Halti = Tierquälerei?

Hallo!

Aufgrund eines anderen Beitrags kam ich auf die Idee, für dieses Posting. Wer nicht genau weiss wie man ein Halti einsetzt, sollte Folgendes versuchen:

Falte die Hände, halte die Daumen nach oben, streife ein Halti darüber und spreize die Hände dabei so weit bis das Halti locker aber passgenau sitzt. Mit dieser Haltung der Hände wird der Hundekopf nachgeahmt - die Daumen sind die Ohren. Nun wird die Leine eingehakt. Benutze eine Leine mit einem leichten Haken - die meisten Haken sind viel (!) zu schwer. Schließe die Augen und lasse dich von einer anderen Person führen. Öffne die Augen auf gar keinen Fall!!! Du wirst sofort spüren ob dein „Führer“ das Halti richtig benutzt oder nicht.

Diese Erkennis ist ebenso einfach wie verblüffend.

Wichtig: Es darf NIE am Halti geruckt oder heftig gezogen werden, es ist lediglich eine FÜHRHILFE. Die Leine muss immer am Halti UND am Halsband eingehakt werden!

Viel Spaß!
Manu

Hallo Manu,

deine anschauliche Anleitung hat mir sehr gut gefallen.

Ich befasse mich seit vielen Jahren mit dem Einsatz von Kopfhalftern bei Hunden und habe inzwischen Erfahrungen mit etlichen hundert Tieren. Ich kenne wenige Hilfsmittel in der Hundeerziehung, die bei sachgerechter Anwendung derart schonend für Hund und Besitzer sind.

Halfter sind ja nicht nur irgendwelche Instrumente um das Leinenziehen zu verhindern, sondern geben sowohl dem Hund als auch seinem Besitzer Sicherheit und Entspannung, was oft ein kontrolliertes Lernverhalten auf beiden Seiten der Leine erst möglich macht.

Nicht umsonst haben sich weltweit Halfter zum Führen von Tieren seit Jahrhunderten durchgesetzt, egal ob Ziege, Lama, Kamel, Pferd, Kuh u. s. w.

Aus medizinischer Sicht bestehen bei richtiger Anwendung keine Bedenken. Fachtierärzte für Verhaltenskunde wie Frau Celina del Amo empfehlen den Einsatz von Kopfhalftern in vielen Fällen.

Wie bei jedem Hilfsmittel, und sei es nur ein Stück Seil, kommt es auf die sachgerechte Anwendung an. Auch was für den einen Hund, bzw. Besitzer ein hervorragendes Mittel ist, kann in anderen Fällen durchaus ungeeignet sein.

Eine sehr gutes Leinensystem zum Führen von Hunden an Kopfhalftern ist „Lazy Lead“. Der Karabiner am Halfter ist extrem leicht und wird zusätzlich noch durch die eigentliche Leine am Halsband entlastet. Durch die besonderte Konstruktion und die Einstellbarkeit werden Bedienungsfehler in Bezug auf Einwirken auf Halsband oder Halfter vermieden. Auch die einhändige Bedienung ist sehr komfortabel.

http://www.dogschool-shop.de/catalog/product_info.ph…

Gruß

Johnny

Hallo,

ich persönlich würde ein Halti nicht benutzen.

Ob es, wie man teilweise liest, den Schnauzengriff der Hundemutter nahahmt, kann ich nicht beurteilen.

Ich finde diese Teile sehr unsympathisch, da sie lediglich ein Mittel sind, ein Symptom (z.B. an der Leine ziehen) bekämpfen soll - nicht aber die zugrundeliegende Ursache des Problems: nämlich die Beziehung zwischen Hund und Mensch!

Somit ist das Halti eine bequeme, aber in meinen Augen faule Lösung.

Unsere (großen) Hunde haben beide gezogen. Seit ich das Leinenführtraining nach Natural Dogamship durchgeführt habe, ist das Schnee von gestern. Es gibt zwar immer wieder mal Situationen, in denen ein Hund nochmal „nachfragt“, ob er nicht das Rudel anführen (also vorne gehen) soll, aber das können wir innerhalb einiger Sekunden auf für den Hund verständliche, ruhige und völlig gewaltfreie Art und Weise klären.

So weit mein Senf dazu… :smile:

Liebe Grüße,
Nina

Jahrelange EWrfahrung mit verschiedenen Tierheimhunden, die in erwachsenem Zustand übernommen wurden und teilweise vollkommen unsozialisiert waren, von äusserster Angst bis Aggressivität:
Das Halti hilft.

Hallo Nina,

Hallo,

ich persönlich würde ein Halti nicht benutzen.

Ob es, wie man teilweise liest, den Schnauzengriff der
Hundemutter nahahmt, kann ich nicht beurteilen.

