Hartz IV - wie ist das nun wirklich?

Im allgemeinen bin ich völlig damit einverstanden, dass Menschen, die ihre Arbeit verloren haben sich nicht dauerhaft auf Kosten aller anderen ausruhen und deshalb auch eine weniger bezahlte Arbeit annehmen müssen.

Aber wie ist das nun wirklich?

1.) Bekommt jemand über viele Jahre gearbeitet hat wenigstens das ausbezahlt was er an Sozialabgaben für den Fall der Arbeitslosigkeit geleistet hat, bevor es an sein Eingemachtes geht?

2.) Was sind eigentlich 1 (oder 2) Euro - Jobs?

Danke für die Aufklärung,

M.

Hallo Mike,

Aber wie ist das nun wirklich?

1.) Bekommt jemand über viele Jahre gearbeitet hat wenigstens
das ausbezahlt was er an Sozialabgaben für den Fall der
Arbeitslosigkeit geleistet hat, bevor es an sein Eingemachtes
geht?

Das hat er noch nie, und das wird auch in Zukunft nicht passieren. In Deutschland gibt es die so genannten Solidargemeinschaft, d. h. die Sozialabgaben werden in einen großen Topf geworfen, aus dem Diejenigen bedient werden, die es nötig haben. Dieser Denkansatz ist häufig zu lesen, trotzdem falsch!

2.) Was sind eigentlich 1 (oder 2) Euro - Jobs?

Das sind Möglichkeiten des Zuverdienstes zum ALG II, also staatliche Unterstützung plus die 1 €/h.

Danke für die Aufklärung,

Gern geschehen,
LG
Jana

hi mike,

1.) Bekommt jemand über viele Jahre gearbeitet hat wenigstens
das ausbezahlt was er an Sozialabgaben für den Fall der
Arbeitslosigkeit geleistet hat, bevor es an sein Eingemachtes
geht?

arbeitslosenversicherung ist ja nicht so etwas, wie eine lebensversicherung. die beiträge, die du während deiner erwerbstätigkeit zahlst, fliessen ja denen zu, die momentan bedürftig sind, bzw. einen anspruch haben. deine abgaben werden ja nicht zinsbringend auf nem sparbuch angelegt. :smile: alg wird nach dem versicherungsprinzip ausgezahlt, d.h. dabei wird berücksichtigt wie lange zu einbezahlt hast. arbeitslosenhilfe/alg II wird nach dem fürsorgeprinzip ausgezahlt, dabei geht es nur um die bedürftigkeit, unabhängig von den versicherungsjahren. so könnte es theoretisch sein, dass zum beispiel jemand ein jahr in seinem leben gearbeitet hat, darauf einen anspruch auf alg begründet hat und seit dem immer wieder bedürftig für alhi ist.

2.) Was sind eigentlich 1 (oder 2) Euro - Jobs?

im grunde soll damit den erwerbslosen der zutritt in den ersten, unsubventionierten arbeitsmarkt erleichtert werden. wird wohl in den klassischen abm-bereichen stattfinden, also gartenbau, pflege, bau… zusammen mit der grundsicherung lassen sich dabei angeblich 850-1000€ als gesamteinkommen erzielen. im gegensatz zu nebeneinkommen, sind diese jobs anrechnungsfrei. vor dem hintergrund, dass jetzt schon nachgewiesen viele „normale“ jobs in mini-jobs umgewandelt werden ist das eine bedenkliche entwicklung. nicht zu unrecht wird hier mit dem „verdrängungseffekt“ argumentiert.

gruß bianca

Das hat er noch nie, und das wird auch in Zukunft nicht
passieren. In Deutschland gibt es die so genannten
Solidargemeinschaft, d. h. die Sozialabgaben werden in einen
großen Topf geworfen, aus dem Diejenigen bedient werden, die
es nötig haben. Dieser Denkansatz ist häufig zu lesen,
trotzdem falsch!

Dann stimmt es also, dass wieder derjenige am A… ist der viel gearbeitet und mehr verdient hat und für diejenigen die sowieso nicht/nicht viel gearbeitet haben ändert sich nichts?

M.

Hallo

im Endeffekt wird ausgeglichen:

Die die wenig ALHI bekommen haben (unter 325 EUR) bekommen mehr und die die mehr (über 325 EUR) bekommen haben bekommen weniger.

