Hatte Napoleon am 14. Okt. 1806 einfach nur Glück?

Hallo @ all,
es nähern sich langsam die 200. Jahrestage der großen Schlachten Napoleons, also Austerlitz („Dreikaiserschlacht“, 2. Dez. 1805) und Jena/Auerstedt (14. Okt. 1806), auch wenn man in der Öffentlichkeit nicht viel davon hört.
Napoleon scheint mir mit gewisser Regelmäßigkeit einen groben Fehler zu begehen: Er dirigiert vereinzelte Armeekorps so, daß sie mitten in die Hauptmacht des Feindes prallen und vernichtet werden (Korps Mortier 11/1805; Korps Vandamme 8/1813). Bei Jena und Auerstedt wäre das beinahe dem Korps Davout passiert.

Zur Erinnerung: Die Kampfhandlungen Frankreich-Preußen beginnen am 3.10.1805, ohne daß die Kontrahenten den Standort der feindlichen Heere kennen. Nach mehreren kleinen Gefechten bemerkt Marschall Lannes am Mittag des 13.10. preußische Truppen auf dem Landgrafenberg über Jena. Napoleon nähert sich ca. 16 Uhr allein bis auf Schußweite der feindlichen Truppe, ohne erkannt zu werden, schätzt die Armee vor sich auf 50-60.000 Mann und hält sie für die preußische Hauptstreitmacht. Tatsächlich ist es aber nur ein Korps von 38.000 Mann unter General Hohenlohe, der den „hinter“ ihm stattfindenden Abmarsch der Hauptarmee unter dem Fürsten von Braunschweig Richtung Leipzig deckt. Ca. 22 Uhr schickt Napoleon an Marschall Davout den Befehl, in Richtung Apolda zu marschieren und der feindlichen Armee in den Rücken zu fallen; irgendwelchen Widerstand werde er nicht finden.-

Am 14.10. ab 9 Uhr hat Napoleon mit über 70.000 Mann leichtes Spiel gegen die 38.000 Soldaten Hohenlohes, die ca. 13 Uhr geschlagen und in voller Auflösung Richtung Weimar zurückweichen. In dem Moment kommt aus Richtung Weimar der preußischen General Rüchel mit 18.000 Mann und begeht einen schier unbegreiflichen Fehler: Er zwängt seine Truppen durch den Engpaß von Kapellendorf, durch den ihm die geschlagenen Soldaten Hohenlohes entgegenströmen, entfaltet die Gefechtsformation und stürzt sie damit dem vierfach überlegenen Feind in den Rachen, der das Korps Rüchel binnen 30 Minuten überwältigt.

So weit, so schlimm. Aber 25 km nordöstlich stößt Marschall Davout mit drei Divisionen, 33.000 Mann, westlich Hassenhausen frontal auf die preußische Hauptmacht von fünf Divisionen und einer Kavalleriebrigade, 50.000 Mann. Die Franzosen stehen mit verkehrter Front (Gesicht nach Frankreich) und haben im Falle der Niederlage keinen Rückzug. An der Spitze der preußischen Kolonne marschiert Generalleutnant Blücher mit seinen Reitern. Sofort nach Feindberührung attackiert er die frz. Division Gudin, das Dragonerregiment Irwing haut das 85. (frz.) Regiment zusammen, dessen Reste nach Hassenhausen flüchten. Und genau in diesem Moment passieren zwei Unglücksfälle. Der preußische Kommandeur Herzog von Braunschweig wird tötlich verwundet (eine Kugel trifft ihn seitlich in die Schläfe und zerschlägt ihm beide Augen), kurz nachdem er seinen Generalstabschef Oberst v. Scharnhorst zur Division Schmettau geschickt hat; gerade als Scharnhorst eintrifft, fällt der Divisionskommandeur, und Scharnhorst sieht sich darauf beschränkt, die Division zu kommandieren.
Mit diesen zwei Unglücken hört preußischerseits jegliche zentrale Führung auf. Nacheinander kommen von beiden Seiten je drei Divisionen ins Gefecht (frz.: Gudin, Friant, Morand; pr.: Schmettau, Wartensleben, Oranien), und ca. 12 Uhr weichen die Preußen leidlich geordnet zurück. Zu diesem Zeitpunkt haben aber zwei preußische Divisionen (Arnim und Plötz) noch gar nicht gefochten! Clausewitz sagt später, daß die Schlacht unmöglich zu verlieren gewesen wäre, hätten nun die beiden (Reserve-)Divisionen eingegriffen.
((Exkurs: Gab es trotz der beiden Unfälle eine Chance auf Rettung? Der preußische König Friedrich Wilhelm III. befand sich auf dem Schlachtfeld; er hätte einen neuen Oberkommandeur ernennen müssen. Das hätte nach Dienstgrad, Lebens- und Dienstalter sowie Ansehen und Ruhm nur Blücher sein können - und dieser hätte die Reserve eingesetzt.))

Stellen wir uns also diese Situation vor:

  1. Rüchel vermag nach der Niederlage Hohenlohes das Defile von Kapellendorf einige Stunden lang zu verteidigen, bis sich das Korps Hohenlohe wieder gesammelt hat. Es hätte dann von 38.000 Mann etwa 10.000 verloren - eine Niederlage, aber keine Katastrophe.
  2. Der Herzog von Braunschweig bleibt unverletzt (oder bald noch besser: der König ernennt Blücher zu seinem Nachfolger), die Reserven kommen zum Einsatz, und die preußische Hauptmacht sprengt das Korps Davout, das keinen Rückzug hat, völlig und nimmt die Reste gefangen. Das wären 33.000 Mann Verlust.
    Das wäre kein Sieg Napoleons gewesen, im Gegenteil. Die „offiziellen“ Darstellungen von „Jena und Auerstedt“ klingen immer so, als wäre die Niederlage Preußens von Anfang an klar gewesen. Die Fakten scheinen mir etwas anderes zu besagen. Napoleon hatte einfach nur Glück, daß die beiden Generäle Schmettau und Braunschweig fielen; ohne dem wäre sein Korps Davout zugrunde gegangen und hätte die Wirkungen des Sieges Napoleons über Hohenlohe egalisiert.

Meine Frage: Hat jemand etwas wie meine soeben notierten Gedankengänge schon mal irgendwo gelesen? Wenn ja, bitte Autor usw. mitteilen!

  • Django -

Hallo Django,

ich denke, du überschätzt die Bedeutung des Verlaufs der einzelnen
Schlacht und unterschätzt die Bedeutung der Verfassung der beiden
Armeen. Lies mal http://www.preussenweb.de/jena.htm

Wenn es, neben der im wesentlichen veralteten Armee, einen
Fehler Preussens gab, dann den nicht der Koalition von Russland
und Östereich beizutreten und damit ‚Austerlitz‘ verursacht zu
haben

Napoleon scheint mir mit gewisser Regelmäßigkeit einen groben
Fehler zu begehen: Er dirigiert vereinzelte Armeekorps so, daß
sie mitten in die Hauptmacht des Feindes prallen und
vernichtet werden (Korps Mortier 11/1805; Korps Vandamme
8/1813). Bei Jena und Auerstedt wäre das beinahe dem Korps
Davout passiert.

Das war kein Fehler sondern bewustes Kalkül eines Generals der
seine geschickter und schneller manövrierenden Verbände in einem
Angriffskrieg halten wollte. In einem Stellungskrieg, wie es der
7jährige Krieg am Ende war, wären die ohne Nachschub allein durchs
Plündern des Landes sich versorgenden französichen Verbände bald
erledigt gewesen (siehe Russland!). Ruhmessucht und Ergeiz des
Korpskommandaten führten bei Auerstedt allerdings dazu, dass
dieses ‚Vorwärtsstreben‘ deutlich überzogen wurde.

Dazu kam, das Preussen den Krieg allein durch eine erfolgreiche
Verteidigung hätte gewinnen können während Napoleon als Angreifer
den Einmarsch in Berlin brauchte. Hätten die Preussen sich also
vereinigen und in einer gutbefestigten Linie aufbauen können,
wäre es allein dadurch extrem kritisch für Napoleon geworden.

Den gleichen ‚Fehler‘ kann man Blücher (Marschall Vorwärts!)
genauso mit der selben Berechtigung unterstellen :wink:

Clausewitz sagt später, daß die Schlacht unmöglich zu verlieren
gewesen wäre, hätten nun die beiden (Reserve-)Divisionen einge-
griffen.

Damit hat er sicherlich recht … nur was hätte dies geändert?
Eine entscheidende Niederlage Napoleons wäre dadurch nicht
zustande gekommen.

Napoleon hatte einfach nur Glück, daß die beiden Generäle
Schmettau und Braunschweig fielen; ohne dem wäre sein Korps
Davout zugrunde gegangen und hätte die Wirkungen des Sieges
Napoleons über Hohenlohe egalisiert.

Napoleon hatte das Glück das ihm, durch die Unfähigkeit seiner
Gegner und das Schlachtenglück, der Sieg so früh schon zufiehl.
Ich kenne den Feldzugsplan Napoleons nicht genau genug - aber
der Zusammenbruch der preusisch-Sächsischen Armee nach den
keinesfalls verheerenden Niederlagen bei Jena und Auerstedt
zeigte deutlich was los war. Eine ‚mental intakte‘ Armee hätte
auch danach, und sei es mittels der zahlreichen gutgerüsteten
Festungen, weiter erfolgreich kämpfen können.

Viele Grüße

Jake

Plagiat

Hallo Django,

Hallo Jake,
keine Sorge, der Plagiat-Vorwurf gilt nicht Dir, sondern dem Verfasser dieser Seite:

Lies mal http://www.preussenweb.de/jena.htm

auf die Du Dich bezogen hast. Der Text ist eine fast oder ganz wörtliche Abschrift des „Historischen Illustrierten Hefts Nr. 42: Die Schlacht bei Jena und Auerstedt“, erschienen 1986 in der DDR.

Im übrigen warte ich mal ab, ob es noch mehr Wortmeldungen gibt.

  • Django -

Nun ja teils teils.
Bei der Lokalisierung der beiden Armeen standen die Preußen den Franzosen in nichts nach. Auch sie erwarteten den Gegner an eine völlig anderen Stelle und vermuteten, das die Franzosen aus dem Raum Frankfurt – Erfurt anrücken. Erst die Meldungen über das Geplänkel in Saalfeld setzte sie in die Erkentnis, von wo die Gefahr drohte und das der Gegner schon so nah war, aber ich würde behaupten, dass auch zu dem Zeitpunkt im preußischen Generalstab noch nicht Einigkeit herrschte, nicht umsonst war die gesamte preuß. Armee noch am Vorabend der Schlacht mit Front Richtung Weimar postiert.
Glück für Napoleon war, dass die preuß. Armee nicht wie die preuß. Armee eingesetzt wurde.

  1. Punkt – Arroganz/Selbstüberschätzung: Die preuß. Armee zog in den Krieg um den kleinen Korsen mal zu zeigen was Sache ist. Als sie dann auf dem Erfurter Hochplateau bei schlechtem Oktoberwetter planlos hin und her zogen und keinen Franzosen sahen, kam es schon zu ersten Auflösungserscheinungen. Als dann die Schlacht verloren war, brach gleich alles zusammen (wieviele Schlachten hat Friedrich II. verloren und trotzdem den Krieg gewonnen?).
    2.Punkt: Perversion der Lineartaktik. Früher war es gängige Lehrmeinung, das die moderne franz. Kolonnentaktik über die alte friderizianische Lineartaktik gesiegt hat, nur die Engländer haben 9-Jahre später mit genau der gleichen Taktik Waterloo gewonnen… das Problem war, dass die Lineartaktik friderizianischer Schule einer sogenannten Revuetaktik gewichen war, die alles daransetzte jede noch so komplizierte Bewegung der Truppenmöglichst gleichmäßig (revuetauglich) durchzuziehen. Das sah zwar bei Paraden super aus, taugte jedoch nicht mehr für die Schlacht, besonders wenn die Verluste der Offiziere sehr groß waren. Weiterhin hatte der Generalstab schon bei Beginn des Feldzuges festgelegt die Schlacht auf dem Erfurter Hochplateau zu schlagen und schon sämtliche möglichen Schlachtaufstellungen festgelegt (natürlich ohne die Franzosen zu Fragen ob sie da mitmachen würden…).
  2. Punkt: konsequente Truppenführung. Beide Schlachten (Jena/Auerstädt) fingen für die Preussen gar nicht so schlecht an, aber anstatt (wie der alte Fritz) den schrägen Linearangriff auf Vierzehnheiligen (der die Franzosen in arge Bedrängnis brachte) konsequent weiterzuführen und durchzuziehen, verzagten die Kommandierenden und ließen die Truppen auf Schussweite (um auf Rüchel zu warten) anhalten und von den franz. Tirailleuren niedermetzeln.
    In punkto Truppenführung hat sich Blücher auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, denn anstatt nach dem ersten Anritt auf die Franzosen und deren taktischem Rückzug, die Lage zu klären (es herrschte dicker Nebel auf dem Schlachtfeld), ritt er lieber 3 oder 4 (sinnlose) Angriffe auf die mittlerweile im Karre positionierten Franzosen und verschliss die Kavallerie, wodurch es den Franzosen möglich wurde, im Laufe des Schlachttages den weiten Schwenk auf ihrer rechten Flanke durchzuführen, der die preuß. Stellung aushebelte.

Das ganze schmälert aber Napoleons Genie in keinster Weise. Nicht mal Napoleon hätte daran gedacht, dass die Preußen kurz vor einer Schlacht ihre Truppen teilen – mit so einer Dämlichkeit hatte Napoleon nun einfach mal nicht gerechnet.
Das Zusammenziehen der einzelnen Korps auf dem Schlachtfeld war (gerade in Jena) genial und brachte den Sieg (hier besonders das Korps Lannes, welchen den Linksschwenk vollführte und den Preußen bei Vierzehnheiligen in die Flanke viel). Mit den motivierten franz. Truppen und den selbstständig denkenden und handelnden Kommandeuren war das Risiko geringer als es heute scheinen mag. Eine unheimliche Leistung war weiterhin das Transportieren der Truppen (besonders der Artillerie) von Jena aus auf das Hochplateau (ich stamme ursprünglich aus Jena und bin die Wege sehr oft abgelaufen), mit dem die preuß. Armee einfach nicht gerechnet hat.

Sehe ich so ähnlich

Als dann die Schlacht verloren war, brach gleich alles zusammen (wieviele Schlachten hat Friedrich II. verloren und trotzdem den Krieg gewonnen?).

Das Chaos brach aus, als sich am Abend des 14.10.1806 die Flüchtlingsströme von Jena und von Auerstedt nahe Weimar kreuzten

2.Punkt: Perversion der Lineartaktik. Früher war es gängige Lehrmeinung, das die moderne franz. Kolonnentaktik über die alte friderizianische Lineartaktik gesiegt hat, nur die Engländer haben 9 Jahre später mit genau der gleichen Taktik Waterloo gewonnen…

Genauso ist es. Tirailleurs brauchen eine Anlehnung im Gelände, ohne dem sind sie dem Reiter- oder Bajonettangriff gegenüber verloren. Als am 14.10.1806 die Franzosen in der Ebene südlich Hassenhausen mit ihrem Schützengefecht anfingen, fegte die Division Wartensleben den Spuk vor ihrer Front mit ein paar Salven weg. Damals entfaltete die preußische Armee zum letzten Mal ihre alte Kampfkraft.

  1. Punkt: konsequente Truppenführung. Beide Schlachten (Jena/Auerstädt) fingen für die Preussen gar nicht so schlecht an, aber anstatt (wie der alte Fritz) den schrägen Linearangriff auf Vierzehnheiligen (der die Franzosen in arge Bedrängnis brachte) konsequent weiterzuführen und durchzuziehen, verzagten die Kommandierenden und ließen die Truppen auf Schussweite (um auf Rüchel zu warten) anhalten und von den franz. Tirailleuren niedermetzeln.

Stehendes Feuergefecht einer Linie gegen einen Feind, der durch Häuser dgl. gedeckt wird, ist Wahnsinn. Hohenlohe (dem ja eigentlich nur eine defensive Aufgabe gestellt war) hätte sich entweder auf Kanonenfeuer gegen Vierzehnheiligen beschränken oder den Ort mit dem Bajonett angreifen lassen müssen. Fr. d. Gr. beschreibt in den „Grundsätzen der Lagerkunst und Taktik“ (1770) „Achtzehnter Articul: Ein Dorf zu attaquieren“ das Verfahren ganz genau: Die Hauptmacht hält sich 900 Schritt vom Dorf entfernt. Drei oder vier Kolonnen, bestehend aus drei Bataillonen in Linie hintereinander (summa also 9-12 Bataillone) gehen mit dem Bajonett auf den Ort los, und durch die Zwischenräume der Kolonnen feuert die Artillerie solange, bis die Kolonnen angekommen sind und der Nahkampf beginnt.

Eine unheimliche Leistung war weiterhin das Transportieren der Truppen (besonders der Artillerie) von Jena aus auf das Hochplateau (ich stamme ursprünglich aus Jena und bin die Wege sehr oft abgelaufen), mit dem die preuß. Armee einfach nicht gerechnet hat.

Ich halte es nicht für einen Fehler, daß Hohenlohe die Ränder des Hochplateaus nicht besetzte. Eine Besetzung des Landgrafenberges hätte den Franzosen den Aufweg auf das Plateaus über den Apoldaer Steiger verwehrt, aber doch nur eine Umgehung ausgelöst. Die Aufstellung Hohenlohes 3-4 km vom Hang des Landgrafenberges entfernt war richtig. Der Fehler bestand darin, dem Feind Zeit zu lassen, seine Übermacht auf den Landgrafenberg zu transportieren. Richtig wäre gewesen, am Nachmittag des 13.10. einen Teil des Korps Lannes auf das Plateau zu lassen, und es dann mit Übermacht anzugreifen und hinunterzuwerfen.

Das Chaos brach aus, als sich am Abend des 14.10.1806 die
Flüchtlingsströme von Jena und von Auerstedt nahe Weimar
kreuzten

ja ber auch die Festungen im westlichen Teil kapitulierten viel zu schnell. Wie lange man hätte standhalten können haben Kolberg, Schweidnitz und Silberberg bewiesen.

Eine unheimliche Leistung war weiterhin das Transportieren der Truppen (besonders der Artillerie) von Jena aus auf das Hochplateau (ich stamme ursprünglich aus Jena und bin die Wege sehr oft abgelaufen), mit dem die preuß. Armee einfach nicht gerechnet hat.

Ich halte es nicht für einen Fehler, daß Hohenlohe die Ränder
des Hochplateaus nicht besetzte. Eine Besetzung des
Landgrafenberges hätte den Franzosen den Aufweg auf das
Plateaus über den Apoldaer Steiger verwehrt, aber doch nur
eine Umgehung ausgelöst. Die Aufstellung Hohenlohes 3-4 km vom
Hang des Landgrafenberges entfernt war richtig. Der Fehler
bestand darin, dem Feind Zeit zu lassen, seine Übermacht auf
den Landgrafenberg zu transportieren. Richtig wäre gewesen, am
Nachmittag des 13.10. einen Teil des Korps Lannes auf das
Plateau zu lassen, und es dann mit Übermacht anzugreifen und
hinunterzuwerfen.

Sehe ich nicht ganz so.

  1. am 13. stieg die Garde mit Napoleon auf den Landgrafenberg und kampierte dort. Ich glaube die Brigade Tauentzien rückte am selben Abend vor und schaute mal nach was da los ist. Was wäre es wohl für eine moralische Schlappe für die Franzosen gewesen, wenn die (deutlich überlegene) preuß. Brigade die bis dahin ungeschlagene Garde verjagt hätte? So zog sich die Brigade nach einigem geplänkel wieder zurück um den Feind am nächsten Tag mit geballter kraft zu werfen. Den Landgrafenberg gänzlich zu besetzen wäre ein Fehler gewesen, da dieses Plateau vom Rautal und dem Steiger mit den beiden Dörfern Closewitz und Cospeda umfasst wurde und eine Besatzungstruppe dann abgeschnitten wäre. IMO hätten die beiden Dörfer besetzt werden müssen, besonders Cospeda mit dem Ausstieg aus dem Mühltal, da die Besetzung desselben einen Keil zwischen Preussen und Sachsen geschlagen hat. Napoleon selber bewertete die Einschnürung zwischen den beiden Dörfern als kritischen Punkt des Schlachtfeldes. Auf dem Plateau hätten leichte Truppen/Husaren den Aufstieg der Franzosen behindern sollen, so wäre es napoleon tatsächlich nicht geglückt seine Kanonen auf das Plateau zu bekommen.

Das Korps Lannes ist imo erst am 14. in der Frühe auf das Plateau vorgestoßen und dann auch unabhängig von der anderen Armee über den Jägerberg (nicht in Sicht mit Landgrafen etc.) auf Richtung Rödigen zu. Die dort postierten Preussen (Brg. Kalckreut?) waren eigentlich die grössten Pfeifen der Schlacht, denn die Kürassiere ritten eine halbherzige Attacke auf die Spitzen der Franzosen an, die sie nach einigem Gegenfeuer abbrachen und bis ins 4km entfernte Zimmern flüchten ließ. Nachdem die Infanterie das gesehen hatte zog sie sich ebenfalls dorthin zurück und wartete den ganzen Tag untätig, obwohl Schlachtenlärm zu hören war. Damit war der Weg für Lannes frei und da er einer der besten Marschälle Napoleons war zögerte er nicht lange und fiel den Preussen eigenmächtig in die Flanke, was die Schlacht entschied.