Ich auch nicht.

Ich finde diese Teile sehr unsympathisch, da sie lediglich ein
Mittel sind, ein Symptom (z.B. an der Leine ziehen) bekämpfen
soll -

Das ist falsch. Das Halti ist NICHT dazu gedacht, das an der Leine ziehen zu bekämpfen. Sondern gegen das Fixieren. Ganz einfach: Zwei Hunde begegnen sich und starren sich an. Wer zuerst wegschaut hat verloren und der andere ist der stärkere.
Um diese Machtdemonstration zu unterbinden ist das Halti gedacht.
Also läuft man mit dem Hund mit der Leine am normalen Halsband. Man begegnet einem anderen Hund, der eigene Hund starrt den Rivalen an, weil er sich für den Stärkeren hält und ihm das auch zeigen will. Dann dreht man mit dem Halti den Kopf weg, so dass er nicht mehr den fremden Hund anschaut, sondern einen selbst.

nicht aber die zugrundeliegende Ursache des Problems:
nämlich die Beziehung zwischen Hund und Mensch!

Wenn du einen Hund frisch aus dem Tierheim hast, dann gibt es logischerweise noch keine Beziehung zwischen dem Menschen und dem Hund. Selbstverständlich muss diese aufgebaut werden, aber bis dahin muss der Hund doch Gassi geführt werden.

Somit ist das Halti eine bequeme, aber in meinen Augen faule
Lösung.

Es ist keine Lösung, sondern nur eine Hilfe. Selbstverständlich muss man mit dem Hund auch trainieren und ihn auf sich fixieren.

Unsere (großen) Hunde haben beide gezogen. Seit ich das
Leinenführtraining nach Natural Dogamship durchgeführt habe,
ist das Schnee von gestern.

Es gibt viele Techniken, um das ziehen an der Leine zu unterbinden. Die kenn ich nicht. Kannst du mehr darüber erzählen? Bei meinem hat das normale stehenbleiben geholfen. Also immer wenn der Hund zieht stehenbleiben, wenn er rankommt, weitergehen.

Es gibt zwar immer wieder mal
Situationen, in denen ein Hund nochmal „nachfragt“, ob er
nicht das Rudel anführen (also vorne gehen) soll, aber das
können wir innerhalb einiger Sekunden auf für den Hund
verständliche, ruhige und völlig gewaltfreie Art und Weise
klären.

Also mein Hund geht öfter vor mir, aber meist hinter mir. Ich finde das vorne weg laufen besser, weil ich ihn so im Blick habe (er läuft ohne Leine - natürlich nur dort, wo es erlaubt ist)

So weit mein Senf dazu… :smile:

Liebe Grüße,
Nina

Gruß Claudia.

Hallo Claudia,

das mit dem an-der-Leine-Ziehen war nur ein Beispiel und leider, leider benutzen die meisten Leute das Halti für genau diesen Zweck, und zwar dauerhaft. In der Gebrauchsanleitung für das Teil stehen außer dem „fixieren-Verhindern“ noch viele andere tolle Ideen, wofür man das nutzen kann…

Da mein Hund nicht die Aufgabe hat, „Rivalen“ zu testen, zu fixieren, zu kontrollieren oder was auch immer (das ist Job des Rudelführers, denn es gehört in den Bereich „für die Sicherheit des Rudels sorgen“), sollte es für ihn gar nicht in Betracht kommen, einen anderen fixierend in den Blick zu nehmen. Ich zweifle stark daran, dass ich meinen Hund mit einem Halti davon überzeugen kann, dass es besser ist, sich auf mich zu konzentrieren statt auf einen „Gegner“. Das vermittle ich meinem Hund, in dem ICH mich um den anderen Hund oder Menschen kümmere und ihn ggf. von uns abhalte: meinen Hund also schütze, falls notwendig.
Ein Halti bezweckt doch nur ein Meideverhalten bzw. ein vom Menschen auferzwungenes Verhalten. Mein Hund soll mir freiwillig folgen und sich an mir orientieren.

Wir haben übrigens zwei Hunde aus dem Tierheim und die Beziehung kann man da sehr schnell klar machen, jedenfalls in den Grundzügen. Wir haben es leider nicht von Anfang an richtig gemacht, aber glücklicherweise sind Hunde sehr lernfähige Lebewesen.
Wir arbeiten sehr viel mit (für den Hund verständliche) Körpersprache.

Und Gassi gehen tun wir nicht. Die meisten Leute scheinen immer noch zu glauben, dass ein Hund von sich aus einen Spaziergang machen würde. Das ist nicht der Fall - warum sollte ein Hund das tun? Um sich an der frischen Luft und am Vogelgezwitscher zu erfreuen? :smile: Er macht sich natürlicherweise auf den Weg, um das Territorium zu sichern oder um jagen zu gehen - aber er vertritt sich nicht mal so zum Spaß die Beine. Für viele Hunde sind die üblichen Spaziergänge ziemlich frustrierend, denn sie verstehen nicht, warum wir Menschen so instinktlos durch die Gegend rennen und nicht mal was „vernünftiges“ mit ihnen tun draußen. Ihre Erwartung an eine gemeinasame Jagd wird jeden Tag auf`s neue enttäuscht. Und Hunde SIND soziale BEUTEGREIFER!
Das Territorium sollen unsere Hunde nicht kontrollieren (das macht die Rudelführung - und das sollten in einem Mensch-Hund-Team nicht die Hunde sein). Wir gehen aber mit unseren Hunden jagen - nicht auf Tiere, sondern auf eine von uns festgelegte Beute (Futterbeutel). Ein Riesenspaß für uns Menschen wie für die Hunde. Und eine wirklich artgerechte Beschäftigung (die zudem die Beziehung und die Kommunikation miteinander sehr fördert).

Läuft der Hund vorn, hat er die Entscheidungsgewalt und Verantwortung, denn an der Position geht normalerweise die Rudelführung.

Über das Leinenführtraining und Natural Dogmanship kann ich gern mehr erzählen, das würde aber hier unter diesem Thread zu weit führen.
Auf jeden Fall schon mal dies dazu: geht man mit seinem Hund diesen Weg, heißt das, sich von einigen liebgewonnenen Illusionen zu verabschieden… - und eine ungeahnte neue Qualität in der Beziehung zu seinem Hund und im Zusammenleben mit ihn zu erfahren! :smile:

Gruß,
Nina

Hallo Nina

Über das Leinenführtraining und Natural Dogmanship kann ich
gern mehr erzählen, das würde aber hier unter diesem Thread zu
weit führen.
Auf jeden Fall schon mal dies dazu: geht man mit seinem Hund
diesen Weg, heißt das, sich von einigen liebgewonnenen
Illusionen zu verabschieden… - und eine ungeahnte neue
Qualität in der Beziehung zu seinem Hund und im Zusammenleben
mit ihn zu erfahren! :smile:

Auch ich würde gerne mal erfahren was sich dahinter verbirgt kenne dieses Training auch nich!

Und ich muss ganz ehrlich gestehen das meine beiden Rüden des öffteren alleine Spaziergänge unternohmen haben und hier auch jeden Tag bestimmt drei Hunde an unserem Haus alleine vorrübermaschieren! Auch die freilaufenden Hunde meines Reithofes unternehmen regelmässig spaziergänge! Kann also nich sein das Hunde das alleine nie machen würden! Ich gehe aber mit dir Konform das Hunde dies nicht zum Kot ablassen und Beine vertretten tun!

Gruss Isa

Gruß,
Nina

Hallo Isa,

Und ich muss ganz ehrlich gestehen das meine beiden Rüden des
öffteren alleine Spaziergänge unternohmen haben und hier auch
jeden Tag bestimmt drei Hunde an unserem Haus alleine
vorrübermaschieren! Auch die freilaufenden Hunde meines
Reithofes unternehmen regelmässig spaziergänge! Kann also nich
sein das Hunde das alleine nie machen würden! Ich gehe aber
mit dir Konform das Hunde dies nicht zum Kot ablassen und
Beine vertretten tun!

Richtig, sie tun das, weil sie die Revierkontrolle übernehmen (dazu gehört auch, mit Urin und vor allem Kot zu markieren) und weil sie vielleicht nach etwas jagen wollen (daran ändert auch der gefüllte Futternapf zu Hause meistens wenig:smile:).

Natural Dogmanship ist sehr komplex, Näheres dazu gern mal per mail oder als ersten Eindruck hier mal schauen : http://www.natural-dogmanship.de/.

Beim Leinenführttraining gibt es verschiedene Phasen:
die ignorant-dominante beinhaltet nur den Richtungswechsel (ganz grob beschrieben!), bei der aktiv-dominanten Phase geht es darum, dass dein Hund dir Platz machen (also ausweichen) soll, wenn du auf ihn zugehst. Beim dritten Teil, „Stop and go“ soll der Hund deinen Bewegungen, deinem Tempo folgen. Diese letzte Phase habe ich selbst noch nicht probiert.
Es ist schwer, das allein in Worten zu vermitteln und man sollte das nicht einfach ohne Anleitung ausprobieren, vor allem nicht mit großen Hunden. Es ist, richtig durchgeführt, sehr effektiv - und es ist beeindruckend zu sehen, wie schnell und gern ein Hund folgt!

Liebe Grüße,
Nina