Haltet mich zurück!

Hallo Leute,

ich bin fix und alle!!! Mein Chef war gerade mal bei einer Geschäftsstelle der GKV und unterhielt sich über die Änderungen des Gesundheitssystems. Im laufe des smal-talk’s kam man auch auf das Thema Budgetierung zu sprechen. Es soll sich dahinter ein Verteilungsschlüssel verbergen, der von hochrangigen Fachleuten ausgearbeitet worden ist und folgendes Beinhaltet:

Eine GKV Unternehmen vereinbart mit der Ärztevertretung einen festen Euro-Satz für jeden Patienten der von dieser GKV zu den zugelassenen Ärzten geht und das bezogen auf 1.000 Patienten. Beispiel: Die AOK zahlt für 1000 Patienten pro Patient 150 Euro. Gehen aber nur 500 davon zum Arzt, erhält der Arzt (allgemein) 500 x 300 Euro??? Ich raffe das nicht??

Weiterhin und das ist der Hammer, verhandeln die Krankenkassen die pauschalen Beträge. Z. Bsp. AOK 150 Euro pro Patient, BKK Hintertupfingen zahlt nur 72 Euro??? Ich raffe das erst recht nicht.

Kann mir einer/einige mal erklären was das mit Markt/Volks oder Betriebswirtschaft zu tun hat?

Es kann doch nicht angehen, das ich einen festen Satz bekomme. Dann sind die Ärzte ja nicht Selbstständig, sondern können sich ihr Einkommen genau ausrechnen lassen, nach der Kassenzugehörigkeit Ihrer Patienten. Ob die nun 100 patienten verarzten oderr 1000. Die bekommen immer das gleiche Geld?? Mit welchem recht oder welche Konditionen siond daran Verknüpft??

Und die Sache mit den verschiedenen Verträge? Einmal zahlt ein GKV Unternehmen 170 Euro, ein anderes dann nur 80 Euro?? Kann nicht sein.

Vielleicht könnt ihr mir meinen Seelenfrienden wiedergeben und schreibt mal eure Kenntnisse in diesem Bereich.

Gruß

Martin

Hallo,
ja, es gibt sie tatsächlich - die Kopfpauschalen -
>Es stimmt auch, dass z.B. die Ersatzkassen weit aus mehr
Geld an die Kassenärztlichen Vereinigungen zahlen als die
„Billigkassen“ - obwohl doch die Behandlung die gleiche ist.
Heute erschien ein Artikel „Bundesärzte“ - darin beklagen die
sich, dass durch den Wechsel der Versicherten von den grossen
Kassen in die „Billigkassen“ der Ärzteschaft jedes Jahr ca.
213 Millionen Euro Honorar verloren gehen bzw. bei der budgetierung
durch die Kassenärztliche Vereinigung nicht berücksichtig werden
können - es ist eine Farce !

Gruss

Günter

Hallo Günter,
leider werden wir es nie erleben, dass die Ärzte nach Leistung bezahlt werden.
Also keine Kopfpauschale o.ä.
Nein: xy-fachen Satz der GOÄ/GOZ. Dann bekommt jeder Arzt das was er verdient - im wahrsten Sinn des Wortes.
Und den Kassen geht es dann wieder besser.
Grüße
Raimund

Hallo Raimund,
Hallo Günter,

das war es also mit meinem Seelenfrieden?!?

Man sollte zu seiner GKV mal hingehen und fragen, nach welchem Grundsatz Sie den Satz pro Patient bezahlen. Das würde mich echt mal interessieren, ob der von Faktoren abhängig ist, die für uns nachvollziehbar sind (z. Bsp. Die Patienten der IKK haben höhere Kosten, daher müssen die einen höheren Satz zahlen?!?) Das würde dann bedeuten, das die Sätze jedes Jahr neu verhandelt werden, da sich auch die Kosten verschieben.

Aber so wie ich das gekummele mitlerweile kenne…

Gruß
Martin

Hallo Martin,

es ist nachweislich so, dass viele alte Menschen in der AOK sitzen… und die verursachen deutlich höhere Kosten, also müssen sie auch durchschnittlich mehr für einen Patienten zahlen, als z.B. die BKK´s, bei denen durchschnittlich die Gesunden sind.
Die Ärzte, die sich also über die Sparer aufregen, haben mit denen allerdings auch durchschnittlich weniger Arbeit.

Daher in meinen Augen gerecht und schon seit vielen vielen Jahren so.

Gruß
MArco

Hallo Martin,

Hallo Leute,

ich bin fix und alle!!! Mein Chef war gerade mal bei einer
Geschäftsstelle der GKV und unterhielt sich über die
Änderungen des Gesundheitssystems. Im laufe des smal-talk’s
kam man auch auf das Thema Budgetierung zu sprechen. Es soll
sich dahinter ein Verteilungsschlüssel verbergen, der von
hochrangigen Fachleuten ausgearbeitet worden ist und folgendes
Beinhaltet:

Das ist -vereinfacht gesagt- schon lange so. Der niedergelasse Arzt/Ärztin bekommt von den ges. KK längst nicht jede Leistung bezahlt, die er/sie erbringt. Er/sie weiß auch immer erst in 3 Monaten, wieviel die erbrachte Leistung bringt.

