Hallo,
seit etwa zwei Jahren fällt mir bei Arzt- wie Zahnarztbesuchen immer wieder auf, daß manche Ärzte ganz offensichtlich bemüht sind, einem Besuch einen zweiten folgen zu lassen - und den dann garantiert im nächsten Quartal, so daß die Praxisgebühr von 10 € dann zweimal fällig wird. Andererseits behaupten alle Ärzte unisono, daß sie von dieser Gebühr außer zusätzlicher Arbeit nichts hätten. Natürlich führt jede Arztpraxis dieses Geld an die entsprechende Sozialkasse ab, aber irgend einen Vorteil muß es wohl doch geben. Beispiele:
- Besuch beim Kardiologen im Juli. Nach Untersuchung: „Es ist soweit in Ordnung, aber wir möchten mit Ihnen doch noch ein Langzeit-EKG machen.Lassen Sie sich dafür einen Termin geben.“ Dieser Termin war dann - man ahnt es - am 9. oktober - also im nächsten Quartal!
- Auch mein Hausarzt bestellt mich, obwohl ich nicht wüßte, krank zu sein, gern noch ein zweites oder drittes mal - garantiert aber im jeweils nächsten Quartal.
- Bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung beim Zaharzt (wegen des Eintrags ins Bonus-Heft) gibt dieser sich alle Mühe, etwas zu tun, was über die bloße Durchsicht (die ja noch nicht zur Erhebung einer Praxisgebühr berechtigt) hinaus geht. Und wenn es die Entfernung von Zahnstein ist, was eigentlich auch einmal im Jahr kostenfrei sein sollte. Die Spitze war, als ein Dentist meinte, meine Oberkieferprothese sitze zu locker. Nahm die Zange, bog an einem Häkchen -Dauer keine 10 Sekunden- und schon waren wieder mal 10 € fällig.
Natürlich kann ich als medizinischer Lai mir kein Urteil über die tatsächliche Notwendigkeit therapeutischer Maßnahmen erlauben. Aber warum habe ich das Gefühl, daß eben diese, meine Unkenntnis hier gewinnbringend ausgenutzt wird? „Vertrauensbildende Maßnahmen“ jedenfalls sehen anders aus.
Hi,
klarer Fall - sie sind hinter dir und deinem Geld her!
Die Praxisgebühr wird schon ordnungsgemäß abgeliefert, aber zwischen dem Einsammeln und dem Abliefern liegen die Gelder auf einem Tagesgeldkonto, wo sie dann satte 1,5% Zinsen bringen - taggenaue Abrechnung sage ich nur!
Auch das mit den Kleinigkeiten beim Behandeln, vorsorgliches Einbestellen und Reparieren und Kontrollieren hat alles seinen Sinn. Zum einen wirkt es sorgfältig. Das ist Kundenbindung - sie wollen sicherstellen, dass Du wiederkommst. DEnn nur dann… Praxisgebühr, du weißt… Du sollst die ja nicht bei Kollegen lassen, oder womöglich noch woanders ausgeben.Und dann darfst Du auch die Langzeitwirkung nicht vergessen: das Verhalten zB Deines Zahnarztes sorgt dafür, dass dein Gebiss länger gesund bleibt (und die Oberkieferprothese länger intakt). Dadurch, dass du diese Kleinigkeiten sehr häufig machst, wird ein späteres, größeres Problem verhindert - Zähne ziehen, Implantate, Entzündungen am Zahnfleisch, Vollprothese etc, you name it. Da wären dann mehrere Besuche im Quartal fällig. JEder Termin, an dem Du da bist im Quartal, verhindert aber, dass jemand kommen kann, von dem man die Quartalsgebühr verlangen kann. Natürlich sind die kurativen Maßnahmen bei dir auf den ersten Blick viel teurer als die Praxisgebühr - aber du vergißt das Tagesgeldkonto!
Ich würde Dir raten, dir neue Ärzte zu suchen, wenn nötig, sogar umzuziehen. Lies dich einfach mal hier durchs Forum, oder frage direkt - es beschweren sich ja regelmäßig Leute über Ärzte, die sich keine Zeit nehmen, keine Vorsorgetermine machen, wo es bis zum nächsten Termin n halbes Jahr und länger dauert (da spart man einiges an Praxisgebühr).
