Ich brauche mal eure Meinungen (Baden-Württemberg 3. Klasse). Meine Tochter (9) hat seit Nov 25 ein staatliches Gutachten über Dyskalkulie bei normaler Intelligenz.
Kein echter Nachteilsausgleich: Es gab nie ein offizielles Gespräch dazu. Anstatt Mathe-Hilfsmittel oder Zeitverlängerung anzubieten, durfte sie nur Kopfhörer nutzen oder in einen separaten Raum (eher für ADHS sinnvoll). Sie schreibt Arbeiten unter denselben Voraussetzungen wie alle anderen.
Am Anfang gab’s einfache Hausaufgaben aber das hat sich auch sande verlaufen.
Der Sonderpädagogische Dienst sollte Tipps zur Inklusion geben, hat sie stattdessen aber auch in Mathe getestet und zwar bewusst ohne Nachteilsausgleich, um das Ergebnis „nicht zu verfälschen“. Ich finde, hier wurde gegen die Chancengleichheit verstoßen. Es macht für mich einfach keinen Sinn.
Vorab-Benotung in Sachkunde: Die Schule will ihre 4,6 jetzt schon zwingend auf eine 5 abrunden, obwohl die dritte Klassenarbeit noch gar nicht geschrieben wurde! Es wirkt, als wolle man eine zweite 5 erzwingen.
Meine Fragen an euch:
Hat jemand schon mal so etwas durchgemacht? Ist eine 5 in Mathe rechtlich überhaupt haltbar, wenn die Diagnose vorliegt, die Schule aber nie einen passenden Nachteilsausgleich mit uns vereinbart und umgesetzt hat?
Danke schon mal für eure Hilfe!
was habt Ihr denn unternommen, um ein Gespräch zu führen? Hat die Klassenkonferenz zu dem Thema beraten?
Anders als bei Lese-Rechtschreibschwäche gibt es bei Dyskalkulie kein explizites Regelwerk, sondern hier hat im Prinzip die Schule völlig freie Hand, wie sie mit der Thematik umgeht. Daher ist es auch unbedingt notwendig, dass man als Eltern bei dem Thema dranbleibt und bei Schule bzw. Klassenleitung beharrlich am Ball bleibt.
Nein, das heißt das nicht. „Schlecht in Mathe“ ist allenfalls eine Folge von Dyskalkulie, aber nicht eine zwingende. Dyskalkulie ist eine Erkrankung, die man im Allgemeinen dem neurologischen Bereich zuordnet.
Okay, ich ergänze meine Frage: In jeder Klasse gibt es etwa fünf Schüler, die sehr schlecht in Mathe sind, den grundlegenden Konzepten nicht folgen können, kein Interesse am Fach haben - inwiefern unterscheidet sie sich von diesen Leuten?
Nein, der Sonderpädagogische Dienst hat hier genau das gemacht, was in einem ersten Schritt sinnvoll ist: Festzustellen, was ohne weitere Maßnahmen passiert, und dies zu begutachten. Das hat auch nichts mit Chancengleichheit zu tun, denn es geht hier um Diagnose im Einzelfall und nicht um den Vergleich mit anderen Schülern.
Der nächste Schritt wäre nun zu schauen, ob und was sich verbessert, wenn man zu verschiedenen Maßnahmen greift, die einen Nachteilsausgleich bewirken können. Dann kann man feststellen, was tatsächlich hilft, und was nicht, und dann den konkreten Nachteilsausgleich für den Schulalltag festlegen.
Eigenartig finde ich tatsächlich allerdings die Notengebung in Sachkunde. Denn gerade in Sachkunde werden in der Grundschule in sich abgeschlossene Themenkomplexe behandelt. Und es kann ja durchaus sein, dass es jetzt um ein Thema geht, bei dem mehr Begeisterung für den Stoff da ist, und dann auch eine bessere Note in der Arbeit herauskommt.
Da Du meinst, dass man es hier unbedingt auf eine zweite fünf anlegt: Ist das Thema freiwillige Rückversetzung in der Mitte der Klasse 3 mal angesprochen worden? Das wäre eine gute Alternative gewesen, um einer Nichtversetzung gesichtswahrend zuvor zu kommen. Und vielen Kindern tut dieses zusätzliche Jahr in vielerlei Hinsicht wirklich gut. Danach lösen sich auch mal gelegentlich vorschnelle Diagnosen dann in Luft auf. Ggf. wäre dazu noch eine Möglichkeit in Klasse 4, wenn es jetzt so haarscharf noch klappt mit der Versetzung.
Ansonsten ist die Nichtversetzung auch kein Beinbruch, wenn man sie gemeinsam mit seinem Kind angemessen behandelt. Das ist keine Strafe, das ist nichts, was für sich auch nur ansatzweise eine Auswirkung auf den weiteren Bildungsweg hat. Trotzdem braucht ein Kind in so einer Situation Trost und Beistand, und Unterstützung wenn das im Umfeld anders gesehen sollte. Und auch der Klassenwechsel mit neuen Klassenkameraden ist natürlich nicht einfach.
Sofern die bisherigen Erläuterungen und die weiterführenden Links Deine Frage nicht beantwortet haben, dann stelle diese bitte als eigenständige Frage in einem passenden Brett (Medizin oder Psychologie fielen mir da als erstes ein). Zur gestellten Frage passt diese Nebendiskussion gerade nicht so gut.