Hallo André,
schon der gute alte Churchill sprach von den Unzulänglichkeiten der Demokratie, musste aber gleichzeitig zugeben, dass er nichts Besseres wüsste, was anstelle dessen eingesetzt werden könnte…
Derjenige, der „viel gearbeitet“ und „mehr verdient“ hat,
konnte das nicht schaffen, ohne von der Hilfe Anderer zu
profitieren.
Na ja, stimmt schon ein wenig. Jedoch ist es grundsätzlich
erst mal uninteressant, wo derjenige seine Kohle herhat.
Prinzipiell ja. Soooooo genau will das ja auch gar keiner wissen, oder?
Und im Übrigen könnte auch dieser beneidenswerte
Mensch von jetzt auf Null vor ein Auto rennen,
querschnittsgelähmt sein, sein Vermögen für die Bezahlung von
Arztrechnungen und Hilfspersonal innerhalb weniger Monate
aufbrauchen und dann vor dem Nichts stehen. Was dann?
Langsam nähern wir uns. Dasselbe passiert einem Arbeitslosen
vielleicht. Doch dann der Hammer: Zweiklassengesellschaft. Der
Arbeitslose wird notdürftig zusammengeflickt, der „Reiche“
bemuttert.
Ach komm, so extrem ist es ja nun in der Wirklichkeit ganz und gar nicht. Ich bin bestimmt nicht wohlhabend, geschweige denn reich, und ich war sogar schon mal arbeitslos. Aber dass ich „notdürftig zusammengeflickt“ worden bin - das Gefühl hatte ich wirklich nie. Schau mal nach UK oder USA: Da kannst Du in der Tat von der (in gesundheitspolitischer Hinsicht mindestens) Zweiklassengesellschaft reden.
Klar, der mit mehr Geld, so die normale Annahme,
hat ja dem Staat, also der Kasse an sich, mehr gegeben als der
kleine Luser. Also daher auch die wichtigere Rolle in der
Gesellschaft.
Die wichtigere Rolle in der Gesellschaft wird nicht vom Staat aufdiktiert, sondern von uns selbst. By the way ist der Prozentsatz derjenigen, die man realistisch als reich bezeichnen kann, so gering, dass sie selbst bei noch höheren Abgaben praktisch keinen Effekt in unserem System verspüren würde. Dieser ganze Futterneid bringt überhaupt nichts, auf lange Sicht gesehen. Der Otto-Normal-Verbraucher ist derjenige, der Geld in die Kassen bringt und damit Aufschwung. Deshalb ist es Gift für die Gesellschaft, wenn sich die demographische Entwicklung so dramatisch fortführt. Hinzu kommt die zu hohe Arbeitslosenquote. All das bringt das Sozialsystem ins Wanken.
Da war doch noch der Staat! DER ist schließlich dazu da, für
mein privates Elend zu sorgen, stimmt’s?
Nein, er verwaltet, was er nicht kann.
Der Staat hat eine Fürsorgepflicht. Nicht mehr und nicht weniger. Aber allzu viele betrachten ihn als Goldesel und Prügelknaben, als eine Art seltsames Monstrum und Seele, betrieben von einer nicht greifbaren, überirdischen Macht. Dabei wählen wir selbst unsere Abgeordneten… Naja, lernt man eigentlich in der Schule.
Alles also eine Frage der Einstellung. Und der werfe den
ersten Stein… Naja, Du weißt schon, gelle?
Mmh.
Wenn Geld da ist, kann man es vermehren. Wo nichts ist, wird
auch nichts, jedenfalls nicht in Deutschland.
Nenne mir das Land, wo es anders läuft.
Allerdings ist
es auch so, der Geld"mann" kann seine Kohle vortrefflich der
Steuer entziehen, der kleine Mann zahlt wie ein Esel, so etwa
die Hälfte seiner erarbeiteten Kohle. Nun die andere Seite. Wo
geht dias Geld hin? Der Geld"mann" vermehrt durch gewisse
Steuervorteile ja in sein Vermögen, egal welcher Art.
Auch der „Geldmann“ muss ins Töpfchen einzahlen. Und siehe oben - es hätte keine Auswirkungen auf die finanzielle Weiterentwicklung. Mit dem Mittelstand steht und fällt unser Sozialsystem.
Inclusive einer privaten Absicherung, also weg von
Sozialkassen. Obendrein ist diese Absicherung im vergleich mit
der Leistung noch relativ preiswert. Der kleine Mann gibt
seinen Obulus in den Riesentopf. Dort ist das Geld im Strudel
verschwunden. Es rechnet sich einfach nicht, aber vom Gesetz
her muß er zahlen.
JEDER muss ins Staatssäckel zahlen, egal wie das Steuerkind heißt. Auch der Stinkreiche.
Mit dieser Diskussion ist der sinnvolle Ansatz m. E. verfehlt. Um diese Entwicklungen zu steuern, muss man die Probleme an der Wurzel packen. Zum Beispiel dafür sorgen, dass mehr Kinder geboren werden, das Bildungsniveau anheben u. ä.
Das ist meiner Meinung nach irgendwo der Knackpunkt. Wer nicht
in die Gemeinschaft will, soll selbst vorsorgen. Aber die
Möglichkeit gibt es nicht. Tritt der Fall der Fälle ein, und
man hat nicht versichert, so heißt es Pech gehabt. Ich sehe
das jedenfalls so. Eine absolut minimale Grundexistenz sollte
Pflicht sein. Damit keiner verhungert oder nicht behandelt
werden kann.
Noch einmal der Hinweis auf UK und USA, wo das der Fall ist. Die Praxis zeigt aber, dass sich die Leute in jungen Jahren eben nicht absichern, erst recht nicht, wenn es ja irgendwie geht, schon gar nicht, wenn sie sowieso kaum Geld auf Tasche haben. Und eine noch geringere Absicherung wird rein monetär nicht ausreichen, um die Dinge im worst case auszuzahlen, die heute gang und gäbe im Sozialhilfesystem sind.
Aber der sogenannte Generationenvertrag ist schon
lange nicht mehr erfüllbar.
Deshalb ja die absolute Notwendigkeit von radiaklen Reformen!
Warum nicht endlich mal einen
großen Strich unter diese Sache machen?
Was ja versucht wird. Aber geht es ans eigene Säckel, schreien alle auf. Soll doch der ANDERE zahlen, der vermeintlich viel mehr hat!!!
Sicher gibt es immer Einzelfälle, immer Ausnahmen. Warum der
und nicht ich? Warum muß ich zahlen, der andere aber nicht?
Warum hat der das Recht und ich die Pflicht?
??? In Deutschland hat jeder die Pflicht, ins Staatssäckl einzuzahlen!
Fragen über
Fragen. In Deutschland mit den derzeitigen Gesetzen und der
Einstellung vieler ist eine Lösung nicht möglich, auch nicht
in ein paar Jahren.
Aber man sollte es wenigstens versuchen. Das ist ein langjähriger Prozess. Ad-hoc-Lösungen gibt es bei derlei Dingen nicht. Erziehung/Einstellung braucht auch immer die persönliche Erfahrung, das Vorbild. Mit Worten ist da nicht viel auszurichten.
Liebe Grüße (tolle Diskussion!)
-)
Jana