Hallo Claudia,
das mit dem an-der-Leine-Ziehen war nur ein Beispiel und leider, leider benutzen die meisten Leute das Halti für genau diesen Zweck, und zwar dauerhaft. In der Gebrauchsanleitung für das Teil stehen außer dem „fixieren-Verhindern“ noch viele andere tolle Ideen, wofür man das nutzen kann…
Da mein Hund nicht die Aufgabe hat, „Rivalen“ zu testen, zu fixieren, zu kontrollieren oder was auch immer (das ist Job des Rudelführers, denn es gehört in den Bereich „für die Sicherheit des Rudels sorgen“), sollte es für ihn gar nicht in Betracht kommen, einen anderen fixierend in den Blick zu nehmen. Ich zweifle stark daran, dass ich meinen Hund mit einem Halti davon überzeugen kann, dass es besser ist, sich auf mich zu konzentrieren statt auf einen „Gegner“. Das vermittle ich meinem Hund, in dem ICH mich um den anderen Hund oder Menschen kümmere und ihn ggf. von uns abhalte: meinen Hund also schütze, falls notwendig.
Ein Halti bezweckt doch nur ein Meideverhalten bzw. ein vom Menschen auferzwungenes Verhalten. Mein Hund soll mir freiwillig folgen und sich an mir orientieren.
Wir haben übrigens zwei Hunde aus dem Tierheim und die Beziehung kann man da sehr schnell klar machen, jedenfalls in den Grundzügen. Wir haben es leider nicht von Anfang an richtig gemacht, aber glücklicherweise sind Hunde sehr lernfähige Lebewesen.
Wir arbeiten sehr viel mit (für den Hund verständliche) Körpersprache.
Und Gassi gehen tun wir nicht. Die meisten Leute scheinen immer noch zu glauben, dass ein Hund von sich aus einen Spaziergang machen würde. Das ist nicht der Fall - warum sollte ein Hund das tun? Um sich an der frischen Luft und am Vogelgezwitscher zu erfreuen?
Er macht sich natürlicherweise auf den Weg, um das Territorium zu sichern oder um jagen zu gehen - aber er vertritt sich nicht mal so zum Spaß die Beine. Für viele Hunde sind die üblichen Spaziergänge ziemlich frustrierend, denn sie verstehen nicht, warum wir Menschen so instinktlos durch die Gegend rennen und nicht mal was „vernünftiges“ mit ihnen tun draußen. Ihre Erwartung an eine gemeinasame Jagd wird jeden Tag auf`s neue enttäuscht. Und Hunde SIND soziale BEUTEGREIFER!
Das Territorium sollen unsere Hunde nicht kontrollieren (das macht die Rudelführung - und das sollten in einem Mensch-Hund-Team nicht die Hunde sein). Wir gehen aber mit unseren Hunden jagen - nicht auf Tiere, sondern auf eine von uns festgelegte Beute (Futterbeutel). Ein Riesenspaß für uns Menschen wie für die Hunde. Und eine wirklich artgerechte Beschäftigung (die zudem die Beziehung und die Kommunikation miteinander sehr fördert).
Läuft der Hund vorn, hat er die Entscheidungsgewalt und Verantwortung, denn an der Position geht normalerweise die Rudelführung.
Über das Leinenführtraining und Natural Dogmanship kann ich gern mehr erzählen, das würde aber hier unter diesem Thread zu weit führen.
Auf jeden Fall schon mal dies dazu: geht man mit seinem Hund diesen Weg, heißt das, sich von einigen liebgewonnenen Illusionen zu verabschieden… - und eine ungeahnte neue Qualität in der Beziehung zu seinem Hund und im Zusammenleben mit ihn zu erfahren! 
Gruß,
Nina