Hebräisch

hallo Experten,

es gab eine Meinungsverschiedenheit betreffs der richtigen Schreibweise von Thora ( Tora; Torah )

Bei Nachforschungen bin ich auf alle 3 Schreibweisen gestoßen. Meiner Überlegung nach gibt es vielleicht gar keine Grundlage im Hebräischen, wonach einem Anfangs-T ein „h“ folgen soll, eher dieses dem Griechischen entlehnt scheint, wohl aber gibt es das „h“ nach Vokalen zum Zwecke der Dehnung bzw. ihrer Kennzeichnung.

Mein Kontrahent hingegen mein, „Thora“ sei die einzig gültige Schreibweise im Deutschen.

Weiß jemand Näheres ?

Vielen Dank schonmal im Voraus !

HM
*möchte alle Sprachen können *seufzzzz* :wink:

Hallo,

Schreibweise von Thora ( Tora; Torah )

Das Hebräische hat wie das Arabische die Eigenart, dass Vokale nicht geschrieben werden.

Regeln, wie die Übertragungung in andere Sprache erfolgen soll, gibt es nicht, daher auch verschiedene Interpretationen.

Anderes Beiepiel: Die Gottesnamen Jahwe und Jehova empfinden wir als zwei verschiedene. Es sind aber zwei Schreibarten für JHV.

Gruß
Petra

hallo Herr Meyer

in den meisten Lexika findest du das Wort unter

=> Thora.

Doch wird meist darauf hingewiesen, dass [bes. in Österreich] auch die Schreibung Tora möglich ist.

Schaust du bei „Tora“ nach, so findest du meist den Verweis: svw. Thora oder siehe Thora. Oft aber nicht einmal eine Angabe.

Die Schreibung Torah findet sich in Lexika so gut wie nie.

Gruß Fritz

Gut, danke !
Und an Fritz : Torah in der Schreibweise ( [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo!
So, obwohl (oder gerade weil?! *g*) die Diskussion um Deine Frage schon mehr oder weniger abgeschlossen ist, muß ich mich daran beteiligen.
Die „richtige“ Schreibweise ist „Torah“; das Hebräische schreibt zwar meistens keine Vokale, kennt diese aber schon (zumindest wurden sie in einer Epoche zur sichereren Aussprache der hebräischen Bibeltexte hinzugefügt).
Außerdem sind die Vokale beim Wort Torah nicht unbedingt notwendig, da der o-Laut durch das (punktierte) Vav wiedergegeben wird und das „h“ am Ende durch das He. Die Tatsache, daß man es mal mit und mal ohne „h“ sieht, liegt daran, daß es stumm ist und somit nicht immer übernommen wird.
Das „th“ hat eigentlich keine direkte Begründung. Ich kann mir vorstellen, daß es zur Unterscheidung der beiden gleichklingenden Buchstaben Tet und Tav eingesetzt wurde. Vielleicht symbolisiert es aber auch das Dageš Lene, einen Punkt, der mehreren Buchstaben (unter anderem auch dem Tav) hinzugefügt wird, wenn sie am Wortanfang stehen.
Ich kann Dir ja mal das original hebräische Wort und die verschiedenen wissenschaftlichen Umschriften als Grafik per EMail zuschicken, wenn Du willst.

*aufdaßmichlehitraotnichtwegenmeineraussagenzerfleischt*

Gruß,
Stefan

Einspruch!
Hallo an alle!

Wenn ich mich nicht irre, ging es bei der Frage um die richtige Schreibung im Deutschen. Die Frage betrifft somit die Eindeutschung eines fremdsprachlichen Morphems.

Im Gegensatz zu einer weiter unten gemachten Behauptung gibt es für die Übernahme fremdsprachlicher Wörter natürlich und selbstverständlich auch entsprechende Regeln (=> Phonologie und Phonetik).

Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein assimiliertes Lehnwort, d.h. um ein fremdes Wort, das dem deutschen Gebrauch und der deutschen Lautgestalt angepasst worden ist.

Auch wenn man im Internet Variantenschreibungen findet, bedeutet das noch lange nicht, dass sie alle richtig sind! Für die deutsche Sprache (ausser für Österreich) gibt es heute nur eine einzige zulässige Schreibung, und die ist, wie Fritz schon richtig gesagt hat, „THORA“.

Diese Schreibung gilt aber nicht automatisch für alle Sprachen!Im Französischen gilt beispielsweise die bevorzugte Schreibung „TORAH“, im Italienischen heisst es seit 1930 richtig „TORA“.

Wahrscheinlich führt die unterschiedliche Schreibung in den verschiedenen Sprachen dazu, dass man gewisse Wörter plötzlich als Schreibvarianten betrachtet…

Gruss
Renato

Im Gegensatz zu einer weiter unten gemachten Behauptung gibt

es für die Übernahme fremdsprachlicher Wörter natürlich und
selbstverständlich auch entsprechende Regeln (=> Phonologie
und Phonetik).

Hallo Renato,

deine Informationen sind wertvoll und sicher richtig! Nur der oben zitierte Satz trifft zweifellos nicht zu. Bei der Übernahme fremdsprachlicher Wörter trifft immer ein fremdes Laut- und Zeichensystem auf unser deutsches (das seinerseits voller Inkonsequenzen steckt), und das hat stets verschiedene Wortschreibungen ergeben besonders bei sehr fremden Sprachen, aus denen wenig entlehnt wird. Zusätzliche Komplikationen ergeben sich aus der Notwendigkeit von Konjugation und Deklination. Nach welcher „Regel“ schreibt man: ich recycelte? recyclete? recykelte? rißeikelte? (worüber wir kürzlich diskutierten). Welcher „Regel“ entspricht die Schreibung „Keks“ für „cakes“?

Gruß,
Pietro

Na na na …
… wir wollen doch jetzt nicht streiten ? :smile:

Können wir uns so einigen, dass „Thora“ richtig ist und „Tora“ und „Torah“ nicht falsch ?

Auf jeden Fall danke ich Euch für die zahl- und umfangreichen Antworten, die bei mir einiges Licht in´s Dunkel gebracht haben.
Im Übrigen hätte ich „Thora“ [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Pietro

Ich finde diese Diskussion sehr spannend! Hier noch eine Ergänzung (mit dem Risiko, dass ich dann als Haarspalter gelte :smile:))

Bei der Übernahme fremdsprachlicher Wörter trifft immer ein fremdes
Laut- und Zeichensystem auf unser deutsches (das seinerseits
voller Inkonsequenzen steckt), und das hat stets verschiedene
Wortschreibungen ergeben besonders bei sehr fremden Sprachen,
aus denen wenig entlehnt wird.

Hier werden offensichtlich zwei Dinge vermischt. Bei dem von dir beschriebenen Vorgang geht es nicht um die Übernahme eines fremden Wortes, sondern erstmal um die Transliteration , d.h. um die Umschrift eines Wortes aus einem anderen Alphabet in die lateinische Sprache. Und genau dafür gibt es eben Regeln, Normen und Standards!

Fürs Hebräische gelten hier beispielsweise die ISO-Normen der Reihe 259 sowie die Norm DIN 31636.

Die Übernahme eines fremden Wortes in die deutsche Sprache stellt dann eine zweite Etappe dar, bei der Fachleute (Phonologen, Lexikographen, Terminologen, Linguisten usw.) zum Zug kommen und das Wort mit einem entsprechenden lexikalischen Eintrag versehen. Dabei wird das Wort z.B. als Lehnwort assimiliert, übersetzt oder als Neuschöpfung (Neologismus) in die andere Sprache übernommen. Nach diesem Verfahren spielt es dann praktisch keine Rolle mehr, wie das Wort ursprünglich in der fremden Sprache geschrieben wird… Das etymologische Interesse bleibt natürlich :smile:

Gruss
Renato

Können wir uns so einigen, dass „Thora“ richtig ist und „Tora“
und „Torah“ nicht falsch ?

Klar doch!

„Samuel weiss nicht, wie er herausbekommen kann, was sein
juengster Sohn David im Beruf werden wird. Zu diesem Zwecke
befragt er den Bruder Isaak, dieser raet ihm folgendes: „Nehme
die Torah, ein Fass Wein und einen Geldbeutel. Biete diese
deinem Sohn zur Wahl an. Nimmt er die Torah, wird er Rabbi,
nimmt er das Weinfass ,wird er Saeufer und nimmt er das
Geldbeutel, wird er Bankier.“ Gehoert und ausprobiert. Der
Samuel kommt nach Hause, legt die genannten Gegenstaende auf
den Tisch und sagt zu David: „Nun mein Sohn, nimm was dein
Herz begehrt!“ Nach kurzem Nachdenken nimmt David alle drei
Gegenstaende und freut sich sehr darueber. Der Vater ist
dagegen entsetzt: „Um Gottes Willen, der wird ja katholischer
Priester…““

Gut! Als Variante:
Klagt der Rabbi: Oh Gott, o Gott, mein Sohn will sich christlich taufen lassen.
Sagt Gott: Und? Was soll ich da sagen?

Ein Beantworter sah die Juden an sich damit auf das Tiefste
erniedrigt, alleine schon der Umstand, dass das Thema
„Jüdischer Glaube“ Gegenstand eines Witzes ist, war für ihn
ein Kapitalverbrechen, und er meinte, wenn ich mich schon über
andere Religionen belustige, solle ich wenigstens die Worte
richtig schreiben. Dass der Ball ja eigentlich in´s
katholische Tor ging, hatte er sicher in seiner Rage überlesen
:wink:

Die besten Witze sind die jüdischen Witze, mit denen sie ihre eigenen Schwächen aufspießen.

Und Dank an Pietro und Renato für ihre Ausführungen!

Gruß Fritz

Hallo Renato

Ich finde diese Diskussion sehr spannend! Hier noch eine
Ergänzung (mit dem Risiko, dass ich dann als Haarspalter gelte

-)))

Nun, dann sind wir Haarspalter unter uns :wink:

Bei der Übernahme fremdsprachlicher Wörter trifft immer ein fremdes
Laut- und Zeichensystem auf unser deutsches (das seinerseits
voller Inkonsequenzen steckt), und das hat stets verschiedene
Wortschreibungen ergeben besonders bei sehr fremden Sprachen,
aus denen wenig entlehnt wird.

Hier werden offensichtlich zwei Dinge vermischt. Bei dem von
dir beschriebenen Vorgang geht es nicht um die Übernahme eines
fremden Wortes, sondern erstmal um die Transliteration ,
d.h. um die Umschrift eines Wortes aus einem anderen Alphabet
in die lateinische Sprache. Und genau dafür gibt es eben
Regeln, Normen und Standards!

Nein, nein, das verwechsele ich keineswegs (ich kenne selbst mehrere nichtlateinische Alfabete und dazugehörige Sprachen, darunter Hebräisch). Aber auch jede in lateinischen Zeichen geschriebene Sprache definiert die Lautwerte der Buchstaben anders, und für viele dieser Laute hat unsere deutsche Definition des lateinischen Alfabets keine Entsprechung. Darum ist das Problem im Prinzip für alle Sprachen gleich.

Fürs Hebräische gelten hier beispielsweise die ISO-Normen der
Reihe 259 sowie die Norm DIN 31636.

Das finde ich interessant! Allerdings ist das Wort „Thora“ wohl schon vor der Vereinbarung dieser Normen in die deutsche Sprache und Schrift gekommen.

Die Übernahme eines fremden Wortes in die deutsche Sprache
stellt dann eine zweite Etappe dar, bei der Fachleute
(Phonologen, Lexikographen, Terminologen, Linguisten usw.) zum
Zug kommen und das Wort mit einem entsprechenden lexikalischen
Eintrag versehen.

Aber diese Übernahme geschieht nicht durch linguistische Fachleute und ohne Rücksicht auf deren Normen, sondern durch den (mündlichen und schriftlichen) Gebrauch. Die Fachleute sorgen sich dann nachträglich um die orthografische Einheitlichkeit, und oft bleiben verschiedene mögliche Formen nebeneinander stehen. Dass das für „Thora“ nicht gilt, darüber hat der Duden allerdings zweifelsfrei entschieden…

Gruß,
Pietro

Neues Testament
Hallo Fritz,
liebe Leserinnen und Leser,

Klagt der Rabbi: Oh Gott, o Gott, mein Sohn will sich
christlich taufen lassen.
Sagt Gott: Und? Was soll ich da sagen?

Von diesem Joke kenne ich eine andere Variante:

„Klagt der Rabbi: Oh Gott, o Gott, mein Sohn will sich
christlich taufen lassen. Was soll ich nur machen?
Sagt Gott: Mach’s wie ich: Mach ein neues Testament.“

Gruss
Edith

was heißt hier richtig und falsch?
guten tach herr meyer (lustiger nick)!

richtig ist einzig und allein dies: úåøä

die transkription ist beliebig! meistens wird der buchstabe taw mit th transkribiert. auch umgekehrt: das fremdwort theater schreibt man auf hebräisch úàèøåï, also mit taw zu beginn. manchmal wird das heh am ende mittranskribiert (torah, vor allem im englischen). eigentlich stimmt das nicht so ganz, weil der buchstabe stumm ist.

grüße
lehitraot :smile:

Fürs Hebräische gelten hier beispielsweise die ISO-Normen der
Reihe 259 sowie die Norm DIN 31636.

hallo renato!

wo kann ich diese normen nachlesen? schwer vorstellbar, daß das hebräische mitsamt seinen vokalzeichen usw usf eineindeutig transliteriert werden kann. und wenn das möglich ist, dann nur mit speziellen schriftarten à la phonetique. DARUM gehts aber sicher nicht, wenn jemand das wort thora zb. in einem sachtext zum judentum unterbringen will.

grüße
lehitraot.

Normen
Hallo Lehitraot!

Versuchs mal auf dieser Site der Universität Zürich:

http://www.zb3.unizh.ch/ids/KIDS/KapG1.pdf

Sonst muss man DIN-Normen bestellen (DIN 31636 kostet Euro 27,20):

http://www2.din.de/

Gruss
R.

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danke! die lösung nach DIN: tora.
Das ה als mater lectionis am Wortende wird nicht transliteriert.
das dageš lene wird also nicht, das dageš forte jedoch durch
Verdoppelung ausgedrückt.

grüße
lehitra’ot *gg*