Hat Ehe etwas mit

Hallo,

Hat Ehe etwas mit Religion zu tun? Wenn ja, in wie fern?
Kann man die Gefühle von bestimmten - sehr religiösen - Menschen dadurch verletzen, wenn man die Ehe z.B. Homosexuellen zu gesteht?

Vielen Dank
Jean-Claude

Hallo,

Ehe und Religion sind sicher aber aus den gleichen Gründen entstanden. Sie haben - manchmal auch hatten - ihren Zweck um den Menschen zu helfen. Die ersten Ehen wurden ja nicht aus Liebe geschloßen, sondern waren Zweckgemeinschaften um sich gegenseitig zu versorgen und gleichzeitig für Nachwuchs zu sorgen. Und die Religion - zumindest die Kirchen - sind bei diesen beiden Grundsätzen geblieben, deshalb tun sie sich ja so schwer mit Homosexuellenehen. Heute ist uns aber wohl klar, dass die Menschheit nicht ausstirbt, wenn Schwule heiraten dürfen.

Ob beides jetzt aber wirklich miteinander zu tun hat kann ich dir nicht wirklich sagen. Ich würde eher sagen im Grunde nein,oder zumindst nicht mehr. Und dabei bin ich nicht mal Atheist. aber andere würden eben ja sagen. Religion ist letztlich etwas ziemlich privates.

ciao

Thomas

Hat Ehe etwas mit Religion zu tun? Wenn ja, in wie fern?

Die Ehe im formalen Sinne ist lediglich ein Art Vertrag der eine rein rechtliche Beziehung zwischen zwei Menschen regelt. (Bemerkenswert ist nur, daß man trotz gegenseitigem Einvernehmen einen Richter benötigt um den Vertrag wieder zu lösen)

Trotzdem hat das Verständnis davon, was Ehe ist und auch was rechtlich dazu geregelt ist, sehr viel mit der Religion zu tun, die in einem Staat vorherrschend ist. Je nachdem ob z.B. Christentum oder Islam einen Staat und seine Gesellschaft prägten, sind auch die ethischen Vorstellungen durchaus unterschiedlich die wiederum ja auch das Rechtsverständnis beeinflussen. Den hohen Stellennwert der Ehe kann man ja aus den Geboten im Christentum ersehen.

Kann man die Gefühle von bestimmten - sehr religiösen -
Menschen dadurch verletzen, wenn man die Ehe z.B.
Homosexuellen zu gesteht?

Ich denke, das kann man sehr wohl. In den meisten Religionen sollte die Ehe zu einem bedeutenden Teil der ‚gesicherten Forpflanzung‘ dienen , sprich, eine Ehe ohne Kinder entbehrt ihren Sinn. Auch Sex ist vor allem in der christlichen Religion ja eher ein Mittel zum Zweck - daraus erklärt sich auch, das homosexuelle Beziehungen abgelehnt werden - sie beruhen sozusagen auf dem rein sexuellen Aspekt - Kinder zeugen ist ja eher unwahrscheinlich . Wer nun seinen Glauben stark verinnerlicht hat, wird natürlich auch verletzbar sein, wenn es um die heilige Institution der Ehe geht.

Gruß Maid

Vielen Dank für Deine Antwort. Warum stelle ich diese Frage? In der Schweiz wurde diese Woche über diese Thema im Parlament entschieden. Die homosexuellen Gruppen fühlen sich hintergangen, weil man nicht nur die Ehe ausschliesst sondern auch das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben.
Du sprichst von der Kinderzeugung, die bei Homopaaren nicht möglich ist. Aber es so viele elternlose Kinder auf der Welt, die in einer Homo-Ehe wahrscheinlich recht glücklich leben könnten. Ist es für ein Kind wichtig, wenn es von Vater und Mutter als Eltern sprechen kann, oder hätte das Kind eine schlechtere Jugend, wenn es von zwei liebevollen Vätern oder von zwei Müttern erzogen würde?

Gruss
Jean-Claude

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Du sprichst von der Kinderzeugung, die bei Homopaaren nicht
möglich ist.

Hallo Jean-Claude,

Ja, ich habe das jedoch nur wertungsfrei und in Bezug auf die (mögliche) Sicht eines gläubigen Christen ausgedrückt. Persönlich finde ich, es ist ziemlich egal in welcher Form von Lebensgemeinschaften Kinder aufwachsen, Hauptsache sie erfahren Liebe und Wärme und auf Ihre Bedürfnisse wird Rücksicht genommen. Das können zwei Männer ebenso gut wie eine Frau allein! Und viele traditionelle Paare können es ja offensichtlich nicht, sonst würden nicht so viele Kinder in Heimen leben müssen. Vielleicht sollte man darauf achten, das einem Kind, das dann zwei Mütter oder zwei Väter hat möglichst noch eine Bezugsperson des anderen Geschlechts zur Verfügung stehen - Großeltern oder Onkel/Tanten kämen in Frage, aber um mich detaillierter zu äußern fehlen mir die Kenntnisse.

Gruß Heike

‚Ehe‘ ist die Abkürzung für …
… errare humanum est, Irren ist menschlich.

Django
(der noch nie verheiratet war)

Ich weiss, dass Du die Antwort wertungsfrei gegeben hast. Schliesslich sind wir auf der Suche „absoluter“ Wahrheit.
Mich würde aber doch noch interessieren, warum Du eine Bezugsperson des anderen Geschlechts bei Homopaaren „mit einflechten“ würdest. Wären das so Aufpasser?
Ein Hetero-Ehepaar lässt sich auch nicht gerne von der Tante oder vom Onkel in die Erziehung ihres Kindes reinreden. Natürlich sollte das Homo-Paar von der Familie umgeben sein - wie es bei sogenannten normalen Paaren auch der Fall ist.
Kinder brauchen Bezugspersonen, aber das braucht nicht gerade Familie zu sein.
Tut mir leid, wenn ich Dich schon wieder mit dieser „dummen“ Frage belästige.

Gruss
Jean-Claude

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Mich würde aber doch noch interessieren, warum Du eine
Bezugsperson des anderen Geschlechts bei Homopaaren „mit
einflechten“ würdest.

Hi Jean-Claude,
ich weiss nicht, was die gefragte auf diese Frage antworten wird…
aber ich kann diese Einstellung verstehen!
Ganz einfach, damit die Kinder den Umgang mit beiden Geschlechtern lernen!!!
Stell Dir vor, ein Mädel wird von zwei lesbischen Frauen aufgezogen… hat in der Grundschule nur Lehrerinnen, nachdem sie im Kindergarten nur Erzieherinnen hatte…
Wie soll dieses Mädel lernen, dass es auch „fähige“ MÄnner gibt???

Ayla, die als alleinerziehende froh ist, dass hin und wieder ein Opa da ist!!!

aber ich kann diese Einstellung verstehen!
Ganz einfach, damit die Kinder den Umgang mit beiden
Geschlechtern lernen!!!
Stell Dir vor, ein Mädel wird von zwei lesbischen Frauen
aufgezogen… hat in der Grundschule nur Lehrerinnen, nachdem
sie im Kindergarten nur Erzieherinnen hatte…
Wie soll dieses Mädel lernen, dass es auch „fähige“ MÄnner
gibt???

Ayla, die als alleinerziehende froh ist, dass hin und wieder
ein Opa da ist!!!

Nun ich kann der Einstellung nicht so recht folgen, sicher ist es gut, wenn Kinder in einer harmonischen Beziehung zwischen Mann und Frau aufwachsen. Nur wenn das Kind eben keinen Mann (Frau) in seinem direkten Umfeld hat sehe ich kein so eklatantes Problem darin. Sonst müßten ja die Jugendämter (extrem überspitzt) dafür sorgen, daß jeder Alleinerziehenden ein andersgeschlechtlicher Partner „zugeteilt“ wird, um das wohl des Kindes abzusichern. Wichtig ist doch, daß das Kind in einem „gutem“ Umfeld aufwachsen kan.
bodo

Hallo Jean Claude!

Die Ehe wird meiner Meinung nach zu sehr im religiösen Sinne gesehen. Ich persönlich bin katholisch, kann den „Geltungsdrang“, den die kath. Kirche mit dem Sakrament Ehe verbindet, aber nicht ganz nachvollziehen.
Im Grunde genommen ist es Schwachsinn, etwas sozusagen zum Dogma zu erheben, was irgenein Mensch mal niedergeschrieben hat (Bibel). Denn letztendlich stützt die kath. Kirche die Heiligkeit der Ehe nur darauf.
Das Zusammenleben zweier Menschen, gleich welchen Geschlechtes, ist eine Frage der Sinne bzw. der persönlichen Zuneigung, und wenn Jemand der Meinung ist, das dann derart „verbindlich“ zu gestalten, dann ist er in meinen Augen doch nicht ganz unfehlbar.
Die Verbindung zweier Menschen wird dadurch auch nicht gerade glücklicher, wenn man sie mit einem hypothetischen Segen verbindet.
Leider habe ich mich in meinem bisherigen Studium der Philosophie noch nicht mit Thesen die Ehe betreffend auseinandersetzen können, aber es wäre mal ein interessantes Thema.

Jojo

*g*
…würde mich gern in die Diskussion einbringen- mal sehen…
aber an dieser stelle erst mal ein *bg*

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Hallo Jean Claude,
Ehe hat mit Religion zu tun, vor allem aber mit der Konstitution menschlicher Gemeinschaften. Kurz gesagtbildet die Ehe in allen Kulturen die Schnittstelle des Übergangs von Natur zu Kultur und ist deshalb auch in allen Kulturen besondersgeregelt und geschützt.
Hier zunächst einmal ein kurzer Lektürehinweis, da ich im
Augenblick wenig Zeit habe.
Alles wesentliche zur Funktion der ehe findest Du in:
Claude Levi-Strauss: Die elementaren Strukturen der Verwandschaft,
deutsch bei suhrkamp,
Hier wird das Thema erschöpfend behandelt.

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Hallo Jean Claude,
Ehe hat mit Religion zu tun, vor allem aber mit der
Konstitution menschlicher Gemeinschaften. Kurz gesagtbildet
die Ehe in allen Kulturen die Schnittstelle des Übergangs von
Natur zu Kultur und ist deshalb auch in allen Kulturen
besondersgeregelt und geschützt.
Hier zunächst einmal ein kurzer Lektürehinweis, da ich im
Augenblick wenig Zeit habe.
Alles wesentliche zur Funktion der ehe findest Du in:
Claude Levi-Strauss: Die elementaren Strukturen der
Verwandschaft,
deutsch bei suhrkamp,
Hier wird das Thema erschöpfend behandelt.

Diese Antwort erscheint mir aber sehr gewagt. Ehe ist doch noch immer das, was ich daraus mache. Ob ich jetzt so zusammen lebe oder diese Bindung durch eine Ehe manifestiere ist im Ergebnis wohl das selbe, nur was Du da rein interpretierst, dem kann ich bei der Banalität des Vorgangs nicht folgen.
bodo

Nur wenn das Kind eben keinen Mann
(Frau) in seinem direkten Umfeld hat sehe ich kein so
eklatantes Problem darin. Sonst müßten ja die Jugendämter
(extrem überspitzt) dafür sorgen, daß jeder Alleinerziehenden
ein andersgeschlechtlicher Partner „zugeteilt“ wird, um das
wohl des Kindes abzusichern.

Hallo Bodo,

LOL nun übertreib mal nicht - das könnte konsequent zu Ende gedacht bedeuten, daß man vor einer Schwangerschaft einen entsprechenden Antrag beim Jugendrichter zu stellen hat. Stell Dir nur vor, was da der Papst erst sagen würde!!!:wink:)

Aber im Ernst, wie ich eigentlich schon sagte, ich kenne mich da nicht ausreichend aus, was psychologische Studien oder ähnliches betrifft, bin aber der Meinung, das es auch ganz praktische Dinge gibt, die nun mal eine Frau besser weiß als ein Mann und selbstverständlich umgekehrt. Als Beispiel, ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Mann einem Mädchen die Probleme rund um die Menstruation und alle ihre ganz praktischen Folgen so gut erklären kann wie eine Frau. Andererseits wird eine Frau, die nie mit Gewalt unter Schülern zu tun hatte, schwer beurteilen können, welche Rangeleien unter Jungen als normal zu gelten haben. Und deshalb bin ich der Meinung, es wäre sicher nützlich, wenn die Eltern bewußt darauf achten, daß Kinder in Familien immer auf zwei Geschlechter als Bezugspersonen zurückgreifen können. Das hat nichts mit Einmischung in die Erziehung zu tun, sondern etwas mit Bereicherung. Es wäre auch anmaßend, wenn Eltern glauben, nur sie allein könnten ihren Kindern das allein richtige beibringen.

Von einem ‚eklatanten Problem‘ hatte ich aber nie gesprochen!

Liebe Grüße Heike

Ich kann Dir ja weitestgehend folgen, wobei ich in meiner vorherigen Meinung ja bewußt übertrieben habe.
Sicher stimme ich Dir zu, daß in einer Beziehung Mann Frau Kind, sich viele Dinge von Selbst und im Grundansatz besser Lösen lassen, nur glaube ich reicht das nicht aus, um gegen eine Erziehung von Kindern in einer Gleichgeschlechtlichen- oder Alleinerziehenden Beziehung zu sein. Ich glaube, das in diesen Beziehungen das Defizit bekannt ist und damit bewußt gearbeitet wird, wobei man in einer Mann Frau Beziehung oft recht sorglos damit umgeht und eventuell gar nicht darauf eingeht.
Somit meine ich, warum nicht.
bodo

ich denk mal, man muß die ehe aufm papier vom kirchlichen sakrament der ehe unterscheiden. letztere hat sehr wohl nen religiösen hintergrund, während die „standesamtliche trauung“ ja nur den staat interessiert. und die kann man glaub ich guten gewissens auch homosexuellen paaren zumuten. die kirchliche trauung nicht.

gruß

michael