Handarbeit, effizienz steigern

hallo,

ich hoffe, ich bin hier richtig mit meiner frage …

es gibt doch sicherlich »allgemeine regeln« oder tipps, wie manuelle
arbeit (handarbeit, manufakturarbeit) möglichst effizient und
fehlerfrei abgearbeitet wird.
z.b.: nicht zu viele dinge auf einmal machen, sondern lieber die
arbeitsschritte getrennt verrichten.
oder sowas.

kann mir da jemand einen guten tipp geben? vielleicht eine internet-
adresse? eine buchempfehlung? o.ä.?

ich wäre dankbar!
gruß
tobias

Servus Tobias,

eine isolierte, einzelne, sicher bloß einen Teil der Frage abdeckende, aber wirksame Regel, die ich aus der Bauernlehre vor knapp dreißig Jahren (war noch sehr viel Handarbeit im Spiel damals) mitgenommen habe:

Bei allem, was man von Hand und täglich tut, muss das verwendete Werkzeug in der Gegend der Luxusklasse angesiedelt sein. Bei Arbeiten, die „sowieso“ mechanisiert ablaufen, kann man an den Arbeitsmitteln eher geizen. Ebenso bei solchen, die weniger oft gebraucht werden.

Beispiele aus Hauswirtschaft und Handwerk:

  • Arbeitsbreite und Stiel bei Besen, Schrubber, Abzieher etc. - die meisten handelsüblichen Geräte sind viel zu schmal und liegen schlecht in der Hand, weil sie mit zu kurzen und wackeligen Plastestielen ausgestattet sind
  • Abwasch von Hand ist eine Quälerei, wenn er in zu kleinen Becken mit zu niedriger „DIN“-Arbeitshöhe stattfindet
  • Küchenmesser, Messer überhaupt: Es ist kein Fetischismus, wenn man bei Messern auf gehobenes Material achtet, sondern es äußert sich in Minuten, die sich schnell summieren
  • „Kleinwerkzeuge“ wie Ratschen, Schlüssel, Engländer, Zangen, Bits etc.: Jedes Abrutschen und Nachfassen braucht Zeit. Bestes Material und höchste Präzision, die man kriegen kann, vermeidet das. Im Gegensatz kann eine Drehbank, wenn man sie vier Mal im Jahr anfasst, ruhig Zweitwahl sein. Kurioserweise wird dabei in der Regel umgekehrt gedacht - man betrachtet das „Kleinzeug“ als Verbrauchsmaterial, das halt billig sein sollte, und die „Anschaffungen auf Dauer“ als Prestigeobjekte.
  • Beim Musterbeispiel aller Ökonomen für nicht weiter mechanisierbare Handarbeit, dem Frisör: Die Schere. Es ist kein Zufall, daß traditionell die Schere Eigentum auch des angestellten Frisörs ist.

Das klingt banal, aber wenn ich mir anschau, wie viele Schwarz- und auch andere Handwerker man bei Gehtsnichtgibtsnicht sieht, hab ich den Eindruck, daß dieses Prinzip wenig verbreitet ist.

Schöne Grüße

MM

Lieber Tobias,
1.) Damit sie leichter, routinierter, von der Hand gehen, solltest Du
gleiche Bearbeitungsschritte zusammenfassen:

Alle Teile nach genauem Plan zuschneiden (Sägen),
alle gleichen Verbindungen hintereinander weg u.s.w…

Also nicht
z.B. eine Möbelseite erst dübeln, dann die Böden zuschneiden und Dübel und schließlich die andere Möbelseite zuschneiden und dübeln.

Die meiste Zeit aber verliert man durch den Transport zu den Bearbeitungsplätzen und das jeweilige Umrüsten der Maschinen. (Umrüsten heißt: Ich muss z.B. einen anderen Fräskopf aufsetzen und die Maschine auf andere Bearbeitungsmaße umstellen.)

In dieser Zeit wird nicht direkt produziert, es fallen aber Arbeitslohn und Betriebskosten an.

Ein Beispiel: Ausschnitt aus einem kleinen Teil des gesamten Herstellungsprozesses

Ich baue einen Schrank: 2 Seiten, 3 feste Böden - ganz simpel!
Wenn ich die Teile zugesägt habe und Oberfläche und die Vorderkanten fertig sind,

1.) gehe ich mit 5 Teilen zur Formatkreissäge(5Minuten)
2.) wechsele ich eventuell das Sägeblatt, weil vorher anderes Material gesägt wurde (10 MInuten)
3.) stelle ich die Breite ein (5 Minuten)
4.) säge alle 5 Teile auf die richtige Breite (10 Minuten)
5.) gehe ich mit 5 Teilen zur Dübellochfräse (5Minuten)
6.) stelle die Fräse ein (10 Minuten)
7.) fräse 18 Löcher in die 2 Seiten (10 Minuten)
8.) stelle ich die Fräse um (3 Minuten)
9.) fräse ich die 18 Löcher in die Hirnkanten der 3 Böden (15 Minuten)

Ich habe mich sehr beeilt,
aber von insgesamt 73 Minuten
habe ich höchstens 35 Minuten direkt Holz bearbeitet.
Eigentlich waren es 15 Minuten, denn ich habe beim Sägen und Fräsen 2 x 5 Teile in die Hand genommen und wieder weggelegt.

73 Minuten kosten rund 53,-€
reine Produktion (15 Minuten) kosteten davon rund 9,-€

die übrigen 44,-€ verteilen sich in der Industrie nicht auf 1 Schrank,
sondern auf vielleicht 500 Schränke: 9 Cent/Schrank!

Handarbeit muss im Handwerk also

  • Vorgänge vereinheitlichen und zusammenfassen oder
  • teuer, aber in der Gestaltung einmalig begehrenswert sein oder
  • mit (CNC-)Bearbeitungszentren (Computergesteuert zusammengefasste Bearbeitung unterschiedlicher Vorgänge) erfolgen,

am besten aber alles 3 zusammen.

Herzlichst
Ole