Hallo,
wir möchten ein Reihenmittelhaus von '61 kaufen. Da wir knapp kalkulieren müssen,stellt sich uns die Frage, was gemacht werden MUSS. Also: MUSS die Elektrik erneuert werden, nur weil sie schon einige Jährchen auf dem Buckel hat ( sie funktioniert einwandfrei)?
Was ist mit den Rohren? Müssen die erneuert werden, oder ist das eine " kann-man-muss-man-aber-nicht"- Regelung?
Wie erkenne ich eigentlich, ob wir Bleirohre hätten - wurden in den 60gern überhaupt noch Bleirohre verwendet?
Und das Dach,und das Dach,und das Dach???
Man merkt-wir haben wenig Ahnung. Das einzige ,was wir wissen,ist, dass es dieses Haus sein soll ( seufz!).
…und was kostet das alles???
Wer kann Licht in’s ( finanzielle ) Dunkel bringen?
Hallo,
Wer kann Licht in’s ( finanzielle ) Dunkel bringen?
Hier im Forum keiner. Beauftragt einen Bauingenieur, welcher sich die Wunschimmobilie ansieht und dann detailliert ermittelt, was alles gemacht werden muss und zu welchem Preis.
Die Kosten für den Bauingenieur bewegen sich bei 3% bis 5% der Gesamtkosten.
Christian
Guten Morgen,
wir haben in diesem Jahr gerade so ein Haus aus den 60ern gekauft und haben bislang kräftig renoviert und saniert - und sind noch lange nicht fertig. Grundsätzlich muss die Elektrik sicherlich nicht in Gänze erneuert werden, obwohl wir es getan haben. Die alten 2-Phasen-Leitungen können oftmals zur 3-Phasen aufgestockt werden, wenn die Leitungen in Rohren verlaufen. Bei uns war es so, dass der Sicherungskasten einfach viel zu wenige Sicherungsautomaten hatte, sodass wir nicht einmals dis Spülmaschine gleichzeitig mit dem Staubsauger hätten laufen lassen können, ohne dass die Sicherung rausgefallen wäre - geschweige denn noch einen PC anhaben…Weiss nicht, ob es in der Küche bei Euch Starkstrom gibt -Herde/Backofen können zwar auch mit 220V betrieben werden, aber erreichen so nie die volle Leistung. Also die Elektrik würde ich auf jeden Fall „überarbeiten“ - Der neue Verteilerkasten allein lag bei uns bei rund € 1.500,00 (für ein 2-FH).
Die Rohre müssen natürlich -wenn sie noch dicht sind auch nicht erneuert werden - aber wer will sich schon sein Bad neu machen und dann in wenigen Jahren „Rohrbruch“ erleiden?
Wichtig zu prüfen wäre sicherlich die Heizanlage, das Dach und die Fenster…Ansonsten: es ist wirklich sehr viel mit Eigenleistung zu vollbringen, allerdings braucht man auch hier viel viel Zeit und Geld…
Gruß
Dora
Hallo Ulla!
wir möchten ein :Reihenmittelhaus von '61 :kaufen. Da wir knapp
kalkulieren müssen, stellt :sich uns die Frage, was :gemacht werden MUSS.
Was gemacht werden MUSS, ist eine Frage Deiner Ansprüche. In den 60ern wurden Stahlrohre für die Wasser- und Heizungsinstallation verwendet. Diese Sachen haben ihre Nutzungsdauer hinter sich. Die Heizkörper waren i. d. R. winzig, wurden dafür knallheiß. Türen waren stumpf einschlagend ohne Dichtungen. Fensterrahmen waren fast immer flätig schwach, einfach überfalzt mit simplen Beschlägen mäßiger Qualität. Dachausbauten erfolgten oft mit „Heraklith“-Platten, thermische Isolierung gabs nicht. Dazu eine E-Installation in einfachster Minimalausführung, an jeder Steckdose wurde gespart, an Kabelquerschnitten sowieso. Dazu Verwendung von Baustoffen und Bauchemie, deren Einsatz heute verboten ist. Viele Reihenhäuser wurden von großen Gesellschaften, wie z. B. „Neue Heimat“ gebaut. Man tut niemandem Unrecht, wenn man deren Machwerke in Bausch und Bogen unbesehen zu Schrott erklärt. Handwerklicher Murks war der Normalzustand, u. a. hervorgerufen durch so gut wie vollständig fehlendes Qualitätsbewußtsein, mangelhafte Bauaufsicht, viel verschwundenes Material und spätestens zum Frühstück betrunkene Bauarbeiter. Die meisten Häuser aus dieser Zeit wird man bis auf den Rohbau zurückbauen und komplett neu aufbauen müssen. Das wird insgesamt vermutlich teurer als ein Neubau.
Natürlich gibt es auch ordentlich geplante und handwerklich sauber ausgeführte Häuser aus den 60ern. Das sind aber seltene Ausnahmen. Richtig Schönes, dem anzusehen ist, daß ein Planer mal einen Augenblick nachgedacht hatte, hatte in den 50er und 60er Jahren Seltenheitswert. Prinz Charles äußerte mal sinngemäß, daß in London manche Architekten schlimmere Schäden als deutsche Bomben angerichtet hätten. Die Aussage enthält auch für das Baugeschehen der ersten Nachkriegsjahrzehnte in Deutschland viel Wahres. Fast alles aus dieser Zeit hat fürchterliche Grundrisse, verwinkelt, mit vielen kleinen Kammern. Außerdem waren vielerorts Deckenkonstruktionen aus Hohlsteinen mit spärlichen Armierungen üblich, die kaum größere Räume zuließen. Es herrschte drückende Wohnungsknappheit und überall wurde auf die Husche hochgezogen. Viele dieser Häuser sind heute von innen mit Paneelen, Nut- und Federbrettern und Polystyrolplatten verkleidet, um schimmelige oder schon von alleine auseinander fallende Wände zu verdecken.
Viele Häuser aus den 60ern sind nichts mehr wert. Es ist oft einfacher und billiger, neu zu bauen oder ein 100 Jahre älteres Gebäude zu sanieren. Daß die Verkäufer solcher Häuser die Situation ganz anders einschätzen, ändert nichts.
Aus der Ferne kann ich natürlich komplett daneben liegen. Deshalb der dringende Rat: Wenn Du Dich in ein Haus verguckt hast, spendiere unbedingt VOR DEM KAUF das Geld für einen Bauing./Architekten! Gerade weil Du knapp kalkulieren mußt, kannst Du Dir kein halbes Dutzend Überraschungen mit jeweils 5stelligen Kosten leisten.
Gruß
Wolfgang
Hallo,
…und was kostet das alles???
Wer kann Licht in’s ( finanzielle ) Dunkel bringen?
tja, da meine Kristallkugel momentan gerade zur Kalibrierung ist …
Im Ernst.
Das kann Dir niemand ohne hellseherische Fähigkeiten hier im Forum beantworten.
Da muß ein Mensch mit Erfahrung vor Ort die Sache beurteieln, nachdem er Eure Ansprüche an Komfort etc. abgeklärt hat.
Alles andere wäre unseriös und würde euch entweder in (unberechtigter) Sicherheit wigen oder ins Bockshorn jagen.
Gandalf
Als bautechnische Laien solltet Ihr unbedingt einen Sachverständigen mit hinzuziehen. Diese 3 - 5% sind eine gute Investition.
Man sollte generell bei einem Haus diesen Alters nicht zu knapp kalkulieren und sich von einem anscheinlich niedrigen Kaufpreis blenden lassen - die Folgekosten können diesen um ein Vielfaches übersteigen! Man sagt nicht umsonst „ein altes Haus saniert ist wie drei neue gebaut“.