Halbleiter-Schund ?

Hallo Leute und Leidensgenossen,
in meiner Firma häufen sich in letzter Zeit die Fälle, in denen wir IC-Ersatzteile für elektronische Geräte bekommen, die schlichtweg nicht funktionieren. Obwohl es sich eigentlich um seriöse renomierte Lieferanten handelt, haben wir bei manchen Lieferungen Ausschußquoten von 50-100%. Da es sich oft um nicht sockelbare ICs handelt und man ja auch nicht unbedingt mit defekten Neuteilen rechnet , ist der aufwandbedingte Schaden natürlich weit größer als der Bauteilwert. Da hilft es wenig, daß ich die Bauteile zurückschicken kann und ersetzt bekomme. Gerade bei dem 100%-Ausschuß handelt es sich sogar um bekannte Hersteller wie NSC oder SGS. Ich habe langsam den Verdacht, daß da
Fälschungen in großem Stil im Umlauf sind.
Bei Standard-ICs habe ich solche Probleme noch nie gehabt.

Meine Fragen: Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht ? Gibt es Hinweise auf die Ursachen ? Gibt es „schwarze Listen“ über die betroffenen Typen und Hersteller ?

Vielen Dank für alle sachdienlichen Hinweis

Jörg

Moin!

Meine Fragen: Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht ? Gibt
es Hinweise auf die Ursachen ? Gibt es „schwarze Listen“ über
die betroffenen Typen und Hersteller ?

Daß renommierte Hersteller ihre Qualitätsstandards abgebaut haben, ist meiner Kenntnis nach nicht der Fall. Auch Bauteilfälschungen sind mir nicht bekannt. Was aber bereits vorkam - jedenfalls nach Aussage meines Elektronikhändlers - ist, daß verschiedenen Großhändler bewußt zweite Wahl, die entweder nicht innerhalb der Fertigungstoleranzen oder ungeprüft war, aufkauften. Dies natürlich zu einem günstigeren Preis, als die erste Wahl. Und da bei den meisten Händlern auf elektronische Bauteile keine Gewährleistung besteht, können die Dir den letzten Dreck andrehen. Ich weiß nicht, wo Du Deine Bauteile beziehst, vielleicht solltest Du die Lieferschiene wechseln.

Vielen Dank für alle sachdienlichen Hinweis

Und ein schönes Wochenende!

Munter bleiben… TRICHTEX

Hallo Gunther,

Daß renommierte Hersteller ihre Qualitätsstandards abgebaut
haben, ist meiner Kenntnis nach nicht der Fall.

Daran glaube ich auch nicht

Auch
Bauteilfälschungen sind mir nicht bekannt. Was aber bereits
vorkam - jedenfalls nach Aussage meines Elektronikhändlers -
ist, daß verschiedenen Großhändler bewußt zweite Wahl, die
entweder nicht innerhalb der Fertigungstoleranzen oder
ungeprüft war, aufkauften. Dies natürlich zu einem günstigeren
Preis, als die erste Wahl.

Die Hersteller würden aber sicher nicht zulassen, daß mit ihrem Label gestempelte minderwertige oder defekte Ware auf den Markt kommt. Die würde dann wohl eher unter einem OEM-Label auftauchen.

Und da bei den meisten Händlern auf
elektronische Bauteile keine Gewährleistung besteht, können
die Dir den letzten Dreck andrehen.

Die Gewährleistung habe ich schon, aber das ist ja nicht das Problem. Es geht um die Folgekosten, die mir keiner ersetzt.

Ich weiß nicht, wo Du
Deine Bauteile beziehst, vielleicht solltest Du die
Lieferschiene wechseln.

Um mir nicht die Finger zu „verbrennen“, will ich die Namen jetzt nicht öffentlich posten. Die speziellen Ersatzteile, die ich oft brauche, bekomme ich aber nur dort. Außerdem bin ich ja sonst ganz zufrieden mit denen.

Jörg

Hallo Jörg

Ich kann Deine Erfahrungen leider nur bestätigen. Auch wir haben das Problem, daß wir bei Lieferungen einen hohen Prozentsatz an nicht einwandfrei funktionierenden BE erhalten. Meiner Beobachtung nach wird es, seitdem es die „Qualitätssicherung“ nach DIN 9xxx gibt, immer schlimmer!

Natürlich können auch wir die Bauelemnte (BE) zurückgeben und erhalten Ersatz. (Was aber meist nur etwas bringt, wenn die Charge der Ersatzlieferung auch eine andere ist.)

Nun gut, man sammelt so seine Erfahrungen und weiß bei jeder Lieferung: Diesmal ist es höchstwahrscheinlich der Operationsverstärker. Bei der nächsten Lieferung geht wieder alles glatt und ab der Übernächsten sucht man erst mal wieder, bis man weiß: diesmals sind es meist die Transistoren. …

Hast recht: Das kostet und kostet!!!

Was nützt da die Erklärung des Lieferanten: Vielen Dank für ihre Mitteilung / Beanstandung …

Mein Verdacht:

  1. Da bei einer Qualitätskontrolle immer nur Stichproben gezogen werden, dauert es einige Zeit, bevor Produktionsfehler entdeckt werden. Die kurz vor dem Entdecken des „aus dem Ruder-Laufens der Produktion“ noch produzierten Teile werden trotzdem noch verkauft und enthalten einen übergroßen Anteil an nicht einwandfreien BE. (Als Mathematiker frage ich mich auch oft, ob die laut DIN vorgeschriebenen Prüfverfahren überhaupt für alle möglichen Produktionsverfahren geeignet sind. Diese setzen meines Wissens in der Regel Normalverteilung der Produktion voraus, ohne daß dieser Sachverhalt näher konkret überprüft werden muß. Dabei kennt die Mathematik eine schier unendliche Anzahl an möglichen Verteilungen!)

  2. Vermute sehr stark, daß einmal beanstandete Ware (insbesondere an kleine Firmen, die nicht unbedingt über die ausgereiften Eingangs-Prüfverfahren verfügen) erneut verkauft wird. Zu diesem Verdacht bringt mich ein Erlebnis aus einem ganz anderen Bereich: Als ich mir eines Tages im Urlaub eine Bluse kaufte, stellte ich zuhause fest, daß diese ein Schnittloch im Ärmel aufwies. Am nächsten Tag tauschte ich die Bluse um. Nach einer Woche war ich wieder in dem Laden und entdeckte genau dieselbe Bluse mit dem Schnitt im Ärmel wieder auf dem Verkaufsständer! Hinweis an die Verkäuferin: Bluse wurde weggeräumt. Aber: beim nächsten Einkauf hing sie wieder auf dem Ständer!

Leider hilft es meist nicht mal die gewünschte Firma anzugeben.
Beispiel:
Bestellt: TI
Geliefert: Motorola
Preis: der von TI
Selbst der Hinweis: „Nicht von Firma xxx“ wird meist ignoriert.
Z.B.: Der Umtausch eines Chips (4528), der mit dem Hinweis „Nicht von Firma xxx“ bestellt worden war und dann doch von Firma „xxx“ geliefert worden war, war erst nach Studium der Datenblätter der verschiedenen Firmen und dem Nachweis, daß die interne Funktion der unter gleichem Namen verkauften BE sich unterschied, möglich!

Auch die Bestellung bei einem anderen Anbieter (3-facher Preis) brachte mir bei der letzten Bestellung von Operationsverstärkern nicht den gewünschten Erfolg (Bestellt: TI – geliefert: Motorola, selbe Charge wie Billiganbieter, Qualität gleich m…)

Bei berechtigter Beanstandung warteten wir (trotz mehrmaliger Aufforderung) bis zu 1/2 Jahr (z.B.: und-Gatter, das an einem Eingang die Versorgungsspannung aufschaltete) bevor wir eine Gutschrift erhielten.

Das Gute an der ganzen Sache: Interessiere mich seither (notgedrungen) brennend für Bauelemente, sammle Wissen ohne Ende und beobachte die Szene interessiert. Allerdings muß man auch sagen: es gibt durchaus Firmen („Mercedes unter …“), bei denen man mit derartigen bösen Überraschungen (zumindest bisher noch nicht) rechnen muß!

Gruß

Helga

Hallo Jörg,
hast Du schon mal daran gedacht, dass vielleicht bei der Handhabung in Deinem Betrieb die Bauteile durch ESD beschädigt werden können? Ich habe schon mal erlebt, dass ganze Lieferungen zerschossen worden sind, weil ein Stück einer Führungsschiene im Bauteilehandler nicht geerdet war; beim Drüberrutschen war das der Exitus für jedes Teil.
Gruß
Helmut

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Helga,
vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht.

Ich kann Deine Erfahrungen leider nur bestätigen. Auch wir
haben das Problem, daß wir bei Lieferungen einen hohen
Prozentsatz an nicht einwandfrei funktionierenden BE
erhalten.

Das sind ja tolle Aussichten :frowning:

Meiner Beobachtung nach wird es, seitdem es die
„Qualitätssicherung“ nach DIN 9xxx gibt, immer schlimmer!