Wie sagte Kurt Cobain: Nur weil Du nicht paranoid bist, bedeutet das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.
die Franzi
PS: Wer Ironie findet…
Hallo,
die €10,- Praxisgebühr verbleiben in der Praxis und werden mit den Gebühren verrechnet, die der Arzt von der Krankenkasse über die kassenärztliche Vereinigung erhält. Insoweit könnte man sie als eine Vorauszahlung betrachten, weil der Arzt die Gebühren frühestens nach drei Monaten erhält, oft erst viel später. Andererseits bedeutet die Praxisgebühr tatsächlich einen erhöhten Verwaltungsaufwand - getrennte Kasse, nur Bar, Anmahnung bei den Patienten, ggfs. Anmahnung der Überweisung, Beleg erstellen, Buch darüber führen, Zuordnung je Kasse und Patient und bei der Gesamtabrechnung je Kasse berücksichtigen.
Manche Ärzte mögen die Termine ins nächste Quartal „strecken“, was aber eher damit zusammenhängt, daß Untersuchungen, Laborergebnisse usw. ihre Zeit brauchen oder eine Folgebehandlung zu einem früheren Zeitpunkt noch keinen Sinn macht.
Es kann auch damit zusammenhängen, daß die kassenärztlichen Vereinigung je Behandlungsart und Quartal nur über festgelegte Beträge verfügen können, wird dieser Betrag von den Ärzten in ihrem Zuständigkeitsbereich überschritten, erhält der einzelne Arzt automatisch weniger für die gleiche Behandlung. Das wissen die Ärzte aber nicht im voraus - das stellt sich erst heraus, wenn alle Ärzte eines Bundeslandes ihre Abrechnungen eingereicht haben, weswegen dieser Grund wohl eher ausscheidet.
Sie müssen aber ihre eigenen Verschreibungen und Behandlungen im Auge behalten. Ein plötzlicher Anstieg gegenüber vorherigen Quartalen führt dazu, daß sie relativ geringer dafür entlohnt werden. Das kann durchaus ein Grund für das Verschieben auf das nächste Quartal darstellen. In dieser Situation wird der Arzt für mehr Leistung bestraft.
Gruß,
p+p
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Ich liebe es,
Danke Franzi, das versüßt mir den Tag, hoffe nur der Fragesteller kapiert die Ironie im Ganzen
Sonst denkt der womöglich noch das die Ferraris in der Einfahrt von der Praxisgebühr abstammen.
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so und nun zum Thema,
Wenn dir keine Kassengebühr genommen wird ( berechtigt wohlgemerkt, also beim Zahnarzt nicht wegen einer Vorsorgeuntersuchung mit Zahnstein und einer Röntgenaufnahme und einem Kältetest), er aber dennoch Leistungen an dir erbringt, wird ihm am Ende des Quartals 10 Euro abgezogen, das verhindert er in dem er die Praxisgebühr verlangt, so wurde es von der Ulla Schmit eingeführt…und ist auch total legal.
Dann noch das, mit dem verlegen in das Nächste Quartal, nun jeder Arzt hat für einen Patienten ein bestimmtes Budget, ( das der Betrag lächerlich ist, nun darüber möchte ich nicht schreiben, würde ziemlich lang werden) ist da Budget erschöpft bleibt ihm nichts anderes übrig ( es sei den es ist akut) die Behandlung ins nächste Quartal zu verschieben, den niemand arbeitet gerne um sonst! Oder?
Aber das ist nicht die Schuld des Arztes, sondern der maroden Gesundheitspolitik hier im Lande und das wird sogar noch schlimmer werden.
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Servus Franzi,
das ist natürlich alles völlig richtig, was Du da schreibst - Du hast nur nicht alles erwähnt:
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bei Deiner Umzugsempfehlung hast Du das EU-Ausland nicht gebührend herausgestrichen. Da gibt es z.B. das bei uns so beliebte Hellas, wo die Praxisgebühr in Form einer Motivationszahlung für den (Zahn)arzt in völlig transparenter Weise komplett beim Arzt verbleibt und direkt auf sein Konto auf Guernsey gelangt.
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Du hast nicht erwähnt, dass der früher übliche Upgrade-Aufschlag für die Benutzung des Wartezimmers für Privatpatienten, der einen wesentlichen Teil des verfügbaren Einkommens der KollegInnen ausgemacht hat durch eine Entscheidung der UNO-Vollversammlung nur noch in jenen Ländern gestattet ist, wo die Umsätze, die durch Korruption generiert werden das BIP übersteigen.
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Du hast nicht erwähnt, dass - seit der Lehmann-Pleite - die staatliche Subventionierung für Weisskittel (Steuerfreiheit für alle Gewinne über 2 Mio, Baukostenzuschuss von 100% für die Errichtung von Praxen in den neuen Bundesländern, hoch angesetzte Trinkgeldpauschale für die ArztgattInnen) dem neuen europäischen Diskriminierungsverbot zum Opfer gefallen sind.
Den (Zahn)ärzten bleiben also derzeit nur die mageren Tagesgeldzinsen, die Du schon erwähnt hast. Um eine - nun nötig gewordene - textliche Anpassung des Hippopotamischen Eides ringen Verbände und das BMG seit langem - der AOK Spitzenverband hat nur bisher an den Sitzungen nicht teilnehmen können, weil das Reisebudget für dieses Jahr angeblich augeschöpft ist - aber man kennt sie ja, die öffentlich rechtlichen.
BTW: auch eine Rückkehr wenigstens der Zahnärzte in ihr früheres berufliches Umfeld (Haare schneiden, rasieren, schröpfen) stösst auf Schwierigkeiten, weil andere Berufsgruppen für sich beanspruchen, große Teile dieser Tätigkeitsfelder mindestens ebenso gut zu beherrschen.
Melancholischen Gruß
Kai Müller
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Servus,
woraufhin ich nun gleich den Gleichstellungsbeauftragten und Zwegat persönliche einschalte, nicht zu vergessen, den aktuellen RTL-Spendenmarathon zu kontaktieren, damit die dort gewonnen Gelder direkt umgeleitet werden in Richtung der völlig verarmten Medizinerschar derer die sich vollends aufopfern, selbstlos zerfleischend und ihre Kinder nur noch vom Kanten Brot ernähren können, nicht ohne immer wieder herzzerreissend dagegen ankämpfen zu müssen, was es für einen psychologischen Druck, ja Trauma (ups, bei persönlicher Betroffenheit gibt es auch das) bedeutet den Eid geschworen zu haben…
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Nur gut, dass es eine ganze Reihe von wirklich guten Medizinern gibt, die so ein Geseiere mit Tränendrüse nicht nötig haben, die auch keine Quartals-, IGEL- oder andere Tricksereien nötig haben, die einfach nur anständige, gute Medizin machen mit dem nötigen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, wie in JEDER nötig haben sollte, der freiberuflich / selbstständig tätig ist und die dabei - ganz wichtig- und dabei, oh Wunder, nicht etwa am Hungertuch nagen, sondern ein auch finanziell gutes Leben führen!
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Hi,
ich vernehme so ein Brausen… ist das unsere Ironie, die an Dir vorbeirauscht, oder dein Mitgefühl, dass mir entgeht?
die Franzi
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hoffe nur der
Fragesteller kapiert die Ironie im Ganzen
Sonst denkt der
womöglich noch das die Ferraris in der Einfahrt von der
Praxisgebühr abstammen.
Bedaure sehr, dieser „Ironie“ nicht folgen zu können. Von so einem „tumben Thor“, der den hochgebildeten Verfassern obiger Beiträge natürlich in keinster Weise das Wasser auch nur annähernd zu reichen imstande ist, darf man halt nicht allzu viel erwarten.
Im übrigen hat mir die Reaktion gezeigt, dass sich einige schon allein einer Frage (ohne mit einer bös gemeinten Behauptung verbunden) wegen tüchtig auf den Schlips getreten fühlen. Vielleicht sollte man statt gekränkt Hiebe auszuteilen es mal mit sachlichen Erklärungen versuchen, wie sie im Beitrag von Pontius+Pilatus gegeben wurden - als einzigen Antwortgeber. Dafür diesem Autor auch meinen uneingeschränkten Dank.
NfG (nichts für ungut) Horst
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wenn nun seit mittlerweile
6 Jahren immer noch die Behauptung aufgestellt wird das der Artz an der PG umheimlich viel verdient, aufgrund dessen dann gemäckelt wird das man ins Folgequartal bestellt wird ( was nicht stimmt) dann braucht man sich nicht wundern solche Antworten zu bekommen.
Schön das sie nur den ersten Teil gelesen haben, der Rest war genau das selbe was ihnen so schön als Antwort gefallen hat.
NfG? sind wir hier im Kindergarten? Pff da grüßt man doch lieber gar nicht…