Haydn Divertimento - Harmonik

Hallo liebe Experten!

Ich befasse mich gerade etwas intensiver mit Haydns Divertimento in G, Hob. IV:9, 1. Satz Adagio. Bin gerade dabei, den harmonischen Verlauf etwas näher anzuschauen, und bin über folgendes gestolpert:

Etwa im letzten Drittel des Satzes kommt eine Modulationsfolge, aus der ich nicht ganz schlau werde, bzw. ein Akkord darin, den ich nicht einzuordnen weiß. (Betrifft die Takte 45 bis 53, wer nachlesen möchte.)
Folgendermaßen:

G______ D7/fis______D7/fis_____Gm_____ [D-f-as-b] _____G(7)/h____C

Was hat der Akkord in den eckigen Klammern zu sagen? Als B7 rückbezüglich zum Gm kein Thema, aber die Fortführung zu G???
Ich hoffe, von Euch weiß jemand Rat.
Danke und nächtliche Grüße,
Hedwig

hallo!

[D-f-as-b]_____G(7)/h____C

Was hat der Akkord in den eckigen Klammern zu sagen? Als B7
rückbezüglich zum Gm kein Thema, aber die Fortführung zu G???

ich schätze (ohne das stück zu kennen oder die noten gesehen zu haben), daß es sich dabei funktional um die II. stufe von C (etwas eigenartig alteriert) handeln könnte. dafür spricht ja auch der dominantseptakkord. geht es denn in C weiter?

die alteration ergibt sich ja aus der vorhergehenden harmonik und ist wohl eine art bindeglied. ist das eine brauchbare erkärung?

Hallo,
ich schließe mich gyuri an, mit der Ergänzung, dass der Akkord wohl einfach ein D°, also ein vollverminderter Akkord ist.
Grüße
Manuel

mit der Ergänzung, dass der Akkord
wohl einfach ein D°, also ein vollverminderter Akkord ist.

das glaub ich wiederum nicht :wink: wenn ein jazzer b schreibt, meint er h, wenn wir klassiker b schreiben, meinen wir tatsächlich b. zumindest habe ich es diesmal so verstanden… mal sehen, was wirklich richtig ist.

das glaub ich wiederum nicht :wink: wenn ein jazzer b schreibt,
meint er h, wenn wir klassiker b schreiben, meinen wir
tatsächlich b. zumindest habe ich es diesmal so verstanden…
mal sehen, was wirklich richtig ist.

Da kannst du recht haben, wir Jazzer sind halt intolerant, was Schreibweisen angeht :wink:. In diesem Fall würde ich ganz einfach auf Bb7/D tippen, da im Stück ja schon öfter spezielle Basstöne aufgetaucht sind.
Grüße
Manuel

In diesem Fall würde ich ganz einfach
auf Bb7/D tippen, da im Stück ja schon öfter spezielle
Basstöne aufgetaucht sind.

das hat sie ja auch geschrieben… die frage gilt eher der funktion, und da scheinen wir uns einig zu sein: II. stufe bzw. stellvertreter derselben.

in der klassik würde übrigens D° (was es in diesem fall selbst mit einem h nicht wäre, da sind wir leider etwas komplizierter… es wäre H°) niemals nach G7 weitergeführt werden, da verminderte akkorde auf die eine oder andere art (es gibt ja mehrere enharmonische möglichkeiten) leittönig aufgelöst werden, was hier nicht der fall wäre.

Hallo gyuri und Manuel, erstmal danke für Eure Tips.
Hallo auch an alle anderen!

Zur Klärung der „Unstimmigkeiten“:

  1. Es handelt sich hier um die klassische Schreibweise, also b=b und h=h, womit der D° ausfällt (an den ich aber selbst auch mal kurz gedacht hatte).
  2. Die vielleicht etwas seltsam anmutende Baßführung hat wohl mit dem Satzbau selbst zu tun, vielleicht hätte ich das noch anfügen sollen. Es handelt sich um ein Trio für zwei Violinen und Baß, und die betreffende Stelle ist funktional so verteilt: 1. Violine = Melodiestimme, 2. Violine = Harmonieschicht in gebrochenen Dreiklängen, und Baßstimme.
    Der gesuchte Akkord ist so verteilt: Baß - d, 2. Violine - 16tel-Arpeggien über f’-as’-b’, 1. Violine - gehalten as"
  3. Der Satz steht, wie gesagt, in G-Dur, und die hier beschriebene Stelle ist, nach meiner Erkenntnis, die Rückführung vor einer Art Reprise. Folgendermaßen geht die Stelle weiter/zu Ende:

Gm_____ [D-f-as-b]_____G(7)/h____C__Am____D7/fis__G_____G/d–>D______(und dann Reprise in G)

Die Idee mit der II. Stufe leuchtet mir ein, und vielleicht kam mir die Wendung deshalb so bekannt vor. Der Wechsel zu G ist halt ziemlich „heftig“ wegen des Querstands b - h.

Vielleicht fällt Euch mit der Zusatzinfo noch was ein.
Vielen Dank auf jeden Fall!!
Hedwig

Hallo

Zur Klärung der „Unstimmigkeiten“:

  1. Es handelt sich hier um die klassische Schreibweise, also
    b=b und h=h, womit der D° ausfällt (an den ich aber selbst
    auch mal kurz gedacht hatte).

Na gut :wink:

Die Idee mit der II. Stufe leuchtet mir ein, und vielleicht
kam mir die Wendung deshalb so bekannt vor. Der Wechsel zu G
ist halt ziemlich „heftig“ wegen des Querstands b - h.

Ich denke, das macht Sinn, denn durch das b wird das h viel stärker Durisch aufgenommen und somit auch dominantischer, was die Modulation klarer macht. Oder Haydn ist nach der Herbie Hancock-Methode vorgegangen: Das geht und passt nicht, ist aber egal, es klingt gut. :wink:

Vielleicht fällt Euch mit der Zusatzinfo noch was ein.

Das wärs soweit.
Grüße
Manuel

Hallo Hedwig,

erstens hilfreicher wäre es, ein Bildchen zu verlinken, mit dem fraglichen Takt in Noten aufgeschrieben, sonst bleibt die Stimmführung immer noch unklar.

Zweitens wäre es angebracht, die dreistimmigen Harmonienfolgen anders als die vierstimmigen zu analysieren.

Drittens aufgrund deiner Beschreibung

Der gesuchte Akkord ist so verteilt: Baß - d, 2. Violine -
16tel-Arpeggien über f’-as’-b’, 1. Violine - gehalten as"
3)

Gm_____
[D-f-as-b]_____G(7)/h____C__Am____D7/fis__G_____G/d–>D______(und
dann Reprise in G)

würde ich eher eine Durchgangsharmonie erkennen, auf dem Wege von grob gesagt g-moll -> C-dur. Sie entsteht durch die Zusammenwirkung von drei nicht akkordmäßig, sondern melodisch verstandenen Stimmen. Detalliert: g-moll wird rückwirkend als die Möglichkeit verstanden, die Dominante des C-dur aufzubauen, die über g->as->g/b->h/g->f erreicht wird. Seinerseits ist hier C-dur nur die Subdominante für den folgenden G-dur. Also immer rückwirkend denken, vom Ende aus.

Alles klar? :smile:

Gruß

Der Wechsel zu G
ist halt ziemlich „heftig“ wegen des Querstands b - h.

mich erinnert die ganze sache ein bißchen an den sog. mozart-akkord (wobei die namensgebung suggeriert, daß mozart diesen oft verwendet, was aber meines wissens nicht der fall ist): das ist imn wesentlichen ein umgedeuteter dominantseptakkord mit einer unerwarteten weiterführung. sieht so aus:

C7 => C6# (c-e-g-ais!)
weitergeführt nach H!!!
(in der regel über den quartsextakkordvorhalt, also h-e-g-h, um die quintparallele c-g=>h-fis zu vermeiden)

dabei ist die übermäßige sext, die man eigentlich als kleine septim hört, der leitton zum grundton der VII. stufe.

man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber für mich ist das b in deinem akkord auch eher ein ais, weshalb ich das nicht als querstand, sondern als eine art leitton in die terz höre. natürlich kann haydn nicht as und ais im selben akkord schreiben. es ist zwar einigermaßen spekulativ zu behaupten, haydn würde hier ais mit b enharmonisch gleichsetzen (nach klassischem musikverständnis ist dies nämlich eigentlich nicht üblich), für mich klingt der akkord aber so.

ich werde bei gelegenheit mal einen blick in die noten werfen, die frage macht mich ganz neugierig.