Diesem Unsinn konnten wir uns bisher erfolgreich widersetzen. Zum Glück wissen unsere Kunden die reale Qualität mehr zu schätzen als irgendwelche Zertifikate. Da scheint mir auch viel Geldmacherei im Spiel zu sein

Natürlich können auch wir die Bauelemnte (BE) zurückgeben und
erhalten Ersatz. (Was aber meist nur etwas bringt, wenn die
Charge der Ersatzlieferung auch eine andere ist.)

Nun gut, man sammelt so seine Erfahrungen und weiß bei jeder
Lieferung: Diesmal ist es höchstwahrscheinlich der
Operationsverstärker. Bei der nächsten Lieferung geht wieder
alles glatt und ab der Übernächsten sucht man erst mal wieder,
bis man weiß: diesmals sind es meist die Transistoren. …

Hast recht: Das kostet und kostet!!!

Was nützt da die Erklärung des Lieferanten: Vielen Dank für
ihre Mitteilung / Beanstandung …

Das hört sich so an, als ob Du in einer größeren Firma arbeitest. Wenn dann auch noch sehr viele Bauteile auf einer Platine sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, Nieten zu erwischen entsprechend an.
Unser Produktionsbereich ist eher bescheiden und deshalb gibt es da kaum Probleme.
Probleme gibt es dagegen im Reparaturbereich bei den Ersatz-ICs. Das sind meistens Spezial-ICs, die wir über andere Quellen beziehen müssen. Hier haben wir teilweise 100% Ausschuß. Keine Abweichungen der Toleranzen sondern wirklich Ausfall der Chip-Funktion, wobei bei manchen Exemplaren noch unterschiedliche Teilfunktionen intakt sind. Schwer zu glauben, daß diese Chips jemals einen Funktionstest bestanden haben.

Mein Verdacht:

  1. Da bei einer Qualitätskontrolle immer nur Stichproben
    gezogen werden, dauert es einige Zeit, bevor Produktionsfehler
    entdeckt werden. Die kurz vor dem Entdecken des „aus dem
    Ruder-Laufens der Produktion“ noch produzierten Teile werden
    trotzdem noch verkauft und enthalten einen übergroßen Anteil
    an nicht einwandfreien BE. (Als Mathematiker frage ich mich
    auch oft, ob die laut DIN vorgeschriebenen Prüfverfahren
    überhaupt für alle möglichen Produktionsverfahren geeignet
    sind. Diese setzen meines Wissens in der Regel
    Normalverteilung der Produktion voraus, ohne daß dieser
    Sachverhalt näher konkret überprüft werden muß. Dabei kennt
    die Mathematik eine schier unendliche Anzahl an möglichen
    Verteilungen!)

Ich war bisher immer überzeugt, daß alle Chips einen automatischen Funktionstest bestehen müssen. Das wäre technisch doch eigentlich sehr einfach.

  1. Vermute sehr stark, daß einmal beanstandete Ware
    (insbesondere an kleine Firmen, die nicht unbedingt über die
    ausgereiften Eingangs-Prüfverfahren verfügen) erneut verkauft
    wird. Zu diesem Verdacht bringt mich ein Erlebnis aus einem
    ganz anderen Bereich: Als ich mir eines Tages im Urlaub eine
    Bluse kaufte, stellte ich zuhause fest, daß diese ein
    Schnittloch im Ärmel aufwies. Am nächsten Tag tauschte ich die
    Bluse um. Nach einer Woche war ich wieder in dem Laden und
    entdeckte genau dieselbe Bluse mit dem Schnitt im Ärmel wieder
    auf dem Verkaufsständer! Hinweis an die Verkäuferin: Bluse
    wurde weggeräumt. Aber: beim nächsten Einkauf hing sie wieder
    auf dem Ständer!

Getreu dem Motto: Einer wirds schon kaufen und zu faul sein, sie wieder zurückzubringen.
Ich habe mir neulich im Baumarkt das letzte Exemplar eines Ladegerätes für Wechselakkus von Akkuschraubern gekauft. Die Packung war bereits geöffnet und ein 1. Test zeigte, daß es defekt war. Weil es für mich einfacher war, das Ding zu reparieren als es zurückzubringen und vieleicht wochenlang ohne einsatzfähigem Akkuschrauber hinter einem Ersatzgerät hinterherzurennen, habe ich es untersucht: Die Temperatursicherung war durchgebrannt. Kein Wunder, der Netztrafo war ohne Strombegrenzungswiderstand über die Gleichrichterdioden direkt mit den Akkus verbunden. Der Trafo arbeitete also quasi im Dauerkurzschlußbetrieb. Der Trafo hat sich demnach bei einem anderen Kunden überhitzt, der das Gerät wieder zurückgebracht hat. Wer weiss, wie viele Kunden das Gerät danach noch gekauft und wieder zurückgebracht haben. Ich habe es dann natürlich erstmal richtig umgebaut, sodaß es jetzt besser funktioniert als vom Hersteller vorgesehen :smile:
Naja, so kann ein Laden seine Hüter auch loswerden.

