HAllo,
Vor noch nicht Hundert Jahren schrieben die Menschen äußerst
akkurat, jeder Buchstabe war erkennbar und sauber im
Gesamtbild der Schrift eingereiht.
Das ist nicht wahr. Guck dir mal Handschriftliches an von Heinrich Heine:
http://www.duesseldorf.de/heineinstitut/grafik/gesta…
Schlegel:
http://www.duesseldorf.de/heineinstitut/grafik/h_man…
E.T.A. Hoffmann:
http://www.antiquare.de/de/stuttgarter_antiquariatsm…
um nur ein paar zu nennen - und bitte, schau dir die handschriftlichen Notizen an, nicht die Schönschrift-Abschriften, die nach dem Entwurf zum Verschicken angefertigt wurden. Natürlich haben die Menschen damals mengenmäßig mehr geschrieben und viele konnten deshalb auch kalligraphisch schreiben, aber ihr Handschrift selbst war zum Teil genauso unleserlich, unordentlich wie jemand, der heute schreibt, wo kaum noch jemand die Notwendigkeit hat, etwas handschriftlich zu verfassen (selbst in der Schule wird immer öfter auf PC zurückgegriffen).
Warum änderte sich die Handschrift in den vergangenen hundert
Jahren? Es ist nicht nur die Abschaffung des Übens der
einzelnen Buchstaben in vorgegebenen Linien eines Heftes,
nein, ich meine, daß auch der Charakter der Menschen sich
veränderte genau so wie die Notwendigkeit, mit Hand zu
schreiben.
Das glaube ich nicht. Es hat mit Übung zu tun und es hat mit den Schreibwerkzeugen zu tun (versuch mal mit einer Gänsekielfeder so schnell wie mit einem Kuli zu schreiben) und nicht zuletzt mit der anderen Schriftart.
Worauf ich hinaus will, ist die Frage nach den Ursachen der
Veränderung der Handschrift.
Vergleiche mal Schriftbilder von Erwachsenen aus Deutschland und aus England oder Frankreich. Da in der Schule zum Teil sehr unterschiedliche Schrift gelehrt wird, ist das SChriftbild auch ein anderes.
Im Laufe des Lebens eines
einzelnen Menschen ändert sich mehr oder weniger seine
Handschrift.
Das hat mit Zeit, mit Übung, mit Notwendigkeit zum Handschriftlichen zu tun. Wer schreit heute noch Briefe mit der Hand? Ich tue das gelegentlich, aber immer seltener.
Aber auch im Laufe der Epochen traten gravierende
Änderungen auf. Heute ist nahezu jeder junge Mensch
Legastheniker,
Das ist eine uninformierte Behauptung, die all denen, die wirklich eine Legasthenie haben, großes Unrecht antut. Genauso wie jeder, der einfach flapsig mit Orthographie umgeht und sich selbst eine Legastheni-Diagnose ausstellt.
und an der Handschrift ist ebenso meist zu
erkennen, wie alt ein Mensch ist.
Vergleiche mal die Schriften, wie sie vor 40 Jahren in der Grundschule gelehrt wurden, vor 20 Jahren und heute. Das sind andere Schriften.
Und um auf den internationalen Vergleich zurückzukommen: in vielen angelsächsischen Schulen wird z.B. in den ersten drei Jahren überhaupt keine Schreibschrift gelehrt, sondern die Kinder schreiben mit Druckbuchstaben und gehen erst in höheren Klassen zu „joint writing“ über. Es wird dort überhaupt weniger Wert auf Schriftbild gelegt (ein anderes Beispiel: Mathematikhefte sind fast immer liniert und die Kinder lernen nicht, wie in deutschen Schulen, Zahlen genau untereinander in Kästchen zu schreiben).
Zum anderen scheinen
Menschen in unterschiedlichen Ländern anders mit der
Handschrift zurecht zu kommen: Die einen schreiben noch
akkurat, die anderen verhaxelt wie bei uns die jungen Leute,
die im Westen aufgewachsen sind. In Ostdeutschland
aufgewachsene Menschen schreiben dagegen in schönen
Buchstaben.
Kamikaze hat dazu schon was geschrieben. Auch meine Erfahrung ist da anders.
Und die Unterschrift eines Menschen verändert sich im
Galoppschritt, wo sie doch gleich bleiben sollte. Im Laufe des
Alterns verändert sich die Unterschrift, wo sie doch die
Identität eines Menschen ausmacht, gleichsam wie der
Fingerabdruck.
Du bist ein Anhänger der Graphologie?
Wir haben das mal in der Schule ausführlich behandelt. Ich weiß noch, dass man aus meinen "G"s einen Hang zum Onanieren herauslesen wollte, was mir damals sehr peinlich war.
Gruß
eklastic