Nationen…
Hi Heinrich und alle anderen,
Deine oder die Erklärung Deines Freundes ist vollkommen korrekt. Ausser der Verwendung des Begriffs der Nation.
Begrifflichkeiten wie „Nation“ oder „Volk“ nach
unserem heutigen Verständnis waren unbekannt oder nur in
Ansätzen vorhanden.
Nunja, so etwas wie ein ‚Stammesempfinden‘ [‚die vom Berg‘, ‚die vom Tal‘ etc.] gab es schon, das war aber regional gebunden. Ds erklärt sich, und hier bin ich schon beim Ursprung der ‚Nation‘, mit der Tatsache, dass man in einer bestimmten Gegend geboren wird. Nation kommt von ‚natus‘. Ein Beispiel: an den Kathedralschulen und Universtitäten taucht die Bezeichnung ‚Nation‘ sehr früh auf. Die Studenten waren in Nationen eingeteilt, die ihrer Geburt in der entsprechenden Region oder dem Herrschaftsgebiet entsprach. In dieser Einheit der Nation wurde auch Politik betrieben. Der Universtitätsstreit in Paris um 1250 war ein Streit zwischen der Picardischen und der Französischen Nation. Die Rektoratswahl beispielsweise war über die Nationenversammlung geregelt.
Im Gegensatz z.B. zu
Frankreich war das „Heilige Römische Reich“ kein einheitlicher
Staat, sondern ein Konglomerat aus vielen unterschiedlichen
Gebieten. Ein „Nationalverständnis“ gab es kaum.
Der Mythos vom einheitlichen Frankreich ist scheinbar immernoch aktiv. Frankreich war mindestens genauso heterogen wie das HRR. Der einzige Unterschied bestand in den regionalen Kompetenzen, die im HRR ausgeprägter waren und den Wahlverfahren für die oberste Instanz.
Sicherlich gab es kein ‚Nationalverständnis‘ aber bestimmt ein Regionalverständnis, das mit unserem heutigen Verständnis von ‚National‘ zu vergleichen ist.
… wurden Konzile eingeführt, u.a. das bekannte
Konstanzer Konzil. Damit die verschiedenen Machtgruppen
angemessen vertreten waren auf diesen Konzilen, wurden die
Sitze nach „Nationen“ verteilt. So gab es Sitze für die
„deutsche Nation“, für die „französische Nation“, für die
„spanische Nation“ usw.
Diese politische Einteilung von Versammlungen in Nationen gab es, wie bereits erwähnt, schon weitaus länger und ist sicherlich keine Erfindung der Konzile im 15. Jh. Es ist wahrscheinlich, dass die Organisation der Konzile sich das an der Universitätsverwaltung des 13. Jh. abgeschaut hat. Schliesslich lief auch die Finanzierung der Studien im MA über die Nationenhäuser in den Universitätsstädten und deren Zugehörigkeit zu den Bistümern.
Die wahrscheinlichste Erklärung ist die Erste von Heinrich, nämlich dass mit der Zeit der Titel des ‚deutschen Königs‘ gleichbedeutend mit der Funktion des ‚römischen Kaisers‘ wurde.
Liebe Grüsse
Y.-