Heide

In meiner Kindheit spielte die Bezeichnung „Heide“ eine große Rolle.
Ist dieser komische Begriff immer noch en vogue oder ist er immer
noch ein gültiger Ordnungsbegriff zur Einteilung der Menschheit?

Alexander, der das zu gerne wissen möchte.

Hi,

hier nachlesen:

http://www.osho.com/Topics/TopicsGerman/Pilgrim.htm

nicki

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Alexander!

In meiner Kindheit spielte die Bezeichnung „Heide“ eine große
Rolle.

In meiner auch, und zwar hauptsächlich im Religionsunterricht.
Aber es „mussten“ auch Kinder innerhalb weniger Tage nach der Geburt getauft werden, u.a.um keinen Heiden im Haus zu haben.

Ist dieser komische Begriff immer noch en vogue

Heute kennen Schulkinder diesen Begriff nicht mehr, auch im Religionsunterricht kommt das Thema „Heiden“ nicht zur Sprache.
Wäre übrigens interessant zu wissen, woher dieses Wort stammt…

Schöne Grüße!
Helene

Hallo Helene,

Aber es „mussten“ auch Kinder innerhalb weniger Tage nach der
Geburt getauft werden, u.a.um keinen Heiden im Haus zu haben.

Der erste Sohn meiner Schwester ist getauft, der
zweite wurde nicht getauft. Da Nr. 2 wesentlich
mehr ‚Lausbub‘ war als Nr. 1 wurde das von der Oma
immer auf darauf geschoben: Ja, halt ein Heide!
Seit sie meine Kinder kennt (getauft), hat sie
das revidiert: am Taufen kann’s nicht liegen :wink:

Uebrigens haben auch andere Religionen Namen fuer
Anders-Konfessionelle, bzw. was sie fuer Nicht-Religioese
halten.

Gruesse
Elke

Grüß dich, Elke!

Uebrigens haben auch andere Religionen Namen fuer
Anders-Konfessionelle, bzw. was sie fuer Nicht-Religioese
halten.

Das Wort „Heide“ hat mir keine Ruhe gelassen, ich hab dazu im Grimm Interessantes gefunden:
http://germa63.uni-trier.de:8080/Projects/WBB/woerte…
( im rechten Rahmen —> „Bedeutung“ ")

Schönes Wochenende!
Helene

Hallo Helene,

das entspricht dem islamischen Gebrauch:
Juden, Christen und Moslems sind nicht-Heiden,
die anderen sind Kaffer (kaffir).

Gruesse
Elke

Hai, Alexander,

das scheint auch ortsabhängig zu sein. Hier in Berlin - zumindest in den Teilen, in denen ich mich rumtreibe - ist der Begriff in der Umgangssprache völlig unüblich, es sei denn, man spricht gerade über Religion.
Dazu ein Schlag aus der Jugend: als vor rund 30 Jahren ein schwer katholisch erzogenes Kind in unserer Schule auftauchte und im Zug eines Kinderstreites ein anderes Kind als Heide bezeichnete, hatte es ungefähr die beleidigende Wirkung von „Du hast ja braune Augen“.
Andererseits nimmt eine in Bayern wohnende Nichte am Religionsunterricht teil und wird sich demnächst taufen und konfirmieren lassen, weil sie in der Schule nicht nur als Heidin beschimpft, sondern aufgrund dessen auch aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden begann.
Kurz: während hier in Berlin seit Jahrzehnten „Heide“ eine weitesgehend wertfreie Bezeichnung ist, ist es in der bayerischne Pampa immer noch eine finstere Beleidigung.

Gruß
Sibylle
(getauft, konfirmiert, überzeugter Heide)

Hallo Sibylle,

Sibylle
(getauft, konfirmiert, überzeugter Heide)

Hier unterliegst du IMO einem Irrtum:
du magst aus der Kirche ausgetreten sein, du
magst Atheist oder Agnostiker sein, aber
„Heide“ bist du nicht - kannst du nie mehr
werden (so wie man nicht mehr wieder Jungfrau
werden kann), denn du wurdest getauft. Und
die Taufe durch die Konfirmation bestaetigt.

Gruesse
Elke

Hai, Heike,

Hier unterliegst du IMO einem Irrtum:
du magst aus der Kirche ausgetreten sein, du
magst Atheist oder Agnostiker sein, aber
„Heide“ bist du nicht - kannst du nie mehr
werden (so wie man nicht mehr wieder Jungfrau
werden kann), denn du wurdest getauft. Und
die Taufe durch die Konfirmation bestaetigt.

Mein Konfirmationspfarrer hat mir erklärt, daß es dreier Schritte bedarf, um Mitglied der christlichen Gemeinde und damit Christ zu werden: Taufe, Konfirmation und Teilnahme am Abendmahl - den letzten Teil hab ich mir gespart.
Pingeligerweise müsste man mich also nach dieser Definition als nicht-Christen bezeichnen - und da kann ich seeehr pingelig sein.
Wenn man Heide als Ungläubiger definiert, bin ich auch einer. Wenn man aber Heide als Ungetaufter versteht, bin ich nicht so ganz jungfräulich… *g*
Überhaupt stellt sich mir da gerade die Frage, was mein Bruder wohl sein mag: er ist konfirmiert, incl. Abendmahl, obwohl er nie getauft wurde…

Gruß
Sibylle

„Heide“ bist du nicht - kannst du nie mehr
werden

stimmt! aber vielleicht ist es ihr schnurzpiepsegal was das interne rechtssystem einer gemeinschaft sagt, die ihr schnurzpiepsegal ist :smile:)) stell dir vor du wurrdest als baby von einem woodoopriester mit katzenblut besprengt und es hatte geheißen „ab jetzt bist du ein zombie auf immer und ewig“. nun? so what. :smile:

datafox

1 „Gefällt mir“

Hai, Datenfuchs,

aber vielleicht ist es ihr schnurzpiepsegal was das
interne rechtssystem einer gemeinschaft sagt, die ihr
schnurzpiepsegal ist :smile:))

das ist hübsch ausgedrückt… :smile:

Gruß
Sibylle

Hallo Sibylle,

Mein Konfirmationspfarrer hat mir erklärt, daß es dreier
Schritte bedarf, um Mitglied der christlichen Gemeinde und
damit Christ zu werden: Taufe, Konfirmation und Teilnahme am
Abendmahl - den letzten Teil hab ich mir gespart.

da handelt es sich wohl um ein häufig auftretendes Missverständnis.

Es ist ein Unterschied zwischen „Mitglied einer christlichen Gemeinschaft“ und „Christ“.

Die obigen Kriterien legen die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde fest.
Um Christ zu werden, bedarf es lt. Bibel ganz anderer Voraussetzungen.

Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“ (Joh.1,12-13)

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“ (Matth.7,21)

Überhaupt stellt sich mir da gerade die Frage, was mein Bruder
wohl sein mag: er ist konfirmiert, incl. Abendmahl, obwohl er
nie getauft wurde…

Da stellt sich mir die Frage, wie jemand konfirmiert werden kann, wenn er nicht getauft ist.

Gruss Harald

1 „Gefällt mir“

Hai, Harald,

Es ist ein Unterschied zwischen „Mitglied einer christlichen
Gemeinschaft“ und „Christ“.

Da scheinen wieder lauter Meinungen auseinanderzugehen - mein damaliger Pfarrer war der Meinung, daß zum Christ sein auch die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde gehört…ziemlich wirrer Haufen, diese Christen (bitte nicht persönlich nehmen - ich bin nur immer wieder verblüfft darüber, wieviele, teils konträre Meinungen sich unter dem Dach des Christentums versammeln)

"Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in
das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines
Vaters im Himmel.
" (Matth.7,21)

also doch Heide…

Da stellt sich mir die Frage, wie jemand konfirmiert werden
kann, wenn er nicht getauft ist.

Eigentlich ganz einfach: Nicht getaufter Junge - Mama stirbt - Junge zieht zu Tante - alle Kumpels werden konfirmirt - Junge will auch - Pfarrer sagt nein - Tante geht zu Pfarrer und „nimmt ihn sich zur Brust“ von wegen ungerecht und armer Junge und blahfaseltexttext (wobei ich nicht weiß, ob sie Tacheles wegen der nicht vorhandenen Taufe geredet hat, oder einfach behauptet, daß der Taufschein verloren gegangen wäre - letzteres hätte aber überprüft werden können, oder?) - Pfarrer konfirmiert Jungen (wahrscheinlich aus lauter Panik, daß sonst das Tantchen wieder auftaucht *ggg*)…
…ist aber nicht sooo schlimm - dafür wurde ich gleich zweimal getauft.

Gruß
Sibylle

Haarespalten
Hallo Sibylle,

"Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in

das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines
Vaters im Himmel." (Matth.7,21)

also doch Heide…

Nein, eben nicht. Auch einem getauften, konfirmierten Christen, der
sein lebenlang in die Kirche gegangen ist und an Gott geglaubt
hat, kann das Himmelreich verwehrt bleiben, wenn er sich ent-
sprechen (daneben) benommen hat.
Ich hab grad meinen Duden gewaelzt und bin
dort zumindest teilweise in meinem Sprachempfinden bestaetigt
worden, dass ‚Heide‘ mehr ist als nur ‚nicht-an-Gott-glauben‘,
sondern jemand, der die ‚Heilsbotschaft‘ noch nicht gehoert
hat und --> noch bekehrt werden muss. „Heide“ wurde ja
eigentlich immer im Zusammenhang mit missionarischen Versuchen
benutzt.

