Haltbarkeit von CD-ROM

Hallo,

ich weiß zwar, dass Ihr auch nicht in die Zukunft blicken könnt, erhoffe mir aber dennoch einige wertvolle Hinweise von diesem Board. Ich habe drei Fragen:

  1. Wird es in 18 Jahren für einen halbwegs computerbegabten Menschen möglich sein, eine heute gebrannte CD-ROM zu lesen?
  2. Wird man die gängigen heutigen Formate (vor allem Word-Dokumente, jpg-Fotos und mp3-Dateien) irgendwie öffnen können?
  3. Kann man CD-Rohlinge überhaupt so lange lagern und gibt es besonders geeignete Rohlinge für eine so lange Datensicherung?

Zum Hintergrund: Eine Freundin von mir hat gerade eine Tochter zur Welt gebracht, für die ich eine Zeitkapsel zusammenstellen möchte. Ich habe mir also eine Metallkiste besorgt, in die ich allerlei Krempel aus unserer Zeit packen will. Die Kiste wird dann verschweißt, kühl und trocken gelagert und soll im Oktober 2021 zum 18. Geburtstag des Mädchens wieder geöffnet werden. Ich möchte in die Kiste u.a. auch eine CD-ROM legen, die umfangreiches Bild- und Tonmaterial aus dem Leben der Eltern enthalten soll. Jetzt bin ich natürlich interessiert, dass sich die CD auch 18 Jahre hält und dann noch irgendwie brauchbar ist. Was meint Ihr: Ist das machbar?

Danke für Eure Tipps,

Matthias

Langfristige Archivierung von digitalen Daten
Interessante Fragen, die Du stellst…

ich weiß zwar, dass Ihr auch nicht in die Zukunft blicken
könnt, erhoffe mir aber dennoch einige wertvolle Hinweise von
diesem Board. Ich habe drei Fragen:

  1. Wird es in 18 Jahren für einen halbwegs computerbegabten
    Menschen möglich sein, eine heute gebrannte CD-ROM zu lesen?

Kommt drauf an…

„Lesen“ bedeutet zweierlei:

  1. Hardware vorhanden. 18 Jahre sind eine lange Zeit, angesichts der lange etablierten Verbreitung der CD (und sei es „nur“ als Audio-CD) bin ich recht optimistisch, daß soetwas in 20 Jahren hardwaremäßig lesbar ist.
  1. Wird man die gängigen heutigen Formate (vor allem
    Word-Dokumente, jpg-Fotos und mp3-Dateien) irgendwie öffnen
    können?

Das ist schwer zu sagen: Von Word-Dateien würde ich agnz entschieden abraten, wenn die Daten deutlich mehr als 3 Jahre schlummern sollen. die Finger lassen. Alternativen wären „Nur-Text“, HTML, PostScript. Damit dürften die Chancen meilenweit besser liegen. Vielleicht PDF.

Was die Graphik-Formate anbetrifft, halte ich das ebenfalls schwer abzuschätzen, ich vermute aber, jpg wird unproblematisch sein. Es ist gut dokumentiert, weit verbreitet – auch in Hardware --und es gibt phantastische OpenSource-Programme, mit denen man zu allen möglichen Formaten hin- und herkonvertieren kann. Ich halte JPG für ein brauchbares Format.

Bei MP3 gelten ähnliche Vermutungen wie bei JPG. Obwohl ich persönlich mich freuen würde, wenn MP3 dirch das lizenzkostenfreie und qualitativ bessere OGG Vorbis-Format abgelöst wird.

  1. Kann man CD-Rohlinge überhaupt so lange lagern und gibt es
    besonders geeignete Rohlinge für eine so lange Datensicherung?

Ich traue gut gelagerten Rohlingen das zu, wenn Du Dir aber schon die Mühe machst, würde ich mehrere Rohlinge mit identischen Daten brennen.

Du solltest die Rohlinge sorgfältig auswählen. Verbatim Data-Life Plus(!) gelten als gut, ich habe zudem mit TDK-Speed-X gute Erfahrungen gemacht. Auch auf den Brenner kommt es an. Ich schwöre ja auf Plextor, in jedem Fall würde ich ausgeleierte Modelle von merkwürdigen Herstellern unbedingt meiden.

Nach dem Brennen solltest Du einen C2-Scan machen und er sollte keine Fehler aufweisen. Wenn nicht, läuft etwas nicht optimal.

