Hallo,
nun, die Gewaltbereitschaft ist natürlich nach wie vor da, und man muss wohl lediglich an der Oberfläche kratzen, und schon ist der Schritt zurück zum Tier vollzogen…
Nein, aber mal im Ernst:
ich muß in einer Diskussion die Meinung vertreten, daß die
Menschheit gelernt hat mit Gewalt umzugehen.
Das ist ein Thema für alle Wissensgebiete. Besonders interessant fände ich die Antworten eines Biologen, eines Historikers, eines Psychoanalytikers und eines hohen Militärs.
Ich finde diese Einstellung sehr interessant, bin allederdings
nicht der Meinung, daß die Menschen über die Jahrtausende
ihrer Existenz „besser“ geworden sind.
Das glaube ich auch nicht, denn, wo immer eine Streitfrage zwischen Menschen auftaucht wird mehr oder weniger mit Gewalt geantwortet. Möglicherweise hat der Verstand, global gesehen, mancherorts die Fehler der Vergangenheit eingesehen, d.h., dass man zumindest bereit ist auf z.B. Kriege zu verzichten. Aber wie man siehst ist das auch nicht die perfekte Antwort.
Besonders interessant wäre das Argument, welches viele Nationen der Erde für sich in Anspruch nehmen, nämlich, dass mit der potentiellen Gewalt auch der Frieden gewahrt werden kann. Hätte z.B. die Aufrüstung niemals stattgefunden, hätten viele Länder womöglich eine Annektion erfahren. Wenn man weiss, dass sein Gegenüber die Potenz zur Vernnichtung in sich trägt, ist man logischerweise eher bereit auf Gewalt zu verzichten…
Verlogene Sache, das, aber äusserst effektiv.
Der einzelne Mensch hat leider meist keine andere Möglichkeit als sich mittels Gewalt, womit natürlich nicht nur körperliche Gewalt gemeint ist, seine Ziele zu erarbeiten. Seelische Gewalt kann grausamer sein als Jemandem eine Kugel in den Kopf zu schiessen! Evolutionsgeschichtlich haben die „paar“ Generationen, die wir von der Amöbe entfernt sind, jedenfalls nicht ausgereicht, die „Krone der Schöpfung“ auf den nötigen intellektuellen Stand zu bringen, damit sie diesen Titel auch verdient hätte.
Primitives Revierverhalten ist genauso angeboren wie die Fähigkeit zu denken. Ein Kleinkind wird seine Spielzeuge gegen einen „Störfaktor“ immer verteidigen, wenn es sein muss auch mit Gewalt!
Dieses Schalten der Ego - Automatik auf „Arschloch - Modus“ (man verzeihe mir den Ausdruck) ist leider ganz einfach das menschliche Patentrezept. Sei es zum Wahren des nackten Überlebens oder zur Erhaltung des hohen Lebensstandards, der Verbreitung der eigenen Gene oder der Verteidigung des „Reviers“.
Dass wir manchen Individuen (Familie, Freunde etc.) in freundlicherer Art gegenübertreten, ist auch nur einer logischen Überlegung zu verdanken, nämlich, dass diese uns helfen bzw. weiterbringen können.
Es gibt eine schöne Frage in der Psychologie: Ist ein Mensch eher bereit für einen Verwandten sein Leben auf´s Spiel zu setzen, wenn dieser z.B. zu ertrinken droht. Stürze ich mich eher für einen Bruder in´s Wasser als für einen wildfremden Menschen? Interessant in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob eine unterlassene Hilfeleistung ebenfalls der Sparte „Gewalt“ zugeordnet werden kann. (Worauf ich als Philosoph natürlich ne ellenlange Antwort parat hätte, die aber Niemand wirklich hören möchte… hihihi)
Weiterhin gibt es die Frage, ob manche Arten von Gewalt notwendig und gut sind. Denn sie kann auch nützlich sein, wenn ich z.B. einem ausländerverprügelnden Neonazi mit Gewalt begegne, dem einzigen Mittel, was manche Menschen mit eng gestricktem Horizont womöglich verstehen. Zugegeben, das würde nur für den Moment helfen, aber ist Gewalt verdammenswert, wenn ich dadurch auch nur ein Leben retten kann? Ein Denkansatz, den z.B. ein militärischer Befehlshaber wohl immer in Hinterkopf hat.
Und um auf subtilere Arten der Gewalt zurück zu kommen… was bitte hat Gandhi in Indien bewirkt und wodurch? Passiver Wiederstand, bewundernswerte Angelegenheit, aber dennoch nur „Gewalt“ auf einem anderen, pazifistischen Level. (pazifistische Gewalt - komischer Gedanke, oder) Du siehst, dass man erst einmal eine Definition von Gewalt liefern muss, bevor man sich in eine Diskussion darüber einschaltet…
Aber um jetzt mal FÜR den Menschen und seinen Verstand zu sprechen: Natürlich kann man sich vorstellen, wie es auf der Welt aussehen würde, wenn der Mensch NICHT gelernt hätte die Gewalt zu „dosieren“. Wir haben ganz einfach gelernt, dass das Miteinander, das Ziehen am gleichen Strang, durchaus Vorteile hat und den egomanischen Scharmützeln vorzuziehen ist. Selbst die Einführung z.B. des EURO, so unwahrscheinlich das klingen mag, ist eine Auswirkung dieses angenehmen Phänomens. Wären die Menschen, und damit die verschiedenen Nationen, in diesem Falle Europas, immer noch der Meinung, dass die Wahrung nur der eigenen Interessen das A und O darstellt, wären Staatenbünde ein Hirngespinst. Natürlich ist auch in den dazu gehörenden Verträgen von Gewalt die Sprache, dass man z.B. im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung dem jeweiligen Bündnispartner zur Hilfe eilen wird usw., aber im Großen und Ganzen hat man doch eingesehen, dass eine völkerumgreifende Verständigung nur von Vorteil sein kann!
(Jippieeeeeh, ich hab ein Thema für die nächste Hausarbeit…g*) Dieses Thema ist zwar nicht wirklich bei der Philosophie an der falschen Stelle, aber z.B. Verhaltensbiologen sind da eher gefragt…
So, jetzt aber genug!!! Hoffentlich konnte ich ein wenig weiterhelfen…
Whrscheinlich fällt es mir deswegen so schwer wirklich gute
Argumente für die These
„Die Menschheit hat gelernt mit Gewalt umzugehen.“
zu finden.
Vielleicht habt ihr ja ein paar Ideen dazu.
Nun, Ideen hab ich genug, das war ja zu sehen…
Ludwig Weinzierl
P.S.
Möglicherweise ist das Thema bei „Religion und Ethik“ oder
„Sozialwissenschaften“ besser aufgehoben, andererseits finde
ich es hat viel damit zu tun, ob der Mensch überhaut fähig ist
sich ethisch oder sozial weiterzuentwickeln.
über die Möglichkeit der moralischen Weiterentwicklung werde ich hier nichts schreiben, denn das würde mal wieder den Rahmen sprengen.
Jojo, Philosophie - Studi, Trier