Kann mir jemand sachlich/inhaltlich erklären, warum alle Welt Harry Potter liest? Das soll keine zynische Frage sein (auch wenn es so klingt), sondern ist ganz ernst gemeint: was ist an den Büchern anders als an allen anderen Jugendbüchern, die sich mit dieser oder ähnlicher Thematik beschäftigen? Und warum lesen das so viele Erwachsene?
Ich muß zwar die Harry Potter Bücher erst lesen (bisher hatte mein Sohn sie in Beschlag gehabt), aber was ich so herausgelesen habe, ist der Grund der Beliebtheit meiner Meinung nach folgendes:
Die Bücher sind gut geschrieben und bieten den verschiednen Kindertypen genügend Identifikationsmöglichkeiten. Das Ganze ist recht humorvoll und mit einer guten Prise Fantasy gewürzt, die Mischung scheint also zu stimmen.
Dazu kommt, daß am Kinderbuchmarkt ja kaum Lesenswertes vorhanden ist: in den Buchhandlungen findet man regalweise nur Thomas-Brezina-Sachen oder Hanni&Nanni&Mädchen&Tiere-Buchreihen, die zwar auch sehr gerne gelesen werden, aber nach einiger Zeit durchschauen sogar die Kinder, daß hier alles sich wiederholt (Zitat meines 10jährigen Sohnes…) und daß hier alles austauschbar ist - Konsalik für Kids eben…
Und als dritten Grund für die Beliebtheit Harry Potters ist sicherlich die gut angelegte Marketingmaschinerie, die den Namen Harry Potter binnen kürzester Zeit in aller Munde brachte… (auch ich bin dadurch zu HP gekommen).
Jo, soweit halt meine Ansichten,
schöne Grüße,
D.G.Didi
Ich habe bislang nur das erste gelesen, und es hat mich nicht sofort dazu bewogen, mir auch die anderen zu kaufen. Werde ich wohl auch noch tun, aber soooo dringend ist es dann auch nicht.
Was ich (29 Jahre alt) aber schön fand:
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es war mächtig spannend, und jedes Kapitel hört im Prinzip mit einem mehr oder weniger grossen Cliffhanger auf, so dass ich das Buch in Nullkommanix durch hatte;
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als Kind hätte ich mich bei dem authentischen Schreibstil sehr ernst genommen gefühlt (wobei ich dazu bemerken sollte, dass ich es nur im Original gelesen habe);
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inhaltlich gesehen ist Harry Potter natürlich deshalb toll, weil ja wohl jeder als Kind insgeheim davon träumt, irgendwas Spektakuläres zu können, und der arme unterdrückte Harry ist somit wohl eine ganz gute Identifikationsfigur (wobei ich mich wirklich frage, warum das unbedingt wieder mal ein Junge sein musste, denn die Schriftstellerin hat das doch meines Wissens für ihre Tochter geschrieben)(wobei ich diese ganzen Legenden nicht ganz glaube, sondern die Kiste für legendenhaft durchkalkuliert halte);
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hat mich irgendwie an Star Wars erinnert, was ich über alles liebe!
HOFee
Hallo,
ja, warum nur,
für mich waren die Bücher herzerfrischend vom Erzählstil, sie sprühen vor skurilen und witzigen Ideen, die ich so zuletzt in Jugendbüchern bei Ottfried Preussler oder Michael Ende gefunden habe (oder natürlich bei Terry Pratchett), die Handlung ist leidlich spannend, trotz der phantastischen Inhalte bleiben die Handlungen nachvollziehbar.
Anzumerken ist, dass ich (33 Jahre) die Bücher von meiner Mutter (62 Jahre) bekommen habe; meine Frau (31 Jahre) hat sie gerade durch und wir warten alle ganz gespannt auf den nächsten Band…
Gruss
Peter
Pottermania
Hallo,
nach der Lektüre der Originale der ersten drei Bände habe ich folgenden Eindruck:
Die Bücher (diesen Teil der Antwort hast Du Dir in der Frage bereits gegeben) bringen nur unwesentlich Neues, sowohl was die Inhalte, die Requisiten oder auch die Struktur betrifft. Diese Eigenschaft widerspricht meist dem Erfolg nicht, sondern ist Bedingung! Darüber hinaus handelt es sich um ausgesprochen gutes Schreibehandwerk.
Als alter Fan phantastischer Literatur möchte ich das mal mit dem Erfolg der Tad Williams-Bücher (Memory, Sorrow & Thorn, zu deutsch: Der Drachenbeinthron) vergleichen. Unoriginell im Grunde, und stellenweise mehr oder weniger frech geklaut - aber äußerst gut geschrieben, so daß ich es (obwohl ich sonst eher überkritischer Leser bin) kaum aus der Hand legen konnte.
Ich mißgönne der Autorin den Erfolg nicht.
Aber auch die anderen Antworten sind korrekt: die Zeit war wohl mal wieder reif für ein solches Literatur-Massenphänomen, und die Marketingstrategien sind sich dessen sehr bewußt.
