einen Gruß in die Runde,
seit einigen Tagen beschäftigt mich (aufgrund eines Ereignisses, das hier nichts zur Sache tut) das Thema Hass.
(Hass ist laut Kirchner/Michaelis „Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe“
„die leidenschaftliche Abneigung gegen das, was uns Unlust bereitet hat. Der Haß, das Gegenteil der Liebe, verabscheut nicht nur einen Menschen, sondern möchte ihm auch schaden. Er entspringt oft dem Eigennutz, dem Neide, dem gekränkten Ehrgeiz, der Eifersucht oder der verschmähten Liebe…“)
Vorab meine Frage, inwieweit seht ihr es als nötig an, das Gefühl Hass zuzulassen, um zu einem authentischen Ich zu gelangen?
Ausgehend von der Theorie, dass von allen menschlichen Eigenschaften etwas in uns steckt;
ausgehend davon, dass unter der Schicht des sozialen Verhaltens die negativen, unterdrückten Gefühle sitzen, die es zu durchleben und akzeptieren gilt, um an die innerste Schicht eines authentischen Seins zu gelangen (nach Reich),
frage ich mich,
muss ich hassen können, um „richtig“ lieben zu können?,
muss ich hassen können, um authentisch zu sein?
Ich denke nicht, dass ich Gefühle unterdrücke oder verdränge.
Ich kenne das Gefühl des Hasses nicht (das letzte mal, dass ich das Gefühl des Hasses hatte, war in der Pubertät), was m.E. daran liegt, dass ich o.g. Eigenschaften bzw. Gefühlszustände wie „gekränkter Ehrgeiz“, „Eifersucht“ etc. analytisch betrachte und in erster Linie bei mir bleibe statt meine Gefühle in negativer Form auf den Gegenüber zu projezieren.
(Muss vielleicht noch hinzufügen, dass mich noch nie jemand so mies behandelt hat, dass er des Hasses wert gewesen wäre)
Nun, angenommen, es wäre wichtig, das Gefühl des Hasses zuzulassen, wen sollte ich dann hassen? Ich finde Hass absolut keinen erstrebenswerten Zustand und bin froh darüber, dieses Gefühl nicht zu kennen.
Was denkt ihr darüber?
Über Anregungen/Gedanken aller Art
freut sich
jeanne

