Harte Nuss & sehr lang, aber wichtig!

Hallo von einem Neuling dieses Forums,

der folgende Sachverhalt erscheint wohl eher etwas komplex und umfangreich, aber ich denke es würde wenig Sinn machen etwas auszulassen, aber ich würde mich wirklich sehr freuen und dankbar und erkenntlich zeigen, wenn mir jemand helfen kann, da ich einfach nicht mehr weiter weiß.

Zu mir:

Ich bin männlich, 25 Jahre, Student. Geboren wurde ich in der ehemaligen DDR, 84 mit meinen Eltern in den Westen gezogen, 85 oder 86 ließen sich meine Eltern scheiden und ich wurde von meiner Mutter erzogen. Ich besuchte die Grundschule und dann ein Gymnasium, war bei der Bundeswehr und studiere jetzt BWL an einer Uni

Meine Eltern:

Vater: geboren 1954, Einzelkind, seine Eltern Gastronomen, war bereits in jungen Jahren Alkoholiker, war vor meiner Mutter schon einmal verheiratet und lebt jetzt mit seiner 3. Frau und 2 Kindern in Hamburg, ist mittlerweile trocken

Mutter: geboren 1959, älteste von insgesamt 3 Schwestern, gelernte Industriekauffrau, irgendwann nach der Trennung von meinem Vater entschied sie sich, Ihren Unterhalt durch Prostitution zu verdienen, was sie auch bis heute macht. Gesagt hat sie es mir, als ich ca 20 Jahre alt war, gewusst habe ich es unterbewusst aber eigentlich immer auch wenn sie versucht hat, es vor mir zu verbergen / fernzuhalten

Meine Kindheit:
Aufgewachsen in einer Kleinstadt im Rheinland erinnere ich mich nur rudimentär an meinen Vater. Offenbar hat er meine Mutter im „Suff“ desöfteren geschlagen bis sich meiner Mutter von ihm Scheiden lies. Im Alter von ca. 7-12 Jahren war ich bei einer Tagesmutter untergebracht, wo es mir eigentlich nicht sehr gefallen hat, da ich dort nicht so viele Freiheiten hatte. Danach war ich ein Schlüsselkind. Als ich ca 8 war lernte meine Mutter einen Mann pakistanischer Abstammung kennen, mit dem sie 12 Jahre zusammen war. Ein wirklicher Vaterersatz war er für mich nicht, da er ein „Workaholic“ war. So wurde ich oft eingespannt von meiner Mutter wenn es darum ging „männliche“ Aufgaben zu erledigen, wie Begleitung beim Einkaufen, Reparaturen in der Wohnung etc. und musste auch hin und wieder intervenieren, wenn die beiden sie stritten, was eigentlich an der Tagesordnung war.

Meine psychologische Entwicklung:
Kurz nach meinem 18. Geburtstag ging es dann so langsam los. Es begann damit, dass ich mit einem Mädchen zusammenkam die 2 Jahre jünger war. Nach ca. 3 Monaten einer sehr schönen Beziehung, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte, bekam ich ein sehr merkwürdiges Gefühl. Es klingt sehr merkwüridig, aber irgendwas in meinem Unterbewusstsein wollte diese Frau nicht an meiner Seite wissen, obwohl ich sie liebte. Es fühlte sich an - so beschrieb ich es damals - als hätte sie Schluss gemacht, obwohl sie das gar nicht gemacht hatte. Es fühlte sich so an, als würde die Liebe aus mir herausgerissen werden und oft musste ich deshalb weinen.
Kurz danach - ich erinnere mich noch genau an den Abend - traf es mich wie aus heiterem Himmel wie ein Paukenschlag. Alle Emotionen wurden von jetzt auf gleich „abgetötet“ eine innere Leere überkam mich, in meinem Kopf war ein Schleier, meine gesamte Umwelt erschien mir von jetzt auf gleich irreal.
Ich suchte nach ein paar Monaten die Hilfe einer Psychologin auf. Sie verwendete die Verhaltenstherapie und die Arbeit mit dem inneren Kind und war auch spirituell veranlagt.

Ein erster Test ergab, dass ich zu weiblich sei, kein Wunder wenn für einen Jungen Mann die wichtigste Bezugsperson immer die Mutter war. In der Therapie verdeutlichte mir meine Psychologin, dass ich männlicher werden müsste, deshalb ging ich zur Bundeswehr, ich wieder Kontakt zu meinem Vater aufnehmen müsste, was ich auch tat und ich mich von meiner Mutter lösen müsste, was ich ebenfalls tat -> mit Beginn des Studium zog ich aus und wohne seit 3 Jahren alleine in meinem Appartement, und bin bis auf das ich das Geld meiner Eltern angewiesen bin sehr selbstständig.
Mittlerweile geht es mir gut und meine Depressionen sind weg nur leider bin ich jetzt wieder an dem Punkt mit dem es vor 7 Jahren angefangen hat.

Mein jetziges Problem:
oben beschrieb ich, wie damals meine psychologischen Probleme begonnen haben. Das ich offenbar ein Problem mit Frauen habe, die ich liebe, bzw mein Unterbewusstsein das nicht zulassen will.
Als ich nach Köln zog, hatte ich viele Affairen, One-Night-Stands, Kurzbeziehungen usw. Ich konnte einfach nicht aufhören an die nächste Frau zu denken.
Dann lernte ich meine jetzige Freundin kennen. Ich verliebt mich in sie und wir passen sehr gut zusammen. Nach ca 1,5 Monaten begann dann das selbe „Spiel“ wie damals. Mein Unterbewusstsein / inneres Kind oder was auch immer lehnte sie wieder ab. Es kam immer Phasenweise in ca 3 - 4 Schüben über mehrere Monate verteilt. Es fand wieder eine - wie ich es mal nennen möchte - emotionale Zwangstrennung statt. Ich musste viel weinen, weil ich sie sehr liebe mein Unterbewusstein dies wohl aber nicht zulassen will. Während dieser Zeit stellte ich auch fest, dass ich irgendwie zurückmutiert bin zum Kind, bzw. sind meine Gefühle die eines Kindes. Am Anfang der Beziehung zu meiner Freundin, fühlte ich mich sehr erwachsen und männlich. Mittlerweile unsicher, schamhaft, nicht mehr erwachsen und männlich. Wenn mir meine Freundin einen Kuss auf die Stirn gibt wenn ich noch schlafe weil sie früher aufstehen musste, ich neben Ihr sitze oder sonst irgendwas, fühle ich mich mittlerweile wie ein kleiner unsicherer Junge und weiterhin so an, als wäre sie meine Mutter. Ich weiß das klingt bescheuert aber so ist es nun mal. Sie sieht auch gar nicht mehr aus wie meine Freundin, es ist alles total merkwürdig.

Jedenfalls besprach ich die obigen Sachverhalte mit meiner Psychologin. Sie als Verhaltenstherapeutin sagt mir immer, das Denken macht die Gefühle. Das mag auf „gesunde“ Menschen zutreffen und ich weiß auch was sie meint, nur bin ich mir sicher, dass das auf mich nicht zutrifft. Es ist etwas unterbewusstestes, was ich nicht kontrollieren kann. Ich glaube ich habe mittlerweile jeden Verhaltenstherapeutischen Ansatz in dieser Richtung versucht.

Ich erkläre meinem inneren Kind, dass wir meine Freundin als Frau, und die Mama als Sohn lieben dürfen und dass wir beides gleichzeitig sein dürfen.

Ich habe mit dem dem Photo meiner Mutter gesprochen und mich bei Ihr „ausgekotzt“ was mir an meiner Kindheit nicht gefallen hat und dass sie mich emotional missbraucht hat.

Ich lese Bücher über positives Denken.

Ich sage mittlerweile zu meiner Mutter „Mama“ und nicht mehr Mum wie ich es früher tat um eben das Gefühl dafür zu bekommen, dass es meine Mutter ist.

Ich habe meiner Mutter erklärt was sie darf (mich anrufen, fragen wie es mir geht, mich einladen, mich „bemuttern“ etc.) und was sie nicht darf (mir von ihrem job erzählen, mich mit Ihren Problemen belasten, eben was sie früher gemacht hat der emotionale Missbrauch etc.)

Kurzum: Egal was, es hilft nichts. Meine Psychologin auf die ich sehr große Stücke halte wusste dann auch nicht mehr weiter und meinte, es gäbe einen Übergang von rationalität zur Psychologie und von der Psychologie zur Spiritualität. Ich wandte mich an ein Medium die mir exakt bestätigte wie ich mich fühle, dass meine Freundin auch wirklich meine Herzdame ist, dass ich in meiner Kindheit „verarscht“ und emotionale Missbraucht wurde. Sie empfahl mir von John Bradshaw „Das Kind in uns“ was von meiner Psychologin als „Schrott“ abgeschmettert wurde, aber ich arbeite es trotzdem durch und befolge alle Übungen, aber der Erfolg stellt sich bislang auch nicht ein.

Ich bin verzweifelt und weiß nicht, was ich noch tun kann. Ich möchte ja nichts weiter, als wieder zum Erwachsenen „zurück zu mutieren“, meine Freundin als Frau und meine Mutter als Mutter lieben.

Wenn jemand Rat weiß, egal wie weltfremd er auch erscheinen mag, ich bin für alles offen.

Achja: Ich lese auch noch Kraft zum loslassen und von Richard Rohr „Endlich Mann werden“ habe ich auch schon durch, Ihr seht, ich bin willig, aber mein Unterbewusstsein nicht!

Vielen Dank, ich werde mich erkenntlich zeigen, wenn jemand Hilfe / Rat weiß!

Hallo MawoFW

58 haben deine Frage schon angeklickt und keiner hat geantwortet. Den wahren Experten fällt wohl auch nichts ein. Zumal du mit Expertenrat schon reichlich versorgt bist (Therapeutin, Bücher usw.).
Ich bin kein Experte, aber ich kann dir vielleicht trotzdem einen Rat geben.
Du hast bisher versucht dich zu ändern. Du hast an dir gearbeitet. Du bist seit Jahren unzufrieden und versuchst ein anderer Mensch zu werden. Du lässt dir von anderen Menschen helfen.
Erfolg: Null.

Deshalb empfehle ich einen radikalen Wandel der Perspektive. Alles, was du bisher getan hast, funktioniert nicht. Also versuche es mit dem Gegenteil.
Hör auf, gegen deine Persönlichkeit anzukämpfen. Fang an, sie zu akzeptieren.
Schau mal auf folgende Analogie: Einem 12 jährigen Jungen fährt die Straßenbahn über den Fuß. Alle Knochen sind zermalmt. Von da an ist der Fuß für immer verkrüppelt. Im Sport war er ein As. Damit ist es jetzt vorbei. Mit 16 sieht er den 100-m-Läufern bei der Olympiade zu und wünscht sich auch, Läufer zu werden. Er möchte auch an Wettkämpfen teilnehmen und Erfolge feiern, wie früher. Er rennt die nächsten 5 Jahre von Arzt zu Arzt und hasst seinen verflixten Fuß. Niemand kann ihm helfen.
Meinst du nicht auch, dass dieser Mensch glücklicher wäre, wenn es ihm gelänge, mit seinem Fuß und seinem Schicksal Frieden zu schließen und seinen Traum vom Laufen zu begraben?
Deine Kindheit ist die Straßenbahn, deine Psyche der Fuß und dein Traum von der Liebe ist der Traum vom 100m-Sprint bei Olympia.
Die Analogie hat ihre Grenzen vor allem in dem Punkt, dass die Sehnsucht nach Liebe viel grundlegender und tiefgehender ist als die Sehnsucht nach einer Läuferkarriere.
Aber: Während der Fuß für immer beschädigt bleiben wird, kann deine Psyche sich irgendwann wieder soweit erholen, dass eine lange Partnerschaft möglich ist.
Doch dazu musst du aufhören, gegen dich selbst zu kämpfen. Du musst Frieden schließen mit dir selbst und versuchen so glücklich zu sein, wie du bist. Das hast du schon einmal über längere Zeit durchgehalten, wie es scheint (7 Jahre oder so?).
Akzeptiere dich und begnüge dich mit One-Night-Stands und oberflächlichen Kurzbeziehungen bis deine Psyche stabil ist. Das kann Jahre dauern und du brauchst viel Geduld. Aber vielleicht findest du mit 40 deine Liebe und kannst sie dann auch auf Dauer leben. Das klingt jetzt bitter, weil du erst 25 bist und jetzt eine glückliche Partnerschaft willst. Nur leider bist du wie der Mann mit dem kaputten Fuß: Du hast einen Schaden, der es dir schwer macht, wirklich glücklich zu sein. Mit einem Kampf gegen dich selbst ist dieses Ziel ausgeschlossen. Mit Akzeptanz und einer Einstellung derart „Ja, ich habe schlechte Voraussetzungen glücklich zu sein. Ja, ich hatte eine Scheiß-Kindheit. Und nein, ich kann das nicht ändern, aber ich werde mich damit arrangieren so gut es geht“ ist das Ziel nicht gar so fern.

Alles Gute, Tychi

Grundbedürfnis

Nur eine Überlegung, aber wichtig!
hallo mawo,

ich weiß weder, was die hier lesenden fachleute sagen werden, noch möchte ich dir zu nahe treten. aber aus dem bauch raus geurteilt, würde ich nur eines zunächst machbare überlegen. und zwar die therapeutin zu wechseln, vielleich mal eine ohne spirituelle weltanschauung konsultieren.
hier noch ein satz aus einem song der ärzte:
"es ist vollkommen egal wie du bist, hauptsache ist,du fühlst dich glücklich!
das geht also auch in dir richtung des annehmens.

fühl dich mal ganz doll geknuddelt

strubbel
@:open_mouth:)

Hallo Mawo,

zunächst mein Hochachtung, wie offen du bist und wie sehr du dich schon mit dir beschäftigt hast!

Auch ich kann dir keinen psychologisch fundierten Rat geben, und Tychis Beitrag kann ich mich nur anschließen.

Dennoch hier meine Gedanken, die mir in den Sinn kamen:
Du sehnst dich nach Nähe und Geborgenheit, und gleichzeitig bereitet sie dir anscheinend ‚Angst‘ oder Unbehagen.

Meine Kindheit:
erinnere ich mich nur rudimentär an meinen Vater…
Im Alter von ca. 7-12 Jahren war ich bei einer Tagesmutter…
dort nicht so viele Freiheiten hatte…
Danach war ich ein Schlüsselkind.
Ein wirklicher Vaterersatz war er für mich nicht
So wurde ich oft eingespannt …„männliche“ Aufgaben zu erledigen, :und musste auch hin und wieder intervenieren, wenn die beiden sie :stritten, was

Du hattest keine Chance wirkliches ‚Urvertrauen‘ zu erlangen, erlebtest keine verlässlichen Emotionen, auf deine Bedürfnisse wurde nie wirklich eingegangen, du wurdest überfordert und musstest früh Verantwortung für die Menschen übernehmen und sich um die sorgen, die sich um dich hätten sorgen müssen.

Du hattes keine Chance den Umgang mit deinen Gefühlen zu erlernen, mit Nähe, Distanz, Geborgenheit, Ablehnung, Annehmen umzugehen!! Du durftest eigentlich nich richtig Du sein, bzw. herausfinden, wer Du eigentlich bist. Ich habe den Eindruck du wurdest nie wirklich wahrgenommen.

Alle
Emotionen wurden von jetzt auf gleich „abgetötet“ eine innere
Leere überkam mich, in meinem Kopf war ein Schleier, meine
gesamte Umwelt erschien mir von jetzt auf gleich irreal.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Nähe und guten glücklichen Gefühle in dir auslösen, oder eben hochkommt, dass deine bisher wichtigen Bezugspersonen die du geliebt hast, dich letztlich immmer im Stich ließen. Du hast ja kaum gute Erinnerungen an deine früheren Bindungen (Mutter/Vater/Pflegeeltern). Deine Erfahrung ist, dass Bindung mit hoher Verantwortung, wenig Freiheit, Verlassen werden verbunden ist.

Bevor ich das wieder erleben muss, trenne ich mich lieber gleich. Wenn ich mich auf eine Bindung erst gar nicht wirklich einlasse, kann mir auch nicht viel passieren. Der Einzige, auf den ich mich verlassen kann, bin ich selbst. Aber was bin ich alleine? Alleine fühle ich mich nicht vollständig, da fehlt etwas. Jeder Mensch braucht Zuwendung, Liebe, Geborgenheit, Anerkennung.

Ein erster Test ergab, dass ich zu weiblich sei, kein Wunder
wenn für einen Jungen Mann die wichtigste Bezugsperson immer
die Mutter war. In der Therapie verdeutlichte mir meine
Psychologin, dass ich männlicher werden müsste

Ok, sie ist die Fachkraft, aber ich kann das nicht nachvollziehen, bzw. sehe darin nicht dein Hauptproblem.

Mein jetziges Problem:
Das ich offenbar ein Problem mit Frauen habe,
die ich liebe, bzw mein Unterbewusstsein das nicht zulassen
will.
Als ich nach Köln zog, hatte ich viele Affairen,
One-Night-Stands, Kurzbeziehungen usw. Ich konnte einfach
nicht aufhören an die nächste Frau zu denken.

Ich finde das sehr verständlich. Da kannst du Nähe, Zärtlichkeit erleben, ohne dass du dich verpflichten musst, ohne dass große Forderungen an dich gestellt werden können. Es ist unverbindlich. Das ist wesentlich einfacher und ungefährlicher.

Mein
Unterbewusstsein / inneres Kind oder was auch immer lehnte sie
wieder ab…
Es fand wieder eine - wie ich es mal
nennen möchte - emotionale Zwangstrennung statt. …
viel weinen, weil ich sie sehr liebe mein Unterbewusstein dies
wohl aber nicht zulassen will.

Ich finde es einfach klasse, wie du das alles beschreibst. Eigentlich scheinst du alles über dich zu wissen. An der Umsetzung hapert es. Und das Problem kennen wir sicher alle :wink:

auch fest, dass ich irgendwie zurückmutiert bin zum Kind, bzw.
sind meine Gefühle die eines Kindes. Am Anfang der Beziehung
zu meiner Freundin, fühlte ich mich sehr erwachsen und
männlich. Mittlerweile unsicher, schamhaft, nicht mehr
erwachsen und männlich.
fühle ich
mich mittlerweile wie ein kleiner unsicherer Junge und
weiterhin so an, als wäre sie meine Mutter. Ich weiß das
klingt bescheuert aber so ist es nun mal. Sie sieht auch gar
nicht mehr aus wie meine Freundin, es ist alles total
merkwürdig.

Das klingt mir eher so, als hättest du das von deiner Therapeutin ‚eingeredet‘ bekommen. Aber ich bin ja nicht vom Fach. Für mein Gefühl
ist es wesentlich wichtiger für dich, Vertrauen in einen Menschen fassen und Nähe zulassen zu können, als erwachsen und männlich zu werden.

Jedenfalls besprach ich die obigen Sachverhalte mit meiner
Psychologin. Sie als Verhaltenstherapeutin sagt mir immer, das
Denken macht die Gefühle. Das mag auf „gesunde“ Menschen
zutreffen und ich weiß auch was sie meint, nur bin ich mir
sicher, dass das auf mich nicht zutrifft. Es ist etwas
unterbewusstestes, was ich nicht kontrollieren kann. Ich
glaube ich habe mittlerweile jeden Verhaltenstherapeutischen
Ansatz in dieser Richtung versucht.

Ich habe mit dem dem Photo meiner Mutter gesprochen und mich
bei Ihr „ausgekotzt“ was mir an meiner Kindheit nicht gefallen
hat und dass sie mich emotional missbraucht hat.

Genau das hat man mit dir getan, und wie soll man mit Emotionen umgehen können, wenn man nie die Chance hatte, diese an verlässlichen Menschen in verlässlichen Bindungen zu üben?
Ich muss soch lernen, dass es positive und negative Gefühle gibt, und dass ich mich auch bei negativen Gefühlen und Handlungen bedingungslos auf jemanden verlassen kann, jemand für mich da ist, mir verzeiht, nichts von mir fordert.

Wenn jemand Rat weiß, egal wie weltfremd er auch erscheinen
mag, ich bin für alles offen.

Wechsle als erstes vielleicht mal die Therapeutin und suche stattdessen lieber eine Selbsthilfegruppe.

Komm Mal von dem Trip, erwachsen werden, männlich werden etc. runter und versuche lieber zu ergründen, was dir in einer Beziehung Angst macht. Ob es bestimmte Situation gibt, die das Gefühl in dir auslösen.

Rede mit deiner Freundin über deine Gefühle, bitte sie um Geduld und Verständnis, wenn du seltsam reagierst, oder vielleicht abweisend wirst.

Ich habe letzmals vor 23 Jahren im Rahmen meiner Ausbildung Literatur über Psychlogie gelesen und bin da nicht auf dem neuesten Stand. Aber dein Problem erinnert mich an die schizoide Persönlichkeit, wie sie Fritz Rieman in seinem Buch ‚Grundformen der Angst beschrieb‘. Scheint aber sehr umstritten zu sein und heute wohl nicht mehr empfehlenswert.

Ich habe den eindruck, du hast irgendwie Angst vor Nähe. (Es gibt glaube ich auch ein Buch, das so heißt)

Ich wünsche dir, dass du jemanden findest, der dir wirklich helfen kann.

Viel Glück Marion

Deine Antwort
Tychi ist sehr weise!
Ja, auch wenn viele nicht geantwortet haben, werden sie sicherlich einen Grund haben. Vielleicht haben viele Furcht davor, etwas zu sagen was dem Hilfesuchenden schaden könnte?

LG
Michael

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Hallo Mawo.

Auch ich bin kein Experte. Will es aber trotzdem mal kurz versuchen.

Meiner Ansicht nach liegt dein Problem mit Frauen hauptsächlich in dem gestörten Verhältnis zwischen Mutterliebe - Sexualität - Geliebte.
Da scheint sich bei dir einiges zu überschneiden, was nicht zu einander passt.

Ich weiß nicht, ob ich richtig liege, aber kann es vielleicht sein, dass deine Probleme mit Frauen, die du liebst, immer dann anfangen, wenn diese intim werden wollen?

Du solltest dir eine/n andere/n Therapeuten/Therapeutin suchen!
Auf eine Therapeuthin, die sich mit Spiritistik befasst, würde ich persönlich keinen Pfifferling setzen.

Gruß Nemo.

Hallo,

da hat Mikhael recht. Ich finde Deine Antwort auch sehr weise und oft hilft es, den Blickwinkel zu ändern.

Was mir dazu noch einfällt: Unsere Eltern sind ja auch nicht „vom Himmel gefallen“ und oft haben sie auch ihr eigenes Päckchen zu tragen.

Das hilft einem selbst in der aktuellen Problematik vielleicht erst einmal auch nicht so sehr viel weiter, aber wenn man dahin kommen kann zu verstehen, dann kann man es vielleicht auch schaffen, Frieden zu schliessen.

Verzeihen, das geht sicher nicht immer.

Mit „Frieden schliessen“ meine ich auch eher, seinen eigenen Frieden zu finden, in dem es einem klar wird, dass man selbst keine Schuld an der Vergangenheit hat.

Keine Ahnung, vielleicht hat das auch etwas mit „Loslassen“ zu tun?

Aber dann kann man damit beginnen, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.

Liebe Grüße
usch

hallo,

so viele menschen und bücher sagen dir schon so viele jahre was richtig und falsch ist, was du sein sollst und wie, können musst und nicht.

was glaubst du was dir fehlt - was brauchst du heute und morgen damit du übermorgen vielleicht dein defizit ein stück weit doch erfüllt bekommst und nicht mehr so einen mangel hast - also eine bessere basis?

was sagt dein inneres kind was braucht es - was braucht es damit es nicht mehr so allgegenwärtig sein muss?
und was das der erwachsene mann dazu?

hast du dich das mal gefragt und dabei versucht nur auf diese beiden zu achten und nicht auf all die aussenstimmen?

LG

nina

PS: es folgt eine ausführlichere mail

hi,

was mir gut gefällt ist, wie sehr du versuchst, an dir zu arbeiten und das du nicht locker lässt, deine probleme mit gefühlen und deine depressivität zu verbessern.

der von tichy vorgeschlagene perspektivenwechsel weg von der problemhypnotisierten zur akzenptierenden sichtweise hat mir ebensogut gefallen, hat aber deswegen kein sternchen von mir bekommen, weil ich dich und deine geschichte so einschätze, dass du die richtige hilfe suchst, sie brauchst, aber noch nicht gefunden hast. manchmal muss man eben erst richtig verstehen, was in der kindheit passiert ist, bevor so ein perspektivenwechsel möglich ist. daher möchte ich folgende fachliche meinung einbringen:

verhaltenstherapie ist wirksam, populär, und sie hat grenzen.

es gibt viele patienten, die von VT optimal profitieren, aber nicht für alle ist das auch das richtige oder besser gesagt: ausreichend.

ich rate dir zu einer tiefenpsychologischen oder psycholanalytischen behandlung. die könnte dein bedürfnis nach beschäftigung mit kindheit eher ansprechen und behandeln. es spricht nichts dagegen, mit VT zu beginnen, und mit einer analyse weiterzumachen.

sehr wahrscheinlich gelingt dir dann der perspektivenwechsel, der dir eine sicht nach vorne ermöglicht, anschliessend besser.

Vielen Dank-harte Nuss & sehr lang, aber wichtig!
Hallo,

ich möchte mich zunächst einmal recht herzlich bedanken bei allen, die sich soviel Mühe gemacht haben mir zu antworten und mir neue Perspektiven aufzuzeigen, besonders Marion.

Einer von Euch schrieb, dass ich bereits sehr viel über mich wisse und viele von Euch haben mir mit Ihren eigenen worten meine Situation ja auch bestätigt. Aber wenn das alles so stimmt, auch die Sache mit dem Urvertrauen, wieso ändert sich dann nichts?! Ich meine Erkenntnis ist doch eines der wichtigsten Sachen in der Psychologie und wenn ich das erkenne und auch Annehme, wieso löst sich dann der Knoten nicht endlich???

Hallo,

stimmt, auch die Sache mit dem Urvertrauen, wieso ändert sich
dann nichts?! Ich meine Erkenntnis ist doch eines der
wichtigsten Sachen in der Psychologie und wenn ich das erkenne
und auch Annehme, wieso löst sich dann der Knoten nicht
endlich???

Weil dies ein langer Prozess ist, und man zu einem Menschen nur langsam und über Jahre Vertrauen fassen kann. Es braucht also eine konstante, verlässliche Bezugsperson mit deren Hilfe man dieses Gefühl zurückerlangen und Verlässlichkeit erfahren kann. Das geht nicht duch Theorie, sondern nur durch Praxis. Man muss das Vertrauen immer wieder am eigenen Leib erfahren,‚bestätigt‘ bekommen. Schon kleine Enttäuschungen können einem weit zurückwerfen. Dann sieht man wieder unbewusst bestätigt, dass man niemandem vertrauen kann und reagiert wieder mit Rückzug.

Wenn deine jetzige Freundin deine Problematik kennt und auch die Geduld und das Verständnis aufbringt, das mit dir duchzustehen, hast du doch schon den besten Nährboden, das Thema in den Griff zu bekommen.

Aber ich perönlich bin ein bisschen skeptisch, ob dir deine bisherige Therapien so wirklich das Hauptproblem eröffnen konnten. Nach deinen Schilderungen wurde alles Richtung Mann werden und dein inneres Kind fokussiert. Es scheint mir eher so, als ob dir ein bestimmtes Problem ‚eingeredet‘ wurde, aber nicht mit dir zusammen erarbeitet wurde.

Aber ich bin ja kein Psychologe und kann mich nur auf mein Gefühl berufen und versuchen, auf meine Erfahrungen mit Menschen zurück zu greifen.

Alles Gute und Kopf hoch.

Viel Durchhaltevermögen wünscht dir Marion

Füreinander sorgen
Moin,

was du erlebst, ist glaube ich in vielen Beziehungen völlig normal. In längeren Beziehungen kommt nach einer Zeit der Verliebtheit und des sich Kennenlernes etwas hinzu, was ich mal als „füreinander da sein“ bezeichnen würde. Man kann auch mal Schwäche zeigen, weil man sich der Beziehung jetzt sicherer ist, und man begehrt den Partner nicht nur, sondern man möchte auch für ihn da sein, ihn umsorgen.

Ich finde es völlig normal, dass dich dies an deine Kindheit erinnert, denn während der Kindheit wurde dieses „Umsorgen“ indealerweise von den Eltern übernommen. Nur damals warst du diesem „Umsorgen“ oder auch nicht relativ hilflos ausgeliefert. Es war in gewisser Weise eine Einbahnstraße, mit der du irgendwie klarkommen musstest.

Dies ist in einer Partnerschaft aber nicht mehr so. Wenn du in deiner Beziehung eine Geborgenheit findest, die dich auch mal Schwach sein lässt, wenn du „trotzdem“ das Gefühl hast, von deiner Freundin angenommen zu werden, dann herzlichen Glückwunsch. Das macht meiner Meinung nach einen ganz wichtigen Bestandteil einer glücklichen Beziehung aus. Ich bin mir sicher, dass du deinerseits auch so für deine Freundin da sein möchtest, oder nicht? Vermutlich würdest du ihr auch Wadenwickel machen, wenn sie Fieber hat, und ihr das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit geben wollen. Und genau dieser Austausch auf einer gleichberechtigten Basis ist es, was deine jetzige Situation von der deiner Kindheit unterscheidet.

Mütter sind nicht die einzigen, die Geborgenheit geben können, und Geborgenheit und Sicherheit ist etwas, was nicht nur ein Kind braucht, sondern jeder erwachsene Mensch idealerweise auch in seiner Beziehung.

Lieben Gruß
Marion