Menschen, die an keinen Einfluß eines Gottes auf ihr Leben glauben.

Tatsächlich gibt es auch andere Glaubensrichtungen (z.B. den Kommunismus), der ähnliche Motivationen hervorrufen kann.

Daß dann auch nicht immer alles so ist, wie es sein soll, will ich gerne zugeben.

Gruß
Thomas

Was ich damit ausdrücken wollte ist, daß
diese Menschen oft (aber nicht immer) aus
ihrem Glauben heraus eine stärkere
Motivation haben, sich sozial um ihre
Mitmenschen zu kümmern, als solche
Menschen, die an keinen Einfluß eines
Gottes auf ihr Leben glauben.

Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Aber egal: zumindest hast Du damit das „die meisten … menschlicher/hilfreicher … als die meisten“ klargestellt.

Gruß
Michael

Lernst Du solche Menschen näher
kennen, so wirst Du feststellen, daß die
meisten in vielen Dingen sehr positiv
sind
und ihre Kraft wesentlich menschlicher
und
hilfreicher einsetzen als die meisten
Atheisten.

Wozu war denn das notwendig? Hast Du jetzt
nur mal eben die Gelegenheit zu einem
Tiefschlag benutzt (paßte gerade so gut)
oder bist Du der Meinung, daß Du diese
Aussage beweisen könntest?

Michael

Solche Aussagen solltest du nicht allzu ernst nehmen. Die Geschichte hat bewiesen das Religiöse Menschen die größten Massenmörder waren.

Hey Peter

Solche Aussagen solltest du nicht allzu
ernst nehmen. Die Geschichte hat bewiesen
das Religiöse Menschen die größten
Massenmörder waren.

Kannst Du mir einmal eine Definition von „größten Massenmördern“ liefern und mir erklären, warum nicht-religiöse Menschen wie Hitler, Stalin, Pol Pot, Mao usw. nicht darunter zu zählen sind??

Viele Grüße
Thomas

Kannst Du mir einmal eine Definition von
„größten Massenmördern“ liefern und mir
erklären, warum nicht-religiöse Menschen
wie Hitler, Stalin, Pol Pot, Mao usw.
nicht darunter zu zählen sind??

Viele Grüße
Thomas

Die Geschichte ist voller Menschen die im Namen diverser Götter den Tot über die Menschen gebracht haben.
Nimm ein Geschichtsbuch (oder die Bibel) zur Hand und lese nach, was Religion an böses hervorbringen kann.
Jetzt werden sicher wieder einige mit dem Argument kommen das Religion auch viel gutes hervorgebracht hat.
Kann man dabei aber das Böse vergessen?

Hitler, Stalin, Pol Pot, und auch Mao waren Mörder. Das sie aber Atheisten waren ist mir neu.

Atheisten

Hitler, Stalin, Pol Pot, und auch Mao
waren Mörder. Das sie aber Atheisten waren
ist mir neu.

Wieso? Nun nimm auch Du ein Geschichtsbuch in die Hand.

Aber könnte es vielleicht sein, daß Du die Definition rumdrehst? Also wenn einer ein besonderer Massenmörder ist, dann wird er von Dir automatisch zu den religiösen Menschen gezählt?

Thomas

Wieso? Nun nimm auch Du ein Geschichtsbuch
in die Hand.

Ich habe das Geschichtsbuch übersprungen und habe mich direkt an einen Zeitzeugen gewendet. (obwohl das auf Grund seiner Krankheit sehr schwer war)
Er konnte betätigen das Hitler religiös war.

Aber könnte es vielleicht sein, daß Du die
Definition rumdrehst? Also wenn einer ein
besonderer Massenmörder ist, dann wird er
von Dir automatisch zu den religiösen
Menschen gezählt?

Automatisch geht das nicht. Aber in den Vergangenen Jahrhunderten glaubten praktisch alle Menschen an irgendeinen Gott. (oder mehrere Götter)
Ein Atheist als Politischen Führer hätte es damals sehr schwer gehabt die Menschen anzuführen.
Ich unterscheide aber sehr wohl ob eine Tat Religiös motiviert ist oder nicht.
Als Urban II einen Krieg begann, war das Hauptmotiv eindeutig Religion.

Nach mehreren Folgekriegen und ca. 20 Millionen Toten (das ist nur eine Schätzung eines Historikers), mußte sogar die Röm. Kath. Kirche einsehen das man das Heilige Land, selbst mit Hilfe Gottes, nicht erobern kann.

Okay, alle Menschen sind religiös
Gut, jetzt kann ich Deiner Aussage zustimmen, sie wird in meinen Augen allerdings zu einer trivialen Aussage.

Nach Deiner Definition sind nämlich ALLE Menschen religiös, weil nämlich alle Menschen an irgendetwas glauben (z.B. an die eigene Überlegenheit oder daran, daß es keinen Gott gibt oder daran, daß man sich nur genug konzentrieren muß, um sich selbst zu erlösen oder oder oder)

Da alle Menschen danach also religiös sind, so sind es auch die Massenmörder, die ihre eigene Überzeugung auch in der Regel dazu verwenden, ihre Taten vor sich selbst zu rechtfertigen.

Als Beispiel würde ich z.B. Honnecker nehmen. Er war bis zu seinem Tode fest davon überzeugt, nicht falsches oder verwerfliches getan zu haben. Er GLAUBTE an das kommunistische System und er war davon überzeugt, daß sein Weg der einzige war, dem deutschen Volk das Heil zu bringen.

Thomas

Wieso? Nun nimm auch Du ein
Geschichtsbuch
in die Hand.

Ich habe das Geschichtsbuch übersprungen
und habe mich direkt an einen Zeitzeugen
gewendet. (obwohl das auf Grund seiner
Krankheit sehr schwer war)
Er konnte betätigen das Hitler religiös
war.

Aber könnte es vielleicht sein, daß Du
die
Definition rumdrehst? Also wenn einer ein
besonderer Massenmörder ist, dann wird er
von Dir automatisch zu den religiösen
Menschen gezählt?

Automatisch geht das nicht. Aber in den
Vergangenen Jahrhunderten glaubten
praktisch alle Menschen an irgendeinen
Gott. (oder mehrere Götter)
Ein Atheist als Politischen Führer hätte
es damals sehr schwer gehabt die Menschen
anzuführen.
Ich unterscheide aber sehr wohl ob eine
Tat Religiös motiviert ist oder nicht.
Als Urban II einen Krieg begann, war das
Hauptmotiv eindeutig Religion.

Nach mehreren Folgekriegen und ca. 20
Millionen Toten (das ist nur eine
Schätzung eines Historikers), mußte sogar
die Röm. Kath. Kirche einsehen das man das
Heilige Land, selbst mit Hilfe Gottes,
nicht erobern kann.

EBEN !

deshalb kommt jeder mit Handelm nach:
„Du sollst mich lieben wie Dich selbst…“
am besten weiter, denn ohne Naechstenliebe gibts es keine Gottesliebe.

( Die Geschichte is uebervoll mit diesen Fehleinschaetzungen )

Tschau
Tom

Seufz! Ist ja mal (wieder) wunderbar: Von den evangelistischen Kirchen zu den besseren Menschen, über Atheisten zu religiösen und religiösen Massenmördern…

Nu mal kurz zum Ursprung der Frage: Aus der Sich der katholischen Theologie gibt es zwischen der modernen Evolutionstheorie und der Schöpfungserzählung keinen Gegensatz: Man kann nämlich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Seit „Erfindung“ der heute doch weitgehend anerkannten historisch-kritischen Exegese (sprich: seit man die Bibel auch mal aus literatur- und formkritischer, gattungsgeschichtlicher und überhaupt historischer Sichtweise unter die Lupe nimmt, lernt man eigentlich irgendwo zwischen dem 6. und dem 8. Schuljahr, dass die Evolutionstheorie eine naturwissenschaftliche These, die Schöpfungserzählung aber eine Art Mythos (sher kurz gegriffen, aber für weitere Ausführungen fehlt hier der Raum) ist. M.a.W.: die Intention beider gattungen ist schlichtweg unterschiedlich. Und soweit ioch weiss, haben auch die Protestanten (sogar schon früher als die Katholiken) die historisch-kritische Exegese in das Theologiestudium integriert.

Gerd

Verstaendnisfrage
die

Schöpfungserzählung aber eine Art Mythos

[…]

die historisch-kritische Exegese in das
Theologiestudium integriert.

Verstehe ich das richtig: heutige Studierende der Theologie bekommen von ihren Lehrenden vermittelt, daß die Bibel nicht Gottes Wort ist, also nicht von dessen inspirierten Werkzeugen zu Papyrus gebracht worden ist?
Und „die Kirchen“ sagen, das ist okay so?

Gruß
Michael

Verstehe ich das richtig: heutige
Studierende der Theologie bekommen von
ihren Lehrenden vermittelt, daß die Bibel
nicht Gottes Wort ist, also nicht von
dessen inspirierten Werkzeugen zu Papyrus
gebracht worden ist?
Und „die Kirchen“ sagen, das ist okay so?

Gruß
Michael

Tja, wie immer ist es mal wieder nicht so einfach: Gottes Wort ist es schon - allerdings in Menschenwort gekleidet. Und das ist eben je nach Zeit, Kultur, Anlass und persönlicher Neigung bzw. Sprachkompetenz anders.
Um nur mal ein kurzes (?) Beispiel zu wählen: Die wunderschöne Geschichte von Noah und dem Regenbogen! Immer wieder tauchen Leute auf, die behaupten, man hätte am Berg Ararat in der Türkei die Arche gefunden. Stimmt aber nicht: Man hat lediglich ein Schiff aus dem 6. Jahrhundert gefunden und das beweist nur, dass schon damals in einem Kloster man an diesem Ort diesem (biblischen) „Geschehen“ gedacht hat. Aber dadurch wird das Geschehen nicht historisch!
Nimmt man diese Geschichte von Noah wortwörtlich (also historisierend), dann stellt sie einen vor ziemlich viele Probleme: Wie hat der Kerl nur alle (!) Tiere untergebracht? Wie verhinderte er, dass sie sich gegenseitig auffraßen? Wie hat er sie ernährt? Was war eigentlich mit den Fischen (Hat Gott die auch ertränkt?)?Und dann diese ominöse Opferszene, als Noah wieder an Land ging: Opfert der Kerl doch glatt von allen reinen Tieren und Vögeln - wo er doch von jedem nur ein Paar hatte! Ups, das wäre dann wohl das Ende von Brehms Tierleben gewesen…! Natürlich gibt es immer wieder freikirchliche Kreise, die ganz bibeltreu versuchen, das dann irgendwie zurechtzubiegen, aber meiner Meinung nach (und auch nach der Meinung der wissenschaftlichen Theologi) bleibt dabei der Verstand auf der Strecke. Übrigens wird in der Bibel der Hase auch zu den Wiederkäuern gezählt, was definitiv nicht stimmt.
Zurück zu Noah: Am Ende der Geschichte, setzt Gott seinen Bogen in den Himmel, als Bundeszeichen zwischen Gott und Mensch (Genesis 9,13 - meine Lieblingsstelle). Jeder Physiker und jeder Schuljunge weiss aber, dass der Regenbogen eine ganz natürliche Erscheinung ist und nicht immer, wenn ich mit einer Taschenlampe und einem Gartenschlauch einen Regenbogen erzeuge, hat das mit dem Bund Gottes mit den Menschen zu tun.
Ist die Geschichte von Noah also gelogen? Nur, wenn man sie als historischen Bericht liest. Aber sie ist eben Glaubensgeschichte und entstand dort, wo die Menschen von Fluten bedroht wurden. Wer mal in Israel/Palästina erlebt hat, wie schnell da in der Regenzeit das Wasser aus den Wadis schießen kann, der versteht diese Geschichte schon besser! Solche Geschichten kamen im Nahen Osten vielfach vor, am bekanntesten ist das sog. Gilgamesch-Epos, das eine ähnliche Sintflutgeschichte wie in der Bibel erzählt. Immer geht es darum, dass Gott/die Götter die Erde wegen der Bösheit der Menschen zerstören will/wollen. War bei den umliegenden Religionen die Lösung, die Götter durch Opfer zu besänftigen, so stellt das Alte Testament eine ganz neue (Glaubens)lösung vor: Der Regenbogen ist Gottes Zeichen seiner Zusage, dass er (!) diese Welt nie wieder zerstören wird. Daran klammerten sich die Leute und aus dieser Zusage überlebten und durchlebten sie jede Flutkatastrophe. Und übrigens: Gerade heute ist das brandaktuell - Gott wird diese Erde nicht zerstören, nur noch der Mensch kann so blöd und grausam sein. Der Regenbogen ist eine Zusage Gottes un dzugleich die Übertragung der Verantwortung für die Schöpfung an den menschen.
Damit ist der Regenbogen nicht entzaubert. Man kann ihn nun naturwissenschaftlich erforschen UND gleichzeitig ihn theologisch deuten. Somit sieht man: Die Erzählung von der Arche und dem Regenbogen ist aus theologischer Sicht „wahr“. Sie entstand am Lagerfeuer: Anstatt dem ängstlich-fragenden Hirtenjunge am Lagerfeuer nach den Regenfällen eine theologische Vorlesung über Gott und die Welt zu halten, hat der Großvater eben in guter hebräischer Sitte eine Geschichte erzählt und der Junge hat sie sofort verstanden. Und beim nächsten Regenguß war er weniger ängstlich und hatte nicht gleich wieder panikähnliche Endzeitstimmung! Nur wir tun uns heute nach fast 3000 Jahren Abstand ein wenig schwer damit. Und deswegen haben auch so manche Leute mal wieder das Ende der Welt verkündet, das dann doch lediglich eine Sonnenfinsternis war - hätten sie mal vorher in die Bibel geschaut…