Leider hilft es meist nicht mal die gewünschte Firma
anzugeben.
Beispiel:
Bestellt: TI
Geliefert: Motorola
Preis: der von TI
Selbst der Hinweis: „Nicht von Firma xxx“ wird meist
ignoriert.
Z.B.: Der Umtausch eines Chips (4528), der mit dem Hinweis
„Nicht von Firma xxx“ bestellt worden war und dann doch von
Firma „xxx“ geliefert worden war, war erst nach Studium der
Datenblätter der verschiedenen Firmen und dem Nachweis, daß
die interne Funktion der unter gleichem Namen verkauften BE
sich unterschied, möglich!

Auch die Bestellung bei einem anderen Anbieter (3-facher
Preis) brachte mir bei der letzten Bestellung von
Operationsverstärkern nicht den gewünschten Erfolg (Bestellt:
TI – geliefert: Motorola, selbe Charge wie Billiganbieter,
Qualität gleich m…)

Bei berechtigter Beanstandung warteten wir (trotz mehrmaliger
Aufforderung) bis zu 1/2 Jahr (z.B.: und-Gatter, das an einem
Eingang die Versorgungsspannung aufschaltete) bevor wir eine
Gutschrift erhielten.

Vermutlich haben auch die Lieferengpässe der letzten Zeit ihren Teil dazu beigetragen.

Das Gute an der ganzen Sache: Interessiere mich seither
(notgedrungen) brennend für Bauelemente, sammle Wissen ohne
Ende und beobachte die Szene interessiert. Allerdings muß man
auch sagen: es gibt durchaus Firmen („Mercedes unter …“),
bei denen man mit derartigen bösen Überraschungen (zumindest
bisher noch nicht) rechnen muß!

Darf man hier auch Namen nennen ? Das würde mich natürlich auch brennend interessieren.

Jörg

Hallo Jörg,
hast Du schon mal daran gedacht, dass vielleicht bei der
Handhabung in Deinem Betrieb die Bauteile durch ESD beschädigt
werden können? Ich habe schon mal erlebt, dass ganze
Lieferungen zerschossen worden sind, weil ein Stück einer
Führungsschiene im Bauteilehandler nicht geerdet war; beim
Drüberrutschen war das der Exitus für jedes Teil.
Gruß

Hallo Helmut,
ich denke natürlich immer zuerst daran, daß ich irgendwas falsch gemacht habe. Deswegen dauert es ja auch so lange, bis ich zu der Erkenntnis komme, daß eine ganze IC-Lieferung defekt ist. Da wir kein automatisches Handling haben, ist das aber sehr unwahrscheinlich. Außerdem betrifft es es nur bestimmte Sorten von ICs, die von bestimmten Lieferanten kommen. Es ist mir in der Vergangenheit nur sehr selten gelungen ICs durch ESD zu zerschießen. Selbst nach versehentlichen hörbaren Entladung über die Pins waren die ICs i.d.R. danach noch voll funktionstüchtig.

Die Dinger waren also schon eindeutig vorher kaputt.

Jörg

Hallo Jörg,

Meiner Beobachtung nach wird es, seitdem es die
„Qualitätssicherung“ nach DIN 9xxx gibt, immer schlimmer!

Diesem Unsinn konnten wir uns bisher erfolgreich widersetzen.
Zum Glück wissen unsere Kunden die reale Qualität mehr zu
schätzen als irgendwelche Zertifikate. Da scheint mir auch
viel Geldmacherei im Spiel zu sein

Seh ich teilweise auch so. Natürlich ist Qualitätssicherung durchaus notwendig und wichtig. Ich bezweifle nur, wie Du es auch zum Ausdruck bringst, ob durch den zur Erlangung einer Zertifizierung notwendige Papierkrieg dann auch letztendlich die Qualität der Endprodukte steigert. Bei uns findet immer noch eine 100% Endprüfung statt - auch ohne übertriebenen Papierkrieg.

Das hört sich so an, als ob Du in einer größeren Firma
arbeitest.

Eher im Gegenteil! Bin nur seit 93 im Bereich Endprüfung und Reparaturen „Ehrfahrungssammler“.

Wenn dann auch noch sehr viele Bauteile auf einer
Platine sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, Nieten zu
erwischen entsprechend an.