Am A… sind die die vorher mehr ALHI Bekommen haben weil man die jetzt gewaltig runterstuft.

Gruß
Highspeed24

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Dann stimmt es also, dass wieder derjenige am A… ist der
viel gearbeitet und mehr verdient hat und für diejenigen die
sowieso nicht/nicht viel gearbeitet haben ändert sich nichts?

Derjenige, der „viel gearbeitet“ und „mehr verdient“ hat, konnte das nicht schaffen, ohne von der Hilfe Anderer zu profitieren. Und im Übrigen könnte auch dieser beneidenswerte Mensch von jetzt auf Null vor ein Auto rennen, querschnittsgelähmt sein, sein Vermögen für die Bezahlung von Arztrechnungen und Hilfspersonal innerhalb weniger Monate aufbrauchen und dann vor dem Nichts stehen. Was dann? Ach ja: Da war doch noch der Staat! DER ist schließlich dazu da, für mein privates Elend zu sorgen, stimmt’s?

Alles also eine Frage der Einstellung. Und der werfe den ersten Stein… Naja, Du weißt schon, gelle?

LG
Jana

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2.) Was sind eigentlich 1 (oder 2) Euro - Jobs?

im grunde soll damit den erwerbslosen der zutritt in den
ersten, unsubventionierten arbeitsmarkt erleichtert werden.
wird wohl in den klassischen abm-bereichen stattfinden, also
gartenbau, pflege, bau… zusammen mit der grundsicherung
lassen sich dabei angeblich 850-1000€ als gesamteinkommen
erzielen. im gegensatz zu nebeneinkommen, sind diese jobs
anrechnungsfrei. vor dem hintergrund, dass jetzt schon
nachgewiesen viele „normale“ jobs in mini-jobs umgewandelt
werden ist das eine bedenkliche entwicklung. nicht zu unrecht
wird hier mit dem „verdrängungseffekt“ argumentiert.

Hallo Bianca,

diese Summe liegt in der Tat im Bereich des Möglichen. Und man bedenke aber bitte dabei, dass es sich hierbei um einen Nettobetrag handelt; denn Miete u. ä. werden unter Umständen vom Staat bezahlt. Ich bin nicht arbeitslos und hätte gerne dieses Geld im Monat nur zum Leben. Von daher halte ich diese Aussichten für lediglich bedenklich, was gewisse Anspruchsmentalitäten betrifft. Aber das würde jetzt zu weit führen. Außerdem weiß ich, dass jeder Fall so und so gesehen werden kann.

LG
Jana

Hi,

1.) Bekommt jemand über viele Jahre gearbeitet hat wenigstens
das ausbezahlt was er an Sozialabgaben für den Fall der
Arbeitslosigkeit geleistet hat, bevor es an sein Eingemachtes
geht?

Das ist die Arbeitslosenversicherung, die 1 jahr bzw. 18 Monate bezahlt. Hast Du mehr als 6 Jahre (in etwa) eingezahlt, macht Du miese, ansonsten nicht. Wie bei jeder anderen Versicherung auch.

Arbeitslosengeld II hat mit der Arbeitslosenversicherung nichts zu tun sondern wird aus Steuern bezahlt.

2.) Was sind eigentlich 1 (oder 2) Euro - Jobs?

Als Alleinstehender stehen Dir 345 EUR (etwas weniger im Osten)
zu.
Zusätzlich die Warmmiete, sofern sie angemessen ist.
Zusätzlich stellen Kommunen, andere staatliche oder gemeinnützige Organisationen Jobs als Nebenverdienstmöglichkeit und Wiedereingliederungshilfe zur Verfügung.
Bei einer 40h-Woche kann der ALG II-Empfänger 160h*1-2EUR =160-320 EUR monatich anrechnungsfrei hinzuverdienen.
Ergibt bei 45qm Wohnung mit angenommener Warmmiete von 8 EUR 850-1000 EUR Nettoeinkommen.
Warmmiete 360 EUR
ALG 2 345 EUR
Zuverdienst 320 EUR
=1025 EUR.

Gruß,
Micha

Derjenige, der „viel gearbeitet“ und „mehr verdient“ hat,
konnte das nicht schaffen, ohne von der Hilfe Anderer zu
profitieren.

Entweder stehe ich absolut auf der Leitung oder das stimmt so nicht. Wie meinste denn das, Jana?

Grüße

Diana

Hallo Mike,

ich finde, so einfach kann man das nicht sagen. Man muss das schon im Zusammenhang mit der sozialstaatlichen Idee sehen.

Es geht darum, dass gewisse Risiken nicht die einzelne Person tragen soll, sondern diese Risiken quasi vergesellschaftlicht werden. Deswegen gibt es hiefür gemeinsame Töpfe und klarerweise kann dies im Endeffekt nur so funktionieren, dass die Gesunden die Kranken erhalten, die Arbeitenden die Arbeitslosen etc. Dafür ist aber jeder vom Risiko geschützt. Damit auch ärmere Leute in den Genuß dieser Sicherheit kommen, müssen reichere mehr dazu beitragen als ärmere - sonst kann sich das rechnerisch nicht ausgehen. Nur durch dieses Solidaritätsprinzip ist gewährleistet, dass diese soziale Sicherheit unabhängig vom Einkommen besteht (eine Person, die an der unteren Einkommensgrenze liegt, wird kostendeckend nicht für die eigene Gesundheitsvorsorge aufkommen können, genausowenig eine kranke Person, die nicht oder nur beschränkt arbeiten kann). Daher muss derjenige, der mehr verdient auch mehr zahlen. Es ist meines Erachtens auch zumutbar, dass jemand, der mehr verdient mehr beiträgt.

Umgekehrt ist es der Staat aber auch diesen Zahlenden schuldig zu verhindern, dass diese soziale Sicherheit missbraucht wird. In einem Sozialstaat ist der Sozialmissbrauch unakzeptabel!

Mich ärgert bei diesen Sozialstaatsdiskussionen immer, dass die Schlagworte Sozialstaat und Sozialmissbrauch gegeneinander ausgespielt werden. Nicht jede Inanspruchnahme des Sozialstaates ist Sozialmissbrauch, aber auch nicht jede Bekämpfung des Sozialmissbrauches ist ein Abbau des Sozialstaates. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, die man nicht gegeneinander ausspielen darf.

Gruß
Tom

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Derjenige, der „viel gearbeitet“ und „mehr verdient“ hat,
konnte das nicht schaffen, ohne von der Hilfe Anderer zu
profitieren.

Entweder stehe ich absolut auf der Leitung oder das stimmt so
nicht. Wie meinste denn das, Jana?

Hallo Diana,

die schulische Ausbildung ist ihm ermöglicht worden, weil der Staat respektive der Steuerzahler diese finanziert. Das Studium ist in den meisten Fällen nur möglich, wenn die Familie mitunterstützt. Die Firma, die den Menschen bezahlt, besteht aus vielen Menschen, nicht nur aus diesem einen Mitarbeiter. Alles ist ineinander verwoben. Auch, wenn heute vieles selbstverständlich erscheint - das ist es nicht!

Mir geht es ja nur um die Bewusstseinsbildung. Lauter kleine Egoisten rennen durch diese Welt und erwarten permanent Hilfe von außen, wenn sie sie brauchen, wollen aber partout nicht selber helfen, wenn sie gefordert sind.

Klingt wahrscheinlich zu pauschal, aber jeder von uns wäre nicht das, was er ist, ohne Hilfe von außen.

LG
Jana

Hi,

2.) Was sind eigentlich 1 (oder 2) Euro - Jobs?

Als Alleinstehender stehen Dir 345 EUR (etwas weniger im
Osten)
zu.
Zusätzlich die Warmmiete, sofern sie angemessen ist.
Zusätzlich stellen Kommunen, andere staatliche oder
gemeinnützige Organisationen Jobs als
Nebenverdienstmöglichkeit und Wiedereingliederungshilfe zur
Verfügung.
Bei einer 40h-Woche kann der ALG II-Empfänger 160h*1-2EUR
=160-320 EUR monatich anrechnungsfrei hinzuverdienen.

So weit so gut, aber das es wirklich 40h Jobs werden bezweifel ich und sie werden auch auf ein halbes Jahr befristet. Somit kannst du deine Rechnung vergessen. http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=6…
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=6…
Das wird dann wie früher bei ABM, du kommst alle 2 Jahre mal dran. Eigentlich ist das ABM durch die Hintertür.

Im Grunde sind diese Jobs absoluter Unsinn, zumal da Leute die sich selber einen Nebenjob im ersten Arbeitsmarkt suchen bestraft werden und nur 15% ihres Verdienstes behalten dürfen.

BTW Wer arbeitet und weniger Geld verdient als er beim ALG 2 bekommen würde, gilt als bedürftig und kann auch ALG2 beantragen. Der bekommt dann den Rest, so wie es bis jetzt auch bei der Sozialhilfe war. Es gibt ja jetzt auch schon Menschen die Arbeiten und trotzdem Sozialhilfe brauchen, weil das Einkommen zu klein ist.

Gruss Jan

Hallo Jan,

So weit so gut, aber das es wirklich 40h Jobs werden bezweifel
ich und sie werden auch auf ein halbes Jahr befristet. Somit
kannst du deine Rechnung vergessen.

Wo hast Du die Befristung her? In den beiden Links steht zumindest nichts davon (abgesehen davon, das ich dem Revolverblatt eh nicht viel glaube…)

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=6…
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=6…

Eigentlich ist das ABM durch die Hintertür.

den Gedanken hatte ich allerdings auch schon :wink:

Gruß,
Micha

Hallo,

Derjenige, der „viel gearbeitet“ und „mehr verdient“ hat,
konnte das nicht schaffen, ohne von der Hilfe Anderer zu
profitieren.

Na ja, stimmt schon ein wenig. Jedoch ist es grundsätzlich erst mal uninteressant, wo derjenige seine Kohle herhat.

Und im Übrigen könnte auch dieser beneidenswerte
Mensch von jetzt auf Null vor ein Auto rennen,
querschnittsgelähmt sein, sein Vermögen für die Bezahlung von
Arztrechnungen und Hilfspersonal innerhalb weniger Monate
aufbrauchen und dann vor dem Nichts stehen. Was dann?

Langsam nähern wir uns. Dasselbe passiert einem Arbeitslosen vielleicht. Doch dann der Hammer: Zweiklassengesellschaft. Der Arbeitslose wird notdürftig zusammengeflickt, der „Reiche“ bemuttert. Klar, der mit mehr Geld, so die normale Annahme, hat ja dem Staat, also der Kasse an sich, mehr gegeben als der kleine Luser. Also daher auch die wichtigere Rolle in der Gesellschaft.

Da war doch noch der Staat! DER ist schließlich dazu da, für
mein privates Elend zu sorgen, stimmt’s?

Nein, er verwaltet, was er nicht kann.

Alles also eine Frage der Einstellung. Und der werfe den
ersten Stein… Naja, Du weißt schon, gelle?

Mmh.

Wenn Geld da ist, kann man es vermehren. Wo nichts ist, wird auch nichts, jedenfalls nicht in Deutschland. Allerdings ist es auch so, der Geld"mann" kann seine Kohle vortrefflich der Steuer entziehen, der kleine Mann zahlt wie ein Esel, so etwa die Hälfte seiner erarbeiteten Kohle. Nun die andere Seite. Wo geht dias Geld hin? Der Geld"mann" vermehrt durch gewisse Steuervorteile ja in sein Vermögen, egal welcher Art. Inclusive einer privaten Absicherung, also weg von Sozialkassen. Obendrein ist diese Absicherung im vergleich mit der Leistung noch relativ preiswert. Der kleine Mann gibt seinen Obulus in den Riesentopf. Dort ist das Geld im Strudel verschwunden. Es rechnet sich einfach nicht, aber vom Gesetz her muß er zahlen.

Das ist meiner Meinung nach irgendwo der Knackpunkt. Wer nicht in die Gemeinschaft will, soll selbst vorsorgen. Aber die Möglichkeit gibt es nicht. Tritt der Fall der Fälle ein, und man hat nicht versichert, so heißt es Pech gehabt. Ich sehe das jedenfalls so. Eine absolut minimale Grundexistenz sollte Pflicht sein. Damit keiner verhungert oder nicht behandelt werden kann. Aber der sogenannte Generationenvertrag ist schon lange nicht mehr erfüllbar. Warum nicht endlich mal einen großen Strich unter diese Sache machen?

Sicher gibt es immer Einzelfälle, immer Ausnahmen. Warum der und nicht ich? Warum muß ich zahlen, der andere aber nicht? Warum hat der das Recht und ich die Pflicht? Fragen über Fragen. In Deutschland mit den derzeitigen Gesetzen und der Einstellung vieler ist eine Lösung nicht möglich, auch nicht in ein paar Jahren.

Gruß
André

Hallo André,

schon der gute alte Churchill sprach von den Unzulänglichkeiten der Demokratie, musste aber gleichzeitig zugeben, dass er nichts Besseres wüsste, was anstelle dessen eingesetzt werden könnte…

Derjenige, der „viel gearbeitet“ und „mehr verdient“ hat,
konnte das nicht schaffen, ohne von der Hilfe Anderer zu
profitieren.

Na ja, stimmt schon ein wenig. Jedoch ist es grundsätzlich
erst mal uninteressant, wo derjenige seine Kohle herhat.

Prinzipiell ja. Soooooo genau will das ja auch gar keiner wissen, oder?

Und im Übrigen könnte auch dieser beneidenswerte
Mensch von jetzt auf Null vor ein Auto rennen,
querschnittsgelähmt sein, sein Vermögen für die Bezahlung von
Arztrechnungen und Hilfspersonal innerhalb weniger Monate
aufbrauchen und dann vor dem Nichts stehen. Was dann?

Langsam nähern wir uns. Dasselbe passiert einem Arbeitslosen
vielleicht. Doch dann der Hammer: Zweiklassengesellschaft. Der
Arbeitslose wird notdürftig zusammengeflickt, der „Reiche“
bemuttert.

Ach komm, so extrem ist es ja nun in der Wirklichkeit ganz und gar nicht. Ich bin bestimmt nicht wohlhabend, geschweige denn reich, und ich war sogar schon mal arbeitslos. Aber dass ich „notdürftig zusammengeflickt“ worden bin - das Gefühl hatte ich wirklich nie. Schau mal nach UK oder USA: Da kannst Du in der Tat von der (in gesundheitspolitischer Hinsicht mindestens) Zweiklassengesellschaft reden.

Klar, der mit mehr Geld, so die normale Annahme,
hat ja dem Staat, also der Kasse an sich, mehr gegeben als der
kleine Luser. Also daher auch die wichtigere Rolle in der
Gesellschaft.

Die wichtigere Rolle in der Gesellschaft wird nicht vom Staat aufdiktiert, sondern von uns selbst. By the way ist der Prozentsatz derjenigen, die man realistisch als reich bezeichnen kann, so gering, dass sie selbst bei noch höheren Abgaben praktisch keinen Effekt in unserem System verspüren würde. Dieser ganze Futterneid bringt überhaupt nichts, auf lange Sicht gesehen. Der Otto-Normal-Verbraucher ist derjenige, der Geld in die Kassen bringt und damit Aufschwung. Deshalb ist es Gift für die Gesellschaft, wenn sich die demographische Entwicklung so dramatisch fortführt. Hinzu kommt die zu hohe Arbeitslosenquote. All das bringt das Sozialsystem ins Wanken.

Da war doch noch der Staat! DER ist schließlich dazu da, für
mein privates Elend zu sorgen, stimmt’s?

Nein, er verwaltet, was er nicht kann.

Der Staat hat eine Fürsorgepflicht. Nicht mehr und nicht weniger. Aber allzu viele betrachten ihn als Goldesel und Prügelknaben, als eine Art seltsames Monstrum und Seele, betrieben von einer nicht greifbaren, überirdischen Macht. Dabei wählen wir selbst unsere Abgeordneten… Naja, lernt man eigentlich in der Schule.

Alles also eine Frage der Einstellung. Und der werfe den
ersten Stein… Naja, Du weißt schon, gelle?

Mmh.

Wenn Geld da ist, kann man es vermehren. Wo nichts ist, wird
auch nichts, jedenfalls nicht in Deutschland.

Nenne mir das Land, wo es anders läuft.

Allerdings ist
es auch so, der Geld"mann" kann seine Kohle vortrefflich der
Steuer entziehen, der kleine Mann zahlt wie ein Esel, so etwa
die Hälfte seiner erarbeiteten Kohle. Nun die andere Seite. Wo
geht dias Geld hin? Der Geld"mann" vermehrt durch gewisse
Steuervorteile ja in sein Vermögen, egal welcher Art.

Auch der „Geldmann“ muss ins Töpfchen einzahlen. Und siehe oben - es hätte keine Auswirkungen auf die finanzielle Weiterentwicklung. Mit dem Mittelstand steht und fällt unser Sozialsystem.

Inclusive einer privaten Absicherung, also weg von
Sozialkassen. Obendrein ist diese Absicherung im vergleich mit
der Leistung noch relativ preiswert. Der kleine Mann gibt
seinen Obulus in den Riesentopf. Dort ist das Geld im Strudel
verschwunden. Es rechnet sich einfach nicht, aber vom Gesetz
her muß er zahlen.

JEDER muss ins Staatssäckel zahlen, egal wie das Steuerkind heißt. Auch der Stinkreiche.

Mit dieser Diskussion ist der sinnvolle Ansatz m. E. verfehlt. Um diese Entwicklungen zu steuern, muss man die Probleme an der Wurzel packen. Zum Beispiel dafür sorgen, dass mehr Kinder geboren werden, das Bildungsniveau anheben u. ä.

Das ist meiner Meinung nach irgendwo der Knackpunkt. Wer nicht
in die Gemeinschaft will, soll selbst vorsorgen. Aber die
Möglichkeit gibt es nicht. Tritt der Fall der Fälle ein, und
man hat nicht versichert, so heißt es Pech gehabt. Ich sehe
das jedenfalls so. Eine absolut minimale Grundexistenz sollte
Pflicht sein. Damit keiner verhungert oder nicht behandelt
werden kann.

Noch einmal der Hinweis auf UK und USA, wo das der Fall ist. Die Praxis zeigt aber, dass sich die Leute in jungen Jahren eben nicht absichern, erst recht nicht, wenn es ja irgendwie geht, schon gar nicht, wenn sie sowieso kaum Geld auf Tasche haben. Und eine noch geringere Absicherung wird rein monetär nicht ausreichen, um die Dinge im worst case auszuzahlen, die heute gang und gäbe im Sozialhilfesystem sind.

Aber der sogenannte Generationenvertrag ist schon
lange nicht mehr erfüllbar.

Deshalb ja die absolute Notwendigkeit von radiaklen Reformen!

Warum nicht endlich mal einen
großen Strich unter diese Sache machen?

Was ja versucht wird. Aber geht es ans eigene Säckel, schreien alle auf. Soll doch der ANDERE zahlen, der vermeintlich viel mehr hat!!!

Sicher gibt es immer Einzelfälle, immer Ausnahmen. Warum der
und nicht ich? Warum muß ich zahlen, der andere aber nicht?
Warum hat der das Recht und ich die Pflicht?

??? In Deutschland hat jeder die Pflicht, ins Staatssäckl einzuzahlen!

Fragen über
Fragen. In Deutschland mit den derzeitigen Gesetzen und der
Einstellung vieler ist eine Lösung nicht möglich, auch nicht
in ein paar Jahren.

Aber man sollte es wenigstens versuchen. Das ist ein langjähriger Prozess. Ad-hoc-Lösungen gibt es bei derlei Dingen nicht. Erziehung/Einstellung braucht auch immer die persönliche Erfahrung, das Vorbild. Mit Worten ist da nicht viel auszurichten.

Liebe Grüße (tolle Diskussion!)

-)

Jana

Hallo!

Inclusive einer privaten Absicherung, also weg von
Sozialkassen. Obendrein ist diese Absicherung im vergleich mit
der Leistung noch relativ preiswert. Der kleine Mann gibt
seinen Obulus in den Riesentopf.

Das habe ich, wieder von außen betrachtet, auch nie ganz verstanden (von der historischen Entwicklung schon, aber warum man das noch nicht geändert hat, hab ich nicht verstanden). Dass man ab einem gewissen Einkommen aus der gesetzlichen Sozialversicherung herausoptieren und in die private hineinoptieren kann und Selbstständige überhaupt nicht in der gesetzlichen Sozialversicherung sind ist doch nicht sinnvoll oder -finanziell kann sich das nicht ausgehen, da bleiben ärmere und kranke Leute in der gesetzlichen Versicherung und reichere gesündere in der privaten. In Österreich ist (bis auf ein paar wenige Ausnahmen abgesehen) jeder Erwerbstätige (unselbstständig und selbstständig) in der gesetzlichen Sozialversicherung pflichtversichert und zahlt einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens an die Sozialversicherung. Anders wäre das System ja überhaupt nicht finanzierbar. Auch in Österreich sind zwar die Kassen sehr knapp was das anbelangt, aber im Vergleich zu Deutschland geht das heute wesentlich besser.

Gruß
Tom

Hallo Jana,

schon der gute alte Churchill sprach von den
Unzulänglichkeiten der Demokratie, musste aber gleichzeitig
zugeben, dass er nichts Besseres wüsste, was anstelle dessen
eingesetzt werden könnte…

Herrlicher Satz! Merk ich mir.

Der Staat hat eine Fürsorgepflicht. Nicht mehr und nicht
weniger. Aber allzu viele betrachten ihn als Goldesel und
Prügelknaben, als eine Art seltsames Monstrum und Seele,
betrieben von einer nicht greifbaren, überirdischen Macht.
Dabei wählen wir selbst unsere Abgeordneten… Naja, lernt man
eigentlich in der Schule.

Eben. Aber diese Einstellung ist gewachsen, keiner wurde direkt gefordert. In die Köppe der Leute geht das nur mit Gewalt.

Auch der „Geldmann“ muss ins Töpfchen einzahlen. Und siehe
oben - es hätte keine Auswirkungen auf die finanzielle
Weiterentwicklung. Mit dem Mittelstand steht und fällt unser
Sozialsystem.

Und genau dieser Stand wurde sträflichst vernachlässigt. Beispiele: Fall des 630DM-Gesetzes, enger Rahmen der Ladenöffnungszeiten, Subventionspolitik im Ganzen.

Mit dieser Diskussion ist der sinnvolle Ansatz m. E. verfehlt.
Um diese Entwicklungen zu steuern, muss man die Probleme an
der Wurzel packen. Zum Beispiel dafür sorgen, dass mehr Kinder
geboren werden, das Bildungsniveau anheben u. ä.

Du hast vollkommen recht. Um zum Thema zurückzukommen, Hartz4 ist da feindlich. Klar gibt es für Kinder einen Obulus, aber wer will einem Kind zumuten von der Stütze auf minimalem Niveau leben zu müssen?

Das ist meiner Meinung nach irgendwo der Knackpunkt. Wer nicht
in die Gemeinschaft will, soll selbst vorsorgen.

Noch einmal der Hinweis auf UK und USA, wo das der Fall ist.
Die Praxis zeigt aber, dass sich die Leute in jungen Jahren
eben nicht absichern,

Deren Problem! Das muß im Kopf klarwerden. Und dieser Prozess muß in Deutschland in Gang gesetzt werden!

erst recht nicht, wenn es ja irgendwie
geht, schon gar nicht, wenn sie sowieso kaum Geld auf Tasche
haben.

Dazu die Mindestabsicherung. Runterfallen soll keiner. Aber sich auch nicht auf dieser kleinen Sorge des Staates ein Leben leben lassen. Doch wie so etwas kontrollieren? Oder gar steuern? Unmöglich! Perspektiven müssen her, Arbeitsplätze.

Und eine noch geringere Absicherung wird rein monetär
nicht ausreichen, um die Dinge im worst case auszuzahlen, die
heute gang und gäbe im Sozialhilfesystem sind.

Weils System an sich krankt. Eine Lösung habe ich auch nicht.

Warum nicht endlich mal einen
großen Strich unter diese Sache machen?

Was ja versucht wird. Aber geht es ans eigene Säckel, schreien
alle auf. Soll doch der ANDERE zahlen, der vermeintlich viel
mehr hat!!!

Siehe oben. Aber wenn derjenige absolut nichts mehr hat, es wird trotzdem alles teurer. Es kann keine Rede mehr von einem Bedürfnis sein, Arbeit zu suchen, wenns keine mehr gibt. Frustration, das macht sich breit, gerade bei den Leuten, die echt lange unverschuldet arbeitslos sind.

??? In Deutschland hat jeder die Pflicht, ins Staatssäckl
einzuzahlen!

*lach* Die Pflicht ja, aber das Leben ist zu schön, als das dies jeder machen würde!

Aber man sollte es wenigstens versuchen. Das ist ein
langjähriger Prozess. Ad-hoc-Lösungen gibt es bei derlei
Dingen nicht. Erziehung/Einstellung braucht auch immer die
persönliche Erfahrung, das Vorbild. Mit Worten ist da nicht
viel auszurichten.

Klar, Zwang ist notwendig. Hier ist jedoch das Problem, das die Wirtschaft sicher nicht mit gewissen Einschränkungen einverstanden ist und gewaltig der Regierung die Zähne zeigen kann. Das klappernde Etwas von Regierung übt derweil an den kleinen Leuten. So sieht es in meinen Augen aus. Ja, ein Versuch wird unternommen, aber der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst sagt man doch. Die da haben ihre Socken im Trockenen. Das stößt sehr auf.

Gruß
André

PS: Ich war alles: Angestellter, Arbeitsloser, freier Mitarbeiter, knapp an Sozialhilfe vorbeigeschrammt, Hilfsarbeiter, Selbstständiger, Arbeitgeber…

Nun hab ich mein bescheidenes Einkommen. Aber auch ich bekomme deutlich die Sparzwänge mit. Ich habe mehr als genug Arbeit, muß Arbeit abgeben, aber eine Einstellung eines Menschen ist inzwischen eine zu teure Investition. Nur mal als ganz kurzer Abriß.

Hallo Micha,

Wo hast Du die Befristung her?

Das ist der richtige Link,
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=6…

In den beiden Links steht
zumindest nichts davon (abgesehen davon, das ich dem
Revolverblatt eh nicht viel glaube…)

Naja was bleibt einem denn übrig ausser das ehemalige Zentralorgan der SED Bezirksleitung Dresden zu lesen, wenn man erfahren will was es neues in Sachsen gibt?

Gruss Jan

Hallo Mike,

zunächst mal zur Arbeitslosenversicherung,die du als Normalsterblicher
Zwangsweise von deinem Einkommen bezahlts…
Da wird dir zwar für jede Überstunde usw. der Beitrag abgezogen…
jedoch für das Arbeitslosengeld wird dir nur der in deiner Branche
übliche Wochenstundensatz (also z.b. 37,5 Std.) als Berechnungsgrundlage
für dein Arbeitslosengeld genommen.

Bisher war es dann so,das du maximal 36 Monate ALG bekommen hast und dann erst auf die Arbeistlosenhilfe runtergestuft wurdest…
Mit Hartz isses dann so das du ab 2006 nur noch 12 Monate Arbeitslosengeld bekommst und dann in die „neue“ Sozialhilfe rutsch…

mfg

Frank

Hallo Mike,

es wird zwar stets vom Arbeitslosengeld 2 gesprochen. Dies ist - was nunmehr sogar die Bundesregierung begriffen hat als Begriff völlig falsch.

Bei Hartz IV ist die Arbeitslosenhilfe betroffen.

Die ALH ist eine reine steuerfinanzierte Massnahme. Sie wird bisher, nur mit anderen Sätzzen, wie Sozialhilfeempfänger behandelt. Künftig wird das steuerfinanzierte Einkommen von ALH und Sozialhilfe zu Hartz IV zusammen gefasst. Der Einzelne zahlt keinen Beitrag im Gegensatz zum Arbeitslsoengeld.

Nun geschieht das „Ungeheuerliche“. Die Empfänger staatlicher Hilfen sollen für die Staatsknete auch noch was tun. Ja wo sind wir denn, von jemand Arbeit zu verlangen, der doch Anspruch auf Geld vom Staat hat.

Die in dem künftigen Hartz IV Konzept eingebundenen Mitbürger sollen nunmehr in anderen Arbeiten zum Geld von Hartz IV pro Stunde ab 1 € hinzu verdienen dürfen. Dieses Geld darf der Empfänger bis zu ca. 800 EURO ( Alleinstehender)(Hartz IV und Hinzuverdienst) behalten.

Dass solche Stellen Altersheime und kirchlcihe sowie andere soziale Einrichtugnen oder das DRK schaffen ist löblich. Man muss natürlich sehen, dass hier für billiges Geld Arbeitsplätze subventioniert werden. Das Risiko ist zu prüfen. Nicht dass Institutionen die Hartz IV Betroffenen als Ersatz der fehlenden Zivildienstleistenden nehmen. Politisch wird dies niemand zugeben dürfen, dass dieser Nebeneffekt geplant ist.

Mit Hartz IV schaffen wir aber möglicherweise auch einen Einstieg in „Arbeitsdienste“ . Es kann genauso sein, dass Hartz IV, richtig angewandt, ein Erfolgskonzept wird. Dazu gehört eine funktionierende, pulsierende und erfolgreiche Binnenwirtschaft. Ohne wirtschaftlichen Aufschwung ist Hartz IV nicht erfolgreich.

Gruss Günter

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