wir haben am Donnerstag durch eine Fehlgeburt unser zweites Kind verloren.
Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, kann es hier auch der Familie gar nicht sagen die denken ja ich spinne, aber ich höre das Baby. Heute Nacht hat es geweint und ich bin davon aufgewacht. Zuerst dachte ich es wäre mein großer Sohn aber der hat geschlafen.
Wir haben keine Babys in der Nachbarschaft und das Weinen war auch irgendwie in meinem Kopf und nicht auf der Straße.
Ich hab auch immer das Gefühl das Baby sitzt mir auf der Schulter und umarmt mich.
Klingt voll blöd, aber es tut irgendwie sehr gut. Aber es ist doch nicht normal.
Gestern beim Abendessen zeigt mein Großer auf meine Schulter, sagt Baby und winkt. Sieht er auch was?
Projiziere ich was auf ihn? Mir ist schon auch klar, dass da kein echtes Baby sein kann, aber ist es vielleicht eine „normale“ Trauerreaktion?
Oder bin ich grenzwertig psychotisch und sollte mir professionelle Hilfe holen?
Oder bin ich grenzwertig psychotisch und sollte mir
professionelle Hilfe holen?
Ja, solltest du und zwar allerschleunigst.
Nicht alle Menschen sind in der Lage, solch traurige Erlebnisse ohne Hilfe zu verarbeiten.
Zudem sehe ich die Möglichkeit einer postnatalen Depression.
Das kann gefährlich werden, für dich und dein Umfeld.
Mach dir keine zu großen Sorgen, das geht wieder vorbei, aber geh bitte zum Arzt. Heut noch. Irgendwo muss es einen psychiatrischen Notdienst oder Ähnliches geben. Ansonsten halt der Hausarzt.
Hallo,
zuerst einmal mein aufrichtiges Bedauern und Verständnis für Deine Situation. Das ist ganz sicher ein harter Schlag. Solche Erlebnisse können -je nach Mentalität- die stärksten Menschen umwerfen. Respekt, dass Du Dir HILFE suchst und nicht in Resignation und Selbstmitleid versinkst! Das ist wichtig. Denke daran, Dein Großer braucht Dich! Jetzt!
Ganz wichtig ist (nicht nur) für Dich, ein stabiles Umfeld zu haben. Damit Du fest stehst und man Dir auch „den Rücken freihält“.
Und rede mit jemandem, dem DU VERTRAUST!!! Das muss nicht zwangsläufig ein Psycho sein. Nur eine durchschnittlich intelligente Person! Alles entscheidend ist VERTRAUEN!!!
Alles Gute für Dich / euch!
das Leben ist willkürlich, gnadenlos und grausam… leider.
Zwischen den Zeilen lese ich, dass Du es bewerten kannst und relisiert hast. Unabänderbar, endgültig, aber nicht persönlich oder gar durch Deine Schuld.
Aber was spiegelt der Geist wider? Jeder ist programmiert, um von Natur aus seine natürlichen Pflichten zu erfüllen. Dazu kommt, dass Du einen gewissen Schock hast.
Du hast Dich auf ein Kind vorbereitet, Du hast geplant, Deine Vorstellung geprägt und diese lassen sich nicht einfach beiseite schieben. Diese kommen hoch, sind präsent und können quasi real sein.
Mal ein paar Beispiele dazu: Wie oft meint man, ein Telefon klingeln gehört zu haben, in einer Gruppe einen Bekannten gesehen zu haben oder eine Berührung fühlt, obwohl keiner in der Nähe ist… man denkt dran und dann wird es nicht mehr wirklich unterscheidbar: real - oder nur gedacht.
Rede, leide, weine, lass Dein Umfeld wissen, was mit Dir los ist, - auch hier zwischen den Zeilen - meine ich, dass Du dort aufgefangen wirst. Wenn dem nicht so ist oder es nicht langsam weniger wird, dann bleibt nur der Weg zu professioneller Hilfe übrig…
Wenn du das Baby nun mal bei dir spürst, und es sich erst noch gut anfühlt: Nutze die Gelegenheit, rede mit ihm und verabschiede dich von ihm. Deswegen bist du noch keineswegs verrückt. Du hast dich auf ein Baby eingestellt; wie sollen deine Seele und deine Gefühle so rasch begreifen, dass da keines mehr sein wird? Jeder trauert und verarbeitet anders. Manche schreiben einem Verstorbenen einen Brief, um mit ihrer Trauer klarzukommen oder noch Dinge loswerden zu können, die sie ihm nicht mehr sagen konnten. Sind sie deswegen verrückt? Nimm ernst, was du fühlst, egal, ob es „normal ist“ oder nicht, und ob du es dir erklären kannst oder nicht.
Wenn du in deiner jetzigen Situation aufgrund der Halluzinationen, wie du sie nennst, panisch zu einem Arzt oder Psychologen rennst, wirst du vorerst kaum mehr als ein Beruhigungsmittel und „ruhen Sie sich erst mal ein paar Tage aus, dann sehen wir weiter“ erhalten. Mir scheint aus deinen Postings, dass du sehr klar unterscheiden kannst, was Realität ist und was nicht. Sorgen machen würde ich mir erst, wenn sich die Ebenen vermischen oder diese Wahrnehmungen lange andauern.
Was die Reaktion deines Grossen betrifft: Er nimmt natürlich die Stimmung seiner Eltern wahr; dass es um ein Baby geht, wird er wohl auch schon aufgeschnappt haben. Dass er von einem Baby spricht, ist daher nicht merkwürdig; dass er auf die Schultern zeigte, wohl Zufall, oder war nur in deiner sensibilisierten Warhnehmung so. Mach dir momentan nicht zu viele Gedanken darüber.
ich habe Deine Postings gelesen, und es tut mir sehr leid!
Ich verstehe gut, dass Dich Deine Wahrnehmungen durcheinander bringen. Ich finde, Alusru hat gut beschrieben, wie so etwas kommen kann. Du bist jedenfalls nicht alleine mit so einer Reaktion: Es kommt immer wieder vor, dass Trauernde denjenigen, den sie vermissen, vor sich sehen oder hören. Ich glaube, das ist eine Notreaktion der Seele und kann eben Teil des Trauerns und Abschiednehmens sein. Du bist ja in einer Ausnahmesituation, und da können auch Ausnahmereaktionen „normal“ sein.
Ich glaube, in Deiner Situation würde ich mir aber irgendeine Begleitung für die Trauer holen wollen, als Entlastung und Unterstützung - vielleicht auch erst später. Wenn Dir auch danach ist, dann schau Dich mal um nach Trauergruppen, evtl. dem Stichwort „Verwaiste Eltern“, Beratungsstellen (die wissen wahrscheinlich auch, was es bei Dir gibt), ein(e) Therapeut(in). Eine Freundin, die ihr Kind in der Schwangerschaft verloren hat, fühlt sich in einer Selbsthilfegruppe sehr getragen jetzt in der Trauerzeit.
Aber geh ruhig danach, was Du brauchst und wann Du es brauchst. Die Menschen sind verschieden, vielleicht tut Dir auch erstmal ganz viel Ruhe gut oder was auch immer.