Da hast Du recht. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, daß Defekte meist durch Elko’s (vornehmlich bei Reparaturen) oder Halbleiter (sowohl bei Neuproduktion als auch bei Reparaturen)
verursacht werden.

In den 9 Jahren habe ich es z.B. nur ein einziges Mal erlebt, daß ein neu eingebauter Keramikkondensator einen Kurzschluß aufwies, defekte Cermet-Potis (neu) waren es ca. 5 Stück …
Das sehe ich durchaus als akzeptable „Ausreißerzahlen“ an.

Natürlich hängt das mit Sicherheit aber auch mit der vergleichsweise niedrigen Komplexität dieser BE zusammen.

Unser Produktionsbereich ist eher bescheiden und deshalb gibt
es da kaum Probleme.
Probleme gibt es dagegen im Reparaturbereich bei den
Ersatz-ICs. Das sind meistens Spezial-ICs, die wir über andere
Quellen beziehen müssen. Hier haben wir teilweise 100%
Ausschuß. Keine Abweichungen der Toleranzen sondern wirklich
Ausfall der Chip-Funktion, wobei bei manchen Exemplaren noch
unterschiedliche Teilfunktionen intakt sind. Schwer zu
glauben, daß diese Chips jemals einen Funktionstest bestanden
haben.

Davon habe ich in meinem zweiten Studium, das ich gerade abschließe (Industrieelektronik), auch schon gehört.
Soll bei Sonderanfertigungen manchmal passieren.

Ich war bisher immer überzeugt, daß alle Chips einen
automatischen Funktionstest bestehen müssen. Das wäre
technisch doch eigentlich sehr einfach.

Ich denke das hängt auch von der Komplexität der BE ab. Bei sehr komplexen Chips wird tatsächlich jedes BE geprüft, bevor es in ein Gehäuse eingebaut wird. Dort ist es billiger eine Prüfung vor dem endgültigen Einbau in das Chipgehäuse vorzunehmen.
Allerdings kann ein solcher Prüfvorgang bei sehr komplexen Bausteinen niemals alle Funktionen abdecken. (Haben das mal als Beispiel in einer Vorlesung am Beispiel eines Prozessors durchgerechnet. Dabei ergaben sich horrende Prüfzeiten, die einfach nicht realisierbar sind.)

Getreu dem Motto: Einer wirds schon kaufen und zu faul sein,
sie wieder zurückzubringen.
Ich habe mir neulich im Baumarkt das letzte Exemplar eines
Ladegerätes für Wechselakkus von Akkuschraubern gekauft. Die
Packung war bereits geöffnet und ein 1. Test zeigte, daß es
defekt war. Weil es für mich einfacher war, das Ding zu
reparieren als es zurückzubringen und vieleicht wochenlang
ohne einsatzfähigem Akkuschrauber hinter einem Ersatzgerät
hinterherzurennen, habe ich es untersucht: Die
Temperatursicherung war durchgebrannt. Kein Wunder, der
Netztrafo war ohne Strombegrenzungswiderstand über die
Gleichrichterdioden direkt mit den Akkus verbunden. Der Trafo
arbeitete also quasi im Dauerkurzschlußbetrieb. Der Trafo hat
sich demnach bei einem anderen Kunden überhitzt, der das Gerät
wieder zurückgebracht hat. Wer weiss, wie viele Kunden das
Gerät danach noch gekauft und wieder zurückgebracht haben. Ich
habe es dann natürlich erstmal richtig umgebaut, sodaß es
jetzt besser funktioniert als vom Hersteller vorgesehen :smile:
Naja, so kann ein Laden seine Hüter auch loswerden.

Genauso ging es mir mit einem Paar Lautsprecherboxen für den PC. Letzte Verpackung erwischt (offen), heruntergesetzt. Zuhause: ein Lautsprecher setzte dauernd aus. Ergebnis: Schlechte Lösstelle. Hab ich auch lieber selber gleich nachgelötet. (Gebe ja zu: wollte auch unbedingt wissen an was es liegt. Neugierde kann nicht geleugnet werden!)

Bei berechtigter Beanstandung warteten wir (trotz mehrmaliger
Aufforderung) bis zu 1/2 Jahr (z.B.: und-Gatter, das an einem
Eingang die Versorgungsspannung aufschaltete) bevor wir eine
Gutschrift erhielten.

Vermutlich haben auch die Lieferengpässe der letzten Zeit
ihren Teil dazu beigetragen.

Nein: Die BE (ganze Stange) wurden vom Zulieferer an die Herstellerfirma eingesandt und diese untersuchte die BE dahingehend, ob die Beanstandung berechtigt war. Als diese dann nach 1/2 Jahr bestätigte, daß die BE einen internen Kurzschluß aufwiesen, erhielten wir eine Gutschrift.

Das Gute an der ganzen Sache: Interessiere mich seither
(notgedrungen) brennend für Bauelemente, sammle Wissen ohne
Ende und beobachte die Szene interessiert. Allerdings muß man
auch sagen: es gibt durchaus Firmen („Mercedes unter …“),
bei denen man mit derartigen bösen Überraschungen (zumindest
bisher noch nicht) rechnen muß!

Darf man hier auch Namen nennen ? Das würde mich natürlich
auch brennend interessieren.

Habe z.B. bisher (und auch mein Vater früher) noch nie Probleme mit Siemens-Bauelementen gehabt. (Egal ob Halbleiter, Elko’s oder Relais’s.)

Bei Relais schwöre ich überdies auf die frühere Firma SDS (heute: Masushita) - aber das ist im Moment nicht Dein Problem.

Allgemein bevorzuge ich bei Neuentwicklungen Firmen, deren Datenblätter umfangreich Auskunft über deren Produkte geben. (Siemens, Philips, Analog Devices, Texas Instruments, … [Heißen zum Teil schon nicht mehr so, Namen wechseln heutzutage ja laufend])

Gruß

Helga

Hallo Helga,

Das hört sich so an, als ob Du in einer größeren Firma
arbeitest.

Eher im Gegenteil! Bin nur seit 93 im Bereich Endprüfung und
Reparaturen „Ehrfahrungssammler“.

Ich verdiene meine Brötchen seit 88 mit Elektronikentwicklung und auch mit Reparatur. Ich beschäftige mich aber schon über 20 Jahre intensiv mit Elektronik

Wenn dann auch noch sehr viele Bauteile auf einer
Platine sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, Nieten zu
erwischen entsprechend an.

Da hast Du recht. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht,
daß Defekte meist durch Elko’s (vornehmlich bei Reparaturen)
oder Halbleiter (sowohl bei Neuproduktion als auch bei
Reparaturen)
verursacht werden.

Das kann ich bestätigen. Dazu kommen bei Reparaturen noch Widerstände mit hoher Betriebsspannung und Keramikkondensatoren, die ebenfalls eine sehr häufige primäre Fehlerursache sind.

In den 9 Jahren habe ich es z.B. nur ein einziges Mal erlebt,
daß ein neu eingebauter Keramikkondensator einen Kurzschluß
aufwies,

Bei Neuteilen kann ich mich jetzt auch an keinen Fall erinnern. Bei Reparaturen dafür umso öfter. Insbesondere bei vielschicht-Kondensatoren.

Probleme gibt es dagegen im Reparaturbereich bei den
Ersatz-ICs. Das sind meistens Spezial-ICs, die wir über andere
Quellen beziehen müssen. Hier haben wir teilweise 100%
Ausschuß. Keine Abweichungen der Toleranzen sondern wirklich
Ausfall der Chip-Funktion, wobei bei manchen Exemplaren noch
unterschiedliche Teilfunktionen intakt sind. Schwer zu
glauben, daß diese Chips jemals einen Funktionstest bestanden
haben.

Davon habe ich in meinem zweiten Studium, das ich gerade
abschließe (Industrieelektronik), auch schon gehört.
Soll bei Sonderanfertigungen manchmal passieren.

Sonderanfertigungen sind es eigentlich nicht, nur anwendungsspeziefische ICs. Z.B. TDA1675 von SGS, ein IC für die Vertikalablenkung in Monitoren. Er enthält Oszillator, S-Korrektur und Endstufe. Er wird in großen Mengen produziert, da er in fast jedem 2. Computermonitor drin ist. 10 Stück gekauft, 3 Stück wurden eingebaut, alle 3 waren defekt, aus Schrottkiste einen alten ausgelötet und eingebaut-> Gerät lief einwandfrei. Danach habe ich alle 10 zurückgeschickt

Ich war bisher immer überzeugt, daß alle Chips einen
automatischen Funktionstest bestehen müssen. Das wäre
technisch doch eigentlich sehr einfach.

Ich denke das hängt auch von der Komplexität der BE ab. Bei
sehr komplexen Chips wird tatsächlich jedes BE geprüft, bevor
es in ein Gehäuse eingebaut wird. Dort ist es billiger eine
Prüfung vor dem endgültigen Einbau in das Chipgehäuse
vorzunehmen.
Allerdings kann ein solcher Prüfvorgang bei sehr komplexen
Bausteinen niemals alle Funktionen abdecken. (Haben das mal
als Beispiel in einer Vorlesung am Beispiel eines Prozessors
durchgerechnet. Dabei ergaben sich horrende Prüfzeiten, die
einfach nicht realisierbar sind.)