Und so kann man sich durch die ganze Bibel arbeiten, ihre Gattungen und Formen unterscheiden usw…bei Bedarf mehr!

Gerd

Tausend Dank für diese ausführliche, informative (und auch noch unterhaltsame) Antwort.

Unbeantwortet ist dabei leider meine ursprüngliche Frage „Ist das Mainstream?“ geblieben und entstanden ist auch gleich eine neue, nämlich diese:

Tja, wie immer ist es mal wieder nicht so
einfach: Gottes Wort ist es schon -
allerdings in Menschenwort gekleidet. Und
das ist eben je nach Zeit, Kultur, Anlass
und persönlicher Neigung bzw.
Sprachkompetenz anders.

Bedeutet das jetzt, daß die Texte der Bibel eine Botschaft von „Mensch zu Mensch“ oder eine Botschaft von „Gott zu Mensch“ transportieren? Und sind beispielsweise alle Schöpfungsmythen verschiedenster Kulturen und Epochen gleichwertig in dem Sinne, daß sie Ordnung ins scheinbare Chaos dieser Welt bringen?

Falls du mit „Mainstream“ meinst, ob die beiden großen Kirchen in Deutschland ihre Hauptamtlichen dementsprechend ausbilden, so ist es „Mainstream“: Wer auch immer an einer ordentlichen Universität wissenschaftliche Theologie studiert, kommt an der historisch-kritischen Exegese nicht vorbei – und das ist auch gut so. Normalerweise wird auch während der nachfolgenden praktischen Ausbildung ziemlich genau ein Auge auf den Azubi geworfen, damit der gute Kerl nicht auf der evangelischen/katholischen/ökumenischen Kanzel keinen Schwachsinn erzählt. Allerdings gibt es zwei Probleme bei der Sache: Erstens gibt es noch eine Menge alter Pfarrer und ebenso älterer Gemeindemitglieder, für die die historisch-kritische Exegese ein Fremdwort ist oder sogar als schädlich eingestuft wird. Mitunter kann man sie auch nur schwer verantworten: Wenn ich meiner 90jährigen Oma eine wissenschaftliche Auslegung der Schöpfungserzählung geben würde, dann würde ich sie nicht nur hoffnungslos überfordern, ich würde auch in einem unverantwortlichen Maße ihre ganze (Glaubens)Welt zerstören! Und das gilt nicht nur für ältere Menschen, auch für jüngere gerät die „Wahheit“ der Bibel ins Wanken, wenn man zu unbedarft mit der Wissenschaft um sich wirft. Und das zweite Problem: Nicht jeder Prediger macht sich die Mühe, bei jeder Predigt die entsprechenden exegetischen Kommentare zu lesen bzw. er kann auch nicht immer auf dem neuesten Stand sein. Und so passiert es doch auch, dass man einem Text mehr oder weniger Gewalt antut, v.a. wenn man ein bestimmtes Glaubens-, Kirchen- und Weltbild hat und dann den Text mit dieser Brille betrachtet.

Zu den Schöpfungsmythen: In diesem Sinne sind sie tatsächlich „gleichwertig“: Jeder von ihnen hat den Menschen ihrer Zeit eine ganz bestimmte Antwort auf die Frage nach dem Sein und Sinn der Welt gegeben. Und jeder von ihnen gab den Menschen Hilfe, sich im Leben zurechtzufinden. So gesehen, sind ja auch alle ernsthaft gelebte Religionen „gleichwertig“, denn sie alle entspringen der Sehnsucht des Menschen nach Sinn. Deshalb darf ich einen gläubigen Moslem, Juden usw. nicht einfach lächerlich machern und als Ungläubigen bezeichnen. Die kath. Kirche hat ihr Verständnis bzgl. anderer Religionen dementsprechend im II. Vatikansichen Konzil ja auch geändert.
Nicht „gleichwertig“ sind eben die Antworten, die die Mythen geben. Und da gibt nach meiner Meinung die Erzählung in der Genesis mehr Sinn und Halt im Leben (nämlich die unbedingte, ewige Zusage Gottes, seine Schöpfung nicht zu zerstören) als z.B. das Gilgamesch-Epos. Und weil eben der biblische Text eine Botschaft Gottes zu den Menschen in einer sehr schönen literarischen Form transportiert, verbinden sich hier Gottes- und Menschenwort. Das Menschenwort kann sich verändern: Schau dir z.B. mal in einem Kindergarten die Aufführung der Arche Noah als Singspiel an! Das hat mit der Sprache des Bibeltextes nicht mehr viel zu tun! Aber die Botschaft (eben das „Gotteswort“) bleibt dieselbe! Bedenklich wird es erst, wenn die Abweichung zum Urtext zu groß wird oder man sich einige wenige Sätze herausreißt und den Gesamttext und seinen historischen Hintergrund ignoriert. Das ist übrigens ein sehr gutes Erkennungsmerkmal „unseriöser“ Bibelarbeit: Man betreibt sog. „Steinbruchexegese“, d.h. man stellt eine Behauptung auf (Die Welt geht morgen unter! o.a.) und belegt dies mit zahlreichen Zitaten aus der Bibel, indem man sich (mit Hilfe eines Computers geht das prima) einfach hier und da halbe Sätze oder sogar Wörter herausnimmt und dabei sowohl die zeitlichen Abstände zwischen den Büchern (zwischen dem ältesten und dem jüngsten Buch liegen 1000 Jahre Abstand!), als auch ihre spezifische Gattung weglässt. So hat sich die Kirche jahrhundertelang in die Onanie verrannt, um dann endlich mal zu merken, dass der böse Onan zwar ein Saukerl war, der es recht bunt getrieben, aber zum Entsetzen der Moralisten nie und nimmer onaniert hat – peinlich, peinlich…

Viele Grüße!

Gerd

PS.: Du kannst mir ja mal eine x-beliebige Behauptung schicken (allerdings in einem vernünftigen Rahmen) und ich werde sie dir anhand einiger Bibelstellen beweisen! ( mit einen herausfordernden Grinsen).

Und da
gibt nach meiner Meinung die Erzählung in
der Genesis mehr Sinn und Halt im Leben
(nämlich die unbedingte, ewige Zusage
Gottes, seine Schöpfung nicht zu
zerstören) als z.B. das Gilgamesch-Epos.

Das ist doch, wenn ich es richtig verstehe, eine Aussage über die „Nützlichkeit“ der Mythen für die Menschen, und sagt nichts über die „Richtigkeit“ oder „Authentizität“ aus. Möglicherweise ist das eine ganz naive Vorstellung, die ich habe, aber ich dachte immer, in der Auffassung, die Bibel sei Gottes Wort, sei implizit eine Aussage über die „Authentizität“ (mir fällt kein besseres Wort ein) enthalten: Das ist das, was Gott uns mitteilen will. Oder anders: wenn es eine Schrift gibt, die Gottes Wort enthält, dann muß es auch einen Gott geben (der so ist, wie er sich in der Bibel darstellt).

PS.: Du kannst mir ja mal eine x-beliebige
Behauptung schicken (allerdings in einem
vernünftigen Rahmen) und ich werde sie dir
anhand einiger Bibelstellen beweisen!
(? mit einen herausfordernden
Grinsen).

Darauf komme ich gern zurück - ich bitte um etwas Bedenkzeit!

Gruß
Michael