Hallo Jörg,
Meiner Beobachtung nach wird es, seitdem es die
„Qualitätssicherung“ nach DIN 9xxx gibt, immer schlimmer!
Diesem Unsinn konnten wir uns bisher erfolgreich widersetzen.
Zum Glück wissen unsere Kunden die reale Qualität mehr zu
schätzen als irgendwelche Zertifikate. Da scheint mir auch
viel Geldmacherei im Spiel zu sein
Seh ich teilweise auch so. Natürlich ist Qualitätssicherung durchaus notwendig und wichtig. Ich bezweifle nur, wie Du es auch zum Ausdruck bringst, ob durch den zur Erlangung einer Zertifizierung notwendige Papierkrieg dann auch letztendlich die Qualität der Endprodukte steigert. Bei uns findet immer noch eine 100% Endprüfung statt - auch ohne übertriebenen Papierkrieg.
Das hört sich so an, als ob Du in einer größeren Firma
arbeitest.
Eher im Gegenteil! Bin nur seit 93 im Bereich Endprüfung und Reparaturen „Ehrfahrungssammler“.
Wenn dann auch noch sehr viele Bauteile auf einer
Platine sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, Nieten zu
erwischen entsprechend an.
Da hast Du recht. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, daß Defekte meist durch Elko’s (vornehmlich bei Reparaturen) oder Halbleiter (sowohl bei Neuproduktion als auch bei Reparaturen)
verursacht werden.
In den 9 Jahren habe ich es z.B. nur ein einziges Mal erlebt, daß ein neu eingebauter Keramikkondensator einen Kurzschluß aufwies, defekte Cermet-Potis (neu) waren es ca. 5 Stück …
Das sehe ich durchaus als akzeptable „Ausreißerzahlen“ an.
Natürlich hängt das mit Sicherheit aber auch mit der vergleichsweise niedrigen Komplexität dieser BE zusammen.
Unser Produktionsbereich ist eher bescheiden und deshalb gibt
es da kaum Probleme.
Probleme gibt es dagegen im Reparaturbereich bei den
Ersatz-ICs. Das sind meistens Spezial-ICs, die wir über andere
Quellen beziehen müssen. Hier haben wir teilweise 100%
Ausschuß. Keine Abweichungen der Toleranzen sondern wirklich
Ausfall der Chip-Funktion, wobei bei manchen Exemplaren noch
unterschiedliche Teilfunktionen intakt sind. Schwer zu
glauben, daß diese Chips jemals einen Funktionstest bestanden
haben.
Davon habe ich in meinem zweiten Studium, das ich gerade abschließe (Industrieelektronik), auch schon gehört.
Soll bei Sonderanfertigungen manchmal passieren.
Ich war bisher immer überzeugt, daß alle Chips einen
automatischen Funktionstest bestehen müssen. Das wäre
technisch doch eigentlich sehr einfach.
Ich denke das hängt auch von der Komplexität der BE ab. Bei sehr komplexen Chips wird tatsächlich jedes BE geprüft, bevor es in ein Gehäuse eingebaut wird. Dort ist es billiger eine Prüfung vor dem endgültigen Einbau in das Chipgehäuse vorzunehmen.
Allerdings kann ein solcher Prüfvorgang bei sehr komplexen Bausteinen niemals alle Funktionen abdecken. (Haben das mal als Beispiel in einer Vorlesung am Beispiel eines Prozessors durchgerechnet. Dabei ergaben sich horrende Prüfzeiten, die einfach nicht realisierbar sind.)
Getreu dem Motto: Einer wirds schon kaufen und zu faul sein,
sie wieder zurückzubringen.
Ich habe mir neulich im Baumarkt das letzte Exemplar eines
Ladegerätes für Wechselakkus von Akkuschraubern gekauft. Die
Packung war bereits geöffnet und ein 1. Test zeigte, daß es
defekt war. Weil es für mich einfacher war, das Ding zu
reparieren als es zurückzubringen und vieleicht wochenlang
ohne einsatzfähigem Akkuschrauber hinter einem Ersatzgerät
hinterherzurennen, habe ich es untersucht: Die
Temperatursicherung war durchgebrannt. Kein Wunder, der
Netztrafo war ohne Strombegrenzungswiderstand über die
Gleichrichterdioden direkt mit den Akkus verbunden. Der Trafo
arbeitete also quasi im Dauerkurzschlußbetrieb. Der Trafo hat
sich demnach bei einem anderen Kunden überhitzt, der das Gerät
wieder zurückgebracht hat. Wer weiss, wie viele Kunden das
Gerät danach noch gekauft und wieder zurückgebracht haben. Ich
habe es dann natürlich erstmal richtig umgebaut, sodaß es
jetzt besser funktioniert als vom Hersteller vorgesehen 
Naja, so kann ein Laden seine Hüter auch loswerden.
Genauso ging es mir mit einem Paar Lautsprecherboxen für den PC. Letzte Verpackung erwischt (offen), heruntergesetzt. Zuhause: ein Lautsprecher setzte dauernd aus. Ergebnis: Schlechte Lösstelle. Hab ich auch lieber selber gleich nachgelötet. (Gebe ja zu: wollte auch unbedingt wissen an was es liegt. Neugierde kann nicht geleugnet werden!)
Bei berechtigter Beanstandung warteten wir (trotz mehrmaliger
Aufforderung) bis zu 1/2 Jahr (z.B.: und-Gatter, das an einem
Eingang die Versorgungsspannung aufschaltete) bevor wir eine
Gutschrift erhielten.
Vermutlich haben auch die Lieferengpässe der letzten Zeit
ihren Teil dazu beigetragen.
Nein: Die BE (ganze Stange) wurden vom Zulieferer an die Herstellerfirma eingesandt und diese untersuchte die BE dahingehend, ob die Beanstandung berechtigt war. Als diese dann nach 1/2 Jahr bestätigte, daß die BE einen internen Kurzschluß aufwiesen, erhielten wir eine Gutschrift.
Das Gute an der ganzen Sache: Interessiere mich seither
(notgedrungen) brennend für Bauelemente, sammle Wissen ohne
Ende und beobachte die Szene interessiert. Allerdings muß man
auch sagen: es gibt durchaus Firmen („Mercedes unter …“),
bei denen man mit derartigen bösen Überraschungen (zumindest
bisher noch nicht) rechnen muß!
Darf man hier auch Namen nennen ? Das würde mich natürlich
auch brennend interessieren.
Habe z.B. bisher (und auch mein Vater früher) noch nie Probleme mit Siemens-Bauelementen gehabt. (Egal ob Halbleiter, Elko’s oder Relais’s.)
Bei Relais schwöre ich überdies auf die frühere Firma SDS (heute: Masushita) - aber das ist im Moment nicht Dein Problem.
Allgemein bevorzuge ich bei Neuentwicklungen Firmen, deren Datenblätter umfangreich Auskunft über deren Produkte geben. (Siemens, Philips, Analog Devices, Texas Instruments, … [Heißen zum Teil schon nicht mehr so, Namen wechseln heutzutage ja laufend])
Gruß
Helga