Ich moechte betonen, dass es mir hier ums Sprachliche geht,
ansonsten ist mir das genauso piepschnurzwurscht oder wie
Datafox das ausgedrueckt hat.

Vielleicht sollten wir die Diskussion darueber aber ins
Deutschbrett verlegen.

Gruesse
Elke

Ein Agnostiker ist ein Ungläubigere mit Abitur

…du magst Atheist oder Agnostiker sein, aber „Heide“ bist du nicht

  • kannst du nie mehr werden (so wie man nicht mehr wieder Jungfrau
    werden kann).

Liebe Jungfrau Elke,
da ich meine Sozialisation in Bayern erlebte, ist der Begriff „Heide“
mir durchaus vertaut. Als Evangele im katholischen Bayern kommt man
sich so vor, wie ein ungewolltes Kind - dazu noch unehelich.
Heide, dieser Ordmungsbegriff war das schlimmste Schimpfwort das ich
kannte in meiner Jugend.
Hermeneutik: Ein Heide ist ein armer Nichtchrist. Alle Heiden kommen
übrigens in die Hölle. Als Evangelischer muß ich wohl für einige Zeit
ins Purgatorium. Und danach darf ich vielleicht ins Paradies - aber
nur in eine Ecke. Und das habe ich dem Mönch aus Eisenach zu
verdanken.
Alexander

Hallo Sibylle,

Es ist ein Unterschied zwischen „Mitglied einer christlichen
Gemeinschaft“ und „Christ“.

Da scheinen wieder lauter Meinungen auseinanderzugehen - mein
damaliger Pfarrer war der Meinung, daß zum Christ sein auch
die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde gehört…

das ist eine Frage von Ursache und Wirkung.

Die Zugehörigkeit zu einer Kirche macht aus Dir keinen Christen.
Aber die Versammlung von Christen bildet eine Kirche.
Gemeinschaft ist eine Folge von gelebtem Christentum aber keine Vorbedingung.

Da stellt sich mir die Frage, wie jemand konfirmiert werden
kann, wenn er nicht getauft ist.

Eigentlich ganz einfach: Nicht getaufter Junge - Mama stirbt -
Junge zieht zu Tante - alle Kumpels werden konfirmirt - Junge
will auch - Pfarrer sagt nein - Tante geht zu Pfarrer und
„nimmt ihn sich zur Brust“ von wegen ungerecht und armer Junge
und blahfaseltexttext (wobei ich nicht weiß, ob sie Tacheles
wegen der nicht vorhandenen Taufe geredet hat, oder einfach
behauptet, daß der Taufschein verloren gegangen wäre -
letzteres hätte aber überprüft werden können, oder?) - Pfarrer
konfirmiert Jungen (wahrscheinlich aus lauter Panik, daß sonst
das Tantchen wieder auftaucht *ggg*)…

Du hast Recht: „ziemlich wirrer Haufen …“ *g*

Gruss Harald

Hallo Elke,

lass mich auch ein wenig haarespalten

Auch einem getauften, konfirmierten
Christen, der
sein lebenlang in die Kirche gegangen ist und an Gott geglaubt
hat, kann das Himmelreich verwehrt bleiben, wenn er sich ent-
sprechen (daneben) benommen hat.

nur wenn er sich wissentlich daneben benommen hat!
Und da stelle ich die Frage: Wie kann ein Mensch ernsthaft an Gott glauben und sich dennoch absichtlich daneben benehmen?

Ich moechte betonen, dass es mir hier ums Sprachliche geht,

Also sprachlich gesehen waren die Heiden (Gojim) als Gegensatz zu den Juden zu verstehen. In neueren Übersetzungen steht statt Heiden das Wort Völker.

Gruss Harald

HuHu, Elke,

nu hab ich die ganze Zeit gegrübelt, was an der, eigentlich ja rein sprachlichen, Definition so hakt - nu hab ich’s raus!

sondern jemand, der die ‚Heilsbotschaft‘ noch nicht gehoert
hat und --> noch bekehrt werden muss.

Genau hingehört steckt da 'ne religiöse Arroganz drin: die Möglichkeit, die „Heilsbotschaft“ schon mal gehört zu haben und trotzdem nicht bekehrt zu sein, ist überhaupt nicht vorgesehen…

Da wird man ja ganz husch - ich okkupier jetzt einfach den Begriff Halb-Heide für mich - so!

„Heide“ wurde ja
eigentlich immer im Zusammenhang mit missionarischen Versuchen
benutzt.

Missionieren wollen mich schon diverse christliche Gruppen: die Zeugen, die Mormonen, irgendwelche „Erleuchteten in Christu“ (oder wie die sich genannt haben)

ansonsten ist mir das genauso piepschnurzwurscht oder wie

Genau!

Gruß und Nu-is-aba-jut
Sibylle