Ich sammle altes Papier oder wie auch immer man das nennen will…
In der Regel habe ich keine größeren Schwierigkeiten alte Handschriften zu entziffern, doch liegt mir gerade ein Brief vor, der wohl von 1561 stammt und an den Bürgermeister und Rat der Stadt Braunschweig (Brunswigrk)adressiert ist. Trotz vieler Mühe gelingt es mir nicht zusammenhängende Teile sinnvoll zu entziffern.
Ich habe im Netz bereits nach speziellen paläographischen Foren gesucht aber nichts gefunden. Wer kann mir weiterhelfen?
lass doch mal das Blatt sehen, dann können wir je sehen, was zu sehen und zu lesen ist.
Ich habe mich im Studium mit mancher Hs rumgeplagt. Z. T. in schlechten Kopien, z. T. auf Mikrofilm und anderen altertümlichen Kopierformen.
Und nicht immer vergebens.
auch ich helfe gerne, wenn Du mir eine digitalisierte Version schicken kannst. Ansonsten wäre mein altbackener Tip: einen Termin bei der Nächsten Handschriftenabteilung in der nächstgelegenen Bibliothek abmachen… Sind seeehr kontaktfreudige Menschen…
Ich habe ein hohe Auflösung gewählt und die Orginalgröße in etwa beibehalten. Das Öffnen der Seite kann mit ISDN oder Modem etwas dauern. Zum lesen können die JPG-Dateien einfach gespeichert werden.
Auf Eure Ergebnisse bin ich besonders gespannt. Ob es tatsächlich ein Ertrag für alle wird, will ich nicht beschwören. Nicht selten stellen sich auch alte Schreiben als klassischer Behördenkram heraus, bei dem unverständlich ist, weshalb er solange überdauert hat.
Bei dem vorliegenden Brief scheint es um eine Strafsache zu gehen. Welche Funktion in der peinlichen Gerichtsbarkeit in Braunschweig dem Bürgermeister und Rat in dieser Zeit zukam, können wir dann diskutieren, wenn der Inhalt entschlüsselt ist.
Nochmals vielen Dank und viel Erfolg
Egonist
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Ich lese in den ersten Zeilen wieder die Anrede mit Versicherung der Geneigtheit und Dienstbeflissenheit des Verfassers o.ä.:
„Erbare hochgelarde und woleiße gebedende hern [Abk.] [???] mine gehorsame und steds willige deinste, hochstes vermogens, ungespards fleise (???) …“
Aber dann gerate ich wieder vollends ins Schwimmen. Ich glaube neben der Schrift, die zwar flüchtig aber doch regelmäßig scheint, dürfte ein weiteres Problam die Sprache zu sein. Wenn die Datierung noch stimmt handelt es sich um Mittelhochdeutsch in einer möglicherweise leicht norddeutschen Einfärbung.
wie Fritz an anderer Stelle schon festgestellt hat, ist dies eine „Privatklaue“. Ich sehe hier auch keine große Regelmäßigkeit, was das Entziffern eben auch - im Ggs. zu Kanzleischriften - so schwer macht.
Für den Einstieg:
„Erbare hochgelarde und woleiße gebedende hern [Abk.] [???]
mine gehorsame und steds willige deinste, hochstes vermogens,
ungespards fleise (???) …“
Ich bleibe dabei, daß in der 1. Zeile zweimal „…gebaeude“ dasteht.
Vergleiche bitte das „hochgelehrt“ auf dem Umschlag mit dem nach Deiner Meinung identischen Wort in der 1. Zeile des Textes. Auf dem Umschlag ist das „t“ im Wort eindeutig erkennbar, das „d“ in meinem Gebäude aber ebenso eindeutig.
Ist Dir auch aufgefallen, daß alle Umlaute als Doppelbuchstaben (ae, ue) geschrieben werden?
dein st e, hoch st es
das ist m.E. beidesmal kein „st“, eher ein „p“.
zu Seite 1 noch dies:
gepenkniße = der 3. buchstabe ist eher ein „f“ als ein „p“, daher vielleicht „gefaenkniße“ - könnte auch „Kiste“ sein, dann ergäbe sich ein Sinn mit „und in eine schwere …Kiste, gelegt, gepeiniget,…“.
zum Umschlag noch dies:
Meine m gebiedenden gunstig Herrn
Mehr kann ich Dir heute leider nicht bieten, aber wenn jeder jeden Tag eine Idee hat, dann sind wir vielleicht in 5 Jahren durch! *grins*
Möchtest Du solange warten oder lieber einen Link für Profi-Hilfe?
ich sehe Ihr gebt Euch richtig Mühe. Tatsächlich erscheint es mir das Beste erst einmal Klarheit über die Form der einzelnen Buchstaben zu schaffen. Keiner von Euch sollte in mühsamer Kleinarbeit alle drei Seiten transkribieren! - Fällt es aber jemanden leicht die Schrift zu lesen, wäre ich hierfür umso dankbarer…
Zu den einzelnen von Gudrun angesprochenen Wörtern nun im Einzelnen:
Bei der Entzifferung von „p“ und „f“ halte ich Gudruns Einwände für vollkommen berechtigt.
Auch der Hinweis auf die Schreibweise für Umlaute ist mir eine Hilfe, ich gehe jetzt auch von „Burgermiester“ in der Adresse aus.
Tatsächlich schreibt der Verfasser in der Adresse und am beginn des Textes das von mir als „hochgelehrt“ entzifferte Wort unterschiedlich, nämlich einmal mit t und einmal mit d. Ich hatte dies aber bereits bei der Transkribtion berücksichtigt. Ich glaube nicht, dass ich mich an dieser Stelle verlesen habe.
Ich glaube mein „st“ ist richtig, sonst hätte ich bereits in der Adresse den „Burgermeister“ falsch gelesen. Auch an den anderen Stellen ergibt es meines Erachtens einen Sinn. Es ist ein hohes s, wie es auch in unser „ß“ eingegangen ist, bei dem die Oberlänge zur schnelleren Schreibweise mit dem t verschmilzt. Ich kenne solche Varianten jedenfalls aus anderen Schriftstücken und Handbüchern.
P.S:
Für jeden anderen Link, der mir weiterhilft, bin ich natürlich gleichfalls dankbar.
…die weiteren Entzifferungsversuche auf den Mailweg zu
verlegen. Es wird allmählich nämlich eher offtopic hier im
Geschichtebrett.
Warum ist das Offtopic? Ich verstehs nicht ganz. Paläographie (Handschriftenkunde) ist doch eine Hilfswissenschaft der Geschichte, genauso wie Diplomatik, Heraldik oder von mir aus Numismatik.
In welches Board würde das denn besser passen?
Und noch eine Nachfrage: kann es denn nicht interessant sein, die Resultate auf dem Board zu sehen? Für Menschen, die damit noch nichts im Sinn hatten? Als Crash-Kurs am Objekt sozusagen…
Liebe Grüsse
Yseult
NB: Ich weiss, das Post ist jetzt erst recht off-topic und wenn Dich das wirklich stört, dann lösch es einfach wieder, meine Erlaubnis hast Du. Ich denke aber, dass ich ein paar berechtigte Fragen aufwerfe… oder?
das Thema selbst ist nicht offtopic. Aber die Methode des Antwort-Gebens sprengt allmählich das Brett: Willst du hier wirklich nachher 89 Postings oder mehr haben, die alle den gleichen _Titel_haben - und in jedem Posting ist ein neuer Satz zu finden? Das wird sehr unübersichtlich - erst recht fürs Archiv. Wir fänden es besser, die Handschriftenkundigen machen das erstmal unter sich aus und präsentieren uns Neugierigen nachher das Ergebnis:smile:. Das halten wir für einen guten Kompromiss, von dem alle etwas haben.
Alles weitere zu diesem Diskussionsthema aber jetzt bitte wirklich per Mail oder im ALK-Brett.