Ich wünsche der Autorin, daß ihr der (gegönnte!) Erfolg nicht zu Kopf steigt, die Verfilmung nicht ZU katastrophal wird und sie rechtzeitig weiß, wann es mit dieser Serie aufzuhören gilt.
hendrik
Das ist aber doch nicht wirklich zu vergleichen:
Zum einen sprechen die Tad Williams Bücher (auch seine Otherland-Serie) ein ganz anderes, älteres Publikum an, zweitens heben sie sich tatsächlich durch eine sehr hohe sprachliche Qualität ab (ich kann nicht beurteilen, in wiefern dies auch auf Harry Potter zutrifft, da ich das nicht gelesen habe), und letztlich ist der Erfolg der TW Bücher dennoch in keinster Weise mit dem Hype von HP zu vergleichen.
Warum stürzen sich Millionen von Erwachsenen auf diese Jugendbücher als hätte es nie etwas besseres gegeben? Wenn die Bücher nur so gut sind wie alle anderen auch, reicht Marketing alleine nicht aus.
Sorry, aber ich kann das immer noch verstehen.
Wenn die
Bücher nur so gut sind wie alle anderen auch, reicht Marketing
alleine nicht aus.
(Ohne bisher HP gelesen zu haben)
Offensichtlich doch, sonst würde nämlich kein Mensch Donna Leon lesen!
Rixi
Eigentlich ist es weniger die Gestalt Harry Potter, die den Reiz an den Büchern ausmacht, sondern die Situation, in der er sich befindet. Wer hat sich in seiner Kindheit nicht gewünscht, besondere Kräfte zu haben?
In der Welt von Harry Potter wird das, was eigentlich ungewöhnlich oder unmöglich ist zum normalen Alltag: Ballspiele auf dem Besen, Zauberei, der Laden mit magischen Süßigkeiten…
Die Vorstellung, dass solche Ereignisse überall um uns herum geschehen und wir sie nicht sehen können regt die Fantasie an.
In gewisser Weise ist es die bekannte Geschichte vom einfachen, unscheinbaren Jungen, der letztendlich den Lauf der Dinge ändert.
Diesmal ist es eben Harry Potter und vor ihm war es vielleicht Krabat, der starke Wanja oder Bastian Balthasar Bux.
Rowling vs. Williams
Das ist aber doch nicht wirklich zu vergleichen:
In diesem einen Aspekt durchaus, wie ich finde: gutes Handwerk, keine Innovation, geniales Lesefutter aus altbekannten Requisiten. Natürlich ist das ein anderes Subgenre und eine z.T. andere Ziel- & Altersgruppe - aber in diesem Aspekt hatte ich auch keine Vergleichbarkeit unterstellt (genauer hinlesen!).
Wenn die
Bücher nur so gut sind wie alle anderen auch, reicht Marketing
alleine nicht aus.
Leider kurz- & mittelfristig doch; das funktioniert ja selbst bei zahlreichen Büchern, die das Plastik nicht wert sind, in das man sie verschweißt, einfach weil (jahrelange Erfahrung im Buchhandel hat mir das gezeigt) viele Leute keinen eigenen Geschmack entwickelt zu haben scheinen und daher dankbare Opfer jeder Marketingstrategie sind, die schreit: „Nehmt das! Das ist gut!“. Ob sich die Rowling-Bände als Steadyseller zu etablieren vermögen (wie z.B. die Narnia-Bände von Lewis), kann jetzt natürlich noch nicht abgeschätzt werden - dort würde Marketing allein in der Tat nicht genügen.
Liebe Grüße,
hendrik
Hunger
…doch, das liegt aber daran, daß es wenige Bücher gibt, bei denen man so’n Hunger kriegen kann. Ich sage das als Nurgelegentlichmöger von Krimis und Nochseltenermöger italienischen Essens…
hendrik
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Ich kann mir vorstellen, daß die Kinder und Jugendlichen, die als Zielgruppe gedacht sind, die Bücher nicht soooo häufig lesen würden, sonder daß sie sie von den Erwachsenen geschenkt oder zumindest empfohlen bekommen (zumindest war das in meinem Bekanntenkreis ausnahmslos der Fall). Sicher sind sie spannend, nett geschrieben, usw. - sonst würden sie nicht weitergekauft - aber bei weitem nicht so überragend.
Und
warum lesen das so viele Erwachsene?
Da liegt wohl der Hund begraben. Das Marketing zieht bei denen am meisten. Das ist ja ein schönes modernes Märchen: Hausfrau verfaßt Erstling und wird bekannt. Wenn man bedenkt, daß unsereins sich mit den Kleinen plagt und noch nicht mal Zeit zum Lesen hat, und da schafft es diese Frau sogar zum Selberschreiben! Und wenn man sich die Geschichten anguckt, was ist da anders als der Quatsch, den wir unseren Kindern erzählen. Sowas möchte ich auch mal. Tolle Leistung! Der Frau gönne ich das. Kind, lies mal, ein schönes Buch!
So oder so ähnlich wird es wohl abgehen.
Denkt sich
J.
Hi,
Offensichtlich doch, sonst würde nämlich kein Mensch Donna
Leon lesen!
http://www.taz.de/tpl/2000/07/14.fr/ibox?Ueber=&re=w…
Gruß
J.