Wenn Du magst, kannst Du ja mal einen Businessplan für ein Handwerksunternehmen machen. Dabei werden Dir einige Aufgaben zur Kalkulation begegnen, mit denen Du vielleicht eher verstehen kannst, warum Handwerkerpreise so sind wie sie sind und warum es kein Mitbewerber schafft, den bestehenden Betrieben auf längere Zeit über den Preis Konkurrenz zu machen. Wenn die Klempner an Deinem Ort alle Multimillionäre wären, gäbe es ruck zuck mindestens einen, der ihnen mit unschlagbaren Billigangeboten in die Parade fährt. Gibt aber keinen: Schon daran ist zu erkennen, dass es sich um ganz gewöhnlich zustande gekommene Marktpreise handelt.
Die Rechnung ist so herum falsch. Als Marge oder Handelsspanne wird der Unterschied zwischen EK und VK bezeichnet. Wenn man die Marge in Prozent angibt, bezieht sie sich auf den VK-Preis. Der EK beträgt in Deinem Beispiel 27,7% vom VK, also beträgt die Marge 72,8%.
In der Modebranche ist das zum Beispiel völlig normal. Oder glaubt wirklich jemand, dass der Pullover bei Zara, der für 100 € verkauft wird, in Bangladesh zu erheblich anderen Preisen produziert wird als der Pullover, den KiK für 9,95 € verkauft? (Anders wäre Amancio Ortega wohl auch kaum (zeitweise) der reichste Mensch der Welt geworden.)
Einer der Gründe warum der Flughafen Berlin nicht fertig wird, ist übrigens die Tatsache, dass man für jeden, wirklich jeden Handgriff den jeweils billigsten Anbieter nahm …
nun, wir arbeiten mit sehr vielen nachunternehmern. und wir tätigen unseren einkauf hinsichtlich nachunternehmer, aber auch material, selbst. qualitätssicherung - übrigens ein zunehmend sich verbreitendes problem im handwerk, weil man auf qualitäten nicht achtet, sondern schnelles geld machen will - steht ganz oben an. und im internet haben wir noch nie gekauft. wegen der qualitätssicherung und wegen der preise.
selbstverständlich kennen wir unsere einkaufskonditionen und auch weitgehend die unserer nachunternehmer, inklusive handwerksbetriebe. das ergibt sich aus vielen jahren verhandlungen und diversen kontakten.
zum einen kalkuliere ich durchaus, für nachtragsangebote aller arten im 4-7-stelligen bereich. ich kümmere mich um den einkauf/konditionen/qualitäten/lieferanten/nachunternehmer, die vorgaben hinsichtlich mindest-marge kommen von anderen. und für die bestellung sind dann der/die eine oder andere kollege zuständig.