Servus Gernot,
ich glaube nicht, dass Du mitspielen musst.
Du spielst als einigermaßen aufrichtiger Monotheist ja auch nicht bei Fassnacht, Funkensonntag und auch nur bedingt bei den ziemlich oberflächlich „getauften“ Saturnalien und/oder Rauhnächten mit. Und dass Christi Auferstehung „in Gottes Namen“ zum Frühlingsmond der Ostara gefeiert wird, nimmst Du eher billigend in Kauf.
Im Marienmonat Mai unbedingt zu heiraten (Deutschland) oder auf keinen Fall zu heiraten (Provence) wird Dich auch nicht unbedingt daran denken lassen, was Maria Mutter Gottes mit M. Magdalena und was die beiden mit phönizischer Schiffahrt auf dem Mittelmeer zu tun haben sollen.
Der Reiter St. Martin und sein Cousin Wotan ist noch ein Kapitel extra.
Ich glaube, mann kann ihnen allen einen christlichen Aspekt abgewinnen, wenn man sich nicht von dem ganzen Fassadenklamauk überrennen lässt.
Auch meinem Lieblingsheiligen Christophorus, der von der Catholica aus dem Kanon gestrichen wurde, weil er „historisch nicht nachweisbar ist“ - als käme es darauf an. Was er getan hat, nämlich einem kleinen Buben ohne alle Bedenken - seis finanzieller, seis sonst irgendeiner Art - über den für ihn selber nicht ungefährlichen Fluss zu helfen, führt genau zu dem zurück, was von Christus zu lernen ist, wenn man will: Unbedingte, naive gegenseitige Hilfe ist nötig.
Man darf aus den mehr oder weniger naiven Allerseelen-Bräuchen irgendwelcher Art, wenn man will, auch das zurückbehalten: Freundliches Andenken an die Verstorbenen. Materialisiert mit allerlei Völlerei - ihnen soll es auch nicht schlechter gehen, und der mittelalterliche Bauer, der sonst nichts Schönes kennt, drückt das halt mit Essen und Trinken oder heute Candybars aus.
Es gibt sicherlich subtilere Ausdrucksweisen für das Totengedenken. Die hier kürzlich angesprochene Kerze ist wohl auch nicht unbedingt ein christliches Symbol, aber jedenfalls ein freundlicheres als die Erpressung von Candybars mit Sprengstoff…
Und dass die Verstorbenen so furchtbar böse und grauenerregend sind, darf man wohl auch relativieren: Ein freundliches Andenken erntet sicherlich etwas anderes als Drohung und Grauslichkeiten…
In diesem Sinne
MM