Dialog im Dunkeln - was passiert da?
Hallo Vanessa,
Warst du selber schon mal dort gewesen?
Ja, vor etwa 1,5 Jahren.
Wie war das so?
Sehr spannend & neue Sichtweisen öffnend, absolut irre 
Es stand dort, dass Gruppen gebildet werden? Wieviele Personen bilden denn dort eine Gruppe? MUSS man in der Gruppe mitgehen oder kann man sich davon auch mal abseilen? Meinem Freund geht darum, dass man da nicht irgendwelche Leute begrabbeln muss oder man sich da stundenlange Vorträge anhören muss.
Die Größe der Gruppe kann ich nicht mehr haargenau erinnern, es muß sich um etwa 10-12 Leute gehandelt haben. Man wird mit Blindenstöcken ausgerüstet, darum gebeten, etwas abgezähltes Kleingeld bereit zu halten (dazu später) und von einem sehenden Guide einen schmalen Gang entlang begleitet, in dem das Licht immer schwächer wird. Zuletzt steht man in völliger Dunkelheit - es ist so dunkel, daß man die eigenen Finger, dicht vors Gesicht gehalten, nicht erkennen kann. In dieser Dunkelheit, in einem ungewissen Raum empfängt einen der blinde Guide (bei uns war es ein junger Mann, aber das wechselt).
Man hört nur seine Stimme und wird ihm für ca. eine Stunde durch Straßen, Kieswege, Treppen, Wald etc folgen, immer mit den entsprechenden Geräuschen. Man hört, wie laut, entsetzlich laut die Welt der Blinden ist, es dauert, bis man in Ansätzen lernt, Geräusche zu differenzieren und zu verorten. Aus der Gruppe auszuscheren ist so guut wie unmöglich, weil Du den Raum nicht einschätzen kannst. Sich mit dem Blindenstock voranzutasten ist sehr schwierig und natürlich kann man jemanden aus der Gruppe aus Versehen anrempeln, aber alle anderen sind genauso vorsichtig und unsicher wie man selbst, peinlich darauf bedacht, mit nichts unvorhergesehenem zu kollidieren.
Die einzig sichere Orientierung ist die Stimme des Blinden, er ist der einzige, der in diesem Raum sehen kann. Unser Guide hielt keine langen Vorträge, er erklärte nur, wie sich ein Blinder im jeweiligen Gelände orientiert, worauf zu achten ist und beantwortete bereitwillig alle Fragen. Zuletzt führt er die Gruppe in die „Unsichtbar“, eine kleine Bar, in der man in völliger Dunkelheit noch ein bißchen zusammensitzt, nachdem man beim blinden Barmann ein Getränk geordert, mit dem eingangs erwähnten Kleingeld bezahlt und dann vorsichtig versucht hat, einen Platz zu finden.
Zuletzt geleitet einen der Guide wieder durch den schmalen Gang langsam ans blendende Tageslicht, bleibt aber selbst unsichtbar in der Dunkelheit zurück.
„Dialog im Dunkeln“ ist eine wohl einmalige Gelegenheit, die Welt mit anderen Sinnen zu erfahren. Die undurchdringliche Dunkelheit ist für manche Menschen btw unerträglich - in unserer Gruppe war eine Person, die nach etwa 10min wieder herausgeführt werden mußte, weil sie die Orientierungslosigkeit, Verlorenheit im Raum zu sehr ängstigte.
Viele Grüße
Diana