Das ist schon klar, aber im Fall des o.a. TDA1675 ließen sich derart fundamentale Funktionsfehler innerhalb von ms feststellen.

Genauso ging es mir mit einem Paar Lautsprecherboxen für den
PC. Letzte Verpackung erwischt (offen), heruntergesetzt.
Zuhause: ein Lautsprecher setzte dauernd aus. Ergebnis:
Schlechte Lösstelle. Hab ich auch lieber selber gleich
nachgelötet. (Gebe ja zu: wollte auch unbedingt wissen an was
es liegt. Neugierde kann nicht geleugnet werden!)

Neugier ist die Grundlage aller Wissenschaften. Ich schraube auch vieles auf, selbst wenn es noch funktioniert :smile:

Bei berechtigter Beanstandung warteten wir (trotz mehrmaliger
Aufforderung) bis zu 1/2 Jahr (z.B.: und-Gatter, das an einem
Eingang die Versorgungsspannung aufschaltete) bevor wir eine
Gutschrift erhielten.

Vermutlich haben auch die Lieferengpässe der letzten Zeit
ihren Teil dazu beigetragen.

Nein: Die BE (ganze Stange) wurden vom Zulieferer an die
Herstellerfirma eingesandt und diese untersuchte die BE
dahingehend, ob die Beanstandung berechtigt war. Als diese
dann nach 1/2 Jahr bestätigte, daß die BE einen internen
Kurzschluß aufwiesen, erhielten wir eine Gutschrift.

Da habe ich bessere Erfahrungen gemacht. Wir bekommen die Ersatzware meistens umgehend.

Darf man hier auch Namen nennen ? Das würde mich natürlich

auch brennend interessieren.

Habe z.B. bisher (und auch mein Vater früher) noch nie
Probleme mit Siemens-Bauelementen gehabt. (Egal ob Halbleiter,
Elko’s oder Relais’s.)

Bei Relais schwöre ich überdies auf die frühere Firma SDS
(heute: Masushita) - aber das ist im Moment nicht Dein
Problem.

Allgemein bevorzuge ich bei Neuentwicklungen Firmen, deren
Datenblätter umfangreich Auskunft über deren Produkte geben.
(Siemens, Philips, Analog Devices, Texas Instruments, …
[Heißen zum Teil schon nicht mehr so, Namen wechseln
heutzutage ja laufend])

Bei diesen Firmen hatte ich auch noch keine Probleme. Bei Neuentwicklungen hatte ich bisher, bis auf einen Fall, noch garkeine Probleme. Bei den defekten Ersatzteilen handelte es sich z.T. um renomierte Hersteller wie NSC oder SGS. Daneben gab es noch einige No-Name-Labels, die ich keinem mir bekannten Hersteller zuordnen konnte. Bei denen war die Ausfallquote besonders hoch.

Es kann nur besser werden

Jörg

Hallo Jörg,

Sonderanfertigungen sind es eigentlich nicht, nur
anwendungsspeziefische ICs. Z.B. TDA1675 von SGS, ein IC für
die Vertikalablenkung in Monitoren. Er enthält Oszillator,
S-Korrektur und Endstufe. Er wird in großen Mengen produziert,
da er in fast jedem 2. Computermonitor drin ist. 10 Stück
gekauft, 3 Stück wurden eingebaut, alle 3 waren defekt, aus
Schrottkiste einen alten ausgelötet und eingebaut-> Gerät
lief einwandfrei. Danach habe ich alle 10 zurückgeschickt

Genauso ging es mir damals mit den Mehrfach-und-Gattern, die auf dem PIN1 (Eingang eines Gatters) die Versorgungsspannung durchschalteten.

Das ist schon klar, aber im Fall des o.a. TDA1675 ließen sich
derart fundamentale Funktionsfehler innerhalb von ms
feststellen.

Tja, da fällt mir nur wieder „Qualitätssicherung“ ein …

Nein: Die BE (ganze Stange) wurden vom Zulieferer an die
Herstellerfirma eingesandt und diese untersuchte die BE
dahingehend, ob die Beanstandung berechtigt war. Als diese
dann nach 1/2 Jahr bestätigte, daß die BE einen internen
Kurzschluß aufwiesen, erhielten wir eine Gutschrift.

Da habe ich bessere Erfahrungen gemacht. Wir bekommen die
Ersatzware meistens umgehend.

Kommt auf den Zulieferer an. Bei manchen geht’s problemlos.

Bei diesen Firmen hatte ich auch noch keine Probleme. Bei
Neuentwicklungen hatte ich bisher, bis auf einen Fall, noch
garkeine Probleme. Bei den defekten Ersatzteilen handelte es
sich z.T. um renomierte Hersteller wie NSC oder SGS. Daneben
gab es noch einige No-Name-Labels, die ich keinem mir
bekannten Hersteller zuordnen konnte. Bei denen war die
Ausfallquote besonders hoch.

Meine defekten Chips waren übrigens auch von SGS.

Es kann nur besser werden

Da hast Du recht, und wir lernen weiter und sammeln so unsere Erfahrungen.

Gruß bis zum nächsten Mal

Helga

hast du schon daran gedacht die mangelfolgeschäden als schadenersatz geltend zu machen?
mfg

Hallo Carl,

hast du schon daran gedacht die mangelfolgeschäden als
schadenersatz geltend zu machen?
mfg

Dran gedacht haben wir schon. Allerdings denke ich, daß wir unsere Chancen gegen eine große Firma - doch recht realistisch - als nicht sehr aussichtsreich eingestuft haben. Mal ganz abgesehen von der finanziellen Seite (Ein Anwalt kostet halt!). Also haben wir von Schadensersatzforderungen abgesehen.

Gruß

Helga

hast du schon daran gedacht die mangelfolgeschäden als
schadenersatz geltend zu machen?
mfg

Hallo Carl,
ich glaube das kannste vergessen. Die Lieferanten sichern sich in ihren AGBs gegen sowas ausdrücklich ab. Da müßte ich denen schon Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachweisen können. Sollte es doch juristisch möglich sein, die AGBs zu knacken, besteht die Gefahr, das der daraus entstehende zusätzliche Schaden ( Zeitaufwand, Anwaltskosten ) weitaus größer wird als der ursprüngliche. Defekte Bauteile sind ja nur eine Fehlermöglichkeit. Dazu kommen ja noch die Fehler der Lieferanten wie z.B. Falschlieferungen. Da könnte ich fast täglich klagen, habe aber nun mal wichtigeres zu tun.
Ein Weiteres Problem ist, daß man ja letztlich auf die großen Distributoren angewiesen ist. Teilweise beliefern wir diese ja auch mit unseren Produkten. Da müssen uns schon irgendwie friedlich einigen.

Jörg

wenn der fehler nicht bei euch liegt halt ichs schon für geboten sich an den lieferanten oder hersteller o.ä. zu wenden.
ich nehm an du stehst eh in dauernder geschäftsbeziehung mit dem lieferanten, da könnte man dann prima gegenverrechnen, was eine tolle motivation für diesen wäre, fehlerfreiere ware zu liefern.
die erste beratung beim anwalt kost meist nix, kannst ja am telefon fragen.
grüsse

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

ja, is klar, aber hin is hin, da gibts nix! muss ja nicht gleich klage sein, aber mit nem anwalt im hintergrund argumentiert sichs gleich ganz anders.
grüsse

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo

Bei diesen Firmen hatte ich auch noch keine Probleme. Bei
Neuentwicklungen hatte ich bisher, bis auf einen Fall, noch
garkeine Probleme. Bei den defekten Ersatzteilen handelte es
sich z.T. um renomierte Hersteller wie NSC oder SGS. Daneben
gab es noch einige No-Name-Labels, die ich keinem mir
bekannten Hersteller zuordnen konnte. Bei denen war die
Ausfallquote besonders hoch.

Meine defekten Chips waren übrigens auch von SGS.

Ich hatte vor ca. 20 Jahren auch schon ziemliche Probleme mit SGS:

Waren damals alles TTL 74xx, einige waren in ein 14-poliges Gehäuse statt dem 16-poligen montiert, aber richtig beschriftet mit der Bezeichnung des 16-Pinners !!! Hat sicher auch keiner getestet !!!
Andere hatten zwar das richtige Gehäuse und Bezeichnung aber es war ein anderer Chip drin (z.B: ODER-Gatter statt UND) !!!

Ich glaube die haben damals einfach die Reste am Boden zusammen gekehrt und in die Maschine gefüllt.
War alles Originalverpackte Ware.
Wir haben damals eine 100er Serie fabriziert, mit so 50 TTL-ICs pro Gerät.

MfG Peter(TOO)

P.S.
Hallo

Aus der gleichen Zeitperiode stammt auch die einfachste Blinkschaltung welche ich je gebaut habe:

Eine 1n4148 in serie zu einem Glühlämpchen, nätürlich alles weit innerhalb der zulässigen Parameter der 1n4148 !!!

Hersteller war ein renomierter Hersteller aus Deutschland.
Die haben Millionen dieser „Spezial-Dioden“ fabriziert.

MfG Peter(TOO)