Eine GKV Unternehmen vereinbart mit der Ärztevertretung einen
festen Euro-Satz für jeden Patienten der von dieser GKV zu den
zugelassenen Ärzten geht und das bezogen auf 1.000 Patienten.
Beispiel: Die AOK zahlt für 1000 Patienten pro Patient 150
Euro. Gehen aber nur 500 davon zum Arzt, erhält der Arzt
(allgemein) 500 x 300 Euro??? Ich raffe das nicht??

Nein - wenn er nur 500 Patienten behandelt, bekommt er auch nur 500 x 150 EUR. Die eintscheidende Frage bleibt aber was passiert, wenn die Behandlung die 150 EUR-Grenze überschreitet. Die Kasse wird sagen, Vetrag ist Vertrag, also kann der Arzt/die Ärztin die Kosten selber tragen.

Weiterhin und das ist der Hammer, verhandeln die Krankenkassen
die pauschalen Beträge. Z. Bsp. AOK 150 Euro pro Patient, BKK
Hintertupfingen zahlt nur 72 Euro??? Ich raffe das erst recht
nicht.

Das ist eben das Geschick/Pech der Verhandlungspartner. Du versuchst als Konsument doch auch, den optimalen Preis für ein Produkt zu erhalten.

Kann mir einer/einige mal erklären was das mit Markt/Volks
oder Betriebswirtschaft zu tun hat?

Es kann doch nicht angehen, das ich einen festen Satz bekomme.
Dann sind die Ärzte ja nicht Selbstständig, sondern können
sich ihr Einkommen genau ausrechnen lassen, nach der
Kassenzugehörigkeit Ihrer Patienten. Ob die nun 100 patienten
verarzten oderr 1000. Die bekommen immer das gleiche Geld??
Mit welchem recht oder welche Konditionen siond daran
Verknüpft??

Das ist eine gute Frage und es gibt (meines Wissens nach) keinen anderen Bereich, in dem die Gehälter so transparent und die Gehaltsempfänger (=Ärzte) sich derart gängeln lassen müssen. Vielleicht denkt der eine oder andere jetzt wieder „ja ja, die Ärzte bekommen den Hals nicht voll“. Ich bin zwar nur angestellter Krankenhausarzt, kenne aber viele Kollegen/-innen, die niedergelassen in der Praxis tätig sind. Man stelle sich nur mal vor, ein z.b. Installateur bekommt vorgeschrieben, dass er für die Reparatur eines Wasserkranes heute nur 75% des Betrages bekommt, den er noch vor 3 Monaten bekam - oder dass er nur 20 Kräne reparieren darf, jeder weitere muß aus seiner Tasche bezahlt werden. In jedem anderen Bereich ist dies undenkbar - in den Arztpraxen tagtägliches Geschäft.

Und die Sache mit den verschiedenen Verträge? Einmal zahlt ein
GKV Unternehmen 170 Euro, ein anderes dann nur 80 Euro?? Kann
nicht sein.

Wie bereits oben gesagt - hängt vom Verhandlungsgeschick ab. Bei Esso um die Ecke kostet der Liter Sprit 1,109 500 Meter weiter -ebenfalls bei Esso- 1,089. Verständlich wird dann natürlich, dass eine Selektion eintritt, was ja nicht Sinn der Kassen (und natürlich der Patienten) sein kann.
Ziel der Budgetierung ist es natürlich, vom jetzigen Punktesystem wegzukommen.

Vielleicht könnt ihr mir meinen Seelenfrienden wiedergeben und
schreibt mal eure Kenntnisse in diesem Bereich.

Gruß

Martin

Gruß, Jürgen

Schon richtig…
hallo Magic,

… nur zeigt es mir wieder, dass meine Meinung zum Abrechnungssystem richtig ist:
Kein Pausch-System, sondern leistungsbezogen. Es wird das bezahlt, was gemacht wird. Und der Käufer der Leistung (Patient) zeichnet mit seiner Unterschrift gegen. Denn nicht die Kasse ist Geschäftspartner des Arztes, sondern der Patient.
Ein Pauschsystem fördert die schlechte Behandlung (möglichst keine, dafür aber die Karte eingescanned). Ebenso den Betrug: so wurde eine Ärztin dabei erwischt, dass sie auf dem Schulhof (in der Pause) die Versichertenkarten der Kids einsammelte, durch den Scanner sog und das war´s dann auch schon.
Nicht umsonst „jagen“ viele Ärzte ihre Kassenpatienten im Eilzugtempo duch. Zeit für ein Gespräch (um die Wehwehchen des Patienten heraus zu bekommen) wird möglichst nicht aufgewendet.
Klar, auch Leistungsabrechnungen beherbergen den Betrug. Denk nur an Euer Optimierungsprogramm. Doch wenn der Patient gegenzeichnen muss, dann ist hier eine kleine Möglichkeit vorhanden, dass es mal einer merkt und dem Betrüger auf die Finger klopft.
Du als KH-Arzt hast natürlich damit nichts zu tun. Du bist das „arme Schwein“ das für den Chafarzt, bzw. das KH malocht: extrem zu viele Arbeitsstunden für extrem zu wenig Bezahlung.
Ich weiß, die Kassenärztliche Vereinigungen wollen auch leben. Doch nicht als Schmarotzer, sondern als Symbiont. Soll heißen, dass der Arzt, der deren Leistungen haben will, einen „Clubbeitrag“ zahlt. Der andere, der diese Leistung nicht braucht, verhandelt halt selbst mit der Kasse.
Grüße
Raimund