Hatte Bismark nun Schuld...?

… an den ersten und (indirekt) zweiten Weltkrieg?

Im Buch „Bildung“ von Dietrich Schwanitz zieht der Autor recht arg über die Machenschaften Bismarks her. Er beschuldigt ihn, der Urheber der ganzen „Scheiße“ (Zitat: keine genaue Seitenzahl - bitte Kapitel vor und nach Bismark lesen).

Er beschuldigte ihn schon der Urheber der Rivalität zwischen Frankreich und Deutschland zu sein…

Ich bin leider kein Geschichtsexperte, meine aber in der Schule ein anderes Bild von Bismark bekommen zu haben…

Vielleicht sollte man vorher doch klären, an was genau er jetzt schuld sein soll. Aber wenn man es ganz allgemein fasst: Ja er ist schuld, man kann ihn als knallharten Kriegstreiber bezeichnen. Sicher gab es auf der französischen Seite ähnliche Kaliber. Aber er hat ganz bewußt Kriege angezettelt, um die deutschen Staaten zu einigen. Daß das Deutsche Reich unter dann preußischer Führung stehen sollte, braucht man nicht extra dazuzusagen.

Daß er zuerst gegen die Österreicher losgezogen ist, um diese als Anwärter auf den deutschen Thron, den es in dieser Form noch gar nicht gab, loszuwerden und danach gegen die Franzosen, die deswegen auf ihn sauer waren (Rache für Sadowa = Königgrätz) kann Dir jemand anderes sicher besser erklären als ich, aber Du kannst mir glauben, kein lieber netter Opa mit Backenbart etc. war er nicht.

Grüße

Winfried

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

… an den ersten und (indirekt) zweiten Weltkrieg?

Bismark wär nie so dumm gewesen, bei der Bündniskonstellation kurz vor dem ersten WK einen Krieg loszutreten. Er hätte versucht, die Gegner zu isolieren und erst dann anzugreifen.
Den Ausgang des ersten WK zum alleinigen Grund für den zweiten WK zu machen, halte ich schlichtweg für falsch.

Im Buch „Bildung“ von Dietrich Schwanitz zieht der Autor recht
arg über die Machenschaften Bismarks her. Er beschuldigt ihn,
der Urheber der ganzen „Scheiße“ (Zitat: keine genaue
Seitenzahl - bitte Kapitel vor und nach Bismark lesen).

Ist für mich Quatsch, denn, wie gesagt: Bismark kann viel unterstellt werden, nur: er war weder dumm noch strategiepolitisch unbegabt.

Er beschuldigte ihn schon der Urheber der Rivalität zwischen
Frankreich und Deutschland zu sein…

Das ist völlig Blödsinn, die Rivalität ist viel älter.

Ich bin leider kein Geschichtsexperte, meine aber in der
Schule ein anderes Bild von Bismark bekommen zu haben…

Zu Recht.

Ja er ist schuld, man kann ihn als knallharten Kriegstreiber
bezeichnen. Sicher gab es auf der französischen Seite ähnliche
Kaliber. Aber er hat ganz bewußt Kriege angezettelt, um die
deutschen Staaten zu einigen. Daß das Deutsche Reich unter
dann preußischer Führung stehen sollte, braucht man nicht
extra dazuzusagen.

Kriege wurden immer auch, aber nicht nur, dann geführt, wenns ins strategische Konzept des jeweiligen Staates gepasst hat. Das gilt für alle (!!) Staaten.

als ich, aber Du kannst mir glauben, kein lieber netter Opa
mit Backenbart etc. war er nicht.

Da fallen mir aber viele, historisch bekannte Persönlichkeiten ein, auf die das zutrifft.

Grüße

auch Grüße

Winfried

Wolkenstein

… an den ersten und (indirekt) zweiten Weltkrieg?

Das was Bismark selbst schuf, konnte niemand ausser Bismark selbst weiterführen. Daran sind alle Reichkanzler gescheitert, die deutschen Kaiser, die deutsche Politik. Ob er nun „der einzig Schuldige“ ist, würde ich mal bezweifeln. Wilhelm II. hat z.B. England schwer düpiert, da war Bismark schon tot. Ich würde aber sagen Bismark hat das Zusammenwachsen der deutschen Staaten zu einem selbstbewußten Deutschland (wie das Frankreich ja hatte und hat) immer ganz toll verhindern können.

Im Buch „Bildung“ von Dietrich Schwanitz zieht der Autor recht
arg über die Machenschaften Bismarks her. Er beschuldigt ihn,
der Urheber der ganzen „Scheiße“ (Zitat: keine genaue
Seitenzahl - bitte Kapitel vor und nach Bismark lesen).

Das Buch von Schwanitz ist komprimierte Geschichte, ich habs auch gelesen, aber es eher als Hinweis/Meinung aufgefasst, zum weiter recherchieren. Nicht als allgemeingültige Lehrmeinung.

Er beschuldigte ihn schon der Urheber der Rivalität zwischen
Frankreich und Deutschland zu sein…

Er hat die Rivalität sicher nicht gültlich beruhigt. Sein Poker zwischen den Mächten war seine Politik. Das es da nicht zu einer Liebe zweier Länder kommen kann, ist ja wohl klar.

Das säbelrasselnde Auftreten Preussens ist ja bis heute im Ausland ein beliebte Karrikatur für Deutsche.

Ich bin leider kein Geschichtsexperte, meine aber in der
Schule ein anderes Bild von Bismark bekommen zu haben…

Lies einfach mal ein paar Bücher über Bismark oder das Wilhelminische Deutschland. Vielleicht bessert sich sein Bild dann. Ich habe über Bismark und Wilhelm II. nur „Gutes“ in Geschichte beigebracht bekommen, was ja so nun auch nicht „wahr“ war.

Gruß
Helena

Hallo,

Er beschuldigte ihn schon der Urheber der Rivalität zwischen
Frankreich und Deutschland zu sein…

Ich bin leider kein Geschichtsexperte, meine aber in der
Schule ein anderes Bild von Bismark bekommen zu haben…

Dein Schulwissen ist korrekt, das Buch ist Unfug.

Bismarck war mitnichten am 1. Weltkrieg Schuld. Tatsächlich hatte Bismarck nach 1871 alles daran gesetzt, weitere Kriege in Europa zu verhindern. Im übrigen ist es schon ahistorisch zu behaupten, Deutschland trage die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg, womit erst Recht kein deutscher Politiker, der schon eine Generation vorher abgedankt hat, die Schuld tragen kann.

Ebenso ist es Unfug zu behaupten, die deutsch-französische Feindschaft wäre auf Bismarck zurückzuführen und er sei gerade ihr Urheber gewesen. Tatsächlich hat die „Erbfeindschaft“ bereits in den Befreiungskriegen gegen Napoleon eine bedeutende Rolle gespielt. Das älteste Beispiel nationaler, antifranzösischer Stimmung, das mir bekannt ist, datiert aus dem Jahr 1757 (preußischer Sieg bei Roßbach über ein deutsch-französisches Herr). Wenn man so will, dann der war Prozeß der Nationwerdung (vor der staatlichen Einheit) in Deutschland nicht zuletzt auch stark antifranzösischer Natur (besonders unter Napoleon).

Zu guter Letzt war der gesamtdeutsche Krieg gegen Frankreich 1870 ja überhaupt nur möglich wegen der in weiten Kreisen der deutschen Bevölkerung (einschließlich der politischen und militärischen Entscheidungsträger) vorherrschenden frankreichfeindlichen Haltung. Bismarck hatte das geschickt ausgenutzt, hatte aber auch im Gegenzug erhebliche Probleme, den Krieg gegen Österreich 1866 durchzusetzen, da man preußischen Hof Österreich als „natürlichen Verbündeten gegen den Erbfeind“ (Frankreich) betrachtete.

viele Grüße,

Ralf

Ursache zweiter WK

Den Ausgang des ersten WK zum alleinigen Grund für den zweiten
WK zu machen, halte ich schlichtweg für falsch.

Das ist „schlichtweg“ deine Meinung. „Der erste WK ist die Urkatastrophe des 20. Jh.“ (George F. Kennan). „Der 2. WK ist die Fortsetzung des 1.WK“ (Golo Mann).
Wenn man betrachtet, welche herausragende Rolle das Militär im Kaiserreich gespielt hat und welch ein Schock und welche Schmach dann die Niederlage für das Militär war, und wenn man weiß, mit welcher Vehemenz die Reichswehr schon Mitte der 20er Jahre einen Revanchekrieg geplant hat - im Geheimen, ohne Wissen der Weimarer Regierung! - dann muss man den 1.WK als die Ursache für WK 2 ansehen.

Gruß, Stucki

Seas stucki!

Den Ausgang des ersten WK zum alleinigen Grund für den zweiten
WK zu machen, halte ich schlichtweg für falsch.

Das ist „schlichtweg“ deine Meinung.

Jep. So isses.

„Der erste WK ist die Urkatastrophe des 20. Jh.“ (George F.
Kennan).

Nein, der Krieg war lediglich die Konsequenz aus der Bündnispolitik vor dem 1. WK; ohne diese Bündnispolitik kein Krieg.

„Der 2. WK ist die Fortsetzung des 1.WK“ (Golo Mann).

Ja und nein. Ich bin bekennender Polykausalist.

Wenn man betrachtet, welche herausragende Rolle das Militär im
Kaiserreich gespielt hat und welch ein Schock und welche
Schmach dann die Niederlage für das Militär war, und wenn man
weiß, mit welcher Vehemenz die Reichswehr schon Mitte der 20er
Jahre einen Revanchekrieg geplant hat - im Geheimen, ohne
Wissen der Weimarer Regierung! - dann muss man den 1.WK
als die Ursache für WK 2 ansehen.

Dass das Militär nach der Niederlage im 1. WK frustriert war, hab ich nicht bestritten. Dass es daher auf Revanchegedanken verfiel, genausowenig.
Mein Problem liegt in Deinem " die" vor dem Wort „Ursache“. Dieses „die“ impliziert, dass der 2. WK genau nur eine Ursache hatte, nämlich den 1. WK.

Ohne Hitler ein 2. WK?
Ohne Wirtschaftskrise ein Hitler?
Ohne instabilem Weimarer Staat ein Hitler?
Ohne instabilem Weimarer Staat paramilitärische Gruppe á la SA?
Ohne Stalins Untersützung ein Hitler? (zur Erklärung: Stalin sah nicht in den Nationalsozialisten seine Hauptgegener, sondern in den Sozialdemokraten, die er als „Sozialfaschisten“ bekämpfen ließ)

Fragen über Fragen. Und Du machst den 1. WK zum alleinigen Kriegsgrund für den 2.???

Gruß, Stucki

den Gruß zurück
Wolkenstein

Das Buch von Schwanitz ist komprimierte Geschichte, ich habs
auch gelesen, aber es eher als Hinweis/Meinung aufgefasst, zum
weiter recherchieren. Nicht als allgemeingültige Lehrmeinung.

Genau deshalb wende ich mich auch an euch schlaue Geschichtsköpfe :wink:
Was mir halt in seinem Buch aufgefallen ist, war seine strikte oppositionelle Haltung gegenüber der allgemeinen Lehrmeinung zum Thema Bismark (ect.).

Und ein bißchen beeindruckt mich dieser Herr Schwanitz schon… immerhin ist er Professor (ohhh…) - ihr wisst schon, was ich meine… Wissen schafft Macht…
Wie kann ich behaupten, er läge falsch in seiner Meinung, wenn ich kaum Ahnung von dieser Geschichte habe…

Vielen Dank für eure Einträge!

Ohne Hitler ein 2. WK?
Ohne Wirtschaftskrise ein Hitler?
Ohne instabilem Weimarer Staat ein Hitler?
Ohne instabilem Weimarer Staat paramilitärische Gruppe á la
SA?
Ohne Stalins Untersützung ein Hitler? (zur Erklärung: Stalin
sah nicht in den Nationalsozialisten seine Hauptgegener,
sondern in den Sozialdemokraten, die er als „Sozialfaschisten“
bekämpfen ließ)

Fragen über Fragen. Und Du machst den 1. WK zum
alleinigen Kriegsgrund für den 2.???

Vielleicht meinte er ja auch nur den 1. Weltkrieg mit all seinen Folgen:

Der 1. WK ist die Ursache (bestehend aus mehreren Ursachen) für viele Folgen, die zur Ursache des 2. Weltkrieges wurden

Hi
Ich habe aus ähnlichen Gründen mal einen ähnlichen Thread angezettelt

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Tja, die Verherrlichung Bismarks als Genie scheint wohl genausowenig zu greifen wie seine Verdammung als die Wurzel allen Übels.

Gruß
Mike

Hi vastitas!

Vielleicht meinte er ja auch nur den 1. Weltkrieg mit all
seinen Folgen:

Ja, gut, könnte sein.

Der 1. WK ist die Ursache (bestehend aus mehreren Ursachen)
für viele Folgen, die zur Ursache des 2. Weltkrieges wurden

Mein Problem ist das „die“ (habs in Deinem Text herausgehoben). Ich will´s mal an einem Beispiel verdeutlichen:

„Ohne Hitler kein 2. WK?“ war eine meiner Fragen. Der 1. WK ist nicht die Ursache für Hitler, den gabs da schon. Gut, geschenkt, der 1. WK und sein Ausgang haben die Machtergreifung vereinfacht. Der 2. WK wurde von Hitler vom Zaun gebrochen. Dafür ist der 1. WK ziemlich unmaßgeblich.

Hitler träumte vom „Lebensraum im Osten“. Er wollte die Slawen beseitigen, zumindest aber zu deutschen Sklavenvölkern machen. Hitler wollte die Juden ausrotten. Hitler hätte auch ohne 1. WK versucht, seine Ideen umzusetzen und dazu brauchte er einen Krieg, zumindest im Osten Europas.

Den 1. WK zur alleinigen Ursache hochzustilisieren halte ich für falsch.

Grüße
Wolkenstein

Hi vastitas!

Vielleicht meinte er ja auch nur den 1. Weltkrieg mit all
seinen Folgen:

Ja, gut, könnte sein.

Der 1. WK ist die Ursache (bestehend aus mehreren Ursachen)
für viele Folgen, die zur Ursache des 2. Weltkrieges wurden

Mein Problem ist das „die“ (habs in Deinem Text
herausgehoben). Ich will´s mal an einem Beispiel
verdeutlichen:

„Ohne Hitler kein 2. WK?“ war eine meiner Fragen. Der 1. WK
ist nicht die Ursache für Hitler, den gabs da schon. Gut,
geschenkt, der 1. WK und sein Ausgang haben die
Machtergreifung vereinfacht.

Sagen wir es mal so, erst ermöglicht.
Die Weltwirtschaftskrise 1929 ff war eine Folge der Reparationsregelungen von Versailles, Die Ruhrbesetzung (die sehr viel böses Blut schaffte) war ebenfalls eine Folge, die tiefe Unzufriedenheit mit der Demokratie in D, die von Rechtsaussen bis weit in die Bürgerlichen Kreise hineinreichte, lässt sich auf die horrenden Wirtschaftsprobleme nach dem Krieg zurückführen usw usw usw.

Natürlich hätte bei einigermaßener Vernunft bei der Friedensregelung dies alles vermieden und abgemildert werden können. Die vielversprechenden Ansätze zwischen Briand und Stresemann starben aber leider mit letzterem.

Die Revision des Ausganges des WK1 (Die Toten dürfen nicht umsonst gestorben sein) war DAS politische Zugpferd und DIE wichtigste Frage Deutscher Aussen- und Innenpolitik.

Der 2. WK wurde von Hitler vom
Zaun gebrochen. Dafür ist der 1. WK ziemlich unmaßgeblich.

Ohne die instabile Situation nach dem WK1 wäre Hitler wohl für immer ein in Obdachlosenheimen lebender Postkartenmaler geblieben.

Hitler träumte vom „Lebensraum im Osten“.

das hätte er in seinem Obdachlosenheim sicherlich ganz prima gekonnt, er wäre ein verlachter Schwadronierer geblieben.

Den 1. WK zur alleinigen Ursache hochzustilisieren
halte ich für falsch.

das ist allerdings gleichfalls korrekt, aber der durch den 1. WK und die nachfolgende Friedensregelung aufgebrachten Fragenkomplex war ursächlich. Insofern stellt der 1. WK tatsächlich einen Fixpunkt in der Geschichte dar. Im 1 Weltkrieg bündelten sich so viele Entwicklungsstränge, dass dieser Krieg ein Kernpunkt für die nachfolgende Zeit bis wenigstens zum Zusammenbruch der SU ist… Also praktisch für das ganze 20. Jahrhundert.

Gruß
Mike

Seas (?) Wolkenstein!

Mein Problem liegt in Deinem " die" vor dem Wort
„Ursache“. Dieses „die“ impliziert, dass der 2. WK genau
nur eine
Ursache hatte, nämlich den 1. WK.

Falsch, mit „die“ meinte ich „die Hauptursache“.

Ohne Hitler ein 2. WK?
Ohne Wirtschaftskrise ein Hitler?

Die Wirtschaftskrise hat auch andere Länder gebeutelt.

Ohne instabilem Weimarer Staat ein Hitler?
Ohne instabilem Weimarer Staat paramilitärische Gruppe á la SA?

Ohne Hitler und Gesinnungsgenossen auch keinen instabilen Weimarer Staat!

Ohne Stalins Untersützung ein Hitler?

Natürlich gibt es immer viele Ursachen, z.B. auch die, dass Hitler seine Erkältung 1932 sehr schnell auskuriert hat und keine Lungenentzündung davon bekommen hat.

Fragen über Fragen. Und Du machst den 1. WK zum
alleinigen Kriegsgrund für den 2.???

Nein, siehe oben.

Gruß, Stucki

Die Weltwirtschaftskrise 1929 ff war eine Folge der
Reparationsregelungen von Versailles…

Das stimmt definitiv nicht! Die Weltwirtschafskrise von 1929 war Folge des „Schwarzen Freitags“ am 24. Oktober 1929 an der New Yorker Börse. An diesem Tag gab es Kursstürze von über 90%! Dass diese zunächst amerikanische Krise auf Europa und somit auch auf Deutschland übergesprungen ist, hat folgenden Grund: Die USA haben Deutschland (auch anderen Länder Europas) kurzfristige Kredite zum Wiederaufbau zur Verfügung gestellt. Diese Kredite wurde an die deutsche Wirtschaft weitergegeben, jedoch auf langfristige Sicht. Als nach dem Börsencrash die Kredite nun von den USA zurückgefordert wurden (dies konnten sie aufgrund der Kurzfristigkeit), konnte Deutschland diese Gelder nicht zahlen, da sie in der Wirtschaft fest verplant waren. Dies führte in Deutschland zu - ähnlich wie in der Frühphase der 1920er - Massenarbeitslosigkeit und einer großen Konkurswelle in der deutschen Wirtschaft.

Die Ruhrbesetzung (die
sehr viel böses Blut schaffte) war ebenfalls eine Folge, die
tiefe Unzufriedenheit mit der Demokratie in D, die von
Rechtsaussen bis weit in die Bürgerlichen Kreise
hineinreichte, lässt sich auf die horrenden
Wirtschaftsprobleme nach dem Krieg zurückführen usw usw usw.

Dem kann ich auch nicht ganz zustimmen! Die Ruhrbesetzung im Januar 1923 war ein Fehler Frankreichs, für den Frankreich international auch keine Zustimmnug fand, was zum Abzug aus dem Ruhrgebiet führte. Da Deutschland wegen eines lächerlich kleinen Prozentsatzes bei den Reperationszahlungen hinterherhing (100 Tausend von über 14 Milliarden), besetzte Frankreich (formal gesehen gemeinsam mit Belgien und Italien) das Ruhrgebiet, um ein „produktives“ Pfand in Händen zu haben (Stichwort Kohle). Zu dieser Zeit war auch der Höhepunkt der Inflation erreicht, jedoch war unter der Regierung Stresemann (große Koalition: SPD, Zentrum, DDP, DNVP) zeitgleich der Ruhrkampf und die Inflation mit Einführung der Rentenmark beendet. Ab dieser Zeit, von 1924 bis 1929 wird auch als die „Goldenen 20er“ bezeichnet; Hier war also keine Unzufriedenheit, sondern Wirtschaftswachstum und politische Erholung in Deutschland anzutreffen, jedoch wurde dies mit der Weltwirtschaftskrise 1929 und der dadurch für Hitler gegebenen Chance unbedeutend.

Natürlich hätte bei einigermaßener Vernunft bei der
Friedensregelung dies alles vermieden und abgemildert werden
können. Die vielversprechenden Ansätze zwischen Briand und
Stresemann starben aber leider mit letzterem.

Stimmt! Es ist schade, dass die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich, welche schon in dieser Zeit erst Ansätze zeigte, nicht ausgebaut werden konnte. Die Außenminister Deutschland und Frankreichs fassten in den 20er Jahren den ersten europäischen Gedanken! Er wurde jedoch nicht verwirklicht; erst die Montanunion Ende der 1950er ließ ein Europa und somit eine zwangläufige Aussöhnung mit Frankreich erkennen.

Mit freundlichen Grüßen
Lang, Robert

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Das Geldsystem…
Servus
Das Problem Deutschlands war, dass durch die Reparationen ein permanenter Kapitalabfluss stattfand. Die Kriegsgegner, insbesondere Frankreich, zahlten mit diesen Reparationen ihre Schulden in den USA
das zurückfliessende kapital wurde dann wieder an Deutschland verliehen, dass dann wieder weitere Reparationen zahlen konnte. (Hierbei ist es vollkommen belanglos, für was die Kredite im einzelnen Verwendet wurden)

Resultat: permanter Liquiditätsmangel in D, Liquiditätsüberschuss in den USA. Dieser Liquiditätsüberschuss führte zu einer Konjunkturüberhitzung und zu einer Spekulationsblase. Als die Spekulationsblase platzte, kam es in den USA zum Liquiditätsengpass, weil die virtuellen Sicherheiten wegfielen…

Die Krise in D wäre also niemals so stark ausgefallen, wenn dieser irre Geldkreislauf, der sich selbst ins leere aufgebläht hat, niemals zustande gekommen wäre. Wahrscheinlich hätte es ohne Versailles keine Weltwirtschaftskrise gegeben.

(Ähnliches passierte in D übrigens nach dem Krieg 1870/71)

Die Ruhrbesetzung (die
sehr viel böses Blut schaffte) war ebenfalls eine Folge, die
tiefe Unzufriedenheit mit der Demokratie in D, die von
Rechtsaussen bis weit in die Bürgerlichen Kreise
hineinreichte, lässt sich auf die horrenden
Wirtschaftsprobleme nach dem Krieg zurückführen usw usw usw.

Dem kann ich auch nicht ganz zustimmen! Die Ruhrbesetzung im
Januar 1923 war ein Fehler Frankreichs, für den Frankreich
international auch keine Zustimmnug fand, was zum Abzug aus
dem Ruhrgebiet führte.

Und danach war alles Vergeben und Vergessen? Nicht wirklich, oder

Ab dieser Zeit, von 1924 bis 1929 wird auch als die
„Goldenen 20er“ bezeichnet; Hier war also keine
Unzufriedenheit, sondern Wirtschaftswachstum und politische
Erholung in Deutschland anzutreffen, jedoch wurde dies mit der
Weltwirtschaftskrise 1929 und der dadurch für Hitler gegebenen
Chance unbedeutend.

Richtig, im Nachhinein waren die "Goldenen 20-ger eben auf sand gebaut worden. Und die latente Unzufriedenheit mit „dem System“ wurde nur überdeckt, nicht beseitigt.

Natürlich hätte bei einigermaßener Vernunft bei der
Friedensregelung dies alles vermieden und abgemildert werden
können. Die vielversprechenden Ansätze zwischen Briand und
Stresemann starben aber leider mit letzterem.

Stimmt! Es ist schade, dass die Annäherung zwischen
Deutschland und Frankreich, welche schon in dieser Zeit erst
Ansätze zeigte, nicht ausgebaut werden konnte. Die
Außenminister Deutschland und Frankreichs fassten in den 20er
Jahren den ersten europäischen Gedanken! Er wurde jedoch nicht
verwirklicht;

Traurig, aber wahr, Imho wäre Hitler nicht an die Macht gelangt, wenn Stresemann nicht 1929 gestorben wäre.
Aber was wäre, wenn…

Grüssle
Mike

Hallo vastitas,

also gerade im Zusammenhang mit dem Stichwort „Bildung“ kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass Otto von Bismarck immer noch mit „ck“ geschrieben wird. Auf dass man diesen Thread im Archiv auch wiederfinde …

Grüße
Wolfgang

Hallo,

also auch ich habe dieses Buch gelesen und die Problematik, dass komplexe Gründe in derartiger Kürze nicht dargestellte werden können, ist auch mir aufgefallen.
Es ist sicher wichtig bei der Beurteilung Bismarcks zu beachten, welcher sozialen Gruppe er entsprang und welche er dementsprechend auch unterstützte. Für das Ziel, die Monarchie am Leben zu halten, war seine Politik sicherlich extrem günstig.
Leider ist er dem eigenen Unentbehrlichkeit-Gedanken aufgesessen. Und wie bereits in einigen Beiträgen erwähnt, vermochte keiner seiner Nachfolger, sein System weiterzuführen.

Ich persönlich halte Bismarck für einen genialen Strategen und den politisch unfähigen Kaiser für einen wichtigeren Faktor für den Ausbruch des Krieges.
Ausserdem bezweifele ich, dass die Gegner Deutschlands und Österreichs nur Opfer der Politik wurden. Sie haben sie auch mitgestaltet, leider wird das völlig aus der Disskussion ausgeblendet. Ich finde es schade, dass in Deutschland selbst heute - mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem 2.WK- niemand über die „Schuld-faktoren“ der anderen Kriegsparteien reden kann. Müssen wir bis in alle Ewigkeit die Schuldigen für die beiden Weltkriege sein? Ein derart monokausales Erklärungsmodell verschleiert meiner Ansicht nach das Verständnis für die Komplexität des politischen Lebens.

Catrin

Hallo!!

Ich bin kein Professor, aber solche Äußerungen entbehren meines Erachtens jeder Grundlage.
Otto von Bismarck als Urheber zweier Weltkriege zu bezeichnen ist sehr weit hergeholt und wenn, dann trägt er nur eine mittebare Schuld am 1.WK ( 2.WK hat seine Wurzeln unter anderem im 1.WK), aber selbst diese bestreite ich.
Bismarck hat durch seine sehr geschickte Außenpolitik ( Deutschland sei " saturiert") und Bündnispolitik ja gerade versucht, Kriege in Europa zu verhindern. Wilhelm II. ist derjenige gewesen, der seit 1888 in einer Anwandlung teutonischer Großmachtsucht genau dieses Bündnissystem torpedierte ( Deutschland beanspruchte einen " Platz an der Sonne"). Bismarcks Ziel - Isolation Frankreichs hat ein gewisser Wilhelm II. ins Gegenteil verkehrt und so erst einmal ein Bündnis Rußland - Frankreich - England ( Tripple entente) ermöglicht.

Ich bin alles andere als ein Bismarck- Verehrer, aber dieser zugegeben widersprüchlichen Person auch noch die Erzfeindschaft zu Frankreich anzuhängen ist falsch. Zugegeben, der Deutsch- französische Krieg 1870/ 71 und die deutsche Bündnispolitik hat das Verhältnis zwischen beiden Staaten nicht gerade verbessert, aber bereits seit 1807 ist das Verhältnis ( konkret die Erzfeindschaft) vergiftet gewesen ( Napoleonische Fremdherrschaft … Befreiungskampf 1814/ 15).

Tschüß!!

Um auf Bismarck zurück zu kommen …
Hallo,

(Ähnliches passierte in D übrigens nach dem Krieg 1870/71)

Bismarck hat penibel auf pünktlichste Zahlungen der Reparationen bestanden - knallhart war er da!
Man kann ja über einzelne Dinge diskutieren und eine Meinung dazu haben, letztendlich - um mal den „Mainstream“ zu betrachten - aber „waren die Völker noch nicht so weit“. Man denke nur an die ungeheure Verletzung des französichen Nationalstolzes durch die Kaiserkrönung in Versailles. Das wollten die Deutschen wohl auch ihrem „Erzfeind“ antun wegen Napoleon. Die Franzosen haben sich dann mit dem „Schandvertrag“ von Versailles gerächt. Diesen hatten die Amerikaner in dieser Form und Schärfe bekanntlich abgelehnt, da sie darin nur den Zündstoff für neue Kriege sahen - wie wahr!

Schätzen wir uns glücklich, dass dieser Vergeltungskreislauf in unserer Zeit endlich durchbrochen wurde.

Übrigens habe ich gelesen, dass bereits 1931 die letzten Reparationszahlungen geleistet wurden - fast 2 Jahre vor der Machtübergabe.

Gruß, Stucki