Hausbau und versicherung

Hallo,

meine Frage ist etwas kompliziert. Wir interessieren uns für ein Bauobjekt. Der Bauträger ist ein kleines Familienunternehmen und ist auch nicht so lange auf dem Markt.

Meine Frage ist: gibt es eine passende Versicherung für uns? Sie sollen die Garantie übernehmen, falls das Unternehmen pleite geht und das Haus Qualitätsproblem hat(was wir nicht hoffen).

Ich danke Euch für die Antwort.

Sie sollen die Garantie übernehmen, falls das Unternehmen
pleite geht und das Haus Qualitätsproblem hat(was wir nicht
hoffen).

Hallo,

ersteinmal etwas Grundsätzliches vorab. In der heutigen Zeit gibt es für alles eine Versicherung. Eine andere Frage ist, wie sinnvoll es ist, eine Versicherung abzuschließen. Erlaube mir bitte deine Frage in zwei Teile zu unterteilen:

a) Was passiert, wenn das Bauunternehmen bankrott ist?
Wenn man im Vorfeld alles richtig gemacht hat, passiert hier nichts. Du musst dir dann nur ein anderes Unternehmen suchen, das dein Bauvorhaben zu Ende bringt. Der Grund ist ganz einfach: In der Regel zahlst du nach Bauvorschritt. Steht der Rohbau, zahlst du 20%, ist das Dach drauf, weitere 10%, usw. Die Liste kannst du natürlich etwas feiner gestalten. Noch etwas zu den Vertragsvereinbarungen. Wenn du ein schlüsselfertiges Haus bauen lässt, dann hast du im Vertrag einen Betrag X stehen und gehst davon aus, dass das Haus auch nur das kostet. In dem Vertrag sind aber ab und an Positionen zu finden, wo der Bauunternehmer Höchstbeträge festgesetzt hat. Beispiel: Bodenarbeiten max. 4000€, alles was darüber liegt, zahlt der Kunde. Hier kann es sein, dass auf einmal eine höhere Rechnung kommt. Sei da deshalb vorsichtig.

b) Die Qualität des Hauses
Im Baugeschäft wird gepfuscht, nach dem Motto: „Was nicht passt, wird passend gemacht“. Doch wie schützt man sich dagegen. Erst einmal hast du auf dein Haus 5 Jahre Gewährleistung gegenüber dem Bauunternehmen. Ich persönlich kenne jetzt keine Versicherung, aber ich würde es nicht darauf ankommen lassen. Denn es ist eine Sache, eine Forderung (egal ob gegen das Bauunternehmen oder Versicherung) zu haben und das andere ist, am Ende sein Geld zu bekommen.

Ich würde es an deiner Stelle etwas anders angehen. Höre dich um, wer in deiner Gegend ein guter Sachverständiger im Baubereich ist. Mit dem kannst du vereinbaren, dass er dein Bauvorhaben betreut und beaufsichtigt. Spreche dieses Thema auch offen mit dem Bauunternehmer durch und lass das ganze auch im Bauwerksvertrag festhalten. Ein Sachverständiger ist für beide Vertragsparteien ein Gewinn. Der Bauunternehmer und du habt beide die gleichen Ziele: das umzusetzen, was geplant wurde. Der Bauunternehmer ist zwar in erster Hinsicht für Mängel verantwortlich, es ist aber idR. nicht seine Schuld, sondern die von anderen Firmen. Ein Sachverständiger kann zeitnahe Mängel aufdecken und die beseitigen lassen, ehe es zu spät ist. So ersparst du dir hinterher Stress. Außerdem ist der Sachverständige auch haftbar. Du musst aber auch mit einem relativ hohen Preis für so etwas rechnen. 5-15% oder auch etwas mehr würde ich jetzt schätzen.

Hi,

vielen Dank für die Antwort. Ein Sachverständiger ist
auf jeden fall ein sehr guter tipp.

Du hast geschrieben: Erst einmal hast du auf dein Haus
5 Jahre Gewährleistung gegenüber dem Bauunternehmen.

Das ist genau meine Sorge. Der Bauträger ist wie gesagt
ein kleines Familienunternehmen. Wenn es pleite geht,
dann haben wir keine Anspruche mehr auf die 5 Jahre
Gewährleistung. Deshalb hätte ich gerne gewusst, ob wir
was dagegen tun können, also eine Versicherung oder
ähnliches.

Gruß
X.Shen

Wenn es pleite geht,
dann haben wir keine Anspruche mehr auf die 5 Jahre
Gewährleistung. Deshalb hätte ich gerne gewusst, ob wir
was dagegen tun können, also eine Versicherung oder
ähnliches.

Eine Versicherung kann genauso pleite gehen, wie ein Bauunternehmer. Und dann ist dein Geld ohne Gegenleistung weg. Eine Versicherung kann aber auch unberechtigter Weise die Ansprüche zurückweisen. Dann wird dir nur noch der Klageweg übrig bleiben. Ich würde deshalb im Vorfeld alles mögliche tun, dass es nicht zu einem langwierigen Prozess kommt. Egal ob gegen den Bauunternehmer oder die Versicherung.

Ich kenne jetzt die Angebote der Versicherer nicht, aber ich persönlich würde zu keiner solchen Versicherung greifen. Es gibt nur wenige Häuser, die ohne Mängel gebaut wurden. Und wenn die Versicherung jedes Mal für einen Mangel zahlen muss, dann wird sie dementsprechend hoch die Gebühren ansetzen müssen, um überhaupt überleben zu können. Ich glaube nicht, dass es einen seriösen Versicherer gibt, bei dem das Preis / Leistungsverhältnis stimmt.

Hallo,

bei uns in Österreich gibt es für den Fall, dass ein Bauträger in Konkurs geht keine Versicherung. Es wäre prämienmässig nicht zu machen.

Auch eine Rechtsschutzversicherung für alles, was mit dem Hausneubau zu tun hat, gibt es nicht.

Dieses Risiko ist leider von Euch selber zu tragen.

Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.
lg Claudia

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Der Bauträger ist ein kleines
Familienunternehmen und ist auch nicht so lange auf dem Markt.

Eine kleine Firma ist nicht unbedingt schlecht.
Nicht so lange am Markt - naja -
Wenn es die fünfte Nachfolgefirma ist, weil alle vorhergehenden in Konkurs gingen wäre ich vorsichtig.
Es gibt aber auch Existenzgründer.
Hat einer in der Firma auch die nötige Kompetenz - ist er Baumeister mit den erforderlichen Briefen?
Gibt es schon Referenzen - also fertige Objekte?

Meine Frage ist: gibt es eine passende Versicherung für uns?

Dazu kann ich dir leider keine Infos geben.

Garantie / Qualitätsproblem

Es gibt beeidete Sachverständige, die auch die Bauaufsicht führen, bzw. dem Auftraggeber sagen können ob alle Arbeiten ordnungsgemäß durchgeführt wurden.
Kostet zwar etwas, kann aber wenn es Probleme gibt sehr helfen.

Letztendlich will niemand sein Geld in den Sand setzen.
Wenn die Bezahlung in Abschnitten erfolgt sollte es keine großen Probleme geben.
Der Sachverständige sagt alles OK - und das Geld wird überwiesen.
Ist für beide Vertragsseiten gut.

lg
Stefan

Hallo,

meines Wissens gibt es dafür keine Versicherung sondern eine sog. Vertragserfüllungsbürgschaft, die der Bauträger vorlegen kann. D.h. seine Bank übernimmt die Bürgschaft. Kann er nicht mehr erfüllen, wird die Bürgschaft „gezogen“, d.h. bei der Bank geltend gemacht. Ob die dann zahlt, hängt von vielen Faktoren ab. Mann sollte auch bedenken, dass ein zu frühes Ziehren der Bürgschaft dazu führen kann, dass kleine Unternehmen insolvent gehen, da die Bank in diesem Falle alle Gelder und Kredite einfrieren wird.

Ich würde mich vorsichtshalber aber trotzdem nochmal beim Versicherungsmakler nach einer solchen Versicherung erkundigen.

I.

Hallo,

meines Wissens gibt es dafür keine Versicherung sondern eine sog. Vertragserfüllungsbürgschaft, die der Bauträger vorlegen kann. D.h. seine Bank übernimmt die Bürgschaft. Kann er nicht mehr erfüllen, wird die Bürgschaft „gezogen“, d.h. bei der Bank geltend gemacht. Ob die dann zahlt, hängt von vielen Faktoren ab. Mann sollte auch bedenken, dass ein zu frühes Ziehren der Bürgschaft dazu führen kann, dass kleine Unternehmen insolvent gehen, da die Bank in diesem Falle alle Gelder und Kredite einfrieren wird.

Ich würde mich vorsichtshalber aber trotzdem nochmal beim Versicherungsmakler nach einer solchen Versicherung erkundigen.

I…

Hallo,
meines Wissens gibt es zwar keine Versicherung, die der Bauherr selbst abschließen kann. Trotzdem gibt es natürlich Möglichkeiten, sich nicht nur gegen Insolvenz, sondern auch gegen Pfusch am Bau abzusichern. Beides allerdings muss der Bauunternehmer abschließen und sollte schon vor Vertragsbeginn vorliegen.werden.

  1. Eine Bauträger- oder Fertigstellungsbürgschaft. Hierfür vorzugsweise einen Bürgen fordern, der nicht am Ende selbst insolvent ist, sondern nachweislich dauerliquide, also die Hausbank des Bauträgers. Sollte diese die Bürgschaft verweigern, stellt sich allerdings die Frage, ob man mit diesem Bauträger überhaupt arbeiten will. NAchteil: die Bank haftet nur bis zur kalkulierten Bausumme. Auf den durch Insolvenz und meistens nachfolgende Verzögerung der Fertigstellung entstehenden Kosten bleibt der Bauherr dann aber selbst sitzen.
  2. Eine Baugarantieversicherung. Diese muss auch der Bauträger selbst abschließen. Kostet bei einer Bausumme von z.B. 300 T€ knapp unter € 5.000 und wird, soweit ich weiß, von der VHV und der Helvetia angeboten. Vorteil dieser Versicherung ist, dass bei Ausfall des Bauträgers ohne Mehrkosten unverzüglich weitergebaut werden kann.
  3. und billigste Lösung: Nachschüssige Zahlung nach vorher definierten und durch den Bauherrn abgenommenen Bauabschnitten. Außerdem Einbehalt eines gewissen Restbetrages bis zum Ablauf der Garantiezeit. Damit kann man eventuell anfallende Nachbesserungen finanzieren.

Ich hoffe, dass ich weiterhelfen konnte und wünsche einen reibungslosen Ablauf bei dem Bauvorhaben.

W.M.