Heidegger und das 3. Reich

Martin Heidegger ist bekanntlich einer der großen deutschen Philosophen, wird auch heute noch so gesehen.
Nun ist bekannt, dass er sich schon früh den Nazis anbiederte. Auch 1944 glaubte er noch an den Endsieg!
Wieso ist er dann heute noch so populär, wird als einer der ganz Großen angesehen?
Gruss, Stucki

hallo!
zunächst man sollte man bedenken, dass man hinterher immer schlauer ist. das sog. III. reich ist von konservativen intellektuellen vor 1933 geradezu herbeigesehnt worden. die meisten wünschtenb sich sicher weder weltkrieg noch massenmord.
die nazis werden heute als prollige halb-idioten dargestellt. tatsächlich hatte die nsdap schon lange vor 1933 bei den studenten, insbes. den ärzten (wegen der rassistisch-rassebiologischen orientierung) und den juristen (wegen der antidemokratischen gesinnung der damaligen juristen) die absolute mehrheit. vele sahen damals die nsdap als etwas revolutionär neues an so wie man in den 80er jahren die „grünen“ als etwas revolutionär neues ansah? und haben medien, justiz und öffentlichkeit nicht den „grünen“ ihre rechts- und normbrüche ebenso nachgesehen wie die justiz und bevölkerung den nazis damals die ihren???
von daher war heidegger nur einer unter vielen. so weit ich weiss hat heidegger das sog. III. reich damals begeistert begrüßt, ich glaube als rektor der uni heidelberg (?), sich bald danach aber enttäuscht abgewendet. wie so viele konservative denker, aber da war es dann schon längst zu spät.
die entscheidende frage ist doch: kann man ein experte auf seinem gebiet sein, wenn man anderswo fehler hat? bill clinton ist mit sicherheit ein guter präsident gewesen, aber moralisch ist er unter aller kanone! in deutschland haben nach 1945 viele leute weiter karriere gemacht, die vor 1945 fanatische nazis waren. und nach 1990 dasselbe mit den sed-leuten. im fall der raketen-forscher um wernher von braun war das sogar den amerikanern egal, hauptsache, die schlagen die russen im weltraum.
die frage ist also: kann man fachliche leistung und persönliche integrität trennen?
und die zweite frage: räumt man den menschen ein recht auf irrtum ein?
und die dritte frage an jeden von uns: sind wir selbst nicht oft bereit, unsere moralischen standards über bord zu werfen, wenn es unsere finanziellen oder sonsigen interessen betriffft?
mfg frank

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zunächst man sollte man bedenken, dass man hinterher immer schlauer ist.

> Aha! Das 3. Reich war also nur ein kleiner Irrtum, dem man schon mal erliegen konnte … auch Geistesgrößen natürlich …

vele sahen damals die nsdap als etwas revolutionär neues an so wie man in den 80er jahren die „grünen“ als etwas revolutionär neues ansah? und haben medien, justiz und öffentlichkeit nicht den „grünen“ ihre rechts- und normbrüche ebenso nachgesehen wie die justiz und bevölkerung den nazis damals die ihren???

> Man muss die Grünen nicht unbedingt lieben, um den Vergleich mit den Nazis schlicht ansurd zu finden!

von daher war heidegger nur einer unter vielen. …

> Peinlicherweise war er Philosoph, einer der ganz großen in Deutschland, der just über Dinge wie das Leben der Menschen, Gesellschaftsordnungen usw. - kurz: Einer der darüber nachdenkt, was „die Welt (geistig) im Innersten zusammenhält“. Das war nicht einer unter vielen!

… in deutschland haben nach 1945 viele leute weiter karriere gemacht, die vor 1945 fanatische nazis waren.

> Adenauer ist wegen Globke schwer angegriffen worden. Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Filbinger musste zurücktreten.

… und nach 1990 dasselbe mit den sed-leuten. im fall der raketen-forscher um wernher von braun war das sogar den amerikanern egal, hauptsache, die schlagen die russen im weltraum.

> Richtig, aber das führt vom Thema weg.

… und die zweite frage: räumt man den menschen ein recht auf irrtum ein?

> Wenn Du das so siehst … denn man Schwamm drüber! Leider fiel mir nichts Ironischeres ein.

Gruss, Stucki

Sehe ich auch so…
Wer Philosoph ist und meint er ist sensibel für Soziale Regungen etc darf sich doch nicht von Parolen usw verblenden lassen… wo bleibt da die Nachforschung? Da könnte ja jeder was erzählen

Auch 1944 glaubte er noch an den Endsieg!

Ähm, das stimmt nicht. Heidegger hat zwar anfangs mit der NSDAP geliebäugelt, hat aber recht schnell erkannt, wes Geistes Kind sie sind. Allerdings hat er sich nicht aktiv gegen sie gestellt, sondern hat sich ziemlich passiv verhalten (wie ca. 90 % der Deutschen in dieser Zeit).

Wieso ist er dann heute noch so populär, wird als einer der
ganz Großen angesehen?

Na ja populär ist wohl etwas übertrieben, aber daß er zu den Großen gezählt wird, ist m.E. völlig gerechtfertigt.

Gandalf

Auch 1944 glaubte er noch an den Endsieg!

Ähm, das stimmt nicht.

Aussage Prof. Dr. Hans Maier, ehemaliger Kultusminister von Bayer, in einem Vortrag, basierend auf einem persönlichen Erlebnis damals.

Heidegger hat zwar anfangs mit der NSDAP
geliebäugelt, hat aber recht schnell erkannt,
wes Geistes Kind sie sind.

Ja, als Rektor in Heidelberg hat er wohl zumindest nicht mitgemacht bei der Hatz gegen andere Professoren und Uni-Angehörige.
Gruss, stucki