‚doppelterDiskurs‘
Hallo Gargoyle, hallo Wolfgang,
bei der Frage, warum Erec in der Mitte der Handlung erneut
aventiuresuchend aufbricht hat sicherlich handlungslogische
Gründe, doch wie in all diesen frühen Ritterepen erscheint
deren Motivation sehr konstruiert (relativ). Dies liegt we-
niger daran, daß uns „Heutigen“ die Motivationslage der „Da-
maligen“ fremd ist, als an den formalen Vorgapen der Arthus-
epik.
Wie krumm ein Autor wie Hartmann sein Personal auch motiviert:
wesentlich ist, daß dieses und vor allem der Protagonist be-
stimmte Kriterien erfüllt. Eines dieser ist die doppelte Aven-
tiure (Bei Hartmann fällt mir da noch „Iwein“ ein, bei dem es
mit einem Gemetzel und dem Frieden danach auch nicht getan ist).
Zu beachten ist, daß die Zweite A. eine grundsätzliche Stei-
gerung der Leistungen in der Ersten darstellt. Dies hat Logik,
denn: Die Helden der Arthusepen demonstrieren in der Ersten A.
ihre Ritterfähigkeit auf unterem Niveau. Von solchen Rittern
gab es viele, wenn sie auch keine Durchschnittsritter waren.
Erst die Zweite A. beweist, daß Erec/Iwein etc nicht nur einer
Heirat mit der sozial so entfernten angebeteten Luxusmaus sozial-
technisch und realphysisch entsprächen, sondern daß sich das
Leistungsverhältnis umkehrt: Der Protagonist übertrumpft in
seiner Minne den Schwiegervater weit an ritterlichem Prestige,
so daß dieser, gäbe es die höfischen Regeln nicht, eigentlich
den Helden um eine Heirat mit seiner Tochter bitten müßte, da
es diesem aufrechten Drachenbezwinger ein leichtes wär, sich
der auch heute noch üblichen Form politischer Erpressung zu
bedienen. Helden tun dies aber nicht.
Kurz: Die Zweite A., aus dem minnebedingten Durchsetzungswillen
des Protagonisten geboren, führt den Helden aus der sozialen
Randstellung vor der Ersten A. zwei soziale Ebenen höher: Eine
Schröder-Stoiber-Show eben, nur existentieller!
Es bedarf keines psychologischen Trallalas, wie Wolfgang rich-
tig und vollständig klarstellt (ohnehin damals knapp 800 Jahre
zu früh) um die Motivation des Recken klar zu machen. Nach mehr
als 140 aventiures beanspruchte der große Ritter Marion, besser
bekannt als John Wayne, die Rechte an dem Satz für sich, der als
einzige realistische Motivation der Ritter für ihre Zweite A. gel-
ten kann: „Ein Mann muß tun, was er tun muß!“ = Im Arthusepos folgt
der Mann der ihm vorgegebenen Struktur: Als Bauer devot, als …,
als Ritter ritterlich, als Protagonist in der ersten A. als Hoffen-
der/in der zweiten als Bewiesener und Überlegener/Forderungsfähiger…
Daß die Frage nach einer konkreten Motivation marginal ist, läßt
sich vielleicht am Besten dadurch erahnen, wenn man sich vorstellt,
ein Mensch aus dem Jahr 2803 versuchte die Ego-Ernsthaftigkeit eines
Selbstflüchters, wie E.F.B. Brecht, sein Humanitätspathos und seine
Menschenverachtung im Großen und im Privaten zu verstehen.
Analogie??
x-nada