Gängige Brennsoftware hat mit Standards so ihre Probleme: die entstehende Silberscheibe funktioniert zwar, entspricht aber oft nicht dem strangen Standard. Für Langzeit-Archivierung würde ich nur mit den etwas ungewöhnlich anmutenden cdrtools/mkisofs arbeiten. Die haben eine anerkanntermaßen extrem hohe Qualität. Keinesfalls solltest Du UDF oder Mount Rainier als Dateisystem verwenden.

Du solltest auf der Hülle vermerken, mit welchen Parametern die CD gebrannt wurde (Dateisystem, …). Keinesfalls Aufkleber auf die CD, beiliegende Zettel gut auslügten (nicht daß Lösungsmittel vom Filzer in der Hülle verbleibt.

Wenn Du dies berücksichtigst, wäre ich optimistisch, daß es möglich ist, mit etwas vertretbarer Mühe in 18 Jahren dei Daten zu lesen.

Sebastian

Hallo Matthias,

ich glaube, viele haben sich schon solche Gedanken gemacht wie Du; ich auch; angeregt vielleicht von dem NASA-Projekt, eine Kapsel mit Inforamtion über die Menschheit in die Tiefen des Weltraums zu schicken…

Bei den anstehenden Veränderungen auf unserem Planeten kommt natürlich noch eine gewisse Sinnfrage und einige andere Erwägungen hinzu – die lasse ich aber hier ausser acht, denn das sollte jeder für sich ausmachen…[1] So also jetzt mehr „zur puren Technik“:

  1. Wird es in 18 Jahren für einen halbwegs computerbegabten
    Menschen möglich sein, eine heute gebrannte CD-ROM zu lesen?

Das wird dann mehr eine Frage der zur Verfügung stehenden Technik sein. Weniger der Begabung oder Intelligenz, glaube ich.

  1. Wird man die gängigen heutigen Formate (vor allem
    Word-Dokumente, jpg-Fotos und mp3-Dateien) irgendwie öffnen
    können?

Ich denke, JPEG und MPEG/MP3 wird sicher noch irgendwie lesbar sein. So in etwa wie mit den Emulationen für Amiga/C64.

  1. Kann man CD-Rohlinge überhaupt so lange lagern und gibt es
    besonders geeignete Rohlinge für eine so lange Datensicherung?

Jain! Aufnahmen auf guten Rohlingen sollen angeblich 20, sehr gute bis zu 40 Jahre lang haltbar/lesbar sein. Dabei ist sehr entscheidend wie die Datenträger gelagert werden. Einige Stunden „UV-Bestrahlung“ (also das der Sonne Ausgesetztsein) kann die Datenfolie einer gebrannten CDR/CDRW zerstören bzw. unlesbar machen. – Also wichtig ist der Schutz vor harter Strahlung (jeglicher Art).

Zum Hintergrund: Eine Freundin von mir hat gerade eine Tochter
zur Welt gebracht, für die ich eine Zeitkapsel zusammenstellen
möchte. Ich habe mir also eine Metallkiste besorgt, in die ich
allerlei Krempel aus unserer Zeit packen will. Die Kiste wird
dann verschweißt, kühl und trocken gelagert und soll im
Oktober 2021 zum 18. Geburtstag des Mädchens wieder geöffnet
werden. Ich möchte in die Kiste u.a. auch eine CD-ROM legen,
die umfangreiches Bild- und Tonmaterial aus dem Leben der
Eltern enthalten soll. Jetzt bin ich natürlich interessiert,
dass sich die CD auch 18 Jahre hält und dann noch irgendwie
brauchbar ist. Was meint Ihr: Ist das machbar?

Das mit der Metallkiste ist schon mal eine gute Idee. Kontrolliere aber in jedem Fall die Schweissnähte. Vielleicht machst Du auch mal einen Wasserdicht-Test (von aussen).
Was mir dabei gerade einfällt: wichtig ist wohl, dass die Kiste innen möglichst mit trockener Luft gefüllt ist und ein klein wenig Überdruck hat, damit nichts von Aussen eindringt. Das ist dann wohl technisch zunächst noch das eheste Problem. (Du kannst Dich da an den Isolierglas-Doppelscheiben orientieren, sie sind entweder mit „getrockneter Luft“ - oder wie sagt man - gefüllt oder haben ein annährendes Vakuum…)

Bei Papierdokumenten achtest Du darauf, dass sie auf garantiert(!) säurefreiem Papier verfasst sind.

Folien und Kunststoffe würde ich, wenn und wo möglich, vermeiden, da die Gefahr besteht, dass sie sich auflösen und mit dem Inhalt verkleben. Aber es gibt garantiert Spezialfolien, metall-/alubeschichtet, bei denen eine solche Gefahr gering ist.

Dann würde ich auch eine nähere Betrachtung anstellen, wie das früher gelöst wurde oder worden wäre - und mit welchem Erfolg. Nur mal so zum Beispiel:

Die Technik vor 50-100 Jahren ist uns für den Alltag zwar, aber sonst so ganz dann doch nicht fremd. - Trotzdem: versuche mal heute, Dir irgendwo einen Plattenspieler zu besorgen, der noch Schellack abspielen kann. (Man muss - sind ja vielleicht auch Deine Bedenken - berücksichtigen, dass die Technik heute viel schneller eine ältere Technik überholt… Die Musik-CD hat nur 10 Jahre gebraucht, um die Schallplatte vom Markt zu verdrängen - selbst wenn es heute noch ein paar gibt.)

Wenn Ihr es Euch leisten könnt, dann mottet einen funktionstauglichen PC + Software fachmännisch(!) ein; muss ja nicht das neueste Gerät von heute sein. Und wenn mit CDR-Programm, dann auch noch ein paar Rohlinge dazu tun. :wink:

Hilfreich sind wohl auch Kontakte zu anderen Instititionen, die sich beruflich mit der Thematik beschäftigen:

Das Heinz-Nixdorf-Museum z.B.: http://www.hnf.de/

Wie sieht’s mit Universitäten aus?
Ich kenne nicht die Fachbereiche der Uni Münster… würde mich da mal bei der Techn. Hochschule Berlin o.ä. umschauen. Ich denke, über Euren Uni-Server kommst Du recht gut weiter zu anderen Portalen.

Danke für Eure Tipps,

Matthias

Wenn mir noch etwas einfällt, poste ich nochmal…

CU DannyFox64

[1] Ich habe da allerdings noch Fragen, die ich Dir per eMail stelle.

Hallo Matthias,

ich weiß zwar, dass Ihr auch nicht in die Zukunft blicken
könnt, erhoffe mir aber dennoch einige wertvolle Hinweise von
diesem Board. Ich habe drei Fragen:

  1. Wird es in 18 Jahren für einen halbwegs computerbegabten
    Menschen möglich sein, eine heute gebrannte CD-ROM zu lesen?

Vor ca. 20 Jahren wurden mit dem IBM AT die 5 1/4" 1.2MB Floppys eingeführt. Wieviele Leute kennst du, die so etwas noch lesen können ??

Die 3 1/2" Floppys sind mittlerweile am aussterben, Notebooks werden mittlerweile meist nur noch mit einem CD-Brenner ausgestattet.

Wer kennt noch die LS 120 ???

Gerade jetzt beginnt die Ablösung der CD durch die DVD und nächstes Jahr soll die Weiterentwicklung der heutigen DVD (BlueRay) auf den Markt kommen…

  1. Wird man die gängigen heutigen Formate (vor allem
    Word-Dokumente, jpg-Fotos und mp3-Dateien) irgendwie öffnen
    können?

Word bezweifle ich (MS hat ja jetzt schon Probleme seine eigenen ganz alten Formate richtig zu lesen).

JPEG gebe ich noch die grössten Changen zu Überleben.

MP3 wird einerseits von neueren Verfahren und andererseits von der Musikindustrie bedroht. Hier stellt sich die Frage was auf der rechlichen Seite in Zukunft so alles geschehen wird. Hinzu kommt, dass das Riesenheer der Musikkopierer sehr schnell in der Lage ist alle alten Datenbestände in ein neues Format zu konvertieren, wodurch MP3 sehr schnell verschwinden könnte.

  1. Kann man CD-Rohlinge überhaupt so lange lagern und gibt es
    besonders geeignete Rohlinge für eine so lange Datensicherung?

Bei entsprechend guter Lagerung sollten die Rohline nicht das Hauptproblem sein.

MfG Peter(TOO)

Vielen Dank für Eure Hinweise.
Ich glaube ich werde am besten so verfahren, dass ich einerseits eine CD brenne, andererseits den kompletten Datensatz einfach von Computer zu Computer „vererbe“. Da ich hoffentlich noch 18 Jahre leben werde und mir außerdem hoffentlich immer einen Rechner leisten werde können, kann man dann beim Öffnen der Kiste im Zweifel einmal herzlich über das Relikt aus der Vergangenheit lachen und ich übergebe einen im Jahre 2021 gebräuchlichen Datenträger.

Grüße,

Matthias

Vor ca. 20 Jahren wurden mit dem IBM AT die 5 1/4" 1.2MB
Floppys eingeführt. Wieviele Leute kennst du, die so etwas
noch lesen können ??

also ich kann die 5 1/4 noch lesen, aber nur weil ich nen alten 386er rumliegen hab, der noch funzt :wink: