Haufkauf - Finanzierungsfrage

Guten Tag liebe Leser,
sicher kennen sich hier etliche besser aus als ich, obwohl ich mich in google und natürlich hier schon ziemlich wirr gelesen habe.

Wie planen ein Haus zu kaufen. Kaufpreis 135000 Euro. Die ca. 10%igen Nebenkosten können wir zahlen, 20% Anzahlung sowie 3000 Euro Rpcklage und 3000 Euro Renovierung (mehr ist wirklich nicht zu machen), dann ist die Kasse leer.

Wie wird wohl die Bank das sehen? Von der 80% Beleihungsgrenze gibt es ja ca. 80%, hiesse also bei uns ca. 96400 dabei brauchen wir schon die 108000,00. Stellt sich die Bank da an? Reichen 1800 Euro Nettoverdienst? Das meine Frau gerade arbeitslos ist wird die Bank ebenfalls nicht begeistern…

Sagt mir mal Eure Meinung, ich möchte nächste Woche einen Termin machen, aber etwas mehr vorbereitet sein. DANKE !

hola ziegenzuechterin,

meine spontane eingebung, wenn ich das lese: (erstmal) finger weg, denn: ein hauskauf ist kein alltagsgeschäft, sondern oft genug eine entscheidung für´s leben, und da sollte struktur drin sein.

was ich gut finde: daß ihr euch schon im vorfeld kundig machen wolltet und euch mit der materie beschäftigt. ist keine selbstverständlichkeit, leider…

ich probier mal ein wenig zu ordnen:

haus soll 135tsd kosten. wir wissen nicht, wo das haus liegt und in welchem zustand es ist. 135tsd können ein schnäppchen sein oder eine grube zum geldversenken. da sollten wir zur besseren einschätzung mehr infos bekommen. (nur als bsp.: wir haben selbst ein efh gekauft, in „gutem zustand“, und haben in den letzen 5 jahren locker 50tsd an renovierung „versenkt“).
bevor man sich intensiv mit einer möglichen finanzierung beschäftigt, sollte man das objekt seines herzens wirklich auf herz und nieren prüfen (lassen). lieber einen sachverständigen menschen dazuholen und dafür zahlen, als nachher das desaster mit einer baugrube zu erleben!
und: das haus sollte den kaufpreis wirklich wert sein, denn danach richtet sich die einschätzung der bank hinsichtlich beleihung und zins!

das vorhandene eigenkapital (ca. 46tsd) ist ausreichend, wenn vorhanden wie beschrieben. 6000 als „rücklage“ und renovierungskosten sind ziemlich mager, aber wenn nicht mehr da ist…

ausgehend von ca. 100tsd finanzierungsbedarf (aufgerundet), einer tilgung von mind. 2% und einem zins von 5% käme man auf eine annuität von 7tsd p.a., d.h. ca. 580euro im monat. blieben euch bei einem nettoverdients von 1800euro noch 1200 euro für alles, was anfällt und anfallen kann. das ist sehr knapp für 2 personen.

ich würde als erstes (und unabhängig von diesem hauskauf) einen haushaltsplan aufstellen, in dem alle, wirklich alle ausgaben aufgelistet werden, die monatlich und jährlich anfallen. hierbei lieber großzügig rechnen (z.b. bei heizung, lebensmittel, auto, urlaub, freizeit etc.) als zu knapp. schön rechnen ist nicht.
wenn man das machte, hätte man als erstes den monatlichen bedarf, den man jetzt schon braucht.

dann all die kosten dazurechnen (monatlich und jährlich), die noch auf einen zukämen durch den hauskauf: grundsteuer, wg-versicherung, wasser/abwasser, straßenreinigung etc.pp. das zum aktuellen monatlichen bedarf (s.o.) dazurechnen.

wenn dann noch geld übrig bliebe, um die o.g. darlehnsrate UND einen rückbehalt von ca. 10% des monatlichen nettoeinkommens zu leisten, dann könnte die finanzierung sicherlich funktionieren. wenn´s deutlich zu knapp wird, dann in ruhe und mehrmals das vorhaben überlegen.

was immer gut ist: mit einem berater seines vertrauens (bank, bauspar) im vorfeld die sache besprechen. die sehen das eher mit der risikobrille, und das ist nicht das schlechteste!

hoffe, das hilft für´s erste. wenn ihr mit dem rechnen durch seid, meldet euch gerne nochmal, dann können wir mehr dazu sagen.

saludos, borito

Hallo nochmals!

Vielen Dank für die umfassenden Antwort.

Also das Häuschen ist Bj. 1985 und technische wirklich okay. Sicherlich würde das wenn wir uns endgültig dafür entscheiden auch nochmal von einem Gutachter abgenommen werden sollen. Das Haus ist nach Auszug renoviert worden, es muss nirgendwo tapeziert werden, selbst nicht mal gestrichen werden muss (wobei wir natürlich Kleinigkeiten machen werden). Es ist wirklich alles top.

An Tilgung habe ich mal mit 1,5 % gerechnet, das reicht auf jeden Fall um innerhalb der 30 Jahre zu zahlen. Mehr wird natürlich schwieriger für uns.

Klar haben wir schonmal einen Haushaltsplan gemacht, und zwar großzügig um keine böse Überraschung zu erleben.

Ich sehe weiterhin aber noch 2-3 weitere Vorteile für uns: Natürlich wird meine Frau schnell wieder arbeiten, wenn auch aus gesundheitlichen Gründen wohl nur auf 400 Euro Basis. Weiterhin erwartet und Anfang des Folgejahres eine Steuerrückzahlung von ca. 2-3000,-- die schnell die Rücklage wieder anheben. Letzter Virteil, ich betreibe nebenbei noch ein Gewerbe seit 2 Jahren welches einen Ertrag (nicht Umsatz) von ca. 800-1000 Euro monatlich (vo Steuern) abwirft. In obiger erster Erklärung hatte ich dies nicht erwähnt, da ich grundsätzlich nicht damit planen will, auch wenn der Ertrag seit fast 2 Jahren regelmäßig und kontinuirlich ist. Für den Fall dass das mal wegfallen sollte wäre ich insofern auf der sicheren Seite das ich dies von meinem normales Angestelltengehalt zahlen kann - auch wenn dann natürlich kein Urlaub mehr drin ist…

Meinungen?
Ich weiss ja nicht wie die Bank das alles so sieht - und möchte wie schon gesagt etwas vorbereitet sein…

hola,

die beste vorbereitung ist genau das, was ich zuvor schon beschrieben habe. wer mit einer solchen aufstellung zu einer bank geht, hat schon mal gute karten, denn er beweist auf einen schlag zwei dinge:

  1. da hat sich jemand im vorfeld genau gedanken gemacht
  2. da hat jemand schon mal mit spitzem bleistift gerechnet

sowas sehen die bankmenschen gerne. und es macht ja auch sinn.
mit dem einkommen der frau kann man (und würde ich auch nicht) noch nicht rechnen - solange nix da ist, ist nix da. der geldbedarf bei einem haus kommt von ganz allein und ist stetig - es gibt kein haus (außer einem neubau), an dem nicht jedes jahr irgendwas gemacht werden muß.
die nebeneinkünfte können ein schlagkräfitges argument sein - sofern diese einigermaßen stabil und seit längerem fließen (ein geschäft, daß seit 24 monaten betrieben wird, wird anders beurteilt als eines, das erst seit 2 monaten läuft). hier einfach eine aufstellung der letzten monate mit zur bank nehmen, damit man aufzeigen kann, ob mit diesem posten zu rechnen ist.

und ansonsten: erstmal in ruhe beraten lassen. und durchaus auch von mehr als nur einer bank, nicht jede beratung ist gleich gut!

viel erfolg!
saludos, borito

Na ich glaube ich liege nicht so falsch.

Wie gesagt, mein Gehalt soll ja reichen um das Haus zu halten. Alles was extra kommt wie z.B. ein Urlaub oder irgendeine Anschaffung muss na klar extra erarbeitet werden - die Möglichkeiten sind ja da.

Díe gewerblichen Einnahmen sind konstant (Umsatz 2000 Euro, Schwankung je Monat max. 20% - die gibts sicher in jedem Geschäft, Etragsquote im Jahresschnitt 50% ohne größere Ausreisser).

Kann man (vorsichtig) einen ungefähren Zinssatz sagen, bzw. mit welchem Aufschlag sollte man rechnen, denn den TOP-Zins von Interhyp werden wir sicher nicht bekommen :wink: (Zinsbindung sollte schon bei 15 Jahren liegen).

hola!

bei 15jahren laufzeit und einem beleihungswert von 80% liegen die zinsen derzeit um die 4,5%, bei 60% etwas darüber.
ich würde mal von 5,5-6% ausgehen, damit ist man auf der sicheren seite (wenn´s dann weniger wird, ist´s ja schön). aber letztendlich entscheidet die bank über das angebot erst, wenn alle fakten auf dem tisch liegen.
vergleiche für hypothekenzinsen gibt´s en masse im internet (unter tante kugel „hypothekenzins vergleich“ eingeben).
bei der tilgung würde ich - beim derzeitigen zinsniveau - nicht zu niedrig ansetzen - 2% würde ich da schon empfehlen, damit man nicht jahrzehnte für den bau zahlt…

saludos, boris