Hat jemand schon einmal Textilien ombré gefärbt?

Hallo!

Ombré färben ist eine Technik, die dem Batik ähnlich ist. Allerdings wird dabei nichts abgebunden, damit Muster entstehen, sondern es wird so gefärbt, dass ein Farbverlauf (meist hell/dunkel, manchmal auch ein Farbverlauf aus verschiedenen Farben) entsteht.

Hat jemand so etwas schon einmal probiert? Ich habe in englischen Blogs schon oft Anleitungen dafür gefunden, allerdings scheinen die Farben, die sie dort benutzen, zur Kaltfärbung geeignet zu sein. Außerdem sind sie so stark, dass man innerhalb weniger Minuten das Ergebnis erhält. Gerade letzteres scheint beim ombré färben wichtig zu sein, da man so daneben stehen bleiben kann und das Kleidungsstück nach und nach aus dem Färbeimer herausziehen kann, um so oben eine hellere Färbung als unten zu bekommen.

Bei den hierzulande im Handel erhätlichen Farben (z.B. Simplicol) dauert der Prozess eine Stunde, damit die Farbe hält. Was meint ihr, wie man dann diesen ombré Effekt erhalten kann? Vielleicht das Kleidungsstück während der Stunde immer weiter herausziehen? oder mit verschieden starken Mischungen der Farbe?

Bin gespannt, ob jemand schon Erfahrungen damit gemacht hat, oder vielleicht auch so wie ich einfach mal experimentiert und das Ergebnis hier teilen mag! :smile:

Liebe Grüße

Hallo!

Ombré färben ist eine Technik, die dem Batik ähnlich ist.
Allerdings wird dabei nichts abgebunden, damit Muster
entstehen, sondern es wird so gefärbt, dass ein Farbverlauf
(meist hell/dunkel, manchmal auch ein Farbverlauf aus
verschiedenen Farben) entsteht.

man kann auch sagen: man vertraut der Kapillarkraft.
Wasser (wässrige Farbe) hat diese nette Eigenschaft
Tauche ein Papiertaschentuch mit einem Zipfel in ein Glas Wasser und Du wirst erleben, wie die Nässe immer höher in das Papiertaschentuch wandert

Hat jemand so etwas schon einmal probiert? Ich habe in
englischen Blogs schon oft Anleitungen dafür gefunden,
allerdings scheinen die Farben, die sie dort benutzen, zur
Kaltfärbung geeignet zu sein. Außerdem sind sie so stark, dass
man innerhalb weniger Minuten das Ergebnis erhält.

… was nichts darüber aussagt, wie die Fixierung der Farbe abläuft, ob man diese braucht und was man beachten muss, damit das gefärbte Teil auch beim Trocknen den Farbverlauf gleichmäßig behält.

Gerade
letzteres scheint beim ombré färben wichtig zu sein, da man so
daneben stehen bleiben kann und das Kleidungsstück nach und
nach aus dem Färbeimer herausziehen kann, um so oben eine
hellere Färbung als unten zu bekommen.

Nein.
Du kannst den Farbeimer genausogut unter das Teil stellen und das Teil an einem Bügel darüber hängen lassen.
Wie oben erklärt: die Kapillarkraft sorgt dafür, dass sich die Farbe von unten nach oben hochsaugt.
Da das zu färbende Teil nur unten in der Farbflotte hängt, wird die Farbe unten logischerweise kräftiger … denn natürlich kommt an der Luft Verdunstung ins Spiel.

NUR! Nicht jeder Stoff saugt gleichmäßig schnell Farbe bzw. Wasser auf.
Es KANN nötig sein, das ganze zu färbende Stück zuerst gleichmäßig einzufeuchten.
Es kann überhaupt eine Menge Unerwünschtes geschehen.

Unter uns gesagt glaube ich nicht, dass die Industrie Ombreteile einfach unten in Farbe taucht und hofft, dass hinterher das Richtige herauskommt.

Da nimmt man schon eher eine Hochdruckspritzpistole für den gewünschten Effekt.

Bei den hierzulande im Handel erhätlichen Farben (z.B.
Simplicol) dauert der Prozess eine Stunde, damit die Farbe
hält.

hierzulande ist man sehr oft vorsichtiger mit Menschenhaut. Textilien, bzw. Farben sollten möglichst wenig schädlich sein. Was schnell reagiert, ist mit „Chemie“ angerührt, die heftig arbeitet.
Diese Rückstände verteilen sich natürlich auch in der Luft, d.h. wer färbt, atmet sie ein.

(es gibt eine ganze Reihe Krankheiten, die Menschen in Entwicklungsländern durch die Arbeit mit solchen Farben bekommen)

Was meint ihr, wie man dann diesen ombré Effekt erhalten
kann?

ich habe es oben erklärt.
Aber Du wirst reichlich experimentieren müssen.
Warum habe ich auch oben erklärt.

Vielleicht das Kleidungsstück während der Stunde immer
weiter herausziehen?

Das gibt kein Ombre, sondern Blockstreifen unterschiedlicher Intensität.
Es ist sehr wichtig, dass der Prozess von selbst abläuft.

oder mit verschieden starken Mischungen
der Farbe?

gibt ebenfalls Blockstreifen.
Was einmal Farbe angenommen hat, behält sie.
Eine zweite Farbe darauf gefärbt, führt immer zu einer Grenze.
Kriegt der Stoff die ganze Farbe an einer Stelle angeboten, steigt sie brav so weit hoch, wie das Wasser es abhängig von Stoffdicke und Raumtemperatur an diesem Tag schafft.
Je länger die Einwirkzeit, desto höher steigt die Farbe, desto kräftiger wird auch der Verlaufton.

Bin gespannt, ob jemand schon Erfahrungen damit gemacht hat,

hier hast Du meine

oder vielleicht auch so wie ich einfach mal experimentiert und
das Ergebnis hier teilen mag! :smile:

siehe oben

viele grüße
Geli

Hallo Geli!

Danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe heute morgen mal experimentiert und mich dabei an deine Tipps gehalten, d.h. Kleidungsstück feucht machen und mit einem Bügel über den Farbeimer gehängt. Ich habe ein Teil aus Baumwolljersey und ein Teil aus Leinen gefärbt. Offensichtlich haben Leinenfasern die höhere Kapillarkraft, da hier die Farbe schön gleichmäßig relativ weit gestiegen ist (ist ja auch logisch, Leinen hat mehr Volumen als ein Jerseystoff). Beim Jersey sind die von dir beschriebenen Blockstreifen entstanden, denen ich allerdings durch mehrmaliges Tunken ganz gut entgegenwirken konnte.

Alles in allem fand ich es einfacher, als ich es mir vorsgestellt hatte. Man könnte sicherlich auch mit verschiedenen Farben, in die man den Stoff jeweils zu Teilen hineinhängt ganz schöne Effekte bekommen.

Ich danke dir für deine Hinweise! Das mit der Kapillarkraft wird mir bei weiteren Experimenten hilfreich sein :smile:

Wünsche noch einen schönen Tag! :smile: