Hallo,
Wie muss man sich Hannibal äußerlich vorstellen ?
Vermutlich nicht so wie die Tunesier heute, denn die kamen im 7. Jhd. n. Chr. aus Arabien.
Karthago wurde von den Phöniziern gegründet, aber was heißt das ? Waren die Bewohner Phönizier (und sahen „griechisch“ aus), Berber, oder eher nilotisch, wie offenbar Tut-ench-Amun ?
Oder war er eher ein immigrierter Römer ?
Hallo Klaus,
Karthago (eigentlich ‚Kart Hadasht‘, ‚neue Stadt‘) war eine phoinikische Kolonie , der Überlieferung nach um 814 von Tyrus aus gegründet. Also nicht nur von Tyrern gegründet, sondern auch besiedelt. Phoinikisch zählt zu den westsemitischen Sprachen wie auch kanaanäisch, ugaritisch, hebräisch, samaritanisch, aramäisch und syrisch. Arabisch zählt hingegen zu den südsemitischen Sprachen.
Im Hinterland Karthagos wurde Numidisch gesprochen, das zu den Berbersprachen zu zählen ist. Von einer gewissen Vermischung der phönikischen Kolonisten mit der numidischen autochthonen Bevölkerung kann wohl ausgegangen werden, auch wenn sich diese speziell in den aristokratischen Sippen der Führungsschicht wie den Barkiden in Grenzen gehalten haben dürfte.
Über den Phänotypus der Karthager kann letzlich nur spekuliert werden - er dürfte sich allerdings kaum wesentlich von dem der heutigen Tunesier unterschieden haben. Es gibt Münzen, die möglicherweise Hannibal abbilden (vgl. z.B. http://www.bible-history.com/rome/Romerome00000128.htm), doch können diese (trotz des etwas vorwitzigen Textes auf der Seite) wohl nicht als Porträt gelten. Häufig wird die Meinung vertreten, dass auf diesen Münzen Melqart (die Schutzgottheit Karthagos) abgebildet wird, wie auch sonst auf karthagischen Münzen üblich.
Im Museo Nazionale in Neapel befindet sich eine in Capua aufgefundene Porträtbüste, die auf die Zeit des 2. Punischen Krieges datiert wird (vgl. hier: http://www.sfusd.k12.ca.us/schwww/sch618/RomanLinks/… - nach unten scrollen). Die Zuordnung zu Hannibal ist jedoch nicht sicher - auch ist dieses ‚Porträt‘ (griechischer Tradition entsprechend) stark idealisiert. Auch bei dieser Büste: http://www.allempires.com/forum/forum_posts.asp?TID=… ist die Zuordnung unsicher.
Freundliche Grüße,
Ralf
Hallo,
Wie muss man sich Hannibal äußerlich vorstellen ?
Moin, moin Klaus,
Ralf hat zu dem Thema schon viel mehr geschrieben, als ich jemals wissen werde.
Deswegen kann ich Dir da auch nicht weiterhelfen; ich möchte Dich jedoch auf eines meiner absoluten Liebli8ngsbücher aufmerksam machen: „Hannibal“ von Gisbert Haefs - sofern Du nicht durch die Lektüre dieses Buchs auf die Frage nach Hannibals Äußerem gekommen bist. (Wem fällt schon so eine Frage ohne konkreten Anlaß ein?)
Also: dieses Buch ist phantastisch, das spannendste, das ich in den letzten 20 Jahren gelesen habe. Doch wenn Du es möglicherweise gerade selbst liest, erübrigt sich jede Schwärmerei.
Gruß - Rolf
Nachtrag - Porträt Hannibals
Hallo,
ich habe gerade noch einmal in der Encyclopedia Britannica (Ausgabe 2003) nachgeschlagen. Lt. Verfasser des Artikels ‚Hannibal‘ sind die einzigen erhaltenen authentischen ‚Porträts‘ von Hannibal die Sibermünzen, die 221 in Cartagena geschlagen wurden, als Hannibal die Nachfolge seines Schwagers Hasdrubal als Befehlshaber Iberiens antrat. Damit müsste diese Münze hier gemeint sein: http://ancient-coins.com/articles/carthage/045.jpg
Der Artikel stammt von dem angesehenen Historiker William Culican, Autor u.a. von ‚The Medes and Persians‘ (1965), ‚The first merchant venturers: The ancient Levant in history and commerce‘ (1971) und ‚Opera Selecta: From Tyre to Tartessos; Studies in Mediterranean Archaeology‘ (1986).
Freundliche Grüße,
Ralf
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auch einäugig!
… er verlor das (linke) Auge aufgrund einer unbehandelten Entzündung, als er im Frühjahr 217 nach Überquerung des Apennin vier Tage und drei Nächte durch die Sümpfe des Arno auf Aretium marschierte, wo sich der vorzeitig von Rom aufgebrochene Konsul Gaius Flaminius aufhielt. Die kürzeste Strecke, aber ein sehr verlustreicher Marsch (Titus Livius XXII,2).
Die Strategie ging auf - Hannibal konnte Gaius Flaminius am Trasimenischen See schlagen, bevor dieser seine Truppen mit denen seines Amtskollegen Gnaeus Servilius vereinigen konnte.
Gruß,
Ralf
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Danke, Ralf,
für die genaue Angabe. Ich hab den Seibert durchgeblättert, aber die Stelle nicht gefunden.
Gruß Fritz
‚Du verstehst es, …‘ - wie genau
Hallo,
Die Strategie ging auf - Hannibal konnte Gaius Flaminius am
Trasimenischen See schlagen, bevor dieser seine Truppen mit
denen seines Amtskollegen Gnaeus Servilius vereinigen konnte.
Stammt aus dieser Zeit nicht auch der berühmte Spruch „Du verstehst es, Schlachten zu gewinnen, aber …“ - oder so ähnlich? Du oder Fritz wisst sicher, wie’s genau heisst.
Danke, Stucki
Zu siegen verstehst du, den Sieg zu nutzen, nicht.
Hallo, Stucki!
Trasimenischen See
Stammt aus dieser Zeit nicht auch der berühmte Spruch „Du verstehst es, Schlachten zu gewinnen, aber …“
Nein, diesen Spruch an Hannibal, der meist in der Form:
„Zu siegen verstehst du, den Sieg zu nutzen, nicht!“
zitiert wird, tat Hannibals Reiteroberst Maharbal nach der Schlacht bei Cannae (216 vuZ).
Er hatte gleich nach der Schlacht Hannibal aufgefordert, ihn nach Rom zu schicken. Dann könne Hannibal in fünf Tagen in Rom auf dem Kapitol als Sieger speisen.
Als ihm Hannibal am nächsten Tag diesen Befehl gab, habe Maharbal ihm geantwortet, jetrt sei es zu spät.
Und dabei fiel der besagte Satz.
Die Schlacht am Trasimener See fand im Jahr zuvor statt.
Gruß Fritz