Hat jemand einen Tipp für mich?

Das halte ich für ausreichend, um sich kurz darüber
auszutauschen. Meine Anmerkung hat mit Dir persönlich nichts
zu tun, ich kenne Dich ja nicht.

Gut genug, um davon auszugehen, dass dem

Nein, sondern darüber, daß Du auf dem Standpunkt zu stehen
schienst, daß die Symptomatik für die Diagnose ausreichend ist

eigentlich nicht sein kann

*denk*

*dacht*

Moin aiwendil,

Zwar ist die Frage der empfundenen Belastung durch
schizophrene Symptome für die Diagnose nicht entscheidend (im
Gegensatz zu den meisten anderen psychischen Störungen), sehr
wohl ist es aber das Vorhandensein klinisch bedeutsamer
Beeinträchtigungen. Liegen solche Beeinträchtigungen nicht
vor, obwohl schizophrene Symptome vorhanden sind, darf lege
artis keine Diagnose einer Schizophrenie erfolgen. Medizinisch
gesehen sind solche Personen also eben nicht schizophren.

Aaaah, das ist schön, das aus dem Munde eines Psychologen zu hören!
Ist das tatsächlich der wissenschaftliche Entscheidungsweg?

Schönen Gruß,
Spiff

Lieber Bleifrosch,

mal unabhängig vom vorliegenden Fall:

Und mit welcher Begründung sollten Psychologen/ Psychiater
Sokrates nicht als schizophren betiteln nur, weil er seine
Stimmen nicht als belastend empfand?

Genau deswegen! Wenn jemand kein Problem hat, warum machen dann die Psychotherapeuten eins draus??? Warum soll man ein Problem angehen, das keins ist? Ich glaube, dass manche Menschen zum Psychotherapeuten gehen, weil sie meinen, dass sie ein Problem haben, oder weil ihr Umfeld ihnen sagt, dass sie ein Problem haben und dann *huch* findet der Psychotherapeut natürlich auch was: Eine abnorme Verhaltensweise, komische Vorstellungen, irgendein „Trauma“ aus der Kindheit…

Es gibt genug Dinge in einer Perönlichkeit, an denen es sich zu arbeiten lohnt. Der Beruf Psychotherapeuten in allen Ehren, aber ich denke, dass sich viele Dinge effektiver lösen lassen, wenn man sie einfach so sein läßt und Spaß am Leben hat, mit allem, was dazugehört. Die Alltagserfahrung ist viel mehr Wert, als das „komm wir reden mal drüber“.

Es soll Leute geben, denen fehlt auch ihr
zweites Bein nicht, deshalb sind sie medizinisch dennoch
einbeinig.

Ich versteh den Satz nicht ganz. Ich geh mal davon aus, dass das 'nicht ’ zu viel ist,oder?

Also, wir reden hier nicht vom Körper, sondern von der geistigen Verfassung eines Menschen und da sind ganz andere Therapieansätze sinnvoll! Jemand, der ein Bein weniger hat, hat damit ja auch keine kleinere, „beinlose“ Persönlichkeit. Diese Aussage von Dir (wenn ich sie denn richtig verstanden habe) läßt tief blicken, finde ich.

Gruß,
Spiff

Hallo Spiff,

Aaaah, das ist schön, das aus dem Munde eines Psychologen zu
hören!
Ist das tatsächlich der wissenschaftliche Entscheidungsweg?

zumindest wird im Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-IV TR), einem Standardwerk zur Klassifikation psychischer Störungen, das Vorliegen bedeutsamer Beeinträchtigungen oder Leiden ausdrücklich zur Bedingung für die Diagnose einer psychischen Störung gemacht. Dementsprechend beinhalten die diagnostischen Kriterien, die erfüllt sein müssen, um eine bestimmte Störung zu diagnostizieren, neben der Symptomatik auch den Aspekt der klinischen relevanten Beeinträchtigungen und des Leidens (letzteres fällt bei Schizophrenie und einigen anderen Störungen, bei denen die Krankheitseinsicht getrübt ist, weg). DSM-IV TR begründet dies folgendermaßen:

„Dieses Kriterium soll helfen, den Schwellenwert für eine Diagnose in denjenigen Fällen zu finden, in denen die Symptomatik an sich, und zwar vor allem bei leichteren Formen, nicht unbedingt als pathologisch eingeordnet wird bzw. auf eine Person zutrifft, auf die die Diagnose einer psychischen Störung nicht passen würde“ (DSM-IV-TR, S. 11).

In DSM-IV TR wird hier klar erkannt, daß es durchaus Fälle geben kann, in denen zwar Symptome vorliegen, diese Symptome aber nicht zu relevanten Beeinträchtigungen im Alltag oder Leiden führen. In diesen Fällen sieht DSM-IV TR keine Grundlage für die Diagnose einer psychischen Störung.

Leider wird dieser Aspekt in der Praxis nicht immer berücksichtigt, so daß ich Deinen Eindruck verstehen kann, daß manchmal pathologisiert wird, was nicht pathologisch ist.

Grüße

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Leider wird dieser Aspekt in der Praxis nicht immer
berücksichtigt, so daß ich Deinen Eindruck verstehen kann, daß
manchmal pathologisiert wird, was nicht pathologisch ist.

Pathologisieren ist doch eine in der Bevölkerung weit verbreitete Handlungsweise. Warum sollen die Psychotherapeuten eine Ausnahme sein?

Abgesehen davon, dass die Psychotherapeuten in angezeigten Fällen sicherlich gute Arbeit leisten, finde ich für meinen Teil diese Denke äusserst dumm und hemmend.

Gruß,
Spiff

Genau deswegen! Wenn jemand kein Problem hat, warum machen
dann die Psychotherapeuten eins draus???

Das kann man durchaus diskutieren- aber das war nicht MEINE Idee.
Das sind Konventionen. Und die Frage dabei ist, ob entscheidend ist, dass der Patient kein Problem hat, oder es nicht noch eine gesellschaftliche Komponente gibt.
Bsp. psychisch kranke Straftäter. Davon haben die wenigsten ein Interesse an einer Therapie (auch den Rechtsstaat und seine Gesetze kann ich nicht ändern, weshalb auch das nicht dikutiert werden muss!).
Suizide, die andere Menschen mit betreffen (bspw. Geisterfahrten) passoeren durchaus auch, obwohl der Patient selbst seine Wahrnehmungen angenehm findet und keinen Behandlungsbedarf sieht.

Es ist halt nicht so einfach das zu entscheiden und die Grenzen zu ziehen, was okay ist und was nicht. Dazu setzen sich regelmäßig ein Haufen Fachleute hin und stimmen darüber ab.
Wie sonst?

Pathologisieren ist doch eine in der Bevölkerung weit
verbreitete Handlungsweise. Warum sollen die Psychotherapeuten
eine Ausnahme sein?

Weil sie professionell arbeiten sollten.
Tun sie ja auch.

Grüße

Tip
Hallo Davex,

hier ein kostenloser Vorschlag.
Stelle dir einfach vor, du bist von einem weißen Licht oder einer Glaswand umgeben, die diese Geiststimmen + Emotionen nicht durchläßt. So daß du nur physische Laute hörst.
Dieses täglich wiederholen.

MfG